Hochzeitsfoto 1909


Ich habe wieder etwas gefunden, das ich euch nicht vorenthalten möchte: Das Hochzeitsfoto meiner Urgroßeltern. Nachdem ich euch vor viereinhalb Jahren bereits in einem Artikel über ihre Verlobung berichtet hatte (siehe hier: Verlobungs-Glückwünsche), kam es am 1. Juni 1909 schließlich zur Hochzeit.

 

Das Brautpaar in der Mitte, die Freunde meines Urgroßvaters aus der Studentenvereinigung zur Seite, die Väter im Hintergrund und am Rand und die Mütter des Brautpaares schüchtern in der Gartentür.

Den Bräutigam kennen wir schon von hier. Nun schließt sich auch der Kreis zur Widmung auf dem studentischen Tablett. Einer der Studenten ist somit August Schäfer, die anderen seine Leibburschen. Wer die hübschen Damen an den Armen der Herren sind, ist mir zur Zeit nicht bekannt.

Die Brauteltern gibt es auch in ernst:

 

Ebenso die Braut:

ein Jahr vor ihrer Heirat:

 

Die Eltern des Bräutigams waren da schon besserer Laune:

 

Und zum Abschluß habe ich euch ein Foto rausgesucht, das den Bräutigam ein paar Jahre später in seiner  Drogerie zeigt. Zu seiner Seite stehen die Lehrlinge und der Buchhalter. Unten in der Mitte der selbstgemachte Hundekuchen für 30 Pfennig das Pfund.

Die Germania-Drogerie in Erfurt gibt es heute nicht mehr. Sie ist nun zum Drogerie-Bistro geworden und einen Besuch wert. (zur Webseite)

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Bitte nicht so freundlich! – Ernst schauen auf alten Fotos


Habt ihr euch schon einmal gefragt, wieso auf alten Fotos alle immer so ernst dreinschauen?

 

Die Antwort darauf ist recht simpel. Die Fotos von damals, so wie oben am Beispiel meiner Ur- oder Ururgroßmutter zu sehen, wurden noch nicht auf Filmen aufgenommen, sondern auf Fotoplatten. Die hatte ich euch hier schon einmal vorgestellt. Das waren Glasplatten, die mit einer lichtempfindlichen Auflage versehen waren. Wurde die Fotoplatte in der Kamera dem Licht ausgesetzt, entstand das Negativ. Das Prinzip ist bei allen Filmkameras gleich geblieben. Lediglich die Lichtempfindlichkeit der Filme wurde verbessert. Das Ergebnis: ein kurzes Klick, die Linse wird geöffnet und sofort wieder verschlossen – fertig.

Damals ging das nicht so schnell. Der Kameradeckel wurde entfernt bzw. die Abdeckung der Fotoplatte wurde herausgezogen. Nun hieß es warten – bei neueren Modellen nur 5 Sekunden, ganz früher bis zu einer halben Minute musste man absolut reglos sitzen oder stehen und möglichst nicht mal mit den Augen zwinkern. Kein Wunder, daß man ernst dreinschaut. Wer länger als 10 Sekunden unbewegt lächeln will, sieht ganz schön dämlich aus.

Das Ergebnis solch einer Aktion war eine Fotografie, die dann auch etwas Besonderes darstellte. Es gab nur ein Motiv, das mehrmals entwickelt und den liebsten Freunden und Verwandten zugeschickt wurde. An das lawinenhafte Überschütten der Umwelt mit Selfies war nicht zu denken. Der Fotograf Photograph war ein angesehener Mann, der sein Handwerk verstand. Und das tat er kund. Jedes Foto wurde früher noch auf eine Trägerpappe aufgeklebt. Die wurde auf der Vorderseite beschriftet. Allerdings nicht mit dem Namen der abgebildeten Person. Nein, der Photograph wurde verewigt.

Und die Rückseite der Photos wurde ebenfalls mit Eigenwerbung versehen. Schließlich bekam der Fotografierte ja das Foto und wusste, wer drauf war.

 

 

Trautes Heim – kein Glück allein


Ich habe ein paar Fotos gefunden.

Vor einigen Monaten habe ich euch über die Geschichte meiner Oma und ihrer ausgebombten Wohnung erzählt. Dieser Artikel hat viel Resonanz erzeugt. Ebenso die Geschichte zum Schicksal meines Opas.

Daher bin ich besonders stolz, daß ich diese wenigen Fotos der Wohnung gefunden habe, in der meine Oma zur dreifachen (eigentlich sogar vierfachen) Mutter und einfachen Witwe wurde und die ihr letztendlich über dem Kopf weggebombt wurde.

Meine Oma und mein Opa sitzen frisch verheiratet in der ersten (und einzigen) gemeinsamen Wohnung. Er in zivil, eine Zigarette drehend, sie in ein Buch vertieft.

Weitere Fotos mit dem Esstisch, vier Stühlen, einem Buffet mit der typischen 1930-er-Jahre Uhr und daneben eine Blumen-Etagere.

Unten links die Küche mit Herd, Waschtisch, Küchenwaage, Brotschneidemaschine und einer Küchenuhr, die mir in der Vergangenheit schon mehrfach begegnet ist.

Schließlich unten rechts, der Ort an dem indirekt auch meine Geschichte begann – das Schlafzimmer mit Ehebett, Kommode und Dreifach-Spiegel.

Einfach eingerichtet aber zweckmäßig. Wieviele Zimmer es in der Wohnung insgesamt gab, weiß ich nicht. Da aber zumindest für kurze Zeit drei Kinder und eine Mutter dort gewohnt haben, sollten es mindestens zwei gewesen sein.

Da meine 1937 geborene Tante bei der Wohnungseinrichtung noch nicht berücksichtigt gewesen zu sein scheint, datiere ich die Fotos einfach mal auf 1935/36.

gelbes Licht für tiefe Photos


Am 11. März 1911 war es soweit: Auguste Lumière schloß sich mit dem Groß-Industriellen Joseph Jougla zusammen. Aus den beiden größten Herstellern von Fotoplatten und Fotopapier wurde Lumière & Jougla mit Auguste Lumière als Präsident und Joseph Jougla als Besitzer der Aktienmehrheit.

Frankreich als Heimat der Fotografie und besonders der Farbfotografie besaß einen wachsenden Markt. Die Brüder Lumière verwendeten bereits um 1900 das selbst erfundene Prinzip der Autochromdiapositiv-Fotografie. Feine Farbpigmente aus Kartoffelstärke, die sie in ein Rußbett legten, werden zur Darstellung von Farben durch stark überbelichtete Negativplatten zur Entwicklung verwendet. Durch die geschickte Vermarktung dieser Technik erlangten sie schnell einen großen Marktanteil. Jougla hingegen verdiente ein Vermögen am Verkauf herkömmlicher Fotopapiere und –platten.

Die neu entstandene Firma

  • Union Photographique Industrielle
  • Lumière & Jougla
  • Reunis

war auf eine Zusammenarbeit von 60 Jahren ausgelegt.

Der heutige Artikel stammt aus der Zeit zwischen 1911 und 1928. Nur in diesem Zeitraum hieß die Firma so. Danach wurde sie in  umbenannt.

Eine sehr hübsches kleines Pappkästchen. Und was ist drin?

Ein Glasfilter um für Fotos durch das herausfiltern von Licht einer bestimmten Farbe größere Tiefe oder besondere Effekte zu erzielen. Der Filterhersteller Schneider aus Kreuznach schreibt: „Gelbfilter können beispielsweise Landschaftsaufnahmen zu mehr Brillanz verhelfen und Pflanzengrün besser differenzieren, Gelb- und Orangefilter aus Wölkchen Wolken und Wolkengebirge zaubern, Rotfilter sie gar bis auf dramatische Gewitterstärke steigern oder Mondlichteffekte bei Tag erzeugen.“

Wolken und Mond hatte ich leider nicht zur Hand, aber das gleiche Foto wie hier oben sieht mit (dilettantisch davorgehaltenem) Gelbfilter so aus:

Mit etwas mehr Ahnung, Zeit und schönem Wetter kann man dank eines Gelbfilters erstaunlich gute Farbfotos anfertigen. Das hatte ich früher schon einmal mit meiner Zeiss Ikonta ausprobiert, die ich euch in diesen beiden Artikeln vorgestellt hatte. Sollte es wieder Frühling werden, verknipse (oh oh, schon durch die Fotografenprüfung gefallen) ich euch meine Rollfilme und stelle das Ergebnis vor.

Die oben vorgestellte Technik der Autochrom-Fotografie habe ich übrigens in der Ausstellung bzw. dem dazugehörigen Katalog „1914 – Welt in Farbe – Farbfotografie vor dem Krieg“ gefunden. Darüber hatte ich bereits in diesem Artikel geschrieben.

Ein Bild sagt mehr …


 

Es gab Zeiten, da wurden Fotos noch nicht auf SD-Karten und USB-Sticks gespeichert. Damals musste man sich noch gut überlegen, ob ein Motiv wirklich wert war, dafür eines der nur 12, 24 oder 36 Bilder des Rollfilms zu benutzen.

Aber davor gab es Zeiten, in denen jedes Foto auf eine eigene Glasplatte aufgenommen wurde. Vor der Erfindung des Zelluloids (aus dem die ersten Rollfilme hergestellt wurden) musste eine lichtempfindliche Emulsion entweder auf Metall oder auf Glas aufgebracht werden. Um die Jahrhundertwende hatte sich Glas durchgesetzt. Es war zwar zerbrechlicher als Metall, aber preiswerter in der Herstellung.

Jede Glasplatte für ein einzelnes Foto steckte in einer Metallkartusche. Die sah so aus. (das Glas fehlt hier natürlich, es wurde ja nach dem fotografieren zur Entwicklung entnommen). Damit kein Licht auf das Glas fiel, wurde es durch eine Metallplatte geschützt (links) die vor und nach dem Fotografieren eingeschoben sein musste.Photoplatten Agfa Isochrom Filmpack

 

Es gab verschiedene Filmpacks. Je nach Kameramodell wurden unterschiedliche Kartuschen benötigt. Hier ein anderes Modell. Hülle ab, Platte in die Box-Kamera, auslösen, Platte raus, Schutzhülle drüber, fertig.Photoplatten Agfa Isochrom Filmpack

 

Um mehrere Fotoplatten stoßsicher und sauber unterwegs dabeihaben zu können, gab es praktische Etuis. Hier ist eins.Photoplatten

 

Aber viel hat nicht hineingepaßt.

Photoplatten

 

 

Meine Oma hat seinerzeit als Kind und Jugendliche in unserem Fotogeschäft ausgeholfen. Das war in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Sie hat mir erzählt, wie die Fotoentwicklung damals vonstatten ging: Die entwickelte Glasplatte wurde in einen kleinen Holzrahmen geschoben. Hinter die Photoplatte wurde ein Blatt Photopapier gesteckt. Das wurde für alle zu entwickelnden Fotos wiederholt. Danach stellte sie alle Photoplatten vor dem Laden in die Sonne. Nun wurde das Negativ von der Photoplatte auf das Papier übertragen. Alle fünf bis zehn Minuten musste sie nachsehen, ob das Photopapier schon dunkel genug war. Wenn nicht, wurde weitere fünf Minuten gewartet, bis die gewünschte Belichtung erreicht war. Zum Schluß kam das Photo in ein Entwicklerbad um den Prozess abzuschließen.

Daraus könnt ihr ersehen, wie unempfindlich das Photopapier in den Anfängen der Fotografie war. Eine Dunkelkammer war da nicht notwendig.

Einige Glasplatten habe ich noch. Das Foto der Lieblingspuppe meiner Großtante hat sie mir mal gegeben. Ich habe versucht, die Glasplatte vor einem weißen Hintergrund zu fotografieren um euch das Ergebnis zu zeigen.

Photoplatte Negativ

 

Da die Photoplatte natürlich ein Negativbild enthält, habe ich es für euch invertiert. Da ist sie.

Photoplatte

3D-Bilder vor der Jahrhundertwende


Der neulich vorgestellte Stereo-Dia-Betrachter aus der DDR war bei weitem keine Erfindung dieser Zeit. Vielmehr wurden bereits in den 1870er Jahren erste Stereo-Fotografien angefertigt.

Einige davon besitze auch ich. Hier seht ihr Aufnahmen von Paris und Umgebung:

Stereoview Paris

Das dazugehörige Stereoscope ist mir leider zerfallen. Es war einfach zu alt. Hier könnt ihr sehen, wie so ein Ding aussieht. Ich hatte so eins zum In-der-Hand-halten mit Lichtschutz oben drüber.

Mehr 3D-Bilder aus anderen Zeiten findet ihr hier.

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