Dem Kaiser zur Ehr … Deutsch-Französischer Krieg 1870/1871


vor knapp 150 Jahren führte Frankreich Krieg gegen Preußen und seine Verbündeten. Viele Kriege beginnen aus ziemlich dubiosen Gründen. Anlass für den Deutsch-Französischen Krieg war einer der dämlichsten. Lest hier.

Um seinen Ruf zu wahren, ließen die Regierungen 500.000 deutsche und 250.000 französische Soldaten aufmarschieren von denen ca. 43.000 deutsche und sicher ebenso viele französische Bürger ihr Leben im Kriegsgeschehen aushauchten.

Wenn man überlebte, bekam man einen Orden oder eine Medaille, die z.B. so aussah:

 

und auf der anderen Seite:

 

Ich glaube, trotz Sieges gegen Frankreich und reichlicher Beute, sind die kleineren Medaillen nicht mal aus Gold.

Aus der Nähe betrachtet, sieht sie nicht mal hübsch aus:

 

Zusätzlich lag im Kästchen meines Mehrfach-Uropas (Urur.. Ururur…?) diese Spange, die ich mit meinem geringen militärischen Wissen nicht zuordnen kann. Wer etwas darüber weiß, möge einen Kommentar hinterlassen.

 

Diese Spange hingegen verweist auf F.W.IV, also Friedrich Wilhelm IV – König von Preußen über den ihr hier etwas lernen könnt. Sofern es sich dabei um eine Dienstauszeichnung handelte, kann man hier mehr erlesen.

 

Das alles und noch mehr ist in diesem kleinen Kästchen aufgetaucht.

 

Sollte ich noch neue Details herausfinden, werde ich es euch hier wissen lassen.

 

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Familie Rauhe und der Krieg


Unsere derzeit weit verbreitete Weltanschauung betrachtet den Krieg als fürchterlich und man ist gehalten, ihn abzulehnen und ihm aus dem Weg zu gehen.

Bis vor 100 Jahren war das anders. Die Lust und Freude am Krieg war weit verbreitet. Man hatte seine Feindbilder – stets im Singular: DER Franzose, DER Engländer, … – und es gab nichts schöneres, als für Kaiser, Volk und Vaterland in den Krieg zu ziehen und ruhmreiche Schlachten zu schlagen.

Vielleicht lag das auch daran, daß die Verlustquote damals noch niedriger war. Man hat sich eine mit dem Säbel verpasst und gegebenenfalls einen Arm und die Nase abgehauen, von Kanonen getroffen zu werden, war nicht einfach und meist stand man sich im Kampf direkt gegenüber. Das Unheil nahm mit der Einführung von Maschinengewehr und Giftgas seinen Lauf und plötzlich konnte mit einem Fingeschnipp eine ganze Hundertschaft komplett vom Spielplan entfernt werden.

Heute gibt es für euch eine kleine Sammlung Schriftstücke aus einer ehemals mecklenburgischen Familie, dann wohnhaft in Berlin. Sie zeigt ganz gut, wie man trotz Todesfällen in früheren Schlachten, kaum erwarten konnte, auch endlich in den Krieg zu ziehen. Die Sachen sind nicht weltbewegend, aber hübsche Zeitdokumente aus der „guten alten Zeit“ (wahrscheinlich, als Kriege noch Spaß gemacht haben)

 

Verein Jugendwehr Rauhe 1902 Nachweis für freiwilligen Eintritt in das Heer

Dem Arbeiter Karl Rauhe, geboren den 15.X.1884 zu Berlin, wird beim freiwilligen Eintritt in das Heer Folgendes bescheinigt:

Er ist am 20.10.1898 bei der fünften Kompagnie der Jugendwehr eingetreten und hat sich nach der Meldung des zu…. Feldwebel sich stets gut geführt, den Dienst regelmäßig besucht und sich…. Er ist deshalb im Juli 1900 zum Unteroffizier befördert worden.

Unsere besten Wünsche begleiten ihn auf seinem weiteren Lebenswege.  Leitung der Jugendwehr Schemmann.

Wer sich anschauen möchte, wie es beim Verein Jugendwehr in der Berliner Blücherstraße zuging, der kann hier klicken.

Ich vermute, dieser Karl (Friedrich Wilhelm) Rauhe war derselbe, wie der hier schon vor einem Jahr erwähnte.

 

Erlaubnis zum Militärdienst des minderjährigen Sohnes Karl Friedrich Wilhelm (17,5 Jahre)

Berlin, 8 Februar 1906

Ich, der Lackirer Johann Friedrich Wilhelm Rauhe, geb. den 20. September 1849 zu Berlin, gebe hiermit meine Einwilligung, daß mein Sohn, Karl Friedrich Wilhelm Rauhe geb. den 15. Oktober 1884 zu Berlin, Telegrafen-Arbeiter, sich Freiwillig zu Mehrjährigen Eintritt beim Militär stellen kann.

Wilhelm Rauhe

 

 

 

Anfrage Totenliste Rauhe Schlacht bei Vionville 1870/71 11.8.1908

Berlin 11.8.08

Bitte … Hochwohllöbliches Regiment, um einen Auszug aus der amtlichen Totenliste, des in der Schlacht bei Vionville, am 16. August 1870/71 gefallenen, Gefreiten Hermann Rauhe, der 6. Compagnie. In dem ich… Hochwohllöbliches Regiment herzlich bitte, den Auszug umgehend wegen Erbschafts-Regulirung zu schicken verbleibe Ich Hochachtungsvoll Wilhelm Rauhe.

 

Anfrage Totenliste Rauhe Schlacht bei Vionville 1870/71 11.8.1908

Kamerad Verein ehemaliger 24er – Infanterie-Regiment Grossherzog Friedrich Franz II. (24)

Neu-Ruppin, 13.8.08

nach Beifügung eines Auszuges aus der Kriegsstammrolle zurückgesandt. A. B. von Flotow

 

 

 

 

Es gibt noch einen Auszug aus den Taufbüchern. Kurioserweise wurde der Familie Rauhe, wie im Folgenden zu sehen, am 5. September ein Sohn namens Friedrich Wilhelm Hermann geboren. Zwei Jahre später kam der oben erwähnte Johann Friedrich Wilhelm zur Welt. Wie man auch oben sehen kann, haben alle Söhne einen Teil ihres Namens nach einem der Preußenkönige erhalten – wie monoton.Taufschein Rauhe 1866 5.9.1847 Sophien-Kirche Berlin

Behufs der Berichtigung der Stammrollen und auf den Grund der Tauf-Register und Kirchen-Bücher pflichtmäßig bescheinigt, dß die Friederike Wilhelmine verehelichte Rauhe, geborene Granzow in der Ehe mit dem Postillon Friedrich Wilhelm Rauhe zu Berlin am siebenundzwanzigsten Juli des 18 Hundertsiebenundvierzigsten Jahres nach Christi Geburt einen Knaben geboren hat, der in der heiligen Taufe am 5ten September 1847 den Namen Friedrich Wilhelm Hermann erhalten hat.

Dieses unentgeltlich ausgefertigte Attest darf allein zu dem oben bezeichneten Zweck gebraucht werden und hat in allen übrigen bürgerlichen Verhältnissen keine Gültigkeit.

Ausgefertigt zu Berlin, den 11. September 1866

 

Gesucht wird: Catharina Schilling – Vagabondin – Amts-Blatt von 1822, 1823, 1824


Wer hat schon mal ein Amts-Blatt gelesen? Das ist das behördliche Mitteilungsblatt für amtliche Bekanntmachungen. Hier werden mehr oder weniger interessante, meist aber wichtige Informationen vom Regierungsbezirk an die Städte und Gemeinden verteilt.

Meine Amts-Blätter stammen aus den Jahren 1822, 1823 und 1824 und sind von der Königlich Preußischen Regierung in Merseburg herausgegeben worden.

 

 

Ich habe sie mir tatsächlich auszugsweise durchgelesen und für euch ein paar Höhepunkte herausgesucht:

Eine Übersicht über die 1822 approbirten Medicinal=Personen – zwei Apotheker und zwei Tierärzte, vier Geburtshelfer und 18 Hebammen.

Auf dieser Seite steht der namensgebende Artikel für den heutigen Beitrag:

Verzeichniß aufgegriffener, mittels Marschroute und Transports aus den Königl. Preuß. Staaten verwiesener Vagabonden.

Aus dem Zeitzer Kreise.

Wegen Vagabondirens.

Catharina Schilling, Ehefrau eines Maurergesellen, aus Baireuth, 36 Jahre alt, 5 Fuß groß, hat blonde Haare, schmale Stirn, blonde Augenbrauen, blaue Augen, spitze Nase, gewöhnlichen Mund, spitzes Kinn, längliches Gesicht, mittle Statur, mehrere Oberzähne fehlen.

Auf der rechten Seite steht unten noch eine interessante Mitteilung, der in Bezug zu diesem früheren Artikel steht. Dort hatte ich die erst 1993 abgeschaffte Leuchtmittelsteuer erwähnt. Hier steht, daß zumindest die Steuer auf Talglichte nicht mehr zu entrichten ist.

Nachdem des Königs Majestät mittelst Allerhöchster Cabinettsordre vom 31. v.M. (vorigen Monats) die Eingangsabgabe von Talglichten, welche welche in die schlachtsteuerpflichtigen Städte der Monarchie von andern ländischen Orten her eingebracht werden, aufzuheben und das Gesetz vom 30. Mai 1820 dahin näher zu bestimmen geruhet haben, daß Talglichte zu §. 14 und 15. Litt. d d gedachten Waaren nicht weiter gerechnet werden sollen: so wird solches hierdurch zur Nachricht und Achtung für die Steuer-Aemter und das Publikum öffentlich bekannt gemacht.   Merseburg, den 22. Juni 1822.

Auf Seite 192 findet ihr die Durchschnitts-Preise für Getreide und ähnliches: (die Preise sind in Thaler, Silbergroschen und Pfennigen angegeben)

Seite 278/279 überrascht uns mit dem Wegfall der Quatember-Steuer. Der Quatember ist mir erst vor kurzem untergekommen und wurde hier besprochen:

Nachdem wir mehrere Anzeigen erhalten haben, daß in dem zum hiesigen Regierungs=Bezirk gehörigen Theile des Thüringischen Kreises, vermöge des für die Vasallen=Ortschaften dieses Kreises bestehenden, den übrigen vormals Sächsischen Landestheilen fremden Ständischen Instituts der Quatember=Excurrenz=Bezirk=Cassen, unserer, an die Ständische Behörde erlassenen Verfügungen entgegen, noch neuerlich und nach der, in Folge des §. 9. des Gesetzes, die Einrichtung des Abgabenwesens betr. vom 30. Mai 1820, geschehenen, Höchsten Orts genehmigten Schock= und Quatember=Steuer=Regulirung, Quatember=Steuer=Excurrenzien, als Kopf= und Nahrungs=Steuer von Angesessenen sowohl, als Unangesessenen erhoben worden sind, dieses aber, da seit der gedachten Steuer=Regulirung die Quatember=Abgabe nur noch als Grundsteuer besteht, überall nicht stattfinden darf; so sehen wir uns veranlaßt, den ständischen Behörden die Erhebung dieser Quatember=Steuer=Excurrenzien hiermit, bei nachdrücklicher Ahndung zu untersagen, den Contribuenten aber gleichzeitig bekannt zu machen, daß sie, was die Quatember=Steuer betrifft, blos zur Abtragung der durch die mehr erwähnte =Regulirung festgesetzten Grund=Quatember verbunden sind.   Merseburg, den 16. September 1823

Was für ein Satz!

Für mich besonders interessant war die folgende Mitteilung vom 25. Januar 1823. Die 1814 gegründete und von Friedrich Wilhelm (ich vermute, es war dieser hier) protegierte Preußische Bibelgesellschaft ging zum 25. Januar 1823 als Tochtergesellschaft in der Preußischen Haupt=Bibelgesellschaft auf.

Die Grundsätze wurden dem Volk bekannt gegeben. Bestimmungen über die Verhältnisse der Preußischen Haupt=Bibelgesellschaft zu ihren unmittelbaren Tochtergesellschaften wurden bekanntgegeben

und die Anweisung erlassen, „die Jahres=Berichte … immer gegen Ende des December beim Ausschusse der Hauptgesellschaft in Berlin eingehen“ zu lassen. Es soll daraus jährlich ein General=Bericht angefertigt und sowohl Sr. Majestät dem Beschützer der Preußischen Bibelgesellschaft, als auch dieser selbst und dem Publicum vorgelegt werden.

Und wie das Haupt-Produkt dieser Bibelgesellschaft aussah, kennen wir alle: die Haus-Bibel der Jahrhundertwende:

Den Hinweis auf die Preußische Haupt=Bibelgesellschaft findet ihr zwischen den beiden Linien, oberhalb der 1882 Jahresangabe.

Diese Amts-Blätter sind ein Füllhorn von Zeitdokumenten. Ich habe sie seinerzeit für 10 Euro das Stück vor der Humboldt-Universität Unter den Linden gekauft. Hier werden ständig Bücher aus den Archiven der Uni zu teilweise beschämenden Preisen verhökert. Aber was soll’s.

In dem 1824-er Buch lag noch eine handschriftliche Notiz, deren Entzifferung ich mir aber noch aufgehoben habe. Wer Interesse hat, der frage, dann lese ich mal.

Und nun Augen auf: Catharina Schilling sollte inzwischen um die 228 Jahre alt sein und vagabondirt vielleicht noch immer durch Preußen, vielleicht morgen schon in eurer Nähe!

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