500. Artikel – Von Paris nach Istanbul – der Orient-Express



Hurra, dies ist der 500. Artikel in meinem Blog.

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Die hohe Kunst der Bahnreise ist und bleibt der Orient-Express.

Am 5. Juni 1883 fuhr der Express d’Orient zum ersten Mal aus dem Pariser Gare de l’Est aus und erreichte nach 81 Stunden und 40 Minuten den Bahnhof Konstantinopel. Die offizielle Einweihungsfahrt fand erst 4. Oktober 1883 statt. Wieso fünf Monate später? Die bestellten Drehgestellwagen konnten nicht rechtzeitig geliefert werden und Herr Georges Nagelmackers, Gründer der Compagnie Internationale des Wagons-Lits (CIWL) und Initiator des Orient-Express wollte den Behelfszug, der noch ohne die Luxuswagen unterwegs war, nicht in der Öffentlichkeit feiern.

Knappe 50 Jahre später, im Mai 1932, war viel in Europa passiert. Während des Ersten Weltkrieges wurde der Orient-Express eingestellt und durch den von der Mitropa betriebenen und mit beschlagnahmten Orient-Express-Waggons bestückten „Balkanzug“ abgelöst. Der Weltkrieg wurde begonnen und verloren auf der einen, gewonnen auf der anderen Seite. Das Deutsche Reich war der Sündenbock und musste neben immensen Reparationszahlungen auch wertvolle Gebiete abtreten.

Wikipedia schreibt: Nach Kriegsende erhielt die CIWL ihre beschlagnahmten Waggons zurück, soweit diese den Krieg überstanden hatten. Um eine Verbindung zwischen Frankreich und den neu errichteten mittel- und osteuropäischen Staaten des Cordon sanitaire zu erhalten, wurde ab Februar 1919 mit Waggons der CIWL ein sogenannter Train de luxe militaire eingerichtet, der ausschließlich für hohe Militärs der Alliierten und Politiker reserviert war. Er wurde nicht auf der früheren Route des Orient-Express durch Süddeutschland geführt, sondern über die Schweiz und die Arlbergbahn nach Wien und weiter nach Warschau.

Als ein Ergebnis der Pariser Friedenskonferenz 1919 und der begleitenden Verhandlungen wurde die Hauptachse des Verkehrs nach Südosteuropa von der bisherigen Route des Orient-Express über Süddeutschland und Wien auf die Verbindung über den Simplontunnel, Oberitalien und Triest verlagert, den Simplon-Orient-Express. Die zunehmende Nachfrage führte allerdings bald zur Wiedereinrichtung einer Luxuszugverbindung auch auf der klassischen Route des Orient-Express. Dessen kurzzeitige Verlagerung auf die Arlbergbahn während der Ruhrbesetzung 1923 hatte schließlich die Etablierung eines weiteren Luxuszuges durch die Alpen zur Folge, der ab 1932 als Arlberg-Orient-Express bezeichnet wurde. (Wikipedia Ende)

Und so sahen die Strecken auf der Landkarte aus:

Während eine Strecke nach Istanbul (dem ehemaligen Konstantinopel) führte, endete die südliche Route (der Arlberg-Orient Express) in Athen

Auf der Innenseite findet man schließlich die wichtigen Informationen:

gültig ab 22. Mai 1932 begannen alle Routen (theoretisch) in London Victoria Station, wobei nur bis Dover gereist wurde. Von dort weiter per Fähre und in Calais konnte der Orient-Express oder eine seiner Nebenrouten bestiegen werden.

Weitere dieser Nebenrouten sind auf der folgenden Seite zu sehen:

Der Engadin-Express über Paris und Basel nach Chur sowie der Oberland-Express über Paris nach Interlaken.

Die nächste Seite gibt uns Aufschluß über die Reisezeiten und die Strecke des „wahren“ Orient-Express:

Jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag von Paris – Istanbul in ca. 84 Stunden. zurück ging es sonntags, dienstags und donnerstags.

Wer schließlich mit einem der angehängten Schlafwagen eine Teilstrecke bereisen konnte, fand auf der letzten Seite die nötigen Informationen für seine Reise nach Frankfort on Mein, Prag, Straßburg, Stuttgart, Basel, Zürich, Buchs (?), Brig, Chur oder Luzern.

Wikipedia klärt uns auch über das traurige Ende dieser traditionsreichen Bahnlinie auf: Bis zum 14. Dezember 2009 fuhr der Orient-Express täglich zwischen Straßburg und Wien. Mit der Einstellung dieses Nachtzuges kam nach 126 Jahren das Ende des fahrplanmäßigen Orient-Express.

Wer allerdings trotzdem einmal die Strecke des Orient-Express in originalen Wagen befahren möchte, der kann in einem der privaten Touristikzüge sein Glück auf der Schiene suchen. Dazu mehr hier.

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ein Musterbeispiel für Bürokratie – Handels-Vollmacht von 1925


Stellt euch vor, ihr wohnt in Konstantinopel, seid ein guter Verkäufer und sollt für eine Münchener Firma, die Waagen herstellt einige ihrer Produkte im eigenen Land verkaufen.

Dazu benötigt ihr eine Vollmacht. Schnell hingeschriebene vier Zeilen: Wir Bevollmächtigen hiermit Herrn Dipl.Ing. Midhat  R e d j a i  Constantinople, Chichli Rue Ahmed Bey 53, uns bei der von der Türkischen Regierung ausgeschriebenen Submission zu vertreten, für uns zu verhandeln, ab zu schliessen und die Verträge zu unter schreiben.    München, den 19. Juni 1925

Stempel drunter, zweimal unterschrieben und ab geht die Post.    Weit gefehlt!

Zuerst zum Notar:   Nr. 1603: „Die Echtheit vorstehender Unterschrften der Herren …. Göbler und Oskar Lange (oh, mein Groß-Onkel), beide Kaufleute in München wird hiermit beglaubigt. München den neunzehnten Juni eintausend neunhundertfünfund zwanzig. Justizrat Sommer, München X. Notargebühr, Staat: 2 Mark, Notar: 1,40; Pauschale: -,50  (wahrscheinlich für die ausgeschriebene Jahreszahl  eintausend neunhundertfünfund zwanzig); Auslagen: -,10

Handels-Vollmacht

 

Und war es das? Mitnichten!

Die Echtheit der vorstehenden Unterschrift des Notars Justizrats Sommer in München, Inhabers des Notariats München X, wird hiermit bestätigt.- München den neunzehnten Juni neunzehnhundertfünfundzwanzig. ——–Der Präsident des Landgerichts München I

 

und weiter:

Die Echtheit vorstehender Fertigung bestätigt der unterzeichnete Geheime Sekretär im Bayer. Staatsministerium der Justiz. München, den 19. Juni 1925. Kalbskopf – 6 Mark Gebühr

 

weiter geht’s:

No. 69, Gebühr 6 M – Beglaubigt, München, den 18. (soso) Juni 1925, Bayer. Staatsministerium des Aeussern

 

Und weiter von München nach Berlin:

No. 3748/1734 – Taxe 21,60 M

Diesmal auf französisch eine Beglaubigung der Vollmacht durch den Türkischen Konsul in Berlin.

 

Und für den Fall, daß auch jemand in der Türkei das ganze Tohuwabohu verstehen will, ganz unten noch eine Übersetzung ins Türkische, das damals noch ganz anders aussah als heute. Bis 1928 wurde arabisch geschrieben. Erst dann hat Kemal Atatürk die lateinische Schrift eingeführt.

 

Handels-Vollmacht

 

 

Ob Herr  R e d j a i  letzten Endes tatsächlich irgendetwas verkauft hat, ist mir nicht bekannt. Aber mein Onkel und sein Kompagnon hatten definitiv einen strammen Tagesplan am 19. und 20. Juni 1925 (einem Freitag und Samstag).

Die türkischen Gebührenmarken haben nicht alle so gut gehalten. Überall, wo man noch Reste der „Solvit“-Stempel erkennen kann, haben welche geklebt. Einige habe ich noch in der Hülle, in der auch die Vollmacht wohnt. Aber einige sind schon weg. Der wichtigstes Teil des Dokuments ist aber noch erhalten.

Heutzutage heißt Konstantinopel übrigens Istanbul, ist die größte Stadt der Türkei und gehört nicht mehr zum Osmanischen Reich.

Ob es übrigens die Firma Alois Müller & Sohn heute noch gibt, weiß ich nicht. Sie hat aber definitiv nichts mit dem gleichnamigen Milch-Mafioso der nach ihm benannten Milch zu tun.

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