Sowjetisches Flugblatt – September 1941


Heute habe ich etwas für euch, das nicht einfach zu finden ist. Ein sowjetisches Flugblatt, abgeworfen 1941 über den deutschen Wehrmachtstruppen, nachdem sie ihren zu dieser Zeit noch anhaltenden Vormarsch auf Moskau fortsetzten.

Zu dieser Zeit gab es zahlreiche Flugblätter der Sowjetunion. Viele können in den Museen angeschaut werden, einige im Internet. Meins habe ich unter anderem im Bestand der Staatsbibliothek  (Signatur: Einbl. 1939/45, 8725. K 175) gefunden.

Ein Gefängnis in Form eines Hakenkreuzes, hier „Konzlager“ genannt und Himmler als der „Bluthund“ Hitlers. Die Erwähnung von „acht Jahren der blutigen Hitlerherrschaft“ würde auf 1940 schließen lassen. Allerdings wurde die Sowjetunion erst 1941 angegriffen, so dass ich von einem Rechenfehler des Designers ausgehe. Er hat wahrscheinlich 1933 + 8 gerechnet, ohne zu beachten, dass 1933 ja bereits das erste Jahr unter Hitler war. Dieses Flugblatt erschien im September 1941 in einer Auflage von einer halben Million.

Die Opferzahlen auf der Vorderseite sind noch relativ niedrig.

 

Um die Soldaten zu ermuntern, das Flugblatt länger zu behalten oder gar nach dem Lesen an Kameraden weiterzugeben, wurde auf der Rückseite ein Zählreim a la „Zehn kleine Negerlein“ abgedruckt. (klickt auf das Foto für eine größere Version)

Der Besitz und die Verbreitung innerhalb der Truppe dürfte seinerzeit mit nicht unerheblichen Repressalien verbunden gewesen sein. Solch ein Flugblatt also mit sich herumzutragen, war kein leichtes Vergehen.

 

Wie in fast jedem Flugblatt befindet sich auch auf diesem am unteren Rand ein „Passierschein“ in deutscher und russischer Sprache, der es dem Soldaten schmackhaft machen sollte, sicher auf die Seite der Roten Armee überlaufen zu können. Ob es tatsächlich sicher war, mit diesem Flugblatt zu wedeln und keine Kugel in die Brust zu bekommen (in den Rücken eher), kann ich nicht sagen.

Ein schönes Zeitdokument, wie ich finde. Die Nummerierung der Vorderseite (265) und der Rückseite (309) lässt mich vermuten, dass die Druckvorlagen in unterschiedlicher Gruppierung ausgegeben wurden.

Ein Flugblatt der Deutschen Wehrmacht gibt es hier.

 

 

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Die siegreichen Germanen


Unter der Nazi-Regierung gab es eine Forschungs- und Lehrgemeinschaft, die sich mit der Erforschung der Wurzeln der Deutschen befasste. Die Rede ist von der Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe e.V., der Forschungseinrichtung der SS, 1935 von Heinrich Himmler und einigen seiner Getreuen gegründet.

 

 

Auf den ersten Blick erscheint das Ziel der Einrichtung löblich: Erforschung der Wurzeln der germanischen Rasse. Allerdings diente sie in ihrer Gesamtheit dem Zweck, die NS-Rassenideologie des Arischen Herrenmenschen wissenschaftlich zu untermauern und daraus abgeleitete Verbrechen wie ethnische und kulturelle Verfolgung pseudowissenschaftlich zu legitimieren. (Wikipedia) Zu allem Überfluss wurden zur Beweis- und Präparatsammlung Menschenversuche durchgeführt und Menschen unterschiedlichster Rassen getötet um die Skelette der Skelettsammlung der Reichsuniversität Straßburg zuzuführen.

Die Verantwortlichen wurden in einem der Nürnberger Prozesse, dem Nürnberger Ärzteprozess zur Rechenschaft gezogen.

Eine der Publikationen der Forschungs- und Lehrgemeinschaft „Das Ahnenerbe“ – eine etwas weniger verfängliche – möchte ich euch heute vorstellen. Mein Buch behandelt die Aufzeichnungen des römischen Politikers und Schriftstellers Tacitus (*58 – † um 120 n.Chr.) zu den Bräuchen und der Geschichte der Germanen.

 

In seiner Germania wird erstmals ein umfassendes Bild des Siedlungsgebietes der Germanen geliefert. Darin wird deutlich, daß sich das Volk der Germanen aus einer großen Gruppe unterschiedlicher Stämme zusammensetzte. Am bekanntesten sind hier sicher die Vandalen, Gotonen (Goten), Angeln (die den Engländern/Angelsachsen zu ihrem Namen verholfen haben), Rugier (Namensgeber für die Insel Rügen), Warnen (Warnemünde), Friesen, Cherusker und nicht zuletzt die berühmten Langobarden und Markomannen.

Wie zur Zeit der Veröffentlichung dieses Buches üblich, war auch diesem Werk ein Geleitwort des Ahnenerbe-Vorsitzenden, Reichsführer-SS Heinrich Himmler vorangestellt. „Ein Volk lebt so lange glücklich in Gegenwart und Zukunft, als es sich seiner Vergangenheit und der Größe seiner Ahnen bewusst ist.“ (Noch heute ist ja so manch greiser Volksgenosse von der Größe seiner Ahnen überzeugt und gibt die glorreichen Vergangenheitsgeschichten an den leichtgläubigen Tross weiter.)

 

 

 

 

Eine kurze Erläuterung, wo sich die Handschrift derzeit befindet und wie es dem Autor ermöglicht wurde, Einblick zu bekommen.

 

Wer die wahre Geschichte zum „bereitwilligen Einblick in die Handschrift“ erfahren möchte, der liest hier – vorzugsweise ab der Mitte des zweiten Abschnitts.

Hier gibt es einen Abriss des Inhalts (der erste Abschnitt genügt für einen Überblick):

 

Eine Beschreibung der Schwierigkeiten, die Inkunabeln zu datieren. Da man nur über Abschriften von Abschriften verfügt (wer das Buch oder den Film „Der Name der Rose“ kennt, weiß wie das damals vonstatten ging) können Datierungen in der Regel nur über die Handschrift der Kopisten erfolgen.

 

Das Werk enthält eine sehr umfangreiche Arbeit zum Vergleich (Kollation) der Handschriften. Wer sich mit der Erforschung dieser Handschrift beschäftigt findet hier ein abschließendes Ergebnis. Wenigstens dies war ein positiver Effekt des „Ahnenerbe“.

 

Und zur Germania:

 

Wer noch mehr lernen möchte: Es gibt in den Handschriften zwei Palimpsest-Seiten. Da Pergament, also Tierhaut, zu allen Zeiten ein kostbarer Rohstoff war, wurden alte Pergamentseiten oft durch Abschaben der Schrift gereinigt und für die erneute Verwendung nutzbar gemacht. Auf diese Weise sind unschätzbare Handschriften im Laufe der Zeit wiederbringlich verloren gegangen. Wiederbringlich? Müsste es nicht unwiederbringlich heißen? Nein! Dank der Fluoreszenzfotografie ist es heute möglich, die ehemaligen Schriften, deren Tinte mit dem Pergament eine chemische Reaktion eingegangen ist, auch nach dem Abschaben wieder sichtbar zu machen.

 

 

Wie geht man beim Handschriften-Vergleich vor?

 

Und schließlich die etwas mager ausgefallene Beute (siehe den Absatz nach dem Vorwort-Bild oben) – die Photokopie

Eine Beschreibung für den, der noch nicht genug Details hatte: 

 

Die Titelseite:

 

Eine recht gut lesbare, saubere Handschrift

 

 

 

Die restlichen 75 Seiten plus der oben erwähnten  abgeschabten Seiten erspare ich euch.

Wer sich mit der Geschichte des damaligen germanischen Volkshelden Arminius beschäftigen möchte, der liest hier den Artikel über den Mann, der als Kind eines Cherusker-Stammesfürsten – in damals üblicher Behandlung der Fürstensöhne – als Geisel von den Römern nach Rom gebracht wurde um sich die Loyalität der Stämme zu sichern. Dort durchlief er eine umfassende Ausbildung und wurde nach erfolgreicher Teilnahme an Feldzügen wie dem Pannonienkrieg zum Ritter, dem höchsten Rang eines Nicht-Römers im Römischen Reich und erwarb sich schließlich das römische Bürgerrecht.

Nachdem er bei seinen Feldzügen gegen Germanien mehr und mehr mit der unmenschlichen Behandlung seines Volkes durch die Römer konfrontiert wurde, führte er seine Stammesbrüder im Jahr 9 n.Chr. in die Schlacht gegen den Statthalter Publius Quinctilius Varus. Die Varus-Schlacht ist in unseren Breiten bekannter unter dem Namen Schlacht im Teutoburger Wald. Arminius hörte wahrscheinlich in seiner Heimat auf die germanische Version seines Namens – Hermann. Und genauso heißt auch das ihm zu Ehren aufgestellte Denkmal in der Nähe von Detmold. 1875 wurde der 26,57 Meter hohe Hermann, eine Eisenrohrkonstruktion mit einer Verkleidung aus Kupferplatten auf den knapp 27 Meter hohen Sockel gehievt.

„Hermannsdenkmal statue“ von Daniel Schwen – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC-BY-SA 4.0 über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hermannsdenkmal_statue.jpg#mediaviewer/File:Hermannsdenkmal_statue.jpg

 

Er hat übrigens dieselbe Konstruktionsweise wie die Freiheitsstatue und war bis zu deren Aufstellung 11 Jahre später die höchste Statue der westlichen Welt.

Und auch wenn das Hermanndenkmal sich gegen Frankreich wendet, entsprechende Sprüche nach dem Deutsch-Französischen Krieg eingeschrieben wurden, kann man doch ein ganz klein wenig stolz sein, wie die Germanen dem Römischen Reich wenigstens einmal gezeigt haben, wo die Grenze verläuft.

 

Like Ice in the Sunshine – die Welteislehre


Es gab und gibt zahllose Weltbilder. Eine der kurioseren, weil ziemlich falsch, ist die Welteislehre – in ein Wissenschaftgewand gehüllt auch als Glazialkosmologie nicht viel geläufiger.

Ich bin im Zuge meines Interesses für die Kritik an der Altersbestimmung durch die Radiokarbon-Methode (C14-Methode) sowie die Himmler’schen Ahnenerbe-Ideen darauf gestoßen.

Ausgedacht haben sich der Österreicher Hanns Hörbiger und der Münchener Philipp Fauth die ganze Sache 1913. In dieser Zeit erwachte etwas, was man heutzutage als Hobby-Forscherei bezeichnen könnte und fand einen Höhepunkt in den 1920er Jahren. Ich habe noch eine ganze Reihe seltsamer Bücher aus dieser Zeit. Die Menschen begannen sich Gedanken zu ihrer Umwelt zu machen, teilweise mit sehr obskuren Ergebnissen.

Hier ein Heftchen von 1925. Dr. ing. e.h. H. Voigt (was immer der Titel bedeutet) erzählt auf 32 Seiten seinen Weg zur Erkenntnis, daß die Welteislehre die wahre Lehre von der Entstehung des Universums ist. Damals wie heute ließen sich die Menschen recht leicht von irrigen Ideen anstecken, wenn nur ausreichend viele Fremdworte oder mysteriöse Bemerkungen vorhanden waren.

Buch Die Welteislehre und ich

Es ist sicher keine verschwendete Zeit, sich den Artikel in Wikipedia durchzulesen. Für die Eiligen unter euch kommt hier ein Auszug, der den Aufstieg der WEL (so die Abkürzung) als Ahnenlehre unter den Nazis beschreibt.

Wikipedia:


Im Dritten Reich erfuhr die Theorie eine regelrechte politische Aufwertung. Führende Nationalsozialisten, darunter Heinrich Himmler, waren Anhänger der Welteislehre. Auch Adolf Hitler war von der Lehre beeindruckt.

Hörbiger wurde von seinen Anhängern mitunter mit dem „Führer“ verglichen. Beide stammten aus Österreich und waren zunächst Außenseiter. Während Hitler mit dem „Weltjudentum aufräumte“, sollte Hörbiger Deutschland und die Welt von der „jüdisch beherrschten Wissenschaft“ (gemeint war insbesondere Albert Einstein) befreien. Darüber hinaus ließen sich die Katastrophenszenarien der Theorie gut mit den rassistischen Vorstellungen der Nazis in Verbindung bringen. Die „Herrenrasse“ der weißen Arier erstarkte im ewigen Eis des Nordens und errichtete in Thule (gleichbedeutend mit Atlantis) eine Hochkultur, die unterging. Gleich dem Zyklus der Welteislehre von Werden und Vergehen sollte die Herrenrasse mit dem Dritten Reich wieder auferstehen und den ihr gebührenden Platz einnehmen.

Ab 1937 erlangte die Welteislehre daher im Zweig Wetterkunde der SS-Forschungsgemeinschaft Ahnenerbe Einfluss. Dabei sollte insbesondere eine Wirkung des ewigen Welteises auf das Germanentum nachgewiesen werden.


Aha, die „Herrenrasse“ der weißen Arier erstarkte im ewigen Eis des Nordens.

Nach dem Ende des Dritten Reichs geriet die WEL – zurecht – in Vergessenheit und ist heute höchstens noch in esoterischen Kreisen zu finden.

1948 schrieb ein Dr. Richard Hunger das nachfolgende Heftchen. Hierin erläutert er unter anderem, wie der Mond von der Erde als Trabant eingefangen wurde, daß Hagel von der Erde eingefangene Welteisklumpen sind, Salzlager aus dem Meerwasser ausfrieren, Kalk, Sand, Kohle, Schiefer und andere Gesteinsarten mussten zuerst mit Meerwasser vermischt gefrieren, ehe sich die heute vorgefundenen Gesteinsschichten bilden konnten.

Weiter beschreibt er, daß die Nähe des Mondes zum Äquator die Atmosphäre in dieser Region bündelt, was ein Eindringen der Weltraumkälte in den Polregionen ermöglicht. Auch die Mondkrater als Eisschollenbruchstücke werden erklärt. Er hat sich sein Weltbild prima zurechtgelegt, und solange es in sich schlüssig und nicht widerlegbar ist, kann man sicher einigen Ruhm ernten.

Buch Geologie oder WelteislehreBuch Geologie oder Welteislehre

Tja, so ist das mit der Welteislehre.

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