Liebig Haulshaltungskalender 1902


Bald habe ich sie komplett – die Haushaltungskalender der Firma Liebig’s Fleischextrakt.

Alle vor 1900 erschienen habe ich euch hier schon vorgestellt.

Alle ab 1900 erschienenen gibt es hier.

Jetzt kommt der soeben neu erworbene Kalender aus dem Jahr 1902 dazu.

 

Im schönsten Jugendstil mit geschwungenen Mustern und Blumenranken verziert, hebt er sich von den Vorgängern deutlich ab.

Aber nicht nur der Umschlag ist mit den Mustern versehen, auch innen gibt es viele davon. Vielfalt ist das Schlagwort, denn keins sollte mehr als einmal benutzt werden.

 

Der Jahreskalender steht gleich am Beginn.

 

Die Feiertage und die drei großen Männer, die uns das Fleischextract gebracht haben: Justus von Liebig, Max von Pettenkofer und Carl v. Voit

 

Weiter geht es mit den Monatsblättern. Bitte beachtet die schönen Verzierungen auf der NOTIZEN-Seite:

 

Kann mir jemand erklären, was man früher im September so gemacht hat? Hat man Krieg gespielt?

 

Allerhand nützliche Tipps für jeden Monat:

Damals gab es noch keine Kühlkette, die uns zu jeder Zeit Lebensmittel aus der ganzen Welt geliefert hat. Man musste noch warten, bis das jeweilige Tier, Gemüse oder Obst verfügbar war und hat sich dann entweder den Bauch so vollgeschlagen, daß man das jeweilige Gericht ein Jahr lang nicht mehr sehen konnte, oder man hat durch Einwecken Vorräte angelegt.

 

Und mit dieser kleinen Inhaltsauswahl möchte ich den Blick in das 115 Jahre alte Haushaltsbuch beenden.

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100.000 Klicks – ein Danke-Gewinnspiel


Hurra! Heute hat mein Museum den einhunderttausendsten Besuch verzeichnet. Das wird gefeiert.

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Unter all meinen Followern verlose ich etwas. Alle anderen Blogs verlosen Bücher – das ist langweilig.

  • Ein Museums-Blog eines Sammlers.
  • Meine Lieblingszeit war die Jahrhundertwende.
  • Ich bin großer Fan der Sammelbilder von Liebig’s Fleisch-Extrakt.

Also habe ich einen Satz Liebigbilder von 1906 ausgewählt, den ich unter all meinen Followern verlose. Wer bis zum 3. März 2017 einen Kommentar unter diesem Beitrag hinterlässt, kommt in den Lostopf.

Hier ist der Preis:

Liebig’s Fleisch-Extrakt – Berühmte italienische Rathäuser, 1906

Sieht gerahmt sehr dekorativ aus. Auf der Rückseite stehen kleine Informationen zum jeweiligen Rathaus.

Also los, werdet Follower, kommentiert, gewinnt!

 

Achtung, Spoiler! Tricks im Kino


Man wird im Kino von vorn bis hinten veräppelt. Nichts ist, wie es scheint und trotzdem gehen wir immer wieder gern hin um uns etwas vormachen zu lassen.

Tricks im Kino gibt es seit dem zweiten Tag der Filmgeschichte. Der Regisseur wollte das Unmachbare schaffen und seine Crew hatte die guten Ideen. Tolle Beispiele für alte Filme mit vielen Tricks sind Metropolis (1927) oder Die Reise zum Mond von 1902 (beachtet die täuschend echt gemalten Häuser ab 2:16 oder die Landung an 4:35.

Im Jahr 1913 widmete die Liebig’s Fleischextrakt Compagnie eine Sammelbildserie dem Thema. „Hinter den Kulissen des Kinematographen“ verrät uns sechs bis dahin kaum zu durchschauende Tricks der frühen Filmemacher. Die Vorderseite der Karten zeigt uns die Kulisse, auf der Rückseite erfahren wir noch mehr unglaubliche Details. Seht selbst:

 

Ein Automobil-Unfall

 

Die Sirene

 

Ein Eisenbahn-Unglück

 

Der klettergewandte Dieb

 

Die entlaufenen Kürbisse

 

Der Modistin Traum

 

Wer sich übrigens für alte Filme interessiert, dem seien die Stummfilmkonzerte des unermüdlichen Pianisten und Filmbegleiters Stephan Graf von Bothmer sowie der wunderschöne Film Hugo Cabret ans Herz gelegt. Hugo Cabret erzählt die Geschichte von Georges Méliès, zeigt die Entstehung des oben erwähnten Films „Die Reise zum Mond“ inklusive deckungsgleich nachgedrehter Sequenzen und hat Referenzen zu unzähligen anderen Filmen und Büchern der Zeit.

Treueherzen und Sammelbildchen


Wer sich heute Treueherzen oder andere Sammelmarken im Supermarkt geben lässt und damit auf eine kostenlose oder verbilligte Gabe des Ladenbesitzers spekuliert, der begibt sich in das Fahrwasser von Millionen Menschen, die Ähnliches bereits vor ca. 140 Jahren taten. Während das Spektrum der Prämien heute von Gläsern über Töpfe und Geschirr bis hin zu Plüschtieren reicht, gab es früher Sammelbilder.

 

Die hatten zwar keinen praktischen Nutzen, sahen aber schöner aus als jeder Topf und ließen sich besser in einem Sammelalbum unterbringen als dieser. In den Jahren um 1895 erreichte die Sammelbildchen-Sammelei ihren Höhepunkt. Hunderttausende betrieben den sogenannten Sammelsport. Die Sammelbild-Industrie prosperierte und der Verkauf vieler Produkte wurde durch Sammelbilder angekurbelt.

Ganz vorn, weil einer der ersten, der die kreative Werbung mit großem Aufwand betrieb, war die Firma Liebig.

Im Unterschied zu heute gab es damals keine Überraschungen beim sammeln. Man ging zum Kaufmann, bekam mehrere Sätze angeboten und konnte die Karten auswählen, die in der Sammlung noch fehlten. Aber umsonst gab es die trotzdem nicht. Vorher musste fleißig Liebig’s Fleischextrakt gekauft und verbraucht werden.

Auf den Packungen der italienischen Liebig-Produkte fand man die unten abgebildeten Sammelpunkte. In Schraubgläser-Deckeln und Blechdosen gab es je nach Einwaage 10, 20 oder 40 Punkte, bei Brühwürfelpackungen war die gesamte Umhüllung  der Sammelgutschein über 1 oder 5 Punkte usw.

 

 

 

Für 60 Punkte gab es einen Satz mit 6 Bildern.

Und die Anleitung gibt es auch dazu:

 

 

Wie ich zu meinen tausenden Liebig-Bildern gekommen bin, verrate ich nicht.

Liebig’s Fleisch-Extrakt Aktie


Heute ist es mal wieder an der Zeit, euch eine meiner Aktien vorzustellen. Daß ich ein Sammler von allem bin, was mit Liebig’s Fleisch-Extrakt zusammenhängt, wissen meine treuen Museumsbesucher ja bereits. Um alle bisher erschienen Artikel zum Thema zu lesen, klickt hier.

Heute soll es um eine ziemlich alte Aktie der Liebig’s Extract of Meat COmpany aus London gehen. LEMCO, wie sie in Großbritannien genannt wurde, war das, was man heute als Konzernmutter bezeichnen würde. Die Produkte von LEMCO oder Liebig habe ich in den vorherigen Artikeln schon ausführlich beschrieben. Daher direkt zur Aktie:

 

Was genau diese Aktie alles erlebt hat, kann man heute nicht mehr herausfinden. Auf jeden Fall war ein Brand dabei.

Herausgegeben am 17. September 1903 hat sie zwei Weltkriege erlebt, bei denen sie wahrscheinlich zur falschen Zeit am falschen Ort aufbewahrt wurde. Dabei hat sie eine Ecke eingebüßt und einen Brandfleck abbekommen. Auch die Kanten haben schon bessere Zeiten erlebt.

Allerdings habe ich eine Aktie mit schöner Ausgabenummer: 17999. Die Aktie selbst ist nicht sehr umfangreich. Gerade einmal ein Share im Wert von 5 Englischen Pfund. Das ist nicht viel, wurde aber während der Laufzeit mehr.

Ich hoffe, meine Museumsbesucher mit mehr Wissen um historische Wertpapiere können uns auch diesmal in den Kommentaren mit Detailinformationen versorgen. Wenn ich die Rückseite richtig deute, durchlebte meine Aktie in ihrem aktiven Dasein mehrere Splits, nämlich 1907, 1921 und 1925. Die Kapitalerhöhung kann von den blauen und grünen Stempeln auf der Rückseite abgelesen werden. Gab es bei Ausgabe 1903 100.000 Shares im Wert von £5, wuchs die Anzahl der Anteile auf, 120.000, dann 300.000 und schließlich 400.000.

 

Leider weiß ich nicht, was der letzte Stempel im Rechteck bedeutet. Ebenso ist mir der graue Stempel am oberen Rand unklar. Es könnte sein, daß es sich dabei um weitere zwei Kapitalerhöhungen in den Jahren 1942 und 1959 handelt. Da allerdings dort nur noch von £1 pro Share gesprochen wird, frage ich mich, ob es eine Kapitalverringerung im Aktiengeschäft gibt.

Ich bin auf meine Kommentare gespannt und bedanke mich schon jetzt für Informationen.

Damit endet der heutige Artikel auch schon. Bleibt mir gewogen und freut euch auf weitere spannende Details.

Liebig’s Fleisch-Extract – die Anfänge der Sammelbild-Werbung


Ich habe euch schon vieles aus meiner Sammlung zu Liebig’s Fleisch-Extract vorgestellt. Heute nun gibt es etwas aus den Anfängen zu sehen.

Die kostenlose Verteilung von Sammelbildern nahm ihren Anfang im Jahr 1872. Vor 144 Jahren kam ein cleverer Werbemann auf die Idee, den Kunden einen Anreiz zu geben, beim nächsten Einkauf erneut zum eigenen Produkt zu greifen. Und damals wie heute wurde auf den Ur-Instinkt des Menschen, das Sammeln, gesetzt.

Die erste Sammelbild-Serie, die in Deutschland jemals erschien, war von Liebig. Sie zeigte Ansichten der Firma in Uruguay, dem Land, in dem die riesigen Rinderherden zur Deckung des europäischen Fleischbedarfs gezüchtet wurden. Die Liebig-Fabrik unterhielt eine der gewaltigsten Farmen in Uruguay, später kam noch Fläche in Südwestafrika, dem heutigen Namibia dazu.

Haupteingangs-Thor, Weideplatz und Tränke für die Rinderheerden, Dampfkesselhaus

Allein in Uruguay wurden auf der 1.100 Quadratmeilen großen Farm (was laut des Saarland-Umrechners 1,1 mal der Größe des Saarlands oder 399.000 Fußballfeldern entspricht) in den 35 Jahren zwischen 1865 und 1900 wurden laut eines Liebig-Kochbüchleins von 1900 ungefähr 5.700.000 Rinder geschlachtet.

Wie ihr auf dem Bild oben sehen könnt, fehlt mir Bild Nummer 4 aus diesem 12-er Satz. Sollte jemand das Bild „Schlachthalle“ irgendwo herumzuliegen haben und nicht wissen wohin damit, meldet euch. Stattdessen habe ich ein anderes Bild in die Lücke gelegt. Das ist mir bisher nur zweimal unter die Augen gekommen: einmal bei einem meiner geschätzten Pariser Chromo-Händler und das zweite Mal bei ebay, wo es unglaublich schnell in meinen Besitz übergegangen ist.

Die weiteren Bilder der Serie:

Trockenplätze für die Fleischabfälle; Landungsbrücken zum Aus- und Einladen der Schiffe; Halle zum Salzen des Tasajo; Fleisch-Extract Fabrikation – Abdampfapparate

Wie ihr seht, ist die Erhaltung der Bilder unterschiedlich gut. Während das Bild in der unteren, linken Ecke einen Top-Zustand aufweist (alle Ecken sind dran, der Rand ist vollständig), musste das Bild unten rechts seine Seitenränder einbüßen, oben links fehlt sogar noch die obere Textzeile.

Einige der Bildchen habe ich fröhlicherweise doppelt, so daß ich irgendwann vielleicht mal jemanden treffe, der Bild 4 besitzt und ein anderes vermisst.

Die letzten vier Karten:

Dünger-Fabrik – Mahlen und Verpacken; Dünger-Fabrik – Oberes Stockwerk; Talgschmelze – Parterre; Talgschmelze – Oberes Stockwerk

Den Geruch auf dem Fabrikgelände, besonders auf den Trockenplätzen für die Fleischabfälle, möchte ich mir gar nicht vorstellen.

Den Wert dieser Karten kann man schwer bestimmen. Bedingt durch die geringe Menge der erhaltenen Karten schwankt er doch sehr.

Es gab übrigens noch einen Satz Sammelkarten, der ebenfalls im Jahr 1872 von Liebig herausgebracht wurde. Er erschien jedoch nur in Frankreich, ist heute nahezu unauffindbar und ich wurde extra vom British Museum eingeladen, mir ihre Einzel-Bildchen daraus anzuschauen und die Echtheit festzustellen. Sie besitzen 7 oder 8 Karten des 16-er Satzes. Einige Karten geistern in Deutschland rum. Ich glaube zu wissen, wer einen der letzten 2 bekannten kompletten Sätze besitzt und ich wusste, wer den anderen hatte. Leider ist die Dame vor einigen Jahren verstorben und ihre Sammlung ist aufgelöst worden.

George’s und Mary’s Hochzeitszeitung


Am 6. Juli 1893 wurde Hochzeit gefeiert. Nicht irgendeine Hochzeit, nein, eine königlich-britische Hochzeit.

Der Bräutigam war Prince George Frederick Ernest Albert, Duke of York, Sohn von Edward VII. und Alexandra von Dänemark (die auch geheiratet hatten und die ich euch hier vorgestellt hatte) und somit Cousin von Kaiser Wilhelm II.

Die Braut konnte mit einem noch längeren Namen aufwarten: Victoria Mary Augusta Louise Olga Pauline Claudine Agnes von Teck, Tochter von Franz von Teck und „Fat Mary“ Prinzessin Mary Adelaide von Großbritannien, Irland und Hannover.

Beide hatten eine spannende Kindheit und Jugend. Lest euch zuerst die von Maria von Teck durch. Falls ihr dabei auf den Begriff „morganantische Ehe“ stoßt, ist die einfachste Erklärung dieser „Trauung zur linken Hand“ wahrscheinlich das „Hinaufheiraten in einen höheren Stand“.

George V. hingegen ist eine geschichtlich weitaus interessantere Person, da er gemeinsam mit seinem Cousin Prinz Heinrich von Preußen (dem Bruder Wilhelms II.) versuchte, den Ausbruch des Ersten Weltkrieges zu verhindern und stattdessen anstrebte, daß lediglich eine militärische Aktion gegen Serbien durchgeführt werden könne, aber auf die Generalmobilmachung verzichtet würde. Bedauerlicherweise scheiterte der Plan an Kaiser Franz Joseph I., dem Gatten von Sisi, der die Generalmobilmachung der k.u.k. Armee verfügte.

Die Hochzeit von George und Mary fand schließlich am 6. Juli 1893 im St. James’s Palace statt. Da die Briten ihre Königsfamilie überaus verehren, wurde dieses Ereignis groß aufgezogen.

Ich habe mir seinerzeit die offizielle Hochzeitszeitung für One Shilling gekauft.

 

Auf jeder zweiten Seite findet man Werbung für alles und jedes. Hier zum Beispiel Kleidung, Hovis-Mehl, Tischtücher und Parfüm. Rechts ein Bild von der Ankunft in der Kirche.

Royal Wedding - 6 July 1893 - Prince George, Duke of York, second son of King Edward VII, was married to Princess Victoria Mary of Teck

 

Queen Victoria trifft ein – die Dame, die meiner Lieblings-Epoche, der viktorianischen Zeit, den Namen gab.

 

Ein Blick auf den Bankettsaal. Das Heirats-Frühstück im Buckingham Palast erscheint mir doch recht opulent ausgefallen zu sein.

 

Die Familie Teck mit dem oben bereits erwähnten Franz von Teck und seiner wohlbeleibten Mary.

 

Die Brautjungfern

 

Eine überaus geschönte Biographie des Lebens der Braut im Vergleich zu der in Wikipedia.

 

Und die Biographie des Duke

 

Die Prozession fährt an der St. Paul’s Cathedral vorbei.

 

Eine informative Anzeige für Spirituosen.

 

Der Duke of York als Kapitän des Torpedo-Boots N° 79. (weitere Infos hier und hier bei TB79)

 

Eine ganzseitige Werbung für Tee der United Kingdom Tea Company. Wie alle anderen beworbenen Artikel konnte sich auch diese Firma damit rühmen, Lieferant am Hofe des britischen Königshauses gewesen zu sein.

 

Werbung für Kakao der Marke Fry

 

Und hier der Grund, wieso ich mir diese Zeitschrift gekauft habe. Sie passt aufgrund ihrer Werbung für Liebig’s Fleisch-Extract hervorragend in meine Sammlung zu diesem Thema. Daneben werden noch Taschenuhren und Silbergeschirr angeboten, aber das ist in diesem Fall nebensächlich.

 

Schweppe’s Tafelwasser, die Firma, über die ich euch hier schon einmal ein beeindruckendes Detail verraten habe.

 

Eine Lithographie der Trauungszeremonie.

 

Und zum Schluß für alle zum Mitsingen: die königliche Hochzeits-Hymne „Father of Life“. Stimmt alle mit ein!

 

 

 

 

 

Weihnachts-Scenen – 1894


Aufgrund des großen Erfolges des Ersten Weihnachtstages, folgt heute anläßlich des Zweiten ein ebenso kurzer Artikel. In diesem Satz aus dem Jahr 1894 werden Szenen aus der Weihnachtszeit vergangener Zeiten vorgestellt.

 

  1. Das Wintersonnwendfest im alten Rom; Überreichung von Geschenken
  2. Das Jul-(Wintersonnwend)-Fest der alten Germanen; der Jul-Eber
  3. Weihnachtsmarkt in einer deutschen Stadt (vorig. Jahrhundert)
  4. Mittelalter Aufführung eines Weihnachtsspiels (Mysterium) bei einem Burgherrn
  5. Weihnachten in England; Christmas-Dinner, Anfang d. Jahrhunderts (Plumpudding)
  6. Weihnachten in Tyrol; Gang zur Weihnachtsmette

Auch hier birgt die Rückseite wieder schöne Rezepte:

 

Die Geschichte des Weihnachtsbaumes – 1901


Heute ist der 1. Weihnachtsfeiertag. Alle sind damit beschäftigt, ihre Familie zu besuchen und Geschenke auszutauschen. Niemand hat Zeit, lange Geschichten in meinem Blog zu lesen.

Daher fasse ich mich heute kurz und bringe euch nur eine kurze Geschichte des Weihnachtsbaumes, 1901 erschienen auf chromolithographierten Sammelbildern von Liebig’s Fleisch-Extract.

 

Eine schöne Illustration aus der Zeit um die Jahrhundertwende. Klickt auf das Bild um euch eine sehr große Auflösung herunterzuladen.

  1. Das Pflanzen – Das Einpflanzen der Stecklinge sieht nach mühseliger Arbeit aus. Ob das heutzutage einfacher geht, weiß ich nicht.
  2. Das Fällen – Damals schienen die Weihnachtsbäume tatsächlich noch aus dem Wald zu kommen. Heute gibt es extra Plantagen, wo die Bäume nicht mehr Abhänge hinuntergezogen werden müssen. Auch die Pferdeschlitten dürften der Vergangenheit angehören.
  3. Verkauf auf dem Markte – Ein kleines Detail ist die dargestellte Größe der Bäume. So ungewöhnlich das im Vergleich zu unseren heutigen Maßen erscheint, muß bedacht werden, daß früher eine übliche bessere Wohnung durchaus Raumhöhen von 3,50m hatte.
  4. Das Schmücken – Neben echten Kerzen (siehe mein Artikel hier) wurde der Baum um die Jahrhundertwende offenbar hauptsächlich mit Obst, Naschwerk und kleineren Spielzeugen behängt.
  5. Bescheerung – hier sehen wir wieder die alte Schreibweise, die erst bei der Rechtschreibreform im Jahre 1901 abgeschafft wurde. Zur Bescheerung auf unserem Bild gehört auch noch das gemeinsame Singen und die Begleitung am Flügel.
  6. Plünderung – Als ich Kind war, gab es das bei uns noch. Am Zweiten Weihnachtstag durfte alles Naschzeug vom Baum abgepflückt werden und landete auf dem bunten Teller. Heute gibt es den Bunten Teller bereits zur Bescheerung.

Schaut euch auf den Bildern bitte nochmal die Kleidung der damaligen Zeit an: Hausmantel, Hausfrack, Schürze etc.

Auf der Rückseite der Karten wurden, wie meistens, Rezepte abgedruckt.

 

 

Frohe Weihnachten und esst nicht zu viel. Morgen ist auch noch ein Feiertag!

Mein rechter, rechter Platz ist leer. Karten bei Tisch


Bei Kindergeburtstagen wurde es (früher) so gehandhabt, aber auch wer zum Dîner lud, platzierte Gäste so, daß sich harmonisierende Sitznachbarn fanden, die den Abend in gelöster Heiterkeit miteinander verbringen würden. Das war nicht einfach. Herr X konnte keinesfalls neben Frau Y sitzen. Diese allerdings auch nicht zu weit entfernt vom Kopf der Tafel, mindestens aber vor Herrn Z. Eine Aufgabe, die durchaus ein wenig Fingerspitzengefühl und logistisches Talent erforderte.

Hatte der Gastgeber schließlich die Sitzordnung festgelegt, wurden auf die gedeckte Tafel Namenskärtchen gelegt.

Für einen Kindergeburtstag im Frankreich des ausgehenden 19. Jahrhunderts sah das zum Beispiel so aus. Robert und Andrée waren eingeladen. So wie es aussieht, hat das Geburtstagskind, das entweder noch recht klein oder – wie ich – unfähig war, mit der Schere umzugehen, die Kärtchen selbst ausgeschnitten.Chromo Einladung

 

Zum Geburtstag von dem die nächsten Karten stammen, wurden auch Mama und Papa eingeladen.

Menu

 

Bei den Erwachsenen sah das schon etwas hübscher aus. Hier seht ihr vier Karten der Firma Liebig, die noch unbenutzt sind, worüber ich wiederum sehr froh bin. Sie stammen aus dem Jahr 1893 und wenn ihr hier klickt, wisst ihr, wieso es mich freut, daß keine Gastgeberin draufgeschrieben hat.

 

Benutzte Platzkärtchen kommen hier. Am 12. Januar 1869 fand ein Dîner statt, bei dem unter anderem Mademoiselle Devonge, Monsieur Allard sowie der unvergessene Monsieur Frederic Bex teilnahmen.

 

Auf manchen Karten wurde die Rückseite dazu verwendet, die Speisenfolge aufzuschreiben. Bei diesem Essen wäre ich gern dabei gewesen. Ich kann zwar kaum etwas davon verstehen, aber die Menge der Gänge lässt die Gourmet-Abteilung meines Gehirns Freudenhormone ausschütten. Es beginnt mit einer Suppe (Potage) gefolgt von drei mir unbekannten Gängen, geht über Poulet (Huhn), Canards (Ente) und Dinde truffé (Putentrüffel) zum Salat über, Haricots verts (grüne Bohnen) und petite pois (Erbsen) beschließen die Hauptgänge. Gegen Ende wurde eine Bombe glacée (Eisbombe), Crêmes aus Café und Schokolade, Dessert, Café und Liqueur gereicht. Und dann war auch schon Schluß.

 

Legte der Gastgeber mehr Augenmerk auf eine schöne Speisekarte, hat er / sie vermutlich statt der Rückseite eines Namenskärtchens eine schön gedruckte Menü-Karte an jeden Platz positioniert.

 

Die war vermutlich vor geschätzten 130 Jahren noch nicht so fleckig, aber der Zahn der Zeit hat diesen Karten doch etwas ihrer Jungfräulichkeit genommen.

 

Einige sehen besser aus, manche schlechter. Speziell die Karten der Firma Liebig Fleischextrakt sind heute etwas schwieriger zu finden als andere. Das spiegelt sich bedauerlicherweise mitunter in den Preisen wider.

 

Sehr abgelebte Karten bekommt man auf dem Trödelmarkt für ein paar Euro:

 

Wohingegen die besser erhaltenen nur mit etwas Glück auf dem Flohmarkt gefunden werden (dann auch nur in Frankreich). Fündig wird man da bei einschlägigen Händlern, die einem die Sucharbeit auf Marktebene abnehmen.

 

Ab einem bestimmten Grad, ist selbst die Erhaltung nicht mehr ganz so wichtig. Und ob sie beschrieben sind oder nicht ist hier nicht wertentscheidend. So habe ich nach dem Kauf dieser drei Karten zu einem Preis, den ich euch nicht verrate, den ganzen Tag lang über beide Ohren gelacht.

Auf diesem Bild die linke Karte von 1897 findet ihr auch hier.

 

Und eine dieser beiden findet ihr hier. (ich hab sogar zwei – was sich bei dem angegebenen Einzelkarten-Preis noch viel schöner anfühlt)

 mmh… Beef Tea

Findet man irgendwo zwei Karten einer Serie, die selbst der Händler seinerzeit noch nicht hatte und sind die dann auch noch in einem Top-Zustand trotz einer Form, die regelrecht nach abgerissenen Köpfen schreit, dann kann man auf diesen Preis pro Karte noch locker einiges draufschlagen. Mein bestes Angebot war bisher den gezeigten Preis mit 3 multipliziert. Pro Karte !!!

 

Inzwischen hat der Gute sie auch gefunden, aber garantiert viel mehr dafür bezahlt als ich.

 

Das war’s für heute. Ein kleiner Ausflug in die Welt des schön gedeckten Tisches. Mehr Artikel zum Thema Liebig findet ihr hier (Haushaltungs-Kalender) oder hier (alles Mögliche zu Liebig)

 

 

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