Anna Denga – 1738


Es gibt schon wieder Geld.

Die heutige Münze kommt aus Russland. Sie wurde 1738 unter der Herrschaft der Zarin Anna Ioannowna geprägt. Die gute Dame war selbst am prunksüchtigen russischen Zarenhof als extrem vergnügungssüchtig bekannt.

Das geprägte Wort Denga, денга (noch ohne das Weichheitszeichen ‚ь‘ nach dem ‚н’=n im heute gebrauchten Wort деньга) bezeichnet die Währungseinheit. Die Denga wurde aus dem tatarischen Tengah abgeleitet, der wiederum eine Ableitung des Dirhem ist. Der Dirhem (in Marokko z.B. heute noch Dirham) selbst ist eine Ableitung der griechischen Drachme. Ein schönes Beispiel, wie Münznamen im Lauf der Zeit über Regionen wandern und dabei immer weiter verändert werden. Da ist das Beispiel des Thalers, der dank des sächsischen Dialekts zum Dollar wurde um Jahrhunderte jünger und unspektakulärer.

Zurück zu unserer 278 Jahre alten Münze.

Die Rückseite ziert der russische Doppeladler. Der Wert des Denga wurde später in eine halbe Kopeke umgewandelt. Aber ebenso, wie sich in Deutschland der längst abgeschaffte Groschen (12 Pfennige) oder in Berlin der Sechser (6 Pfennige = halber Groschen) für das 10- bzw. 5-Pfennigstück bis zur Abschaffung der D-Mark gehalten haben, wurde der Plural des Denga, Dengi zum Synonym für Geld. Eine lustige Neben-Information: die noch kleinere Münze Halb-Denga hieß im Volksmund Poluschka. Das ist das russische Wort für „halbes Hasenfell“ und dürfte in etwa die Kaufkraft der Münze ausgedrückt haben. Noch heute bezeichnet man seinen Lohn als Poluschka.

 

Was geschah eigentlich sonst noch im Jahr der Ausgabe der Münze, 1738?

  • Georg Friedrich Händel lebt und arbeitet in London;
  • Die 16-jährige Helena Curtens wird als letzte Hexe am Niederrhein auf dem Scheiterhaufen verbrannt. (die Schweiz und Südpreußen hielten noch weitere 50 Jahre an diesem Brauch fest)
  • Papst Clemens XII. spricht ein Verbot der Freimaurerei aus und ruft zum Handeln gegen diese vermeintlichen „Geheimbünde“ auf. Bis heute ist es Katholiken formell untersagt, sich in die Bruderschaft der Freimaurer aufnehmen zu lassen.
  • Der Astronom Wilhelm Herschel wird geboren.
  • Joseph Süß Oppenheimer wird erhängt und seine Leiche 6 Jahre lang am Galgen in einem Eisenkäfig gelassen. Seine Geschichte wird 200 Jahre später von den Nazis im Film „Jud Süß“ zu Propagandazwecken umgedichtet.
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Besuchen Sie die Sowjetunion, bevor die Sowjetunion Sie besucht – Intourist-Prospekte


Update: Da mir einige Fotos abhanden gekommen sind, erscheint dieser Artikel vom 17. September 2014 nun nochmal in der Komplettversion.

Es gibt wieder Prospekte.

Diesmal vom Internationalen Reisebüro der Sowjetunion – Intourist. Sie stammen von meiner Tante, die meines Wissens nie in die Sowjetunion gereist ist.


Zum 40. Geburtstag von intourist, 1969, wurde diese Broschüre herausgegeben.

 

 

 

Im zweiten Prospekt, erschienen 1967, gibt es mehr Details zu einer Reise in die Sowjetunion.

Auf der Vorderseite ist ein Stadtplan von Moskau, aber die wirklich spannenden Infos findet man es auf der Rückseite.

Eine kurze Begrüßung:

 

 

Tipps für Reisen mit dem Mietwagen. Ich habe keine Ahnung, wie der Wechselkurs Rubel – DDR-Mark 1969 war, aber einen PKW Wolga mit Fahrer und inklusive Kraftstoff für eine Strecke von bis zu 240km für 27 Rubel, das klingt preisgünstig! Ohne Fahrer kostet ein Auto 3,60 bis 5,40 Rubel pro Tag. Benzin extra. Besonders beeindruckt hat mich der Satz: 10 Liter Benzin kosten in der UdSSR 54 bis 64 Kopeken. 10 Liter !!!

 

 

Für die Shopping Bugs unter euch die dritte Seite. Eine kleine Auswahl von Geschenkeläden. Hier wurde mit Valuta bezahlt – also harte Währung: Dollar, D-Mark, keine DDR-Mark oder Rubel.

 

Restaurants:

 

Museen:

 

Und zum Schluß noch etwas Kultur für das Jahr 1966.

Und was die Hauptstadt der Sowjetunion nicht alles zu bieten hatte:

 

Und ein Metro-Plan, der hoffentlich in den vergangenen 50 Jahren noch etwas Umfang dazugewonnen hat.

 

Also dann, Koffer gepackt und ab nach Leningrad, Moskau, Sotschi oder Ordshonikidse (siehe Souvenirladen-Seite).

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