Urlaubsreisen 1939 – Brot und Spiele


Eine der Maximen des Deutschen Reiches war es, das Volk bei Laune zu halten. Nicht allein sollte sich der Deutsche großartig fühlen, weil er Deutscher war, er sollte auch Gründe haben, auf das Deutsche Reich stolz zu sein. Da die staatlich verordnete Propaganda auf Dauer öde und einschläfernd war, mussten andere Wege gefunden werden, dem Reichsbürger die Großartigkeit der großdeutschen Reichsführung zu vermitteln.

Urlaub von der harten Arbeit war hier eine willkommene Abwechslung für den Volksgenossen. Das Programm „Kraft durch Freude hatte ich euch schon mehrfach vorgestellt. Alle Artikel zu diesem Thema findet ihr hier.

Heute gibt es einen Urlaubskatalog der Deutschen Arbeitsfront (DAF) für Sachsen aus dem Jahr 1939.

 

Ganz zu Beginn die unvermeidliche Hitler-Rede, die wirklich nirgends gefehlt hat.

Bei den Römern hieß das in anderen Worten ausgedrückt Panem et circensis – Brot und Spiele.

Eine Vorrede des Gaubmanns Hellmut Peitsch steht dem Katalog voran. (Sein Wikipedia-Artikel ist übrigens nicht uninteressant.) Er erläutert die Gründe des verspäteten Erscheinens dieses Heftes, geht auf die Probleme der notwendigen Sonderzüge der Deutschen Reichsbahn zur Verbringung der Urlauber an ihren Zielort und zurück sowie die durch Eroberungen gewachsene Fläche des zu befahrenden Großdeutschen Reichs.

Hinweis: Reist nicht nur in die Ferne, sondern seht euch auch unser schönes Sachsenland an! Und reist auch im Mai und September!

Unsere Ostmark – nicht zu verwechseln mit der Währung der DDR – umfasste grob die Gebiete von Österreich und Tirol. (siehe hier)

 

Gefolgt vom schönen Sudetenland, dem Grenzgebiet zwischen Österreich, Deutschland und der damaligen Tschechoslowakei.

 

Die im Katalog hier und dort eingefügten Hinweise für den Reisenden sind wert, gelesen zu werden. Am Ende der Artikel finden sich übrigens die Fahrten-Nummern. Mehr dazu später.

 

 

Die Heimat Sachsen als Ausflugsziel – nicht langweilig, dafür günstig:

 

Schlesien – rechts von Sachsen, bis zur damaligen russischen Grenze asu dem nach dem Zweiten Weltkrieg  große Menschenmassen als Flüchtlinge nach Deutschland geströmt kamen. (siehe hier)

 

 

Die Nord- und Ostsee – hier hat sich bis heute nur wenig verändert. Die Einheimischen tanzen vergnügt am Strand, Kutschfahrten durch’s Watt und strandkorbgepflasterte Strände.

 

aber lest selbst

 

Weiter führt unsere Reise nach Ostpreußen mit seiner Hauptstadt Königsberg (heute Kaliningrad) und in die Lüneburger Heide.

 

Wirklich wichtige Hinweise für alle Urlauber – bedenkt: damals gab es keine Computer, an denen in Echtzeit die Verfügbarkeit überprüft und gebucht werden konnte. Hier galt es, rechtzeitig eine Anmeldung abzugeben und abzuwarten.

 

die KdF-Reisegepäckversicherung

 

Und schließlich die Fahrten im hinteren Teil des Kataloges:

Beachtet auch die blauen Abkürzungen FW – Ferienwanderung, RW – Radwanderung, FWL – Ferienwanderlager, FA – Faltbootwanderung

 

Hinweise zum ordentlichen Bezahlen:

 

Ganz neu – neuzeitliche Reise-Omnibusfahrten

 

Teilnahmebedingungen

 

Und schließlich das weiter vorn angekündigte Preisrätsel

Aber, freut euch nicht zu früh – mitmachen ist sinnlos: der Einsendeschluß war der 31. Mai 1939 und mit den Kdf-Reisegutscheinen im Wert von RM 30,- könnt ihr eh nichts mehr anfangen.

 

Ach ja, es gab noch die ganz exklusiven, kostspieligen Auslandsfahrten mit dem Kreuzfahrtschiff

Das hier beschrieben KdF-Kreuzfahrtschiff „Wilhelm Gustloff“ kennt ihr ja schon von diesem Artikel.

Kurzfahrten:

 

 

Wanderfahrten:

 

sehr schön die damals übliche Bezeichnung „nach dem“ bei Reiseangaben:

 

Schmucke und bequem eingerichtete Dampfer für Betriebsgefolgschaftsfahrten

 

Die Fahrten in diesem Katalog reichen übrigens bis zum 25. September, Rückfahrt 2.Oktober. Ob all diese Fahrten tatsächlich durchgeführt wurden, wo ja am 1. September mit dem Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg begann, kann ich nicht sagen. Sicher ist hingegen, daß dieser KdF-Urlaubskatalog der letzte seiner Art gewesen sein dürfte, da mit dem Kriegsbeginn die Urlaubsreisen in anderer Form stattfanden, wenn auch auf vorerst noch wachsendem Reichsgebiet.

 

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Das verlustreichste Schiffsunglück in der Geschichte der Seefahrt


Wer von euch hat bei der Überschrift gedacht: „Hatte er nicht schon einmal einen Artikel über die Titanic veröffentlicht?“ Ja, hatte er: hier.

Allerdings war der Untergang der Titanic zwar ein medienwirksames Ereignis (Zitat: Im Gegensatz zum Schiff kam der Film in Amerika gut an.), allerdings schafft diese Katastrophe es auf der Liste der Schiffsuntergänge mit den meisten Toten nicht mal unter die ersten 30. Die vorderen Plätze nehmen dabei viele im Zweiten Weltkrieg versenkte japanische Truppentransporter ein.

 

Der mit Abstand größte Verlust eines einzelnen Schiffs ereignete sich gar nicht so weit entfernt. Am 30. Januar 1945 wurde vor der Küste Pommerns die Wilhelm Gustloff versenkt. Dabei handelte es sich ursprünglich um ein Ausflugsschiff der NS-Organisation Kraft durch Freude (KdF). Wie man zu einer Fahrt auf diesem Schiff kam, hatte ich hier schon berichtet. Was zu beachten war, lest ihr hier.

Der heutige Artikel ist ein Dokument aus der Zeit, als an Kreuzfahrten nicht mehr zu denken war. Bereits mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde das Ausflugsschiff in ein schwimmendes Lazarett umgebaut. In den Jahren 1939 und 1940 wurden, hauptsächlich während der Besetzung Norwegens, verwundete Soldaten, versorgt und in die Heimat gefahren.

Von November 1940 bis Januar 1945 wohnten die U-Boot-Besatzungen der 2. U-Boot-Lehrdivision an Bord des in Gotenhafen vor Anker liegenden Schiffs.

Ein Teil dieser U-Boot-Besatzung war auch Hans-J. Maetze, Mtr Ob Gfr (Matrose Ober-Gefreiter?) über dessen Schicksal mir nichts bekannt ist. Lediglich diese Weihnachtskarte, adressiert an die kleine Ilsetraute Techow aus Berlin-Köpenick, ist erhalten geblieben.

 

20.12.43

Dir liebe Traute von ganzem Herzen ein recht fröhliches Weihnachtsfest, gleichzeitig alles Gute zum Neuen Jahr und werde vernünftig und mach Deiner Mutti keinen Kummer. Sei recht brav und sei mit den innigsten Grüssen bedacht.

Hans

Mtr.Ob.Gfr. H.J.Maetze 6./-2. U. L. D. Gotenhafen „Gustloff“

Wer sich dafür interessiert, was man auf der „Gustloff“ gelernt hat, der kann hier einen Bericht eines Kameraden von Hans Maetze lesen.

Details zur Versenkung weiß Wikipedia. Eine Doku gibt es hier.

 

Eisernes Sparen


Was ein Bausparvertrag ist, weiß jeder. Man spart einen Teil seines Geldes um damit den Bau eines Hauses oder dessen Renovierung zu finanzieren. Hat man die Hälfte eingezahlt, bekommt man einen zinsgünstigen Kredit über die andere Hälfte und kann somit zu günstigen Konditionen den Weg ins Eigenheim ebnen.

Im Dritten Reich gab es noch zwei weitere Arten, sein Geld für einen besonderen Anlass aufzusparen. Ziemlich gut bekannt ist das sogenannte KdF-Sparen. Kdf – Kraft durch Freude – war das Programm, mit dem ab 1933 im nationalsozialistischen Deutschland die Freizeitgestaltung der Volksgenossen in gelenkten Bahnen verlaufen sollte. Die Idee war nicht schlecht und wurde in der DDR teilweise mit den Freizeitaktivitäten des FDGB fortgesetzt. Die KdF-Geschäftsfelder mit Hintergrundinformationen findet ihr hier. Eine Parallele zum Bausparvertrag war das sogenannte KdF-Wagen-Ansparen, also die Hälfte des Kaufpreises des KdF-Wagens, des VW Käfers, anzusparen, das Auto ausgeliefert zu bekommen und danach in monatlichen Raten die zweite Hälfte zu bezahlen. (dieses System hat es übrigens nie über die Ansparphase geschafft, kein Auto wurde jemals ausgeliefert)

Während das konservative und in Banken vertrauende Bausparen vorwiegend von Beamten und Angestellten im öffentlichen Dienst genutzt wurde, fanden sich für das KdF-Sparen hauptsächlich Gefolgsleute der nationalsozialistischen Idee. Schließlich gab man sein Geld in die Hände einer NS-Organisation, also dem Staat.

Aber es gab noch eine dritte Art des Sparens, die unser heutiges Thema sein soll: das Eiserne Sparen.

 

Die Eiserne Sparerklärung war ebenso gewagt wie gezwungen. Überwiegend in Betrieben wurde unter Kollektivzwang für den Abschluss eines Eisernen Sparvertrages geworben. Wer wollte da als Einziger in der Arbeitsgruppe nicht teilnehmen? Und somit wurden zahlreiche Sparer gewonnen. Aber wieviel und worauf sparte man überhaupt?

Das Eiserne Sparen wurde mit vorgegebenen wöchentlichen Beträgen durchgeführt. Zu Beginn im Jahr 1941 waren das 6 Reichsmark pro Woche, später wurde der Betrag auf bis zu RM 1,- gesenkt um noch mehr Sparer zu ermutigen. Das Geld war vorhanden, schließlich hatte die Mangelwirtschaft in den zwei Jahren des Krieges dazu geführt, daß zwar die Löhne erhöht worden waren, jedoch nicht mehr ausreichend Waren im Handel zur Verfügung standen. Die Durchschnittsfamilie hatte Geld übrig, das der Staat brauchte.

Das Sparziel hingegen war im Vergleich zum Bau- und KdF-Sparen ganz unsicher. Die Spareinlagen wurden zwar nur mit dem Sparbuchzins verzinst, waren dank Steuerfreiheit trotzdem lukrativ. Allerdings war eine Auszahlung der angesparten Summe frühestens ein Jahr nach Kriegsende möglich. Das machte die Angelegenheit heikel, denn wer wollte einem Abschluss des Sparvertrages schon widersprechen, weil ihm das Kriegsglück Deutschlands unwahrscheinlich erschien? Und wer wollte darüber nachdenken, was aus den Spareinlagen wird, sollte Deutschland den Krieg nicht gewinnen?

Zum Zeitpunkt des Abschlusses des oben gezeigten Vertrages von Walter Müller am 28.11.1941, also nur 18 Tage nachdem das Programm ins Leben gerufen wurde, war die Welt für jeden führertreuen Nationalsozialisten noch in Ordnung. Seit 5 Monaten marschierte die Wehrmacht auf sowjetischem Boden und eroberte „Lebensraum im Osten“. Der Winter vor Stalingrad war noch ein Jahr entfernt und die braune Welt drehte sich im Takt des Gleichschritts. Da glaubte man noch an einen schnellen Sieg und fette Beute.

Der Ausgang des Krieges ist bekannt, das Ergebnis des nicht kündbaren Eisernen Sparvertrages war eine Umschreibung in ein normales Sparbuch im Jahr 1947. Mit der Währungsreform 1948 erfolgte eine Umstellung von 10:0,65 zur D-Mark, also aus 10 Reichsmark wurden 65 Pfennige. Wer wie Walter Müller gleich von Beginn an dabei war und von November 1941 bis zum Kriegsende monatlich seine RM 26,-einzahlte, hatte die Höchstansparsumme von knappen 1100 Reichsmark erzielt und erhielt nach der Währungsreform 71 D-Mark. Ein Anspruch auf Entschädigung von immerhin 13,5% nach dem Altsparergesetz bestand leider nicht, weil alle Einzahlungen nach dem 1.1.1940 getätigt wurden.

Wieder einmal war der Bürger der Dumme.

Andere Artikel zum Thema sind Gold gab ich für Eisen, Knochenseife und Metallspende.

 

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