Porzellangeld


Porzellan wird oft auch als weißes Gold bezeichnet. Seine große Zeit ist aber vorüber und inzwischen sind nur noch ausgewählte Stücke von hohem Wert. Ein bedeutender Nachteil des Porzellans ist, dass man im Vergleich zu Vasen, Bechern und Figuren aus Gold, schon durch kleinste Beschädigungen den Wert auf einen Bruchteil (im wahrsten Sinne des Wortes) reduziert.

Was tut man nun, wenn man kein Gold hat, um beispielsweise Münzen zu prägen? Richtig, man nimmt anderes Metall oder billigere Legierungen.

Was aber, wenn auch das Metall knapp wird?

Die Lösung war, seine Münzen aus Porzellan herzustellen:

 

Diese beiden kleinen Münzen mit einem Wert von 50 bzw. 75 Pfennig wurden in der schlesischen Stadt Grünberg herausgegeben. Heute liegt die Stadt in Polen und heißt Zielona Gora.

Mit der Herstellung dieser Münzen wurde die Manufaktur Meißen beauftragt. Das bedeutet, diese kleinen Münzen sind, wenn auch nicht so wertvoll wie eine Meißner Figur, doch aus dem edlen Porzellan hergestellt.

 

Das meiste Porzellangeld wurde in den Jahren 1920 und 1921 hergestellt. Die rechte Münze von 1922 ist da schon etwas zu spät erschienen.

Wer sich über die braune Farbe der linken Münze wundert, dem sei erklärt, dass es sich hierbei um das sogenannte Ost-Indische Porzellan oder auch Böttgersteinzeug handelt, benannt nach Johann Friedrich Böttger. Es wurden letztlich mehr braune als weiße Münzen hergestellt.

Ob eine Porzellanmünze ihren Geldwert behielt, wenn sie auf den Boden gefallen und zerbrochen war, weiß ich nicht.

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Anna Denga – 1738


Es gibt schon wieder Geld.

Die heutige Münze kommt aus Russland. Sie wurde 1738 unter der Herrschaft der Zarin Anna Ioannowna geprägt. Die gute Dame war selbst am prunksüchtigen russischen Zarenhof als extrem vergnügungssüchtig bekannt.

Das geprägte Wort Denga, денга (noch ohne das Weichheitszeichen ‚ь‘ nach dem ‚н’=n im heute gebrauchten Wort деньга) bezeichnet die Währungseinheit. Die Denga wurde aus dem tatarischen Tengah abgeleitet, der wiederum eine Ableitung des Dirhem ist. Der Dirhem (in Marokko z.B. heute noch Dirham) selbst ist eine Ableitung der griechischen Drachme. Ein schönes Beispiel, wie Münznamen im Lauf der Zeit über Regionen wandern und dabei immer weiter verändert werden. Da ist das Beispiel des Thalers, der dank des sächsischen Dialekts zum Dollar wurde um Jahrhunderte jünger und unspektakulärer.

Zurück zu unserer 278 Jahre alten Münze.

Die Rückseite ziert der russische Doppeladler. Der Wert des Denga wurde später in eine halbe Kopeke umgewandelt. Aber ebenso, wie sich in Deutschland der längst abgeschaffte Groschen (12 Pfennige) oder in Berlin der Sechser (6 Pfennige = halber Groschen) für das 10- bzw. 5-Pfennigstück bis zur Abschaffung der D-Mark gehalten haben, wurde der Plural des Denga, Dengi zum Synonym für Geld. Eine lustige Neben-Information: die noch kleinere Münze Halb-Denga hieß im Volksmund Poluschka. Das ist das russische Wort für „halbes Hasenfell“ und dürfte in etwa die Kaufkraft der Münze ausgedrückt haben. Noch heute bezeichnet man seinen Lohn als Poluschka.

 

Was geschah eigentlich sonst noch im Jahr der Ausgabe der Münze, 1738?

  • Georg Friedrich Händel lebt und arbeitet in London;
  • Die 16-jährige Helena Curtens wird als letzte Hexe am Niederrhein auf dem Scheiterhaufen verbrannt. (die Schweiz und Südpreußen hielten noch weitere 50 Jahre an diesem Brauch fest)
  • Papst Clemens XII. spricht ein Verbot der Freimaurerei aus und ruft zum Handeln gegen diese vermeintlichen „Geheimbünde“ auf. Bis heute ist es Katholiken formell untersagt, sich in die Bruderschaft der Freimaurer aufnehmen zu lassen.
  • Der Astronom Wilhelm Herschel wird geboren.
  • Joseph Süß Oppenheimer wird erhängt und seine Leiche 6 Jahre lang am Galgen in einem Eisenkäfig gelassen. Seine Geschichte wird 200 Jahre später von den Nazis im Film „Jud Süß“ zu Propagandazwecken umgedichtet.

Scheidemünzen 1848, 1858


Nach langer Pause gibt es heute mal wieder Geld.

Ich habe ein paar winzig kleine Münzen gefunden, die es mir wert sind, sie euch vorzustellen.

Scheidemünzen – was ist das eigentlich? Mit dem Begriff hat sich wahrscheinlich kaum einer meiner Besucher jemals befasst, vielleicht hat mancher das Wort schon einmal gehört, aber mehr auch nicht.

Eine Scheidemünze ist, kurz zusammengefasst, eine Münze, deren Metallwert geringer ist, als ihr geprägter Wert. Bestand früher beispielsweise eine Münze aus soviel Gold, wie man für einen Thaler kaufen konnte, und war ihr geprägter Wert 1 Thaler, dann war alles in Ordnung. Man hatte den exakten Gegenwert in der Hand und eine Ware, die dieser Menge Goldes entsprach, war durch die Münze adäquat bezahlt.

Und dann fing der Schummel an. Münzen wurden leichter, der geprägte Wert blieb gleich und man bekam für seine Ware weniger Wert in Gold, Silber oder anderen Metallen. Das System fußte auf Vertrauen. Das ganze ging irgendwann so weit, daß überhaupt kein Geld mehr benutzt wurde. Stattdessen gab es Papiernotizen auf denen geschrieben oder aufgedruckt stand „Dem Überbringer dieser Note wird von der Bank der Wert von 100 Goldmark in Gold ausgezahlt.“ Das war praktisch, weil Papier leichter war als Gold und man nicht so leicht Opfer von Räubern werden konnte. Irgendwann verschwand der aufgedruckte Spruch von den Banknoten und heute glauben noch immer viele, sie hielten Geld in der Hand, wenn Sie einen 100-Euro-Schein besitzen. In Wirklichkeit gibt es seit langer Zeit schon keine ausreichende Deckung für all die Geldscheine und gelegentlich fällt so ein System in sich zusammen und reißt den kleinen Mann mit sich. Das nennt sich dann Inflation.

Diese Münzen sind im Original winzig. Man kann den 1/2 Silber-Groschen links mit seinen 7 oder 8 Millimetern Durchmesser schon recht gut verlieren.

Für einen Wertvergleich ist eingeprägt „60 EINEN THALER“. 30 Groschen waren also ein Thaler. Was das genau für den Händler und den Kunden bedeutet, lest ihr hier. Dort wird auch die noch heute festgesetzte Begrenzung erklärt, mit wievielen Münzen euch ein Händler bezahlen darf bzw. wieviele er annehmen muß. Es sind in der Euro-Zone 50 Stück, egal ob Euro oder Cent. Ab der 51. Münze wäre euer Nachteil an Metallwert, verglichen mit dem geprägten Wert so hoch, daß die Annahme unredlich wäre.

 

 

 

 

Auf der Rückseite ist das Wappen und das Land eingeprägt: Fürstenth(um) Schwarzb(urg)-Sond(ershausen). Die Münzen wurden unter Graf Günther Friedrich Carl II. (1835-1880) geprägt. Den kennen wir schon aus diesem Artikel.

Die damalige Währung Thaler, Groschen, Pfennig wurde übrigens ab dem 1. Januar 1876 von Mark und Pfennig abgelöst. Näheres dazu kennt ihr bereits aus diesem Artikel.

Alliiertes Militärgeld – 1944


Als sich ein Ende des Zweiten Weltkrieges abzuzeichnen begann, liefen die Vorbereitungen für ein Leben in Deutschland unter alliierter Besatzung an. Die Siegermächte planten ja nicht nur, ihre Reparationsforderungen mit der vorgefundenen Industrie und den vorhandenen Bodenschätzen zu begleichen. Vielmehr musste langfristig gedacht werden. Dazu gehörte eine Fortführung der Wirtschaft, nicht zuletzt um die deutsche Bevölkerung weitere Dinge produzieren lassen zu können, die als Reparationen abgeführt werden würden. Wusstet ihr, daß die Alliierten Pläne hatten, in denen strategisch wichtige Orte markiert waren, um sie vor Bombardement zu schützen und nach dem gewonnenen Krieg zu nutzen? Ein Beispiel dafür war der Flughafen Berlin-Tempelhof.

Ein wichtiger Faktor für die Aufrechterhaltung bzw. Wiedererstarkung des Handels war das Geld. Von den vorrückenden alliierten Truppen wurde Papiergeld ab einer Nominale von 50 Pfennigen (1/2 Mark), 1, 5, 10, 20, 50, 100 und 1000 Mark herausgegeben und fand sofort nach Besetzung der Gebiete Verwendung. Zuerst nur für die Soldaten, wurde das Geld kurze Zeit später auch für die Benutzung durch die Zivilbevölkerung zugelassen. Die Auflage betrug jeweils zwischen 80 und 150 Millionen Scheinen. Lediglich der 1000 Mark Schein wurde nur 10,83 Millionen mal herausgegeben.

Wer noch mehr Hintergrundinformationen haben möchte, der klickt bei Moneypedia oder bei Münzen Ritter.

Reichsmark-Banknoten


In der Serie deutscher Banknoten ist heute das Papiergeld des Deutschen Reiches aus der Zeit vor der Inflation an der Reihe, vorgestellt zu werden. Vereinzelt sind ein paar Scheine dabei, die nach überwundener Inflation ausgegeben wurden.

Ich habe für euch die Scheine nicht nach Ausgabejahr sortiert. Stattdessen erschien mir eine Sortierung nach Wert sinnvoller.

Die Zeit um den Ersten Weltkrieg zeichnete sich dadurch aus, daß Banknoten immer häufiger in Gebrauch kamen. Heute weitestgehend vergessen ist, daß sogenannte Geldscheine genau genommen kein Geld sind. Sie sind eigentlich nichts weiter als Quittungen über die Einlieferung einer bestimmten Menge Münzgeldes. Aus Gewichts- und Sicherheitsgründen gab man Silber- und Goldmünzen bei Banken ab und bekam dafür eine Banknote – eine Banknotiz.

In Zeiten des Krieges und nach verlorenen Kriegen ersetzten Geldscheine das Münzgeld nicht zuletzt aus Metallmangel. Banknoten zu drucken ist preiswerter als das Prägen der Münzen. Daher war im Deutschland um den Ersten Weltkrieg bereits Papiergeld in Stückelungen von einer und zwei Mark üblich. Seht selbst.

Reichsbank 1 Mark 1920 1924

1 Mark – 1920, 1924, 1914

 

Reichsbank 2 Mark

2 Mark – 1914, 1920, 1924

 

Während die Banknoten in den 1910er Jahren noch reich verziert und verschnörkelt waren,

Reichsbank 5 Mark 1917 1914

5 Mark – 1917, 1914 (jeweils Vorder- und Rückseite)

 

kamen in den 1920er Jahren Jugendstilelemente in Mode.

Reichsbank 10 Mark 1920

10 Mark – 1920 (vorn, hinten)

 

1908 – letzte Ausläufer des Historismus. Kräftige Frauen lehnten an schöner Architektur.

Reichsbank 10 Mark 1908

10 Mark – 1908 (Rückseite)

Reichsbank 10 Mark 1908

10 Mark – 1908 (Vorderseite)

Reichsbank 20 Mark 1908

20 Mark – 1908 (Vorderseite)

Reichsbank 20 Mark 1908

20 Mark – 1908 (Rückseite)

Reichsbank 20 Mark 1914 1918

20 Mark – 1914 (Rückseite), 1915 (Vorderseite)

Reichsbank 20 Mark 1914 1918

20 Mark – 1914 (Vorderseite), 1915 (Rückseite)

Reichsbank 20 Mark 1918

20 Mark 1918

Reichsbank 50 Mark 1906 1914

50 Mark – 1906

Reichsbank 50 Mark 1906 1914

50 Mark 1914

Reichsbank 50 Mark 1919

50 Mark – 1919

50 Reichsmark 1920

50 Mark – 1920 (Vorderseite)

50 Reichsmark 1920

50 Mark – 1920 (Rückseite)

100 Reichsmark 19080207

100 Mark – 1908 (vorn)

100 Reichsmark 19080207

100 Mark – 1908 (hinten)

100 Reichsmark

100 Mark – 1910 (vorn)

100 Reichsmark

100 Mark – 1910 (hinten)

100 Reichsmark 19201101

100 Mark – 1920

 

1922 – die Inflation näherte sich rasant. Hundertmarkscheine wurden in großen Mengen benötigt – für ein aufwändiges Design war keine Zeit mehr.

 

 

100 Reichsmark 19220804

100 Mark – 1922

 

Auf den letzten Schein ist der ursprüngliche Zweck einer Banknote noch aufgedruckt:

Reichsbanknote (Notiz) – Einhundert Mark zahlt die Reichbankhauptkasse in Berlin gegen diese Banknote dem Einlieferer. Vom 1. Januar 1923 ab kann diese Banknote aufgerufen und unter Umtausch gegen andere gesetzliche Zahlungsmittel eingezogen werden. Berlin, den 4. August 1922, Reichsbankdirektorium

 

Strassenbahngeld – 1922


Die Inflation zog seltsame Aktionen nach sich. Da Kleingeld oft weniger wert war als das Metall aus dem es geprägt war, hortete man Münzen um sie zum Metallwert zu verkaufen. Irgendwann blieben die Münzen aus und Wechselgeld konnte nicht herausgegeben werden. Das Vertrauen ins staatlich ausgegebene Geld war sowieso abhanden gekommen. Als Konsequenz ließen  Unternehmen eigenes, sogenanntes Notgeld drucken.

Mein heutiges Ausstellungsstück wurde von der Berliner städtischen Straßenbahn Gesellschaft herausgegeben. Ein Schein über 2 Mark berechtigte wahrscheinlich zu einer Fahrt.

 

 

Auf den Rückseiten wurden Motive aus der Geschichte der Personenbeförderung aufgedruckt. Neben der hier abgebildeten Berliner Personenpost gab es die Erste Elektr. Eisenbahn, die Berliner Mietdroschke, die Benzindroschke und weitere.

 

 

Leider bin ich auf diesem Gebiet nicht sehr bewandert. Ich würde mich freuen, wenn jemand Licht ins Dunkel bringen kann. Kostete ein 2-Mark-Schein immer zwei Mark oder handelte es sich um eine Art Fahrkarte, die zu unterschiedlichen Preisen gehandelt wurde?

Karl Marx und der Palast der Republik – 100 DDR-Mark


Ich hatte euch hier meine DDR-Markscheine der letzten Generation vorgestellt. Der Hunderter war weg und ist auch nicht wieder aufgetaucht. Also habe ich auf meinem favorisierten Trödelmarkt die Gelegenheit genutzt und mir einen neuen alten Schein geholt. Für die Briten und Amerikaner: Hundert Marx

Jetzt ist der Satz komplett

DDR-Mark

50 Mark DDR

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