Opel-Mehl


Daß der Name Opel früher für mehr, als Autos stand, wisst ihr spätestens seit meinem Artikel über Opel-Fahrräder (hier) und Opel-Zwieback (hier). Ein aufmerksamer Besucher meines Museums hat bei sich eine Dose auf diesem Bild

wiedererkannt und mir freundlicherweise zukommen lassen. Schaut mal links oben.

So sieht sie aus:

 

Zwar sind die Papieretiketten im Lauf der Zeit abgefallen, aber ich habe mal nachgewogen: es passen ca. 340g Weizenmehl hinein. Meine Vermutung ist, daß Kindermehl eher leichter ist und wir hier die kleine Dose zum Preis von RM 0,89 vor uns haben.

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Margarine für deutsche Helden


Und noch ein Ausstellungsstück aus der Abteilung „Trustfrei„.

Bisher habe ich euch nur über trustfreien Tabak und Honig erzählt. Heute kommt noch die Margarine dazu. Die Fett-Industrie war und ist sehr wichtig. Wer die Butter oder Margarine herstellt, verfügt über nicht unerheblichen Einfluß. Im gegenwärtigen deutschen Land teilen sich diesen Markt eine Handvoll Unternehmen, die zumeist ihre Wurzeln und das Ziel des Kapitalflusses im Ausland haben. Unilever (Rama, Sanella, Becel, Lätta) als internationaler Konzern und Müller mit deutschen Wurzeln sind wohl am bekanntesten.

In den ersten Jahren nach 1900 tobte ein erbarmungsloser Kampf um Marktanteile. Ausländisches Kapital drohte die heimische Wirtschaft zu ruinieren und erwirtschaftete Gewinne ins Ausland abzuziehen. Die Anti-Trust-Bewegung versuchte, dieser Unterwanderung durch ausländische, meist britische und amerikanische Firmen und Banken zu begegnen.

Heute gibt es dazu einen Werbezettel der Leipziger Margarinefabrik Richard Held, in der appelliert wird, nur deutsche Margarine zu essen. In allen vier Ecken wird hingewiesen, daß die Heldenstern Sahnemargarine trustfrei produziert wird.

 

Und damit der Zettel nicht einfach weggeworfen wurde, ist auf der Rückseite ein hübsches kleines Ausmalbild aufgedruckt. Denn wer will schon ein Bild, das das eigene Kind ausgemalt hat, wegwerfen?

Opel-Zwieback


Heute gibt es schon wieder einen Beitrag zu einem Produkt, das mich anfangs in die Irre geleitet hat. Diese schöne Gewichts- und Ernährungstabelle ist ein Werbegeschenk der Leipziger Zwiebackfabrik H. O. Opel.

Entgegen meiner ersten Vermutung, ist Herr H.O. (wahrscheinlich Hans- oder Heinrich-Otto) nicht mit den Rüsselsheimer Autobauern verwandt. Die Fabrik zur Herstellung von Zwieback, der manchmal Kinderkalk-Zwieback, oder Kindermehl-Zwieback betitelt wurde, bestand seit 1878 in Leipzig. Neben Zwieback wurden weiterhin das besagte Kindermehl (das hoffentlich nur für und nicht aus Kindern gewonnen wurde) und Kekse hergestellt. Ob es die Kekse bereits 1878 gab und ob sie damals ebenso wie die hier beschriebenen Bahlsen-Kekse auch noch Cakes hießen, konnte ich nicht herausfinden.

Wozu Opel-Zwieback verwendet werden konnte, sehen wir, wenn wir die Gewichtstabelle auseinander falten. Ein Klick auf’s Bild lohnt sich.

Opel’s Kalk-Kindermehl für den ersten Schleimzusatz zur Flasche und Opel Zwieback als erste breiige Beikost. Das klingt aber lecker!

Auf der rechten Seite gibt es Hinweise zum „regelmäßigen Wägen und Vermerken des Gewichtes“ und den Hinweis „Frage die Fürsorge oder den Arzt nach der Nahrungszusammensetzung“.

Wusstet ihr, daß ein Kind im ersten Lebensvierteljahr wöchentlich 180-200g zunehmen sollte, später 150g und gegen Ende des ersten Lebensjahres 100g wöchentlich? Nach einem halben Jahr sollte es das Doppelte des Geburtsgewichtes und zum 1. Geburtstag das Dreifache wiegen.

Damit man den Überblick nicht verliert, befindet sich auf der Innenseite die eigentliche Tabelle:

Was man da nicht alles eintragen konnte. Rechts gibt es die Ideallinie für das gedeihende Kind und 52 Spalten – eine für jede Woche.

Eingetragen wurde hier nichts. Die Beispielzeile gibt als Datum 1935 an. Das erleichtert die Datierung ungemein.

Dieses äußerst nützliche Prospekt für die junge Mutter ist das letzte verbliebene Exemplar, das in unserer Drogerie seinerzeit den Kundinnen überreicht wurde.

28. October 1869 – Neues Leipziger Stadt-Theater – Ein Attaché


Ein Mitbringsel vom Trödelmarktbesuch am 1. Mai 2015 soll heute unser Star des Tages sein. Die Bretter, die die Welt bedeuten befanden sich in Leipzig unter anderem im Bühnen-Fußboden des Neuen Theaters.

Es ist mein viertes Theaterprogramm aus dieser Zeit, wobei ich zugeben muß, daß ich Nummer 3 irgendwo verlegt habe. Weg ist es nicht, es geht ihm nur genauso, wie dieser Tarzan-Werbung.

Am Donnerstag, dem 28. October 1869, also ein gutes Jahr nach der feierlichen Eröffnung des Neuen Theaters, wurde in besagtem Neuen Leipziger Stadt-Theater das Stück Der Attaché von Henri Meilhac aufgeführt.

Während Monsieur Meilhac nur noch wenigen in Erinnerung sein dürfte, ist zumindest sein 1861 geschriebenes Stück „L’attaché d’ambassade“ (zu Deutsch: Ein Attaché, eigentlich: Der Botschafts-Attaché) noch in die Geschichte eingegangen. Dieses Stück diente nämlich als Grundlage für die 1905 – also 44 Jahre später – von Franz Lehar „ausgedachte“ Operette Die lustige Witwe. Details findet ihr bei Wikipedia.

Ein interessantes Detail auf diesem Theaterprogramm könnt ihr auf der Vorderseite, unterhalb der Karten-Preisliste sehen. Hier wird das neu eingeführte Reservirungs-System beschrieben und vor Ticket-Betrügern gewarnt. Gefälschte Eintrittskarten waren offensichtlich 1869 ebenso wie knappe 150 Jahre später ein bekanntes Phänomen. (Wundert euch im weiteren Verlauf nicht über die Verwendung der vor 1901 noch giltigen Rechtschreibung. Die gefällt mir, so daß ich den Rest des Beitrags damit schreibe.)

Die Rückseite des Leipziger Theaterzettels No. 261 ist vollgepackt mit Anzeigen, die der Finanzierung (bzw. Finanzirung) desselben gedient haben dürften. Auch da hat sich in 150 Jahren nichts geändert. Geändert hat sich jedoch, daß der Theaterzettel nicht als Werbewurfsendung die Briefkästen oder als Klebeplakat die Häuserwände verzirt hat, sondern daß er entweder beim Theaterzettel-Verlag in der Johannisgasse 6-8 oder beim Zettelträger Worch abgeholt oder für 5 Neue Groschen pro Monat abonnirt werden konnte.

Die Kohlen-Anzeige ist sehr schön. Anton Rösler’s Kohlen-Magazin (Leipzig-Dresdner Bahnhof) empfiehlt in gegenwärtiger Saison die vorzüglichsten Böhm. Patent-Braunkohlen, als auch Zwickauer Steinkohlen, Coaks etc. in ganzen u. getheilten Lowries (eine Einheit, die ich nirgends finden konnte), sowie auch in Centnern und Scheffeln zu den billigsten Preisen. Gefällige Bestellungen erbitten wir uns entweder per Stadtpost direct oder durch die Herren Albert Anders, Grimm Str. Nr. 6, und Gustav Günther, Universitätsstr. Nr. 1.

Bei der Suche nach den Maßen bin ich übrigens in Wikipedia über eine Maßeinheit gestolpert, die wir erst vor wenigen Tagen bei der Weinabfüllung angetroffen haben – den Eimer.

In der rechten Spalte unter der Bilderrahmen-Anzeige gibt es noch ein Angebot über 50 verschiedene Sorten akklimatisierter überseeischer Vögel – also wohl eine Papageien-Handlung.

Rechts unten noch die Abfahrtzeiten der Dampfwagen nach Berlin, Dresden, Hof, Egeln, Magdeburg und Chemnitz. Was ist ein Dampfwagen? Keine Eisenbahn. Schaut mal hier – so sah ein 10 Jahre später erschienenes Modell aus. Unsere hier beworbenen Dampfwagen dürften also noch etwas altmodischer gewesen sein. Ein anderes Modell gibt es hier zu bestaunen.

Für weitere Theaterplakate und -programme, klickt unten auf den Tag „Theaterprogramm“.

Gesundheit und Freude – eine Schallkarte


 

In den 1960er und 1970er Jahren waren Schallkarten eine sehr beliebte Beilage in Zeitschriften. Man konnte sie auch am Kiosk kaufen.

Eine Schallkarte war eine Mischung aus Schallplatte und Postkarte.

Hier ein Beispiel aus den späten 60er Jahren. Der Marsch der Leichtathleten wurde auf diese farbenfrohe Karte gebannt. Welches Sportfest im Leipziger Zentral-Stadion seinerzeit stattfand, ist mir unbekannt.
Schall-Karte

 

 

Die Rückseite verrät uns (leider etwas unscharf, Entschuldigung!) die Abspielgeschwindigkeit von 45 Umdrehungen pro Minute. Ob die Platte nach dem Versenden per Post noch kratzerfrei anzuhören ist, bezweifle ich. Allerdings gab es damals bestimmt noch nicht so viele Maschinen, die im modernen Paketzentrum Brief und Karte herumschieben.Schall-Karte

 

 

Hier noch eine Schräg-Aufnahme, in der Hoffnung, daß ihr die Rille gut erkennen könnt.Schall-Karte

 

Eine weitere seltsame Schallplatte – aus Pappe – habe ich euch hier vorgestellt.

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