Ein Lesezeichen aus China – UPDATE: Japan


Heute stelle ich euch etwas vor, von dem ich selbst nichts weiß.

 

Es lag als Lesezeichen in einem alten Buch. Und das ist auch schon alles, was ich darüber weiß. Mein Chinesisch ist begrenzt. Darum kann ich nicht lesen, was da steht. Wie noch weitere chinesische Dinge in meinem Besitz, könnte dieses Etwas aus der Zeit um 1900 stammen, zu der mein Ur-Onkel in Kiautschou stationiert war, um unsere deutschen Kolonien zu verteidigen.

Alle Artikel zu diesem Thema findet ihr übrigens hier.

Ein Update findet ihr im Kommentar. Danke Mitsuhiro Sato-san!

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Flugblatt Reichskolonialbund


Über deutsche Kolonien gab es in älteren Artikeln an dieser Stelle schon einiges zu erfahren. Mühsam erobert, haben wir sie mit der Niederlage des Ersten Weltkrieges an die Sieger abtreten müssen.

Ungeachtet dessen, daß üblicherweise die Kolonialmacht erheblich größeren Nutzen aus einer Kolonie zieht, als die Bewohner der annektierten Gebiete, auch wenn es ihnen häufig anders erzählt wurde, betrachte ich Kolonien nicht als Notwendigkeit, sein Volk zu ernähren und zu versorgen.

Anders war das in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg und bis zum Zusammenbruch des Dritten Reiches. Man fühlte sich durch die Siegermächte und die Fortnahme der Deutschen Kolonien betrogen. Die große Zahl Arbeitsloser war ein willkommenes Propagandamittel um die „Volk ohne Raum„-Expansion zu legitimieren.

Reichsstatthalter General Franz Ritter von Epp wurde 1936 zum Bundesführer des Reichskolonialbundes ernannt. Das war die gleichgeschaltete Organisation aller deutschen Organisationen, die sich die Wiedererlangung und Neueroberung von Kolonien auf ihre schwarz-weiß-roten Fahnen geschrieben hatten.

Im Text wird um eine Mitgliedschaft im Reichskolonialbund geworben. „… Volksgenossen und =genossinnen, stellt Euch in der kolonialen Kampffront hinter den Führer und werdet Mitglied im Reichskolonialbund!“

Die Argumente oben entstammen einer Rede Hitlers: „Die 136 Menschen auf den Quadratkilometer in Deutschland können – selbst bei den größten Anstrengungen und genialster Ausnützung des vorhandenen Lebensraumes – ihre vollkommene Ernährung aus dem Eigenen nicht finden … Wenn das deutsche Volk und das Deutsche Reich nicht fünfzehn Jahre lang ausgepreßt und um seine gesamten internationalen Ersparnisse gebracht worden wäre, wenn es nicht seine gesamten Auslandskapitalien verloren hätte, und wenn es vor allem noch seine eigenen Kolonien besäße, dann würden wir die Aufgaben jedenfalls leichter zu meistern in der Lage sein. … Deutschland kann nicht auf die Lösung seiner kolonialen Forderungen verzichten. Das Lebensrecht des deutschen Volkes ist genau so groß wie die Rechte der anderen Nationen.“ (Proklamation des Führers auf dem Parteitag der Ehre)

Ich habe zwar noch eine Biographie über Herrn Ritter von Epp in meinem Regal, aber gelesen habe ich sie ehrlich gesagt, noch nicht. Sie stammt aus dem Jahr 1939 und müsste eigentlich Infos zum Reichskolonialbund enthalten. Mal sehen.

 

 

Da unter der Überschrift zu lesen ist „Bundesführer: Reichsstatthalter General Ritter von Epp“ und er diesen Titel nur zwischen 1936 und 1943 führte, desweiteren das Hitler-Zitat vom Reichsparteitag im September 1936 stammt, datiere ich unseren heutigen Artikel des Tages auf die Zeitspanne zwischen 1937 und 1943.

Die Flagge des Reichskolonialbundes in farbig kann uns Wikipedia zeigen, auf dem Flugblatt ist sie ja nur schwarz-weiß:

„Flagge Reichskolonialbund2“ von Fornax – Own work by uploader. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons – http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Flagge_Reichskolonialbund2.svg#/media/File:Flagge_Reichskolonialbund2.svg

 

 

Deutschlands Kolonien – noch ein Buch von 1912


Treue Leser kennen meinen Artikel vom 16. September 2014. Hier habe ich meine Traurigkeit über die schlechte Erhaltung des Buches zum Ausdruck gebracht und die Anschaffung eines besseren Exemplars überlegt.

Und nun habe ich tatsächlich eins gefunden, das mir zusagt. Es ist zwar die zweite Auflage – das 21.-40. Tausend – allerdings in ganz hervorragender Qualität und mit einer kleinen Zugabe.

Eine Widmung ist auch drin:

Walter Schönbeck erhält diese Prämie als Anerkenntnis seines Fleißes und guten Betragens. Berlin, der 28ten Septemb. 1912.

Schul-Inspektor der 25. Gemeinde-Schule Berlin.

Alle farbenphotografischen Abbildungen sind enthalten:

und zusätzlich (tataa) gibt es noch diese Mappe

in der alle achtzig Bilder nebst eines Vorworts enthalten sind.

Und darüber habe ich mich wirklich gefreut.

Nach Asche, Pfingsten, Kreuz, Luzei gedenke, dass Quatember sei – Haus-Kalender von 1891


Es gibt ein Update zu diesem Artikel vom 22. Juli 2014. siehe zwei Fotos weiter unten.  

Der Haus-Kalender – ein Büchlein, das die Familie durch das Jahr führte, Tipps und schlaue Informationen lieferte und sogar mit kleinen Geschichten aufwarten konnte. Diese Kalender gab es schon ewig, heute sind sie nicht mehr all zu oft gesehen, weil uns in der schnellebigen Zeit ein einzelnes Büchlein nicht mehr schafft, ein ganzes Jahr lang zu unterhalten.

Ich habe zwar hier zwei Kalender fotografiert, allerdings zeige ich euch weiter unten nur den von 1891. Haus-Kalender 1891 1892

Ganz zu Anfang wird dem geneigten Leser der aktuelle Stand des ortsverantwortlichen Fürstenhauses nahegebracht. So etwas musste man damals wissen um sich bei Gesprächen in Gesellschaft nicht zu blamieren.Haus-Kalender 1891 Genealogie

Weiter geht es mit interessanten Jahrestagen. 1891 war es

  • 1936 Jahre her, seit der julianische Kalender eingeführt wurde. (wenn ich mich recht erinnere, ist seitdem die Neuordnung der nun falsch benannten Monate aktuell: Sept(7)ember, Okt(8)ober, Nov(9)ember, Dez(10)ember. 2059 Jahre – und niemand hatte eine zündende Idee, die sich durchgesetzt hat); Update: Laut Wikipedia wurde der Jahreswechsel von den Römern erstmals bereits zu Beginn des Jahres 153 v. Chr. vom 1. März auf den 1. Januar verschoben. Es ist also bereits 2167 Jahre her.
  • 1858 Jahre her, daß das Leiden und Sterben Christi stattfand;
  • 621 Jahre her, daß in Deutschland das Papier erfunden (?) wurde;
  • 399 Jahre her, seit Amerika entdeckt wurde;
  • 21 Jahre her, von der Neuerrichtung des Deutschen Reiches

Wir lernen auch über die vier Quatember der verbesserten Zeit. Das kannte ich als Ungläubiger gar nicht, empfehle euch aber den Link bei Wikipedia zu lesen. Weitere Informationen zum Quatember findet ihr in meinem Artikel über Amts-Blätter von 1822, 1823 und 1824 – klickt hier

Zum Schluß gibt es auf dieser Seite Termine für Ostern und Finsternisse, sowie einen Auszug aus dem Hundertjährigen Kalender.

Haus-Kalender 1891 Quatember

Und los geht es mit den Monatsblättern – pro Monat eine Doppelseite mit Wochentag, verbessertem Monat (?), Auf- und Untergangszeiten für Sonne und Mond, Himmelserscheinungen und dem Sternzeichen. Auf der rechten Seite sind Messen, Jahrmärkte und ähnliches angezeigt,

Januar – Jänner (ein Versuch, die oben erwähnte Monatsbezeichnung sinnvoll zu aktualisieren. Da die Idee auch im Dritten Reich sehr großen Anklang fand, wurde sie nach dem Zweiten Weltkrieg dann wieder fallengelassen)Haus-Kalender 1891 Januar

Februar – HornungHaus-Kalender 1891 Februar

März – FrühlingsmonatHaus-Kalender 1891 März

April – StürmemonatHaus-Kalender 1891 April

Mai – BlüthenmonatHaus-Kalender 1891 Mai

Junius – BrachmonatHaus-Kalender 1891 Juni

Julius – HeumonatHaus-Kalender 1891 Juli

August – ErntemonatHaus-Kalender 1891 August

September – HerbstmonatHaus-Kalender 1891 September

Oktober – WeinmonatHaus-Kalender 1891 Oktober

November – WindmonatHaus-Kalender 1891 November

Dezember – ChristmonatHaus-Kalender 1891 Dezember

Anstelle von -monat ist mir auch schon mehrfach die Bezeichnung -mond untergekommen, also Heumond, Erntemond etc.

Gegen Ende kommt die Werbung. Hier für den Norddeutschen Lloyd (heute der zweite Teil der Hapag-Lloyd) und seine Transoceanischen Dampfschifffahrten z.B. von Bremen nach Newyork in 8 bis 9 Tagen oder auch von Bremen nach Ostasien (alle 4 Wochen mittwochs)Haus-Kalender 1891 Lloyd

Herren- & Knaben-Garderobe, Damen- & Mädchen-Confection oder auch neue Brillen und KlemmerHaus-Kalender 1891 Werbung

Auflistung der Mitglieder des ReichstagesHaus-Kalender 1891 Bundesrat Parteien

Brief-Porto
Haus-Kalender 1891 Brief-Tarif

Paket-Tarife nach dem Auslande: Canada über Hamburg, RM 3,20 pro Kilo, über Belgien sogar 3,40. In die deutschen Kolonien 3,20 für 5 kg – vergleichsweise ein Schnäppchen. Und nach Deutsch-Togo (Klein-Popo oder Loma) sogar nur 1,60 für 5 kg. Persien muß mit 6,80 für 3 kg natürlich wieder über die Stränge schlagen. Haus-Kalender 1891 Paket-Preise

Zu guter letzt die Bevölkerungszahl der Erde – damals noch recht überschaubar:

  • Asien:                                     828 Mio – 18,7 Ew/km²
  • Amerika:                               129 Mio – 3,4 Ew/km²
  • Afrika:                                    169 Mio – 5,7 Ew/km²
  • Europa:                                  365 Mio – 37,5 Ew/km²
  • Australien & Ozeanien:     5,7 Mio – 0,64 Ew/km²
  • Polargebiete:                   0,082 Mio – – Ew/km²

Heute sieht es schon anders aus: Asien: 4302 Mio, Amerika: 958 Mio, Afrika: 1100 Mio, Europa: 740 Mio, Australien / Ozeanien: 38 Mio

Haus-Kalender 1891 Erd-Bevölkerung

Deutschlands Kolonien – ein Buch von 1912


Ich habe in den unendlichen Weiten meiner Bücherschränke ein Buch gefunden, das euch vielleicht interessant erscheint. Mir gefällt es. Darum habe ich es vor einiger Zeit gekauft.

Es behandelt die deutschen Kolonien und spiegelt die Sicht aus dem Jahr 1912 wider. Über Kolonien (deutsche und andere) habe ich euch schon in vergangenen Artikeln erzählt.

Die aufmontierte Chromolithographie ist mir leider bei meinem letzten Umzug kaputt gegangen. Glücklicherweise gibt es das Bild innen noch einmal. Ich spiele mit dem Gedanken, das Buch nochmal in besserer Erhaltung zu kaufen, allerdings gibt es die Erstauflage nur in ähnlich angeschlagenen oder aber preislich unschönen Varianten zu kaufen. Update: Ich habe es gefunden – seht hier.

Das beeindruckende an diesem Buch sind die 80 Farbfotographien, die das Leben und die Landschaft um 1912 schön illustrieren.

Vielleicht hat es der eine oder andere schon bemerkt: ich mag die „gute, alte Zeit“ und freue mich jedesmal, wenn es eine Gelegenheit gibt zu sehen, daß auch damals das Leben nicht so schwarz-weiß war, wie wir es heute auf alten Fotos sehen. Dazu passend findet / fand in der Zeit vom 1. August bis 2. November 2014 im Berliner Martin-Gropius-Bau die Ausstellung
Die Welt um 1914. Farbfotografie vor dem Großen Krieg statt.

Ausstellungskatalog

Auf einer Landkarte wird die Lage unserer Kolonien gezeigt. Zugegeben, verglichen mit den Briten war unsere Beute eher kläglich.

Wer sich für das Leben in den Kolonien und den Umgang mit den Einheimischen interessiert, dem sei das gut lesbare Buch

Die Brückenbauer von Jan Guillou

empfohlen, in dem der menschenverachtende Umgang der Kolonialherren mit den Einwohnern der Kolonien sehr bewegend beschrieben wird. Wer nicht unter Homophobie leidet, sollte auch den zweiten Band nicht versäumen. Noch tiefere Einblicke gibt es übrigens im „Zeit-Blog„.

Aber zurück zum Buch des Tages. Da sind die beiden „eingeborenen“ Herren von den Karolinen-Inseln im Pazifik wieder.

Als vorbelasteter Kiautschou-Kolonial-Urenkel interessiert mich natürlich am meisten das dazu passende Kapitel.

Yamen / Yaman scheint heute so auszusehen.

Ob sich der Chinese von heute zu Feiertagen noch immer wie eh und je herausputzt?

Ach ja: daß sich seit dem Weggang der Deutschen aus Kiautschou nichts weiterentwickelt hat, könnt ihr an dem aktuellen Foto sehen, das ungefähr in die gleiche Richtung aufgenommen wurde, wie das Kapitel-Foto zum „deutschen Kiautschougebiet“ drei Bilder höher.

Gesellschaftsspiele im Lauf der Zeit 3 – Spiele-Buch von 1920 und 1970


Zum Abschluß der kleinen Spiele-Buch-Reihe habe ich heute zwei Bücher, die im Abstand von 50 Jahren erschienen sind.

Das grosse illustrierte Spielbuch von 1920 ist wirklich groß. Knappe 700 Seiten entführen uns in die Welt der Spiele der 1920er Jahre.Das große Spielebuch um 1920

Demgegenüber hat Robert Lembke – den die Älteren noch aus der heiteren Berufe-Raten-Sendung „Was bin ich?“ kennen – es gerade mal noch auf die Hälfte der Seiten geschafft.Das große Spielebuch 1970 Robert Lemke

 

 

Aber schauen wir zuerst in das Buch von 1920. Schöne Zeichnungen und unendlich viele Spiele.

Das große Spielebuch um 1920

 

 

 

Die Gliederung kommt den Büchern aus Teil 1 und 2 sehr nahe.Das große Spielebuch um 1920

 

 

Eins der Spiele zum Platzwechseln, das ich selbst bereits mehrfach bei Feiern ausprobiert habe, trug früher den Namen “ Die Reise nach Jerusalem“ und wurde in diesem Buch in „Die Reise nach Ostafrika“ umbenannt. Während heute die Reise nach Jerusalem mit dem Stuhltanz gleichgesetzt wird, bringe ich euch hier den Anfang der Spielregel: <<Das Spiel hieß früher allgemein „Die Reise nach Jerusalem“; da wir Deutschen aber heute wohl  noch öfter nach Ostafrika, wo wir Kolonien haben, reisen werden als nach dem staubigen Jerusalem der Türken, so haben wir dem alten Spiel diese neuen Namen gegeben. Es kann aber auch ebensogut „Reise nach Kamerun“ oder als „Reise nach Kiautschau“ gespielt werden.>> So so. Das Spiel selbst funktioniert folgendermaßen: Ein Spielleiter bereitet eine kleine Geschichte vor, die seine Reise nach Wohin-auch-immer beschreibt. Jeder Mitspieler bekommt einen Zettel, auf dem ein einzelnes Wort steht (Koffer, Zwiebel, Hängematte, Hafen, Zwieback, Seekrankheit usw.). Diese Worte werden, möglichst mehrfach in die Geschichte eingebaut. Jedesmal, wenn das entsprechende Wort vorkommt, muß die Person aufstehen und sich kurz zu den anderen verbeugen, dann wieder hinsetzen. Wird hingegen ein Adelstitel oder der Name eines Monarchen genannt, steht die gesamte Gesellschaft auf, macht einen Diener, die Damen einen Knicks und setzt sich wieder hin. Als drittes gibt es das Reiseziel. In meinem Fall war das „Jerusalem“ (was derzeit meines wissens nicht mehr von den Türken mit Staub befüllt wird). Jedesmal, wenn der Name des Reiseziels genannt wird, stehen alle auf und schauen in die Ferne, ob die Stadt schon in Sicht ist. Das schwierigste war die Vorbereitung der Geschichte. Allerdings, da wir im Spiel mit der MS Queen Mary unterwegs waren, die auch regelmäßig erwähnt wurde und auch die anderen Worte gut verteilt waren, hat es allen viel Spaß gemacht.Das große Spielebuch um 1920

Das große Spielebuch um 1920

Das große Spielebuch um 1920

Das große Spielebuch um 1920

Das große Spielebuch um 1920

Das große Spielebuch um 1920

Das große Spielebuch um 1920

Das große Spielebuch um 1920

Das große Spielebuch um 1920

 

Verschwunden ist übrigens die Tanz-Rubrik, die 1912 kurz aufgetaucht war.

 

 

Und nun zu Robert Lembke:Das große Spielebuch 1970 Robert Lemke

 

 

 

Er macht den großen Rundumschlag, bringt Abzählreime für Kleinstkinder (Hoppe, hoppe Reiter; Ich und Du, Müllers Kuh), für größere Kinder „Taler, Taler, du mußt wandern“ bis er schließlich über Käsekästchen und Einsargen (heute eher als Hangman oder Galgenmännchen bekannt) zu den Brettspielen kommt. Hier werden die Standardspiele (Schach, Dame, Mühle, Wolf und Schafe) erklärt, aber auch Mah-Jongg und Poch.

Alles in allem aber nur sehr kurz und nicht sehr liebevoll erklärt. Patiencen wurden seinerzeit von Omis gern gespielt – da habe ich auch noch irgendwo ein Büchlein. Traurigerweise sind Gesellschaftsspiele in unseren Tagen nicht mehr gesellschaftsfähig. Daher bleiben uns nur die bunten Brettspiele wie Öl für uns alle, Monopoly, Zug um Zug oder Carcassonne.Das große Spielebuch 1970 Robert Lemke

 

Grüße aus der Meiji-Ära


Zwei Postkarten wollte ich euch schon vor einigen Wochen vorstellen. Als ich neulich diesen Artikel schreiben wollte, musste ich feststellen, daß mein Kiautschou-Artikel auf den ich verweisen wollte, verschwunden war. Der ist nun vorgestern zum zweiten Mal veröffentlicht worden und ich hoffe, er bleibt, wo er ist.

Die Postkarten befanden sich in derselben Schachtel wie die meisten Kiautschou-Dinge. Das hat mich verwundert, weil das Datum der Poststempel 40.12.12 und 39.01.01 doch etwas spät anmuten. 1939/40 gab es schließlich keine deutschen Kolonien mehr.

Weit gefehlt: Die Karten stammen aus Japan (wie man eigentlich an den Briefmarken hätte erkennen sollen), das nie duetsche Kolonie war und wurden wahrscheinlich nur wegen ihrer exotisch anmutenden Schrift aus den deutschen Kolonien mitgebracht. Mein japanischer Kollege Mitsuhiro Sato und seine Frau Yuka haben mich über Datierungen in Japan aufgeklärt. Ähnlich wie zu Zeiten des römischen Imperiums wurden auch in Japan die Jahre nach Amtsantritt des Kaisers bzw. Tenno gezählt.

Postkarten Japan 1907

 

Meine beiden Karten stammen somit aus dem 39. bzw. 40. Regierungsjahr des Tenno Meiji, der dieser Epoche seinen Namen gab. Er wurde 1867 Tenno. Somit ist 1867 das Jahr 1 der Meiji-Ära. Das 39. Jahr ist demnach 1906 und alles macht plötzlich Sinn.

Aber was steht auf diesen 90 Jahre alten Karten drauf? Yuka Sato hat ihr Bestes gegeben und die alten japanischen Schriftzeichen so gut es ging gelesen. Hier die Übersetzung:

Die rechte Karte ist etwas einfacher, da sie weniger und größere Schriftzeichen enthält:

39.1.1 – Am Neujahrstag – Ein gesundes neues Jahr! Gesendet aus Osaka an Sugiyama-san in Kobe.

Die linke Karte ist da schon schwieriger. Ich schreibe die Vermutungen von Yuka Sato hier in der Ich-Form:

Die Karte wurde von einer jüngeren Schwester namens Shige an ihr älteres Geschwister (sehr wahrscheinlich ihren älteren Bruder) geschickt. Shige ging auf eine Mittlere Schule (vergleichbar mit den höheren Schulen in Deutschland zu dieser Zeit) und lebte in Otsu. Ihr Bruder lebte in Kyoto. (Ich vermute, es war ihr Bruder, da Mädchen der Besuch von Universitäten während der Meiji-Periode noch nicht gestattet war. Ein Name wird nicht genannt.)

Die Familie muß recht wohlhabend gewesen sein, da das Mädchen in eine Mittlere Schule ging und dort Musik, Englisch usw. lernte. Weiterhin schreibt sie sehr erfreut, daß sie sich in diesem Semester im Vergleich zum vorigen verbessert hat. Auch wenn Shige auf die Mittlere Schule gehen durfte, war das zu dieser Zeit dennoch ein seltenes Bild. Man darf vermuten, daß der Empfänger der Postkarte nicht zum arbeiten in Kyoto war, sondern zum lernen.

Und was schreibt Shige: Am 17. [zwei unleserliche Zeilen folgen] nach dem Semester, wird Mishima-san zum Haus seines Freundes in Kyoto und bleibt dort für eine Nacht bevor er zurück nach Kobe geht. Ich werde auch nach Kobe gehen.

Meine Examen in English, Moral, Wissenschaft, Geschichte, Etikette, Mathematik etc. sind alle abgelegt. Auch die Sägen-Teilnahme [Übersetzung nicht ganz sicher] ist beendet. Ich glaube, das Endergebnis dieses Semesters wird besser werden als das vorige Semester. Meine Winterferien beginnen am 24. Am 18. ist ein Fahnen-Fest in Otsu und alle Schüler der Mittleren Schule gehen hin.

Postkarten Japan 1907

 

Inzwischen dürfte Shige schon eine ganze Weile tot sein. Immerhin hat ihre Karte mit diesen Informationen überlebt.

Wer es noch nicht getan hat, sollte sich den Meiji-Artikel mal durchlesen. Wenn auch Mädchen noch nicht alles durften, hat er doch einige Reformen angestoßen. So verlor unter ihm z.B. der letzte Shogun seine Macht, die Samurai-Tradition wurde abgeschafft und Japan öffnete sich dem Westen. Das Feudalsystem fand sein Ende und der gregorianische Kalender seinen Anfang. (Damit dürfte es nach dieser Zeit keine Postkarten mehr mit der oben gezeigten Datierung gegeben haben. Ich hab die letzten!) 1889 gab Mutsuhito (so lautete sein Eigenname) Japan die erste Verfassung. 1912 ist er gestorben, begraben in Kyoto, geehrt mit diesem Schrein in Tokio.

 

Kiautschou – 2. Auflage


(aufgrund von Datenverlust ist der Original-Artikel vom 1.April 2014 verschollen. hier kommt eine reproduzierte Version aus dem Google Cache)

 

Kiautschou, ein 552 km² größer Teil der Shadong-Halbinsel mit der Hauptstadt Tsingtau (heute Qingdao), war mal für kuze Zeit eine Deutsche Kolonie in China.

Das deutsche Kaiserreich hat sich mit diesem Pachtvertrag dort 1898 auf 99 Jahre festsetzen wollen:

(c) Bundesarchiv

Auch das hat ja nicht geklappt. Im November 1914 war schon wieder Schluß und das Gebiet ging an das Japanische Kaiserreich. Wikipedia weiß einiges über Kiautschou.

Mein Ur-Groß-Onkel (großmütterlicherseits) – also der Bruder meines Ur-Opas – hat es sich jedoch nicht nehmen lassen, 1910 in Tsingtau im Mar-Feld-Bat (Marine-Feld-Batallion) als Mar-Feld-Art (Artillerist?) zu dienen und seinem Bruder einen Brief zu senden.Kiautschou Brief 1910

Dieser Brief fuhr dann “Via Sibirien” zu meinem Ur-Großvater, wahrscheinlich um zur Geburt dessen ersten Kindes, seiner Nichte, meiner Oma zu gratulieren. Allerdings war sie bei Aufgabe des Briefes bereits 2 Monate und 2 Tage alt.

Kiautschou Brief 1910

Was genau im Brief stand, werden wir nie erfahren.

Die letzten drei verblieben Mitbringsel aus dieser Zeit sind:

  • dieser Fächer im Endstadium (ich glaube nicht, daß man da noch etwas reparieren kann),

Chinesischer Fächer (Kiautschou)

  • ein Tee-Tablett und
  • zwei interessante japanische Postkarten.

Der Rest ist den Gang alles Vergänglichen gegangen.

Da ich aber eine Menge Kiautschou-Briefmarken habe, scheint der gute Onkel dort entweder eine ganze Weile ausgeharrt zu haben oder er hat sehr viel geschrieben. Da muß ich doch nochmal auf das Datum des Poststempels schauen.

Der breiten Masse ist heute wahrscheinlich nur das Bier noch ein Begriff.

tsingtao_beer

Dazu hier mehr.

Die Postkarten haben inzwischen einen eigenen Artikel. Der Link dazu ist hier.

Erstschlag mit dem Fliegenwedel – Weltausstellung 1900


Zugegeben, der Titel mag etwas verwirrend klingen, aber als ich die folgende Zeile in der Wikipedia-Rubrik „Was an diesem Datum geschah“ las, kam mir der Gedanke zum heutigen Artikel:

1827: Wegen dessen Antwort zum Schuldenproblem verabreicht der algerische Herrscher Hussein Dey dem französischen Konsul Pierre Deval bei einem Empfang in Algier drei Schläge mit dem Fliegenwedel. Der Vorgang führt drei Jahre später zur Anlandung französischer Truppen und zur Besetzung Algeriens.

Es gibt immer wieder tolle Gründe, um Kriege anzufangen oder in fremde Länder einzumarschieren. Dieser hier war mir neu.

Was hat das nun mit dem Artikel des Tages zu tun?

Vom 15. April bis 12. November 1900 fand die 13. Weltausstellung in Paris statt. Hier wurden so spektakuläre Erfindungen gezeigt, wie:

  • ein Rollender Bürgersteig – der Vorgänger der heutigen Rollwege, die man gern auf Flughäfen benutzt aber auch ein Vorgänger unserer Rolltreppen;
  • Großbildprojektionen der Gebrüder Lumiere – das erste Public Viewing
  • ein Dieselmotor mit Erdnußöl-Antrieb
  • die Pariser Metro wurde eröffnet
  • Karl Strobach sr. wurde für sein Zigarettenpapier „Olleschau“ mit der großen Goldmedaille ausgezeichnet.
  • Die Plauener Spitze erhielt einen Grand Prix.

Zur Finanzierung der Weltausstellung wurden ab 1896 unter anderem Los-Heftchen verkauft, die eine Menge Vorteile boten. Preis: 20 Franc; was bekam man dafür?

Weltausstellung Paris 1900

Die Mittelseite besteht aus dem eigentlichen Los. Dreieinviertel Millionen Lose wurden verkauft.

Weltausstellung Paris 1900

Die Liste der Glücks-Ziehungen ist relativ lang: In jedem der 5 Jahre 1896 bis 1900 fand eine Hauptziehung und mehrere Nebenziehungen statt. Die Hauptgewinne betrugen immerhin jeweils 500.000 Franc, in den 5 jährlichen Nebenziehungen jeweils 100.000 Franc.

Weltausstellung Paris 1900

Aber es gab noch mehr Vorteile: Zwei Gutscheine für um 25% verbilligte Eintrittskarten zur Ausstellung. Mein Vorbesitzer hat allerdings nur eine davon genutzt.

Desweiteren gab es einen Reisegutschein zur Weltausstellung. Dieser untergliederte sich wie folgt (mein französisch hält sich in Grenzen – Berichtigungen sind willkommen):

  • entweder 3 Reisen über eine Entfernung von mehr als 50 aber weniger als 200 Kilometern;
  • oder 2 Reisen über eine Entfernung von 201 bis 500 Kilometern
  • oder 1 Reise über eine Entfernung von mehr als 500 Kilometern (jeweils hin und zurück)
  • oder – und hier schließt sich der Kreis zur Geschichte vom Anfang – eine Anreise per Eisenbahn und Schiff aus den Kolonien Korsika, Algerien und Tunesien.

Weltausstellung Paris 1900

Nochmal die Rückseite des Gutscheins für die verbilligte Eintrittskarte:Weltausstellung Paris 1900

Mit welchem Schiff man damals aus den Kolonien aufs Festland herüberkam, könnte man mit etwas Geduld hier drin nachschlagen – dazu aber später ein gesonderter Artikel:

Buch Schiff Verzeichnis (Compagnie Generale Transatlantique)

Es gab übrigens auch für Besucher aus Deutschland hilfreiche Druckausgaben. Eine davon besitze ich. Dieses kleine Büchlein wurde von der Helios Elektricitäts AG herausgegeben und enthält neben Beschreibungen und Zeichnung der gängigsten Sehenswürdigkeiten auch einen Stadtplan. („mit dem Führer durch Paris“ hatte damals noch eine angenehmere Bedeutung als 40 Jahre danach) Den kompletten Artikel zu diesem Paris-Führer findet ihr hier.Führer Weltausstellung Paris 1900

Die Welt in 100 Jahren


Heute gibt es eine Buchempfehlung. Diese Reprint-Ausgabe erschien 2010, also exakt 100 Jahre nachdem das Original herausgegeben wurde. 22 seinerzeit berühmte und bekannte Personen – von denen heute höchstens noch Bertha von Suttner bekannt ist – haben die Kapitel geschrieben. Die Welt in 100 Jahren 1910 Reprint 2010 Die Welt in 100 Jahren 1910 Reprint 2010 Aus dem Inhaltsverzeichnis:

  • Das 1000-jährige Reich der Maschinen
  • Das drahtlose Jahrhundert (Wir können mit Hilfe kleiner Kästchen, die am Kopf befestigt werden, mit Menschen reden, die hunderte Meilen entfernt sind oder  im heimischen Salon sitzen und Theater- und Opernaufführungen verfolgen, als würden wir in einer Loge sitzen (Koch-Sendungen und Talent-Shows wurden allerdings nichts erwähnt)
  • Verbrechen und Wahnsinn im XXI. Jahrhundert
  • Der Krieg in 100 Jahren
  • Der Frieden in 100 Jahren (Bertha von Suttner)
  • Die Kolonien in 100 Jahren
  • Die Frau in 100 Jahren
  • Die Frau und die Liebe
  • Das soziale Leben in 100 Jahren
  • Die Religion in 100 Jahren
  • Das Jahrhundert des Radiums (Dr. Everard Hustler wollte alle Lampen durch Radium-Strahler ersetzen und dadurch eine komplette Krankheitslosigkeit erreichen)
  • Der Sport in 100 Jahren
  • Der Weltuntergang

Die Welt in 100 Jahren 1910 Reprint 2010

Die Welt in 100 Jahren 1910 Reprint 2010

Welch kühne Idee: fern-sprechen und fern-sehen – wie soll das jemals funktionieren?

Die Welt in 100 Jahren 1910 Reprint 2010

neue Ausflugsziele

Die Welt in 100 Jahren 1910 Reprint 2010

Leben in den Kolonien

Die Welt in 100 Jahren 1910 Reprint 2010 Die Welt in 100 Jahren 1910 Reprint 2010

Radium

Die Welt in 100 Jahren 1910 Reprint 2010

kein Rathaus mehr dank Radium-Todes-Strahlen

Die Welt in 100 Jahren 1910 Reprint 2010

Krieg Die Welt in 100 Jahren 1910 Reprint 2010

Die Welt in 100 Jahren 1910 Reprint 2010 Für alle, die sich so wie ich für derartige Literatur interessieren, sei das Buch wärmstens empfohlen. Setzt euch unter die Radium-Lampe und genießt diese Lektüre. PS: Die hier gezeigten Fotos stammen von der Copyright-freien Original-Ausgabe (Dank an die Staatsbibliothek). Lediglich die Titelseite und das Cover sind vom Reprint

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