Flugblatt der Deutschen Wehrmacht – 20.6.1940


Heute gibt es schon wieder ein Flugblatt zu sehen.

Im Unterschied zum sowjetischen Flugblatt von neulich ist dieses eins von der Deutschen Wehrmacht für die deutschen Soldaten.

Es ist an die 1. Gebirgs-Division gerichtet. Sie erreichte traurige Bekanntheit durch ihre Teilname am Polenfeldzug,  Westfeldzug, in Griechenland, im Balkanfeldzug, im Krieg gegen die Sowjetunion und ab 1943 zum Partisanenkampf erneut auf dem Balkan eingesetzt. Die Division wurde auch Edelweiß-Division und von Adolf Hitler als „seine Garde-Division“ bezeichnet und war an Kriegsverbrechen wie dem Massaker auf Kefalonia (1943) beteiligt. (weiß Wikipedia)

Hier wird die Division für ihre „Verdienste“ beim Frankreichfeldzug gefeiert. Details lest ihr ebenfalls bei Wikipedia.

 

Beeindruckend ist die folgende Information: „Rund 1.810 Kilometer wurden im Schnitt von jedem Soldaten zu Fuß zurückgelegt, 445 Kilometer motorisiert und 2.950 Kilometer mit der Bahn, den Transport vom polnischen zum französischen Kriegsschauplatz mitgerechnet.“ (Wikipedia)

Interessant finde ich, dass das Flugblatt ohne das sonst unvermeidliche „Heil Hitler!“ endet. Der Unterzeichner ist übrigens Ludwig Kübler – ein auf dem Balkan hingerichteter Kriegsverbrecher.

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Sowjetisches Flugblatt – September 1941


Heute habe ich etwas für euch, das nicht einfach zu finden ist. Ein sowjetisches Flugblatt, abgeworfen 1941 über den deutschen Wehrmachtstruppen, nachdem sie ihren zu dieser Zeit noch anhaltenden Vormarsch auf Moskau fortsetzten.

Zu dieser Zeit gab es zahlreiche Flugblätter der Sowjetunion. Viele können in den Museen angeschaut werden, einige im Internet. Meins habe ich unter anderem im Bestand der Staatsbibliothek  (Signatur: Einbl. 1939/45, 8725. K 175) gefunden.

Ein Gefängnis in Form eines Hakenkreuzes, hier „Konzlager“ genannt und Himmler als der „Bluthund“ Hitlers. Die Erwähnung von „acht Jahren der blutigen Hitlerherrschaft“ würde auf 1940 schließen lassen. Allerdings wurde die Sowjetunion erst 1941 angegriffen, so dass ich von einem Rechenfehler des Designers ausgehe. Er hat wahrscheinlich 1933 + 8 gerechnet, ohne zu beachten, dass 1933 ja bereits das erste Jahr unter Hitler war. Dieses Flugblatt erschien im September 1941 in einer Auflage von einer halben Million.

Die Opferzahlen auf der Vorderseite sind noch relativ niedrig.

 

Um die Soldaten zu ermuntern, das Flugblatt länger zu behalten oder gar nach dem Lesen an Kameraden weiterzugeben, wurde auf der Rückseite ein Zählreim a la „Zehn kleine Negerlein“ abgedruckt. (klickt auf das Foto für eine größere Version)

Der Besitz und die Verbreitung innerhalb der Truppe dürfte seinerzeit mit nicht unerheblichen Repressalien verbunden gewesen sein. Solch ein Flugblatt also mit sich herumzutragen, war kein leichtes Vergehen.

 

Wie in fast jedem Flugblatt befindet sich auch auf diesem am unteren Rand ein „Passierschein“ in deutscher und russischer Sprache, der es dem Soldaten schmackhaft machen sollte, sicher auf die Seite der Roten Armee überlaufen zu können. Ob es tatsächlich sicher war, mit diesem Flugblatt zu wedeln und keine Kugel in die Brust zu bekommen (in den Rücken eher), kann ich nicht sagen.

Ein schönes Zeitdokument, wie ich finde. Die Nummerierung der Vorderseite (265) und der Rückseite (309) lässt mich vermuten, dass die Druckvorlagen in unterschiedlicher Gruppierung ausgegeben wurden.

Ein Flugblatt der Deutschen Wehrmacht gibt es hier.

 

 

Flugblatt Reichskolonialbund


Über deutsche Kolonien gab es in älteren Artikeln an dieser Stelle schon einiges zu erfahren. Mühsam erobert, haben wir sie mit der Niederlage des Ersten Weltkrieges an die Sieger abtreten müssen.

Ungeachtet dessen, daß üblicherweise die Kolonialmacht erheblich größeren Nutzen aus einer Kolonie zieht, als die Bewohner der annektierten Gebiete, auch wenn es ihnen häufig anders erzählt wurde, betrachte ich Kolonien nicht als Notwendigkeit, sein Volk zu ernähren und zu versorgen.

Anders war das in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg und bis zum Zusammenbruch des Dritten Reiches. Man fühlte sich durch die Siegermächte und die Fortnahme der Deutschen Kolonien betrogen. Die große Zahl Arbeitsloser war ein willkommenes Propagandamittel um die „Volk ohne Raum„-Expansion zu legitimieren.

Reichsstatthalter General Franz Ritter von Epp wurde 1936 zum Bundesführer des Reichskolonialbundes ernannt. Das war die gleichgeschaltete Organisation aller deutschen Organisationen, die sich die Wiedererlangung und Neueroberung von Kolonien auf ihre schwarz-weiß-roten Fahnen geschrieben hatten.

Im Text wird um eine Mitgliedschaft im Reichskolonialbund geworben. „… Volksgenossen und =genossinnen, stellt Euch in der kolonialen Kampffront hinter den Führer und werdet Mitglied im Reichskolonialbund!“

Die Argumente oben entstammen einer Rede Hitlers: „Die 136 Menschen auf den Quadratkilometer in Deutschland können – selbst bei den größten Anstrengungen und genialster Ausnützung des vorhandenen Lebensraumes – ihre vollkommene Ernährung aus dem Eigenen nicht finden … Wenn das deutsche Volk und das Deutsche Reich nicht fünfzehn Jahre lang ausgepreßt und um seine gesamten internationalen Ersparnisse gebracht worden wäre, wenn es nicht seine gesamten Auslandskapitalien verloren hätte, und wenn es vor allem noch seine eigenen Kolonien besäße, dann würden wir die Aufgaben jedenfalls leichter zu meistern in der Lage sein. … Deutschland kann nicht auf die Lösung seiner kolonialen Forderungen verzichten. Das Lebensrecht des deutschen Volkes ist genau so groß wie die Rechte der anderen Nationen.“ (Proklamation des Führers auf dem Parteitag der Ehre)

Ich habe zwar noch eine Biographie über Herrn Ritter von Epp in meinem Regal, aber gelesen habe ich sie ehrlich gesagt, noch nicht. Sie stammt aus dem Jahr 1939 und müsste eigentlich Infos zum Reichskolonialbund enthalten. Mal sehen.

 

 

Da unter der Überschrift zu lesen ist „Bundesführer: Reichsstatthalter General Ritter von Epp“ und er diesen Titel nur zwischen 1936 und 1943 führte, desweiteren das Hitler-Zitat vom Reichsparteitag im September 1936 stammt, datiere ich unseren heutigen Artikel des Tages auf die Zeitspanne zwischen 1937 und 1943.

Die Flagge des Reichskolonialbundes in farbig kann uns Wikipedia zeigen, auf dem Flugblatt ist sie ja nur schwarz-weiß:

„Flagge Reichskolonialbund2“ von Fornax – Own work by uploader. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons – http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Flagge_Reichskolonialbund2.svg#/media/File:Flagge_Reichskolonialbund2.svg

 

 

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