Hochzeitsfoto 1909


Ich habe wieder etwas gefunden, das ich euch nicht vorenthalten möchte: Das Hochzeitsfoto meiner Urgroßeltern. Nachdem ich euch vor viereinhalb Jahren bereits in einem Artikel über ihre Verlobung berichtet hatte (siehe hier: Verlobungs-Glückwünsche), kam es am 1. Juni 1909 schließlich zur Hochzeit.

 

Das Brautpaar in der Mitte, die Freunde meines Urgroßvaters aus der Studentenvereinigung zur Seite, die Väter im Hintergrund und am Rand und die Mütter des Brautpaares schüchtern in der Gartentür.

Den Bräutigam kennen wir schon von hier. Nun schließt sich auch der Kreis zur Widmung auf dem studentischen Tablett. Einer der Studenten ist somit August Schäfer, die anderen seine Leibburschen. Wer die hübschen Damen an den Armen der Herren sind, ist mir zur Zeit nicht bekannt.

Die Brauteltern gibt es auch in ernst:

 

Ebenso die Braut:

ein Jahr vor ihrer Heirat:

 

Die Eltern des Bräutigams waren da schon besserer Laune:

 

Und zum Abschluß habe ich euch ein Foto rausgesucht, das den Bräutigam ein paar Jahre später in seiner  Drogerie zeigt. Zu seiner Seite stehen die Lehrlinge und der Buchhalter. Unten in der Mitte der selbstgemachte Hundekuchen für 30 Pfennig das Pfund.

Die Germania-Drogerie in Erfurt gibt es heute nicht mehr. Sie ist nun zum Drogerie-Bistro geworden und einen Besuch wert. (zur Webseite)

Werbeanzeigen

Verpackungswahn


Wir kaufen heute kaum noch etwas, das nicht mit viel Aufwand und Material verpackt wurde. Ein klitzekleines Etwas ist mit Folie umwickelt, in ein großes Stück transparenten Plastiks eingepasst, das wiederum in einem Pappkarton mit vielfarbigem Aufdruck geschoben wurde. Mitunter erscheint einem die Verpackung mit viel mehr Liebe hergestellt worden zu sein, als das eigentliche Produkt.

Und sobald die Kartonage einen Riss hat oder der Deckel nicht mehr komplett verschlossen ist, kaufen wir das Produkt nicht.

Durch unseren Wahn, alles formschön präsentiert zu bekommen, übersehen wir zum einen den enormen Berg Verpackungsmüll, den jeder von uns Tag für Tag aufschichtet. Auf der anderen Seite beweisen wir, daß wir nicht so sehr auf das Produkt achten, das wir kaufen möchten, sondern den Strategien der Werbung verfallen sind: ein großer Karton vermittelt den Eindruck, mehr zu bekommen als ein kleiner; grüne Farbe suggeriert Gesundheit, hellblau Beschwingtheit, dicke Schrift gibt uns Sicherheit, geschwungene wiederum vermittelt mehr Beweglichkeit, die wir alle gern hätten. Also kaufen wir die aufgeblasene Tüte fettiger Kartoffelchips, weil sie grün bedruckt ist, eine feinlinige Aufschrift hat und eine schlanke, anmutige Frau zeigt, die in ihrem Leben wahrscheinlich noch nie einen Kartoffelchip im Magen belassen hat. Und fett werden wir seltsamerweise trotzdem.

Bis noch vor 80 Jahren ging man in den Laden um etwas zu kaufen, nannte das Produkt, der Verkäufer stellte den Kunden vor die Wahl zwischen zwei oder drei Marken und das war’s. Ab der 1930-er Jahre wurde die Produktion Schritt für Schritt auf den Endverbraucher zugeschnitten und die Vor-Ort-Abfüllung verschwand mehr und mehr.

 

Mein Urgroßvater hatte in seiner Drogerie eine große Holzkiste. Mit Wachspapier ausgeschlagen enthielt sie Seifenpulver. Nicht so, wie wir es heute kennen, feinkörniges Pulver, sondern vergleichbar mit dem Aussehen von Pizzakäse. Die reinliche Hausfrau fragte nach einem oder mehreren Pfund dieses Schnitzel-Seifenpulvers (das natürlich nicht aus oder für Schnitzel hergestellt war; Schnitzel = Schnipsel) und mein Uropa schaufelte das Pulver aus der großen Kiste in die Tüten. Ein kleines bißchen mehr in die Tüte gegeben, als das aufgedruckte Pfund, hatte am Ende den Effekt, daß die Kundin sicher wahr, ein gutes Geschäft gemacht zu haben. Und somit kam sie wieder.

Das funktionierte übrigens nicht nur bei Seifenpulver. Auch andere Produkte wurden aus großen Behältern in kleine Tüten, Dosen oder Kannen geschaufelt und geschüttet.

Da gab es universelle Tüten, die ihren Inhalt handschriftlich auf der Vorderseite eingetragen bekamen oder das selbst zusammengemischte Ameisen-Pulver der GErmaniadrogerie LAnge.

 

Die Rückseite der Tüten konnte prima für Werbung oder Hinweise verwendet werden.

 

Zwei Teetüten aus zwei Generationen, links aus den 1970er Jahren, rechts eine Tüte aus der Zeit um 1920:

 

Der Preis-Aufdruck rechts „Preis ____ Mk.“ lässt mich die Tüte auf die frühe Zeit der einsetzenden Inflation datieren. Vor Ende des Ersten Weltkrieges kostete eine kleine Tüte Kräutertee nicht viel mehr als eine Mark. Älter als von 1901 kann die Tüte übrigens auch nicht sein. Wir erinnern uns an frühere Artikel – da hieß der Tee noch Thee.

 

Ich habe zwar nicht die passende Teedose zur Tüte, möchte euch aber trotzdem eine meiner Teedosen zeigen, aus denen der Tee in kleine und große Tüten und Döschen umgefüllt wurde.Böhringer Ceylon-Tee Dose klein

 

Zur Firma Ch. & A. Böhringer kommt später noch ein separater Artikel, darin darf dann auch meine andere Teedose mitspielen.

Hier die Tüte für den kleinen Tee-Kauf.

 

Wer sich mal über die Aufschrift an alten Geschäften oder Werbeanzeigen gewundert hat: „en gros & en detail“ bedeutete im Handel, daß man in diesem Laden sowohl kleine Mengen als auch große Stückzahlen bekam. Das ursprüngliche Gros stand für ein Dutzend mal ein Dutzend, also 12 x 12 = 144 Stück. Wer also statt einem kleinen Tütchen Tee oder Seifenpulver eine ganze Kiste wollte, bekam sie hier. Der Preis war dann natürlich günstiger, allerdings wurde ein Aufschlag für die Verpackung berechnet. Ein bis fünf Mark war für eine Blechdose oder Holzkiste zu zahlen.

 

en gros

 

en detail

 

 

Schatzkammer der Hausfrau – in eigener Sache


Liebe Hausfrauen, liebe Frauen ohne Haus, liebe Hausherren und diejenigen, die glauben, es zu sein!

Heute stelle ich euch ein großes aber dünnes Büchlein vor.

(seltsam, daß das Foto etwas unscharf ist. Ich verspreche, ein besseres zu machen, sobald ich das Buch wieder in die Finger bekomme)

 

 

 

Es handelt sich dabei um ein Adressbuch meiner Geburtsstadt Erfurt aus dem Jahr 1911. Der dazugehörige Kalender ist hier zu sehen:

 

Unten rechts hat mein Urgroßvater freundlicherweise eine Anzeige zur Bewerbung unserer Germania-Drogerie abdrucken lassen.

Zwei Einträge auf einer der folgenden Seiten ließen mich jedoch stutzen:

In den Rubriken „Kinderwagen“ und „Korbwaren“ ist Ernst Laufer verzeichnet. Ich weiß, daß unsere Familie ein Geschäft „Kinderwagen Laufer“ besaß, allerdings hieß mein Großvater Ernst. Und daß er 1911 bereits Eigentümer eines Ladens war, halte ich für unwahrscheinlich, da meine Oma zu diesem Zeitpunkt gerade mal ein Jahr alt war und die beiden keinen ungewöhnlich großen Altersunterschied hatten. Gab es da vielleicht noch einen Ernst senior? Hier kommt die Tochter von einem dieser Ernste ins Spiel – meine Mutter. Sie wird zum Thema interviewt werden und ich kläre euch zu einem späteren Zeitpunkt auf.

Ganz nebenbei habt ihr heute übrigens auch erfahren, wieso ich auf die Aufforderung „Nun sei doch mal ernst!“ stets mit der Aussage „Wieso sollte ich? Mein Opa war schon Ernst!“ antworten konnte. Diesen Opa kennt ihr übrigens aus diesen beiden Artikeln hier und hier.

 

Ach ja, eins noch: Falls sich jemand (so wie ich) fragt, was Posamenten sind, klärt uns Wikipedia auf. Schnickschnack, Bommeln und Bordüren, die man sich an Kleid und Möbel nähen konnte. Und Wikipedia hat sogar ein tolles Bild einer Maschine zur Herstellung von Posamenten. Schaut euch das mal an.

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