I. G. Farbenindustrie


Im Igelit-Artikel vor einigen Wochen habe ich euch bereits über die dunkle Vergangenheit der I. G. Farben berichtet. Wer es damals nicht gelesen hat, sollte es auf jeden Fall nachholen.

Heute, am Freitag, dem 13. möchte ich euch zwei Aktien dieser in meinen Augen zu den finstersten Firmen aus Deutschlands Geschichte zählenden Interessengemeinschaft Farbenindustrie vorstellen.

Die erste wurde im Jahr 1939 emittiert. Sie ist eine von 25.000 ihrer Art über einen Stückwert von 100 Reichsmark und mit einer Laufzeit von 20 Jahren.

Wer das Kleingedruckte mag, liest hier die damaligen Anleihebedingungen:

Die Rückseite – ähnlich der Daimler-Benz-Aktie:

Auch einige Zinsscheine und der Erneuerungsschein sind noch da:

Wer sich neulich bereits die Geschichte der I. G. Farben im Zweiten Weltkrieg durchgelesen hat, dem empfehle ich heute, den Werdegang nach 1945 zu lesen. Besonders unschön ist ebenfalls die Nutzung der Nachfolgerin I. G. Farbenindustrie in Liquidation (bis 1955, danach i.A. in Abwicklung bis 31. Oktober 2012!!!). Dabei handelte es sich um eine Nachfolge-Aktiengesellschaft, deren Hauptaufgabe darin bestand, alte Ansprüche zu verwalten und die rechtliche Verantwortung zu übernehmen. Das Weiterbestehen der I.G. Farben erlaubte auch den daraus hervorgegangenen Chemieunternehmen, die Verantwortung für die während der Zeit des Nationalsozialismus begangenen Verbrechen weitgehend auszuklammern und dazu auf die I.G. Farbenindustrie AG i. A. zu verweisen. 

So sahen die Aktien dafür aus und ich bin tief betrübt, daß auf einer Aktie dieser Verbrecherfirma oben links der von mir so hochverehrte Justus von Liebig abgebildet ist.

Wen noch die Detailaufnahmen der 1939er Aktie interessieren, in der die zusammengeschlossenen Firmen aufgeführt sind der schaut hier:

links: Actien-Gesellschaft für Anilin-Fabrication Berlin (AGFA) – Mitte: Badische Anilin- und Soda-Fabrik Ludwigshafen a. Rh. (BASF) – rechts: Farbenfabrik vormals Friedrich Bayer & Co. Leverkusen (Bayer)

links: Farbenfabrik vormals Meister Lucius & Brüning, Hoechst a. M. (Farbwerke Hoechst) – Mitte: Chemische Fabriken vormals Weiler – Ter Meer, Uerdingen a. Rh. – rechts: Griesheim Elektron Frankfurt a. M.

Zu Griesheim Elektron gab es zwei bekanntere Störfälle in den 1990er Jahren. Einer passierte am Rosenmontag 1993. Lest hier.

Und auch diese Aktien wurden wieder bei Giesecke & Devrient gedruckt.

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Weihnachts-Scenen – 1894


Aufgrund des großen Erfolges des Ersten Weihnachtstages, folgt heute anläßlich des Zweiten ein ebenso kurzer Artikel. In diesem Satz aus dem Jahr 1894 werden Szenen aus der Weihnachtszeit vergangener Zeiten vorgestellt.

 

  1. Das Wintersonnwendfest im alten Rom; Überreichung von Geschenken
  2. Das Jul-(Wintersonnwend)-Fest der alten Germanen; der Jul-Eber
  3. Weihnachtsmarkt in einer deutschen Stadt (vorig. Jahrhundert)
  4. Mittelalter Aufführung eines Weihnachtsspiels (Mysterium) bei einem Burgherrn
  5. Weihnachten in England; Christmas-Dinner, Anfang d. Jahrhunderts (Plumpudding)
  6. Weihnachten in Tyrol; Gang zur Weihnachtsmette

Auch hier birgt die Rückseite wieder schöne Rezepte:

 

Die Geschichte des Weihnachtsbaumes – 1901


Heute ist der 1. Weihnachtsfeiertag. Alle sind damit beschäftigt, ihre Familie zu besuchen und Geschenke auszutauschen. Niemand hat Zeit, lange Geschichten in meinem Blog zu lesen.

Daher fasse ich mich heute kurz und bringe euch nur eine kurze Geschichte des Weihnachtsbaumes, 1901 erschienen auf chromolithographierten Sammelbildern von Liebig’s Fleisch-Extract.

 

Eine schöne Illustration aus der Zeit um die Jahrhundertwende. Klickt auf das Bild um euch eine sehr große Auflösung herunterzuladen.

  1. Das Pflanzen – Das Einpflanzen der Stecklinge sieht nach mühseliger Arbeit aus. Ob das heutzutage einfacher geht, weiß ich nicht.
  2. Das Fällen – Damals schienen die Weihnachtsbäume tatsächlich noch aus dem Wald zu kommen. Heute gibt es extra Plantagen, wo die Bäume nicht mehr Abhänge hinuntergezogen werden müssen. Auch die Pferdeschlitten dürften der Vergangenheit angehören.
  3. Verkauf auf dem Markte – Ein kleines Detail ist die dargestellte Größe der Bäume. So ungewöhnlich das im Vergleich zu unseren heutigen Maßen erscheint, muß bedacht werden, daß früher eine übliche bessere Wohnung durchaus Raumhöhen von 3,50m hatte.
  4. Das Schmücken – Neben echten Kerzen (siehe mein Artikel hier) wurde der Baum um die Jahrhundertwende offenbar hauptsächlich mit Obst, Naschwerk und kleineren Spielzeugen behängt.
  5. Bescheerung – hier sehen wir wieder die alte Schreibweise, die erst bei der Rechtschreibreform im Jahre 1901 abgeschafft wurde. Zur Bescheerung auf unserem Bild gehört auch noch das gemeinsame Singen und die Begleitung am Flügel.
  6. Plünderung – Als ich Kind war, gab es das bei uns noch. Am Zweiten Weihnachtstag durfte alles Naschzeug vom Baum abgepflückt werden und landete auf dem bunten Teller. Heute gibt es den Bunten Teller bereits zur Bescheerung.

Schaut euch auf den Bildern bitte nochmal die Kleidung der damaligen Zeit an: Hausmantel, Hausfrack, Schürze etc.

Auf der Rückseite der Karten wurden, wie meistens, Rezepte abgedruckt.

 

 

Frohe Weihnachten und esst nicht zu viel. Morgen ist auch noch ein Feiertag!

Mein rechter, rechter Platz ist leer. Karten bei Tisch


Bei Kindergeburtstagen wurde es (früher) so gehandhabt, aber auch wer zum Dîner lud, platzierte Gäste so, daß sich harmonisierende Sitznachbarn fanden, die den Abend in gelöster Heiterkeit miteinander verbringen würden. Das war nicht einfach. Herr X konnte keinesfalls neben Frau Y sitzen. Diese allerdings auch nicht zu weit entfernt vom Kopf der Tafel, mindestens aber vor Herrn Z. Eine Aufgabe, die durchaus ein wenig Fingerspitzengefühl und logistisches Talent erforderte.

Hatte der Gastgeber schließlich die Sitzordnung festgelegt, wurden auf die gedeckte Tafel Namenskärtchen gelegt.

Für einen Kindergeburtstag im Frankreich des ausgehenden 19. Jahrhunderts sah das zum Beispiel so aus. Robert und Andrée waren eingeladen. So wie es aussieht, hat das Geburtstagskind, das entweder noch recht klein oder – wie ich – unfähig war, mit der Schere umzugehen, die Kärtchen selbst ausgeschnitten.Chromo Einladung

 

Zum Geburtstag von dem die nächsten Karten stammen, wurden auch Mama und Papa eingeladen.

Menu

 

Bei den Erwachsenen sah das schon etwas hübscher aus. Hier seht ihr vier Karten der Firma Liebig, die noch unbenutzt sind, worüber ich wiederum sehr froh bin. Sie stammen aus dem Jahr 1893 und wenn ihr hier klickt, wisst ihr, wieso es mich freut, daß keine Gastgeberin draufgeschrieben hat.

 

Benutzte Platzkärtchen kommen hier. Am 12. Januar 1869 fand ein Dîner statt, bei dem unter anderem Mademoiselle Devonge, Monsieur Allard sowie der unvergessene Monsieur Frederic Bex teilnahmen.

 

Auf manchen Karten wurde die Rückseite dazu verwendet, die Speisenfolge aufzuschreiben. Bei diesem Essen wäre ich gern dabei gewesen. Ich kann zwar kaum etwas davon verstehen, aber die Menge der Gänge lässt die Gourmet-Abteilung meines Gehirns Freudenhormone ausschütten. Es beginnt mit einer Suppe (Potage) gefolgt von drei mir unbekannten Gängen, geht über Poulet (Huhn), Canards (Ente) und Dinde truffé (Putentrüffel) zum Salat über, Haricots verts (grüne Bohnen) und petite pois (Erbsen) beschließen die Hauptgänge. Gegen Ende wurde eine Bombe glacée (Eisbombe), Crêmes aus Café und Schokolade, Dessert, Café und Liqueur gereicht. Und dann war auch schon Schluß.

 

Legte der Gastgeber mehr Augenmerk auf eine schöne Speisekarte, hat er / sie vermutlich statt der Rückseite eines Namenskärtchens eine schön gedruckte Menü-Karte an jeden Platz positioniert.

 

Die war vermutlich vor geschätzten 130 Jahren noch nicht so fleckig, aber der Zahn der Zeit hat diesen Karten doch etwas ihrer Jungfräulichkeit genommen.

 

Einige sehen besser aus, manche schlechter. Speziell die Karten der Firma Liebig Fleischextrakt sind heute etwas schwieriger zu finden als andere. Das spiegelt sich bedauerlicherweise mitunter in den Preisen wider.

 

Sehr abgelebte Karten bekommt man auf dem Trödelmarkt für ein paar Euro:

 

Wohingegen die besser erhaltenen nur mit etwas Glück auf dem Flohmarkt gefunden werden (dann auch nur in Frankreich). Fündig wird man da bei einschlägigen Händlern, die einem die Sucharbeit auf Marktebene abnehmen.

 

Ab einem bestimmten Grad, ist selbst die Erhaltung nicht mehr ganz so wichtig. Und ob sie beschrieben sind oder nicht ist hier nicht wertentscheidend. So habe ich nach dem Kauf dieser drei Karten zu einem Preis, den ich euch nicht verrate, den ganzen Tag lang über beide Ohren gelacht.

Auf diesem Bild die linke Karte von 1897 findet ihr auch hier.

 

Und eine dieser beiden findet ihr hier. (ich hab sogar zwei – was sich bei dem angegebenen Einzelkarten-Preis noch viel schöner anfühlt)

 mmh… Beef Tea

Findet man irgendwo zwei Karten einer Serie, die selbst der Händler seinerzeit noch nicht hatte und sind die dann auch noch in einem Top-Zustand trotz einer Form, die regelrecht nach abgerissenen Köpfen schreit, dann kann man auf diesen Preis pro Karte noch locker einiges draufschlagen. Mein bestes Angebot war bisher den gezeigten Preis mit 3 multipliziert. Pro Karte !!!

 

Inzwischen hat der Gute sie auch gefunden, aber garantiert viel mehr dafür bezahlt als ich.

 

Das war’s für heute. Ein kleiner Ausflug in die Welt des schön gedeckten Tisches. Mehr Artikel zum Thema Liebig findet ihr hier (Haushaltungs-Kalender) oder hier (alles Mögliche zu Liebig)

 

 

Liebig Fleisch-Extract Blechdosen


Heute ein kurzer Artikel zu einigen meiner raumfüllendsten Exponate. Blechdosen von Liebig’s Fleischextrakt aus den 1950er/1960er Jahren.

Sie stammen alle aus Belgien und enthielten ursprünglich Brühwürfel.

Die großen Dosen enthielten 400 Stück

 

 

 

die kleinen Dosen kamen mit 100 Brühwürfeln

 

 

Alle Dosen sind leer. Einige der kleinen Dosen wohnen in den großen.

 

Leider habe ich es noch nicht geschafft, eine der deutschen Dosen aus den 1880er Jahren zu bekommen. Das ist eine andere Preisklasse. Auktionen dafür enden selten unter 4-stelligen Beträgen. Ein befreundeter Sammler besitzt zwei sehr schöne Exemplare, die man ab und zu in deutschen Kino- und Fernsehfilmen als Requisite wiedersieht.

      

 

 

Liebig Taschenkalender 1889 – 1897


 

Ich habe beschlossen, daß es wieder mal Zeit ist, euch etwas von Liebig vorzustellen.

Zu diesem Zweck wurden diese beiden Taschenkalender ausgewählt, zwei schöne Ephemera-Stücke aus dem Fin de siecle.

Der obere, von 1897, stammt aus Deutschland und wirbt neben dem Fleisch-Extract für das Liebig-Pepton, einem „Kräftigungsmittel für Schwache, Blutarme und Kranke, namentlich Magenleidende.“

Der untere Kalender aus dem Jahr 1889 ist aus den USA, etwas kleiner als der deutsche und nur einmal gefaltet.
Liebig Kalender 1897 1889

 

 

Beide Kalender waren recht schwer zu finden. Wer möchte, kann in ebay mal schauen. Wenn welche auftauchen, gehen sie regelmäßig zu stolzen Preisen über den Tisch. Man findet sie auch an anderen Orten. Wo, das verrate ich euch aber nicht.

Liebig Kalender 1897 1889

 

 

Die Haushaltungs-Kalender in Buchform hatte ich euch bereits vorgestellt. Seht dazu hier.   Wer mehr Beiträge zu Liebig lesen möchte, der möge auf eines der nachfolgenden Schlagworte klicken.

Dose für OXO Brühwürfel


Mal wieder eine Blechdose. Und mal wieder für Liebig-Bouillonwürfel.

Heute ein etwas späteres Produkt der Firma Liebig. Nach dem Fleischextrakt wurde irgendwann der gut portionierbare Brühwürfel erfunden. In Großbritannien wurde er 1899 unter dem Namen OXO auf den Markt gebracht. In Deutschland hatte Maggi hier mit der im selben Jahr eingeführten Maggi-Würze die Marktmacht. Einen eigenen Brühwürfel hatte Maggi erst ab 1908. (eigentlich sogar mehrere)

 

Diese Dose ist wahnsinnig klein, etwa 7 cm im Durchmesser und 4 cm hoch.

 

Blechdose Liebig oxo Bouillonwürfel

 

Trotzdem haben 20 Brühwürfel je 4 Gramm darin Platz gefunden. Der Preisaufdruck am Rand verrät uns die Kosten für eine schöne Tasse Boillon: ein Würfel  -,60 Franc, die Dose mit 20 Würfeln kostet 12 Fr.

Das Alter der Dose kann ich nicht bestimmen. Ich vermute, sie stammt aus der Zeit zwischen 1920 und 1950. Auf jeden Fall ist sie aus Belgien.

Mehr Artikel zu Liebig gibt es hier. (das sind schon so viele Artikel, daß man unten auf „Ältere Beiträge“ klicken muß um alle zu sehen)

Mehr zu Maggi findet ihr hier.

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