Revue-Programme aus Paris, 1895


Vor gut einem Jahr habe ich euch einen meiner liebsten Programmzettel vorgestellt. Wer sich nicht mehr erinnert, der muß hier klicken.

Heute kommen noch zwei dazu, auf die ich nicht weniger stolz bin, gedruckt von den Firmen François Appel in der Rue du Delta, und Chaix et Cie., beide Paris.

Das erste stammt aus dem Casino de Paris, einem Revue-Theater, das heute zwar noch existiert, jedoch nicht mehr an der alten Adresse 15, Rue Blanche.

 

Gegeben wurde das Stück Rabelais, wahrscheinlich ein Schauspiel über den französischen Schriftsteller François Rabelais. Ich frage mich, was im 4. Akt „Nonnes & Ribaudes“ (Nonnen und Dirnen), einem Ballett-Tanz zur Aufführung kam.

 

Das Casino de Paris scheint nicht so wahnsinnig erfolgreich gewesen zu sein. Das schlußfolgere ich aus der doch sehr beschränkten Nutzung des Werbeplatzes auf der Rückseite. Schuhe des „Hauses der grünen Botten“ und Herr Pfeiffers Pianos. Das war’s.

 

 

Das zweite Programm stammt vom 4. Juli 1895. Es wurde zwar nicht bei F. Appel gedruckt. Allerdings war auch die Druckerei Chaix sehr berühmt – vielleicht sogar noch bekannter als Appel. Die Bibliotheque Nationale de France hat extra für euch hier eine kleine Zusammenstellung vorbereitet.

Mein Programm stammt aus dem „Hippodrome“

 

Das Programm selbst ist begrenzt aufschlußreich. Es wird getanzt und gemacht. Zweimal täglich, 11 Uhr mittags und 6 Uhr abends. Ein Buffet und die Bar sind geöffnet, Preise sind im Hause ersichtlich.

Die halbe Besetzung der Aufführung scheint durch Familie Gontard zu erfolgen. Allein 4 Hauptrollen.

 

Das Interessanteste an diesem Programm ist die Werbung auf der Rückseite.  Die Schneiderei Nicoll, eine Dependance des Londoner Geschäfts wirbt in englischer Sprache für Herren und Damenmode, die auch schon an die Königliche Familie in London geliefert wurde.

 

 

 

 

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500. Artikel – Von Paris nach Istanbul – der Orient-Express



Hurra, dies ist der 500. Artikel in meinem Blog.

Danke für 17 Monate mit 35.500 Besuchen und 180 Followern!


Die hohe Kunst der Bahnreise ist und bleibt der Orient-Express.

Am 5. Juni 1883 fuhr der Express d’Orient zum ersten Mal aus dem Pariser Gare de l’Est aus und erreichte nach 81 Stunden und 40 Minuten den Bahnhof Konstantinopel. Die offizielle Einweihungsfahrt fand erst 4. Oktober 1883 statt. Wieso fünf Monate später? Die bestellten Drehgestellwagen konnten nicht rechtzeitig geliefert werden und Herr Georges Nagelmackers, Gründer der Compagnie Internationale des Wagons-Lits (CIWL) und Initiator des Orient-Express wollte den Behelfszug, der noch ohne die Luxuswagen unterwegs war, nicht in der Öffentlichkeit feiern.

Knappe 50 Jahre später, im Mai 1932, war viel in Europa passiert. Während des Ersten Weltkrieges wurde der Orient-Express eingestellt und durch den von der Mitropa betriebenen und mit beschlagnahmten Orient-Express-Waggons bestückten „Balkanzug“ abgelöst. Der Weltkrieg wurde begonnen und verloren auf der einen, gewonnen auf der anderen Seite. Das Deutsche Reich war der Sündenbock und musste neben immensen Reparationszahlungen auch wertvolle Gebiete abtreten.

Wikipedia schreibt: Nach Kriegsende erhielt die CIWL ihre beschlagnahmten Waggons zurück, soweit diese den Krieg überstanden hatten. Um eine Verbindung zwischen Frankreich und den neu errichteten mittel- und osteuropäischen Staaten des Cordon sanitaire zu erhalten, wurde ab Februar 1919 mit Waggons der CIWL ein sogenannter Train de luxe militaire eingerichtet, der ausschließlich für hohe Militärs der Alliierten und Politiker reserviert war. Er wurde nicht auf der früheren Route des Orient-Express durch Süddeutschland geführt, sondern über die Schweiz und die Arlbergbahn nach Wien und weiter nach Warschau.

Als ein Ergebnis der Pariser Friedenskonferenz 1919 und der begleitenden Verhandlungen wurde die Hauptachse des Verkehrs nach Südosteuropa von der bisherigen Route des Orient-Express über Süddeutschland und Wien auf die Verbindung über den Simplontunnel, Oberitalien und Triest verlagert, den Simplon-Orient-Express. Die zunehmende Nachfrage führte allerdings bald zur Wiedereinrichtung einer Luxuszugverbindung auch auf der klassischen Route des Orient-Express. Dessen kurzzeitige Verlagerung auf die Arlbergbahn während der Ruhrbesetzung 1923 hatte schließlich die Etablierung eines weiteren Luxuszuges durch die Alpen zur Folge, der ab 1932 als Arlberg-Orient-Express bezeichnet wurde. (Wikipedia Ende)

Und so sahen die Strecken auf der Landkarte aus:

Während eine Strecke nach Istanbul (dem ehemaligen Konstantinopel) führte, endete die südliche Route (der Arlberg-Orient Express) in Athen

Auf der Innenseite findet man schließlich die wichtigen Informationen:

gültig ab 22. Mai 1932 begannen alle Routen (theoretisch) in London Victoria Station, wobei nur bis Dover gereist wurde. Von dort weiter per Fähre und in Calais konnte der Orient-Express oder eine seiner Nebenrouten bestiegen werden.

Weitere dieser Nebenrouten sind auf der folgenden Seite zu sehen:

Der Engadin-Express über Paris und Basel nach Chur sowie der Oberland-Express über Paris nach Interlaken.

Die nächste Seite gibt uns Aufschluß über die Reisezeiten und die Strecke des „wahren“ Orient-Express:

Jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag von Paris – Istanbul in ca. 84 Stunden. zurück ging es sonntags, dienstags und donnerstags.

Wer schließlich mit einem der angehängten Schlafwagen eine Teilstrecke bereisen konnte, fand auf der letzten Seite die nötigen Informationen für seine Reise nach Frankfort on Mein, Prag, Straßburg, Stuttgart, Basel, Zürich, Buchs (?), Brig, Chur oder Luzern.

Wikipedia klärt uns auch über das traurige Ende dieser traditionsreichen Bahnlinie auf: Bis zum 14. Dezember 2009 fuhr der Orient-Express täglich zwischen Straßburg und Wien. Mit der Einstellung dieses Nachtzuges kam nach 126 Jahren das Ende des fahrplanmäßigen Orient-Express.

Wer allerdings trotzdem einmal die Strecke des Orient-Express in originalen Wagen befahren möchte, der kann in einem der privaten Touristikzüge sein Glück auf der Schiene suchen. Dazu mehr hier.

Liebig’s Fleisch-Extrakt Aktie


Heute ist es mal wieder an der Zeit, euch eine meiner Aktien vorzustellen. Daß ich ein Sammler von allem bin, was mit Liebig’s Fleisch-Extrakt zusammenhängt, wissen meine treuen Museumsbesucher ja bereits. Um alle bisher erschienen Artikel zum Thema zu lesen, klickt hier.

Heute soll es um eine ziemlich alte Aktie der Liebig’s Extract of Meat COmpany aus London gehen. LEMCO, wie sie in Großbritannien genannt wurde, war das, was man heute als Konzernmutter bezeichnen würde. Die Produkte von LEMCO oder Liebig habe ich in den vorherigen Artikeln schon ausführlich beschrieben. Daher direkt zur Aktie:

 

Was genau diese Aktie alles erlebt hat, kann man heute nicht mehr herausfinden. Auf jeden Fall war ein Brand dabei.

Herausgegeben am 17. September 1903 hat sie zwei Weltkriege erlebt, bei denen sie wahrscheinlich zur falschen Zeit am falschen Ort aufbewahrt wurde. Dabei hat sie eine Ecke eingebüßt und einen Brandfleck abbekommen. Auch die Kanten haben schon bessere Zeiten erlebt.

Allerdings habe ich eine Aktie mit schöner Ausgabenummer: 17999. Die Aktie selbst ist nicht sehr umfangreich. Gerade einmal ein Share im Wert von 5 Englischen Pfund. Das ist nicht viel, wurde aber während der Laufzeit mehr.

Ich hoffe, meine Museumsbesucher mit mehr Wissen um historische Wertpapiere können uns auch diesmal in den Kommentaren mit Detailinformationen versorgen. Wenn ich die Rückseite richtig deute, durchlebte meine Aktie in ihrem aktiven Dasein mehrere Splits, nämlich 1907, 1921 und 1925. Die Kapitalerhöhung kann von den blauen und grünen Stempeln auf der Rückseite abgelesen werden. Gab es bei Ausgabe 1903 100.000 Shares im Wert von £5, wuchs die Anzahl der Anteile auf, 120.000, dann 300.000 und schließlich 400.000.

 

Leider weiß ich nicht, was der letzte Stempel im Rechteck bedeutet. Ebenso ist mir der graue Stempel am oberen Rand unklar. Es könnte sein, daß es sich dabei um weitere zwei Kapitalerhöhungen in den Jahren 1942 und 1959 handelt. Da allerdings dort nur noch von £1 pro Share gesprochen wird, frage ich mich, ob es eine Kapitalverringerung im Aktiengeschäft gibt.

Ich bin auf meine Kommentare gespannt und bedanke mich schon jetzt für Informationen.

Damit endet der heutige Artikel auch schon. Bleibt mir gewogen und freut euch auf weitere spannende Details.

Ich wünschte ich hätte einen dieser Elektropathischen Gürtel


Heute tun wir etwas für die Gesundheit. Es gibt eine Anzeige aus der Zeit zwischen 1885 und 1894 (aus der nahezu all mein altes Papierzeug zu stammen scheint).

Was ist ein elektropathischer Gürtel? Eigentlich müßig, euch das zu erklären, schließlich belehrt uns ja der Anzeigetext: „Jeder hat einen. Niemand scheint ohne zu sein.“

Werbung Elektro-Gürtel

 

 

Da sicher doch noch jemand unter meinen Besuchern ist, der seinen verbummelt, noch nicht ausgepackt oder gerade erst bestellt hat, hier doch noch eine kurze Erklärung, die ich mir aus diversen Quellen im Internet zusammengereimt habe:

Dieses Korsett gab es sowohl für Frauen als auch für Männer. Man erkennt die Variante für Damen an der vorn angebrachten, schmucken kleinen Schleife.

Angeblich wurde es in einem Gerät platziert, das eine Batterie lud, wodurch die kleinen innen sichtbaren Metall-Kontakte Stromstöße an den Körper abgaben.

Zu einer Zeit, als Elektrik noch eine neue Erfindung war, konnte man die gutgläubigen, eitlen Menschen für solchen Schnickschnack gewinnen. Ich habe herausgefunden, daß in den USA ein Korsett damals immerhin die stolze Summe von drei Dollar kostete.

Meine Anzeige stammt allerdings aus eine englischen Zeitung. Die Oxford Street in London war damals wie heute eine riesige Einkaufsmeile. Hier gab es in Hausnummer 52 den größten Verkäufer für Electropathic Belts – The Electropathic and Zander Institute, 1885 gegründet von Cornelius Bennett Harness. Die Trittbrettfahrer ließen offenbar nicht lang auf sich warten. Für meine Adresse habe ich übrigens keine anderen Inserate oder Infos gefunden. Ein weiteres Geschäft gab es noch am Holborn Viaduct in East London.

Das Korsett war übrigens auch in Kindergrößen erhältlich. Wer Kinder hat, bekommt jetzt sicher leuchtende Augen.

Bedauerlicherweise hat sich die versprochene universelle Heilung aller Gebrechen als Werbelüge herausgestellt und das Elecrtopathic & Zander Institute wurde von einer Fülle an Klagen überhäuft. Das führte dazu, daß die Firma 1894 schließen musste.

Von diesen Korsetts ist offenbar kaum etwas erhalten geblieben. Zumindest im Internet konnte ich außer den Zeitungs-Anzeigen und einigen Sammelkarten keine Abbildung eines „echten“ Korsetts finden.

Wer noch eins hat, möge sich bei mir melden.

Unglaublich, daß früher die Leute auf solch schamlose Werbelügen hereingefallen sind. Aber nun muß ich Schluß machen. Der Postbote hat mir gerade meine Bestellung geliefert. Mein neues noch besseres iPhone, der Trinkwasser-Magnetisierer  und die Monatsration Actimel sind da.

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