Flugblatt der Deutschen Wehrmacht – 20.6.1940


Heute gibt es schon wieder ein Flugblatt zu sehen.

Im Unterschied zum sowjetischen Flugblatt von neulich ist dieses eins von der Deutschen Wehrmacht für die deutschen Soldaten.

Es ist an die 1. Gebirgs-Division gerichtet. Sie erreichte traurige Bekanntheit durch ihre Teilname am Polenfeldzug,  Westfeldzug, in Griechenland, im Balkanfeldzug, im Krieg gegen die Sowjetunion und ab 1943 zum Partisanenkampf erneut auf dem Balkan eingesetzt. Die Division wurde auch Edelweiß-Division und von Adolf Hitler als „seine Garde-Division“ bezeichnet und war an Kriegsverbrechen wie dem Massaker auf Kefalonia (1943) beteiligt. (weiß Wikipedia)

Hier wird die Division für ihre „Verdienste“ beim Frankreichfeldzug gefeiert. Details lest ihr ebenfalls bei Wikipedia.

 

Beeindruckend ist die folgende Information: „Rund 1.810 Kilometer wurden im Schnitt von jedem Soldaten zu Fuß zurückgelegt, 445 Kilometer motorisiert und 2.950 Kilometer mit der Bahn, den Transport vom polnischen zum französischen Kriegsschauplatz mitgerechnet.“ (Wikipedia)

Interessant finde ich, dass das Flugblatt ohne das sonst unvermeidliche „Heil Hitler!“ endet. Der Unterzeichner ist übrigens Ludwig Kübler – ein auf dem Balkan hingerichteter Kriegsverbrecher.

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Kekse und mehr


Für mich waren leckere Kekse in der Kindheit untrennbar mit der Marke DeBeukelaer verbunden. Der Konkurrenz-Butterkeks des Bahlsen-Leibniz-Kekses hat mir so manchen Nachmittag versüßt.

Wie so viele traditionsreiche Unternehmen, wurde auch DeBeukelaer mal aufgekauft, dann wieder abgestossen und erneut übernommen. Ein Kapitel der Firmengeschichte schrieb das 1846 in Nantes gegründete französische Backwarenunternehmen Lefevre-Utile, abgekürzt LU. Lefevre-Utile stellte übrigens ganz was außergewöhnliches her – einen Butterkeks mit 52 Zähnen.

Unter den Produkten waren noch viele andere leckere Keksspezialitäten, die auf Wunsch des Firmengründers Jean-Romain Lefèvre und seiner Frau Pauline-Isabelle Utile in einer luxuriösen Verkaufsstelle und unter besonders strengen hygienischen Vorschriften hergestellt und vertrieben wurden.

Der luxuriöse Auftritt von LU nahm sein Ende, nachdem Danone das Unternehmen aufkaufte und später an Kraft Foods/Mendelez weitergab. Hier zählte Luxus nicht mehr viel, Gewinnmarge war entscheidend.

Am 17. Februar 1903 war die Welt noch in Ordnung, und Lefevre-Utile konnte unter eigenem Namen Butterkekse verkaufen. Davon soll euch das heutige Ausstellungsstück – eine Rechnung aus der Keksfabrik in Nantes – überzeugen.

Was hat Monsieur Jannot-Millet aus dem schönen Pouilly-sur-Loire bestellt?

Vanille-Waffeln, eine Italienische Mischung, kleine Butterkekse, Combinaisons (vermutlich eine Art Prinzenrolle), Salz-Kekse (Cracker?) und ein Gebäck namens Boudoir. Kekse mit einem Gewicht von 9,3kg.

Sehr einfach zu merken ist übrigens auch die Telefonnummer von Lefevre-Utile in Nantes: 2.

Kalender – Maison de la Belle Jardiniere – Paris – 1907


Erst vor wenigen Tagen habe ich euch einen recht großen Wandkalender des Pariser Kaufhauses Maison de la Belle Jardiniere aus dem Jahr 1887 vorgestellt.

Heute springe ich 20 Jahre vorwärts. Das gleiche Kaufhaus, wieder ein Wandkalender – diesmal jedoch einer zum umblättern. Während ich den Maler des vorigen Kalenders, den berühmten Émile Bayard, an seiner Signatur entziffern konnte, bin ich diesmal leider (noch) nicht fündig geworden. Ich glaube auch, daß hier mindestens zwei Künstler am Werk waren, da ein Teil der Bilder mit dem Mogramm LB und ein Teil mit einem Schriftzug signiert ist, das aussieht wie „Rilou“. Beim Januar bin ich mir noch unsicher, ob es ein dritter Maler ist.

 

Der Januar zeigt eine Boulonnaise. Heute bezeichnet man mit diesem Wort nur noch eine Pferderasse. Ursprünglich bezieht sich der Name auf eine Einwohnerin der nordfranzösischen Hafenstadt Boulogne-sur-Mer nahe Calais. Daher auch der Rahmen mit Ankern und Jakobsmuscheln und die Waterkant im Rücken der Schönen. (auf diesem Bild seht ihr die erste Signatur unten rechts)

 

Der Februar kommt mit einer Normande, einer Bewohnerin der Normandie, also einer Nachbarin entgegen dem Uhrzeigersinn von unserer Miss Januar. Die Normandie ist, wenn ich der Umrandung Glauben schenken darf bekannt für ihr Obst. Helft mir auf die Sprünge: sind das Pfirsiche oder Äpfel? Mich hat in der Normandie am meisten die Abtei Mont Saint-Michel fasziniert. (dieses Bild ist von LB signiert)

 

Der März bringt uns eine Bretonin, die deshalb so heißt, weil sie dem keltischen Stamm der Bretonen in der Bretagne angehört. Auch hier gehen wir auf der Landkarte wieder ein Stück linksherum. Aus Sicht der deutschen Sprache ist die Bezeichnung Bretonne leicht mißverständlich und könnte mit dem Zusatz „eine Spinnerin“ leicht zu Ärger führen. Aber dem Rahmen nach, war der Flachs dort weit verbreitet. (signiert von LB)

 

Mademoiselle April Vendéenne kommt, wer hätte das gedacht, aus Vendée, einer Region südlich der Bretagne mit viel Regen, wenig Sonne aber gutem Käse. Weil ihr das und der Umstand, daß sich ihre Region eisern gegen den Umschwung durch die Französische Revolution gewehrt hat, vielleicht etwas unangenehm ist, schaut sie lieber zur Seite als zu uns. Soll sie doch! (signiert mit B)

 

Was hat uns der Mai gebracht? Eine anmutige Béarnaise aus der Provinz Béarn am Fuß der Pyrenäen. Ich möchte nicht wie eine Sauce heißen, allerdings scheint es in der Gegend viele Schafe zu geben. Das wiegt einiges auf. Der Rahmen lässt auf Mais, Getreide und Feuerbohnen tippen. Was sie da in der Hand hält, ist mir jedoch ein Rätsel. (signiert LB)

 

Der Juni führt uns noch weiter entgegen dem Uhrzeiger am Rand Frankreichs entlang. Diese Ariégeoise entstammt dem Departemenet Ariège an der Grenze zu Andorra und Spanien. Wenn man dem Rahmen glauben darf, gab es dort vor 100 Jahren noch Bären in Nadelwäldern. (signiert „Rilou“?)

 

Die zweite Jahreshälfte führt uns mit dem Juli  auch in die wärmeren Gegenden Frankreichs. Arles ist eine recht große Gemeinde in der Nähe der Côte d’Azur. Heute nur noch im touristischen Einzugsgebiet, ging es den Bewohnern zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Kalenders bestimmt besser. Dem Rahmen nach könnte es dort Oliven und Bienen gegeben haben, die den Bauern ihr Einkommen gesichert haben. (signiert LB)

 

Der August driftet von unserer schönen Rundfahrt ab und setzt die Reise nun in die zentralen Regionen Frankreichs fort. Dabei geht es zuerst in die Auvergne. Was allerdings hat uns diese Auvergnate zu bieten? Sind das Klöppelspindeln und die Dame beschäftigte sich, gemeinsam mit ihren Landsleuten mit der Herstellung schöner Spitzenklöppelei-Erzeugnisse? (signiert LB)

 

Gleich westlich der Auvergne liegt, nein, nicht der September, sondern Limousin. Diese Region war der Namensgeber für unsere heutige Autoform – die Limousine. Der Name wurde abgeleitet von den dort verbreiteten edlen überdachten Kutschen. Wikipedia weiß noch mehr tolles über diese Region zu berichten: Die historische Sprache der Region ist das Okzitanische mit den Dialekten Languedokisch und Limousinisch. Diese Sprache war die Sprache der Troubadoure um 1100 bis 1300. Kuck an. Im Rahmen sind Kastanien abgebildet. (ich habe keine Signatur gefunden)

 

Der Oktober führt uns in die Bourbonnais und wird repräsentiert von dieser bezaubernden Bourbonnaise. Leider gibt es diese Provinz heute nicht mehr. Sie wurde aufgeteilt und den benachbarten Departements zugeschlagen. Laut Rahmen gibt es in der Gegend Libellen. Wen will man damit anlocken? Bis zum zehnten Kalenderblatt hat übrigens Monsieur Recylon gewartet, bis er uns mit seiner Signatur verraten hat, daß er für die Gestaltung der Rahmen zuständig war. Der Herr, über den man so gut wie nichts herausfindet, war ebenso wie Émile Bayard Maler, Grafiker und Illustrator. Seine Arbeiten wurden oft mit dem Stil von Alphonse Mucha verglichen. (Das Bild ist signiert mit LB)

 

Eine Savoisienne ist unsere Miss November geworden. In den Savoyen beheimatet, ebenso wie die Alpenveilchen und Edelweiße des Rahmens, ist sie eine Bergbewohnerin. In den Savoyer Alpen befindet sich der nach einem Füllfederhalter benannte höchste Berg Europas, der Mont Blanc. Damit sind wir fast wieder am Ausgangspunkt unserer Rundreise angekommen. (signiert „Rilou“?)

 

Das Jahr ist alt, ebenso unser Kalender-Model, der Dezember schließt den Reigen ab. Die Oma des Monats ist eine Bressane und kommt aus Bresse im Osten Frankreichs. Etwas hat sich in den vergangenen 100 Jahren in Bresse nicht geändert. Die dort gezüchteten Bressehühner sind auch heute noch eine Delikatesse und eine der wenigen Sorten, die in Deutschland mit Kopf und Füßen am Huhn verkauft werden darf. (signiert LB)

 

Damit ist das Jahr 1907 rum. Das Maison de la Belle Jardiniere hat es wieder geschafft, ein Jahr lang Eigenwerbung zu platzieren. Überraschenderweise war Paris auf keinem Kalenderblatt vertreten. Sonst mogelt es sich überall mit rein. Vielleicht wollte das Pariser Kaufhaus aber auch nur zeigen, daß Frankreich durchaus noch andere Regionen zu bieten hat. Wir wissen es nicht.

Lithographische Druckerei François Appel – Rue du Delta, 12 – Paris


Daß ich seltsame Dinge sammle, dürfte jedem meiner Besucher inzwischen bekannt sein. Fragt mich nicht, wie ich als Berliner auf die Idee gekommen bin, Werke zu sammeln, die von einer speziellen Druckerei in Paris hergestellt wurden. Aber so ist es. Einige meiner Sammelstücke habe ich euch in vergangenen Beiträgen schon vorgestellt.

Heute kommt ein Brief dazu, über den ich mich sehr gefreut habe, als ich ihn endlich in der Hand hielt.

 

Er wurde von Firma Appel am 19. Februar 1869 an Monsieur Joseph Brès in Nizza geschickt. Es ist mir leider nicht gelungen, herauszufinden, wer Joseph Brés war. Bemerkenswert finde ich aber, daß es in Nizza eine rue Joseph Brès gibt. Und die wird nicht nach ihm benannt worden sein, weil er mal einen Brief aus Paris geschickt bekommen hat.

Bedauerlicherweise kann ich den Brief auch nicht lesen, sonst könnte man aus dem Inhalt vielleicht Rückschlüsse ziehen. Kann von euch jemand helfen? Ich habe hier einen Artikel über Stadtentwicklung von Nizza gefunden, den ich aber auch nicht lesen kann. Dort wird Herr Brès mehrfach erwähnt. Vielleicht war er ein Stadtplaner oder damit beschäftigter Politiker.

Das von Firma Appel benutzte Briefpapier gibt übrigens Aufschluss über das Fabrikgelände der Druckerei. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war es weit verbreitet, seine Fabrik auf dem Briefkopf abzudrucken. Rauchende Schornsteine waren dabei ein Zeichen von florierendem Geschäft. François Appel hat sich etwas Besonderes einfallen lassen. Blättert man den Brief um, ist die Lithographische Anstalt auf einer ganzen A4-Seite abgedruckt.

 

Die Adresse von François Appel, Rue du Delta, 12, Paris gibt es übrigens auch heute noch. Der Eingang ist auf der Abbildung links unten zu sehen. Google StreetView hat hier zwar ein Bild, jedoch wurde gerade gebaut, als es aufgenommen wurde. Bei meinem Besuch sah es dort richtig hübsch aus. Leider war das Tor verschlossen, so daß ich außer dem Hinterhaus nicht sehen konnte, ob vom ehemaligen Fabrikgebäude noch etwas übrig ist.

Noch ein paar Informationen zu Herrn Appel. Er wurde am 18.4.1821 in Coburg geboren, war also ursprünglich Deutscher. Seine Familie zog in seiner Jugend nach Frankreich. Gestorben ist er am 9.10.1882 in Paris.

Der kleine Däumling


Unter all den vielen Sammelkarten, die mir Schubladen und Schränke füllen, gibt es einen Satz, der mir ans Herz gewachsen ist, obwohl er weder zu einem meiner Hauptsammelgebiete gehört, noch von einem meiner favorisierten Drucker hergestellt wurde.

Die Rede ist vom Satz „Le Petit Poucet“. Der kleine Däumling, heißt dieses Kunstmärchen von Charles Perrault (1628-1703). Herr Perrault ist ebenso verantwortlich für weitere Märchen, die 1806 in die Märchensammlung der Gebrüder Grimm einging, so z.B. „Die schlafende Schöne im Walde“ (Dornröschen), „Das Rotkäppchen„, „Meister Kater“ (Der gestiefelte Kater) oder „Aschenputtel oder Der kleine gläserne Schuh„. Der Däumling hat es übrigens nicht in diese Märchensammlung geschafft, weil die Brüder Grimm der Meinung waren, das Thema „Vertreibung durch die Eltern“ mit „Hänsel und Gretel“ ausreichend behandelt zu haben.

Die Chromolithographien unseres heutigen Beitrags stammen aus dem Jahr 1885 und wurden als Reklame für das Bühnenstück „Le Petit Poucet“, einer Féérie von den Herren Eugène Leterrier, Arnold Mortier und Albert Vanloo angefertigt. Das Stück lief wohl im Pariser Théâtre de la Gaîté und hatte am 28.10.1885 Premiere. Angefertigt wurden die Kärtchen von der ebenfalls in Paris ansässigen Imprimierie Henri Sicard, Rue Amelot 28.

Das Kaufhaus A la Ville de Saint-Denis hatte seine Werbung auf der Rückseite aufgedruckt.

Das das Stück etwas bühnenreifer präsentiert wurde, tauchen darin verschiedene Charaktere auf, die uns im Märchen eher am Rande begegnen. Aber der Reihe nach. Der kleine Däumling ist hier auf dem Bild unten rechts zu sehen. Oben links eine der Töchter des Menschenfressers, rechts daneben ein Waldgeist und unten links eine Maus.

Nun kommt der Bösewicht des Märchens, der Ogre Bouf-Bouf (Oger) oder ins Deutsche übersetzt, der Menschenfresser, daneben der erbärmliche Koch des Menschenfressers: Truffentruffe. Unten die Fee Sylvana und ihr Page.

Weiter geht es mit dem Wächter aus dem Palast der Stiefel und daneben der Butler des Menschenfressers. Darunter ganz in Blau der Elfenblauvogel (Irena puella) und daneben Miss Pickle.

Zwei Jäger von der Insel der Jugendlichen und eine Palastwache, unten Bewohner der Insel der Jugendlichen und ein Küchenjunge von Bouf-Bouf.

Ganz zum Schluß kommen noch Pierrot als Küchenjunge und als Gendarm und unten noch einmal der Koch Truffentruffe mit Schürze.

19 Bilder – wahrscheinlich gehören mindestens 20 zum kompletten Satz, vielleicht sogar 24. Der Satz hat die Katalognummer SC1-7 (SC = Sicard, 1 = hochkant, eine Person pro Bild, 7 = Satznummer). Man könnte mal nachsehen.

Wer sich die Bilder in der Vergrößerung anschaut, sieht, daß der Druck nicht sehr sorfältig ausgeführt wurde. Jäger, Maus, Däumling und Sylvana leiden unter Farbverschiebung.

Medaille für hervorragende Lebensmittel


Habt ihr euch schon einmal gefragt, was es mit den Medaillen auf sich hat, die gelegentlich auf Lebensmittel-Verpackungen zu finden sind? Egal ob Käse, Saft, Wurst, Sekt oder, wie hier abgebildet – Bier, in allen Kategorien der Lebensmittelbranche findet man sie.

Urkunde Nahrungsmittel-Ausstellung 1899

 

Jedes Jahr werden eine Vielzahl von Lebensmitteln geprüft – in Deutschland beispielsweise von der DLG. Dabei werden Medaillen vergeben, die so aussehen. Einmal verliehen, darf man diese Medaille auf den geprüften Produkten unbegrenzt lange abbilden, sofern das Jahr der Verleihung ersichtlich ist.

Diese Medaillen gibt es schon recht lange. Zusätzlich zu der Medaille erhielt der Hersteller noch eine Urkunde. Eine solche Urkunde habe ich für euch heute rausgekramt. Die ist ganz schön groß und ließ sich deshalb nur recht schwierig fotografieren. Ich hoffe, sie ist trotzdem gut zu erkennen. Klickt mal auf das Bild und schaut euch die große Variante an. Das Original ist ca. 90 x 50 cm groß. Sie stammt von 1899 und wurde Monsieur Cyprien Montluçon zusammen mit der Bronze-Medaille verliehen. Wofür genau, wissen wir leider nicht mehr. Ich habe den Herrn jedoch in einer genealogischen Auflistung gefunden und weiß nun zumindest, daß er am 5. April 1876 in Aubusson geboren wurde, inzwischen tot ist und Konditor war. Allerdings hat die Gesellschaft einen sehr schönen Namen: Union Philanthropique Culinaire et de L’AlimentationUrkunde Nahrungsmittel-Ausstellung 1899Zum Größenvergleich habe ich auf die Kanten 5-DM-Münzen gelegt.

 

Zwei Durchgänge, zwei Fahrstühle, ein Lesesaal – ein Kaufhaus-Mini-Kalender von 1909


 

Taschenkalender waren schon immer hilfreich, wenn man sie zur Hand hatte. Was heute im Mobiltelefon gespeichert ist, wurde früher mühselig mittels Bleistift oder Füllfederhalter in ein kleines Kalenderbüchlein eingetragen. Damals gab es aber keine Erinnerungsfunktion und man musste selbst daran denken, auf dem Laufenden zu bleiben.

Allerdings war der Blick in den Kalender ein seinerzeit üblicher Vorgang im Tagesrhythmus. Das führte dazu, daß dem Kalender neben den eigentlichen Tages-, Wochen- oder Monats-Seiten mit der Zeit noch andere nützliche Informationen beigefügt wurden, die man gern zur Hand hatte, wenn man sie benötigte.

Und von dort war es nicht weit zur eingefügten Werbung.

Hier habe ich ein besonders kleines Exemplar des Kaufhauses „Aux Deux Passages“ in Lyon aus dem Jahr 1909, das zu Werbezwecken an die geschätzte Kundschaft verteilt wurde.

Mini-Kalender Aux Deux Passages 1909

Mini-Kalender Aux Deux Passages 1909

Neben dem Kalender gab es Angaben zum Taxi-Preis (oder waren es noch Kutschen?). Innenstadt Lyon, 2 Personen zwischen 6 Uhr morgens und Mitternacht, pro Fahrt 1,50 Franc; pro Stunde 2 Franc, zwischen Mitternacht und 6 Uhr 2F bzw. 2,50F, für 4 Personen entsprechend mehr. Auf der rechten Seite sind die Preise für Fahrten ins Umland angegeben.Mini-Kalender Aux Deux Passages 1909

 

Zwei Fahrstühle, ein Lesesaal, so viel Luxus hatte man gern.Mini-Kalender Aux Deux Passages 1909

 

Der eigentliche Kalender inklusive Namenstage. Sofern jemand eine Idee hat, was die 4 Werte rechts unten bedeuten, bitte einen Kommentar schreiben. Ebenso für die Zeile unterhalb des Monatsnamens.Mini-Kalender Aux Deux Passages 1909

 

Tarif für Briefe und Pakete: frankierte Briefe 10, unfrankierte 20 Centimes. Der Hinweis, daß unfrankierte Briefe mit einer einheitlichen Gebühr des doppelten Wertes der fehlenden Briefmarken zu bezahlen sind, sollte damals der noch immer verbreiteten Angewohnheit entgegenwirken, Briefe unfrankiert einzuwerfen und die Post mit der Eintreibung der Gebühr zu belasten. Zu diesem Zweck wurden seinerzeit (also ca. 50 Jahre zuvor – 1865) die Briefmarken eingeführt.

Rechts sind noch weitere Zusatzleistungen angegeben.

Mini-Kalender Aux Deux Passages 1909

Und ganz zum Schluß noch ein mikroskopisch kleiner Stadtplan der Lyoner Innenstadt, der aber trotzdem kein bisschen ungenau ist.Mini-Kalender Aux Deux Passages 1909

 

Andere Werbegaben französischer Kaufhäuser haben wir z.B. hier.

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