gelbes Licht für tiefe Photos


Am 11. März 1911 war es soweit: Auguste Lumière schloß sich mit dem Groß-Industriellen Joseph Jougla zusammen. Aus den beiden größten Herstellern von Fotoplatten und Fotopapier wurde Lumière & Jougla mit Auguste Lumière als Präsident und Joseph Jougla als Besitzer der Aktienmehrheit.

Frankreich als Heimat der Fotografie und besonders der Farbfotografie besaß einen wachsenden Markt. Die Brüder Lumière verwendeten bereits um 1900 das selbst erfundene Prinzip der Autochromdiapositiv-Fotografie. Feine Farbpigmente aus Kartoffelstärke, die sie in ein Rußbett legten, werden zur Darstellung von Farben durch stark überbelichtete Negativplatten zur Entwicklung verwendet. Durch die geschickte Vermarktung dieser Technik erlangten sie schnell einen großen Marktanteil. Jougla hingegen verdiente ein Vermögen am Verkauf herkömmlicher Fotopapiere und –platten.

Die neu entstandene Firma

  • Union Photographique Industrielle
  • Lumière & Jougla
  • Reunis

war auf eine Zusammenarbeit von 60 Jahren ausgelegt.

Der heutige Artikel stammt aus der Zeit zwischen 1911 und 1928. Nur in diesem Zeitraum hieß die Firma so. Danach wurde sie in  umbenannt.

Eine sehr hübsches kleines Pappkästchen. Und was ist drin?

Ein Glasfilter um für Fotos durch das herausfiltern von Licht einer bestimmten Farbe größere Tiefe oder besondere Effekte zu erzielen. Der Filterhersteller Schneider aus Kreuznach schreibt: „Gelbfilter können beispielsweise Landschaftsaufnahmen zu mehr Brillanz verhelfen und Pflanzengrün besser differenzieren, Gelb- und Orangefilter aus Wölkchen Wolken und Wolkengebirge zaubern, Rotfilter sie gar bis auf dramatische Gewitterstärke steigern oder Mondlichteffekte bei Tag erzeugen.“

Wolken und Mond hatte ich leider nicht zur Hand, aber das gleiche Foto wie hier oben sieht mit (dilettantisch davorgehaltenem) Gelbfilter so aus:

Mit etwas mehr Ahnung, Zeit und schönem Wetter kann man dank eines Gelbfilters erstaunlich gute Farbfotos anfertigen. Das hatte ich früher schon einmal mit meiner Zeiss Ikonta ausprobiert, die ich euch in diesen beiden Artikeln vorgestellt hatte. Sollte es wieder Frühling werden, verknipse (oh oh, schon durch die Fotografenprüfung gefallen) ich euch meine Rollfilme und stelle das Ergebnis vor.

Die oben vorgestellte Technik der Autochrom-Fotografie habe ich übrigens in der Ausstellung bzw. dem dazugehörigen Katalog „1914 – Welt in Farbe – Farbfotografie vor dem Krieg“ gefunden. Darüber hatte ich bereits in diesem Artikel geschrieben.

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Bitte recht freundlich – Teil 2


Gestern habe ich euch über mein Geschenk – eine alte Zeiss Ikonta Balgkamera berichtet. Wie erwähnt, konnte ich die Schenkerin doch arg überraschen, als ich zu einem Schubfach ging und Zubehör hervorholte, das zu dieser Kamera passte. Das stelle ich euch heute vor.

Den Anfang machen diverse Vorsätze, die auf das Objektiv aufgeschraubt werden. Da wären z.B. ein Gelbfilter (die Bilder bekommen eine überraschend freundlich, warme Farbe), ein Weichzeichner (nur das Zentrum des Bildes ist scharf während die Ränder immer mehr verwischen), drei Portraitlinsen deren Funktion sich mir noch nicht ganz erschlossen hat.Zeiss Ikon Ikonta und Filter

 

 

Als nächstes habe ich verschiedene Lichtfilter und den dazu passenden Rahmen in Dia-Form (oben und links unten). Das gewünschte Glas wird eingesetzt und mit der angebrachten Klammer einfach vor die Linse geklemmt. Dasselbe habe ich noch in runder Form. Durch die obere Klemme kann das Glas eingesetzt werden, die hintere, silberne Klemme wird zusammengedrückt und schließt sich dann um das Objektiv der Kamera.Zeiss Ikon Ikonta und Agfa Lichtfilter

 

Letzteres sieht in Aktion so aus:Zeiss Ikon Ikonta

 

Weitere Filtergläser Zeiss Ikon Ikonta und Agfa Lichtfilter

 

und ihre Anwendung:Zeiss Ikon Ikonta und Agfa Lichtfilter

 

Für den runden Klemmvorsatz habe ich ein Glas-Set von Ihagee. Ihagee ist die Abkürzung für die Dresdner Industrie- und Handelsgesellschaft mbH, einem 1912 gegründeten Kamerawerk. Zeiss Ikon Ikonta und Ihagee Lichtfilter

 

Das Etui beherbergt erschiedene Vorsatzgläser und einen kleinen Pinsel (der aber ursprünglich nicht dazugehörte, wie ich vermute)Zeiss Ikon Ikonta und Ihagee Lichtfilter

 

 

 

 

Als weiteres Zubehör konnte ich mit drei verschiedenen Varianten des „Autoknips“ aufwarten. Ein Selbstauslöser ist für Fotoapparate, die durch einen Bowdenzug ausgelöst werden eine verzwickte Angelegenheit. Die Geschichte des Autoknips wurde hier vom Sammler Andreas Sieg gut geschildert.Zeiss Ikon Ikonta und Autoknips

 

 

 

Um den Selbstauslöser zu aktivieren wird eine kleine Zeituhr (ähnlich dem Küchenwecker) eingestellt. Er reicht von 1/2 bis zu 10 Sekunden. Ein Starthebel arretiert den Mechanismus bis man ihn startet und zu guter Letzt wird der Auslöser zwischen den oben sichtbaren Knopf und eine Zahnstange geklemmt. Nachdem der Starthebel das Uhrwerk aktiviert hat, läuft die Zeit ab und drückt am Schluss den Auslöser zusammen – klick, fertig.

Seht hier: Die 10 Sekunden stehen oben auf der Skala, der Knopf hinter der Zahnstange schaut nur ein kleines Stück aus dem Gehäuse. Der Starthebel unter dem roten Punkt ist bereits auf Startstellung. Es geht also bereits los.Zeiss Ikon Ikonta und Autoknips

 

 

Und hier ist alles vorbei: Die Uhr ist abgelaufen (die Sekunden haben von 10, 8, 6, 4, 2 bis 0 heruntergezählt) und am Ende kam der Auslöser-Knopf (hinter der Zahnstange) nach oben und hat zugedrückt. Die Zahnstange dient übrigens nur der Einstellung für verschieden große Auslöser. Bei manchen musste man mehr drücken, anderen genügte ein leichter Druck um auszulösen. Ich musste einige Male üben, bevor es funktioniert hat.Zeiss Ikon Ikonta und Autoknips

 

 

 

 

 

Und da fällt mir ein: Wieso erkläre ich euch das überhaupt? Hier steht alles schwarz auf weiß. Umrahmt von Haka Autoknips Modell I, II und III.Zeiss Ikon Ikonta und Autoknips

 

 

 

 

 

 

So sieht das ganze Konstrukt aus. Hier habe ich direkt vor Augen, wie Vati alles zusammengefummelt hat, den Autoknips startet, zum Familienportrait flitzt und … nichts passiert. Nochmal hin, nachjustieren, klick, versehentlich ausgelöst, Film vorrollen, alles neu einstellen, und so weiter. Aber das ist nur in meinem Kopf. Wie so vieles, vieles.

Zeiss Ikon Ikonta und Autoknips

Bitte recht freundlich – Zeiss Ikonta


Vor langer Zeit habe ich von meiner damaligen Lebensverschönerin zum Geburtstag dieses hübsche Teil geschenkt bekommen. Eine Zeiss Ikonta. Versteht mich nicht falsch: mit „vor langer Zeit“ ist nicht gemeint, daß sie mir eine gerade frisch hergestellte, nagelneue Ikonta geschenkt hat. So alt bin ich dann doch noch nicht.

Zeiss Ikon Ikonta

 

 

Was versteckt sich in diesem kompakten Gehäuse? Der in den Jahren 1930 bis 1939 zahlenmäßig meistverkaufte Fotoapparat Deutschlands. Beim Öffnen entfaltet sich der Balg und verleiht der Kamera das bekannte Aussehen. Zusätzlich muß noch das Auslöser-Kabel angeschraubt und der Sucher ausgeklappt werden. Das habe ich auf dem Foto hier leider vergessen. Der Sucher ist der kleine rechteckige Rahmen an der rechten Seite.

Zeiss Ikon Ikonta

 

Apropos „rechte Seite“: die Firma Carl Zeiss hat neben der hier gezeigten Zeiss Ikon Ikonta noch andere Fotoapparate hergestellt. Wikipedia berichtet unter anderem: „Bereits 1933 richtete sich der Konzern auf die neuen Machthaber ein und brachte die Baldur heraus, eine nach dem NS-Reichsjugendführer Baldur von Schirach benannte Boxkamera in den Versionen für Aufnahmeformat 4,5 × 6 cm und 6 × 9 cm. 1934 folgte mit der Super Nettel eine 135er-Klappkamera mit Schlitzverschluss „ideal für Wehrtechnik und Sport“.“

Ob die Fotos statt in schwarz-weiß dann in braun-weiß gemacht wurden?

Interessantes Detail – ebenfalls aus Wikipedia: Die Dresdner Zeiss Ikon-Werke waren während des Zweiten Weltkriegs mit rund 6000 Mitarbeitern größter Rüstungsbetrieb der Stadt. Bei Zeiss-Ikon gab es eine 400 Mitarbeiter starke jüdische Abteilung. Die Werkleitung setzte sich zusammen mit der Wehrmacht Mitte Januar 1942 erfolgreich gegen die Deportation betriebsangehöriger Juden in das KZ Auschwitz-Birkenau zur Wehr. Die Werkleitung drohte damit, das Werk in diesem Fall zu schließen. (wie ich finde, eine mutige Einstellung)

Im Dresdner Goehle-Werk auf der Riesaer Straße 32 und im Werk Reick der Zeiss-Ikon-AG wurden im Oktober 1944 Außenlager des KZ Flossenbürg eingerichtet. Dazu gibt es hier ein hörenswertes Tondokument. Im KZ Flossenbürg war ich im Juli 2014. Heute sieht es dort so aus: hier klicken

 

 

Der Fotoapparat funktioniert übrigens perfekt, wie eh und je. Die Rollfilme gibt es noch zu kaufen – für Farb- oder Schwarzweiß-Aufnahmen. Die Qualität der Filme ist heute viel höher als damals, de Preise allerdings auch. Einzige Schwierigkeit: Rollfilme werden nur noch von wenigen Anbietern entwickelt.

Zeiss Ikon Ikonta Rollfilm

 

Abschließend noch der Hinweis: Nachdem ich diese Kamera geschenkt bekommen habe, war die Verschenkende sehr überrascht, als ich zielstrebig zu einem Schubfach ging und diverses Zubehör für diese Kamera zum Vorschein brachte. Darüber morgen mehr.

 

 

 

 

 

 

 

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