Milchlieferanten nehmen Margarine – die Dürre im Sommer 1959


Die Alten unter uns erinnern sich vielleicht noch – der Sommer 1959 hielt Mitteleuropa fest im Griff.

Das Bundesarchiv hält für uns eine UFA-Wochenschau vom 14. Juli 1959 bereit. Ab 0:00:05:05 wird über den heißen Sommer berichtet und wir sehen, wie sich die Westberliner über die Hitze retteten.

Ein großes Problem hatten damals im Westen wie im Osten Deutschlands die Bauern mit der anhaltenden Dürre und der Wasserknappheit. Dazu habe ich neulich einen Merkzettel gefunden, der seinerzeit den Bauern in der DDR in die Hand gegeben wurde. Wir alle wissen, dass zu Zeiten von Lebensmittelknappheiten immer die Bauern diejenigen waren, die am Ort der Produktion der benötigten Waren und damit an der Quelle saßen. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden Hamsterfahrten ins Umland gemacht, um beim Bauern direkt Lebensmittel (zu unglaublichen Preisen) zu erwerben. Wikipedia weiß Details.

Um dem vorzubeugen, gab es den folgenden Aufruf:

Ob die Bauern diesem Aufruf nachkamen und ob ausreichend Milch gegen Margarine eingetauscht wurde, ist fraglich. Sicher wird sich niemand dieses lohnende Geschäft entgehen lassen haben. Es gab noch immer genug eintauschbare Wertgegenstände bei der Stadtbevölkerung, über die sich ein Bauer sehr gefreut haben dürfte.

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Margarine für deutsche Helden


Und noch ein Ausstellungsstück aus der Abteilung „Trustfrei„.

Bisher habe ich euch nur über trustfreien Tabak und Honig erzählt. Heute kommt noch die Margarine dazu. Die Fett-Industrie war und ist sehr wichtig. Wer die Butter oder Margarine herstellt, verfügt über nicht unerheblichen Einfluß. Im gegenwärtigen deutschen Land teilen sich diesen Markt eine Handvoll Unternehmen, die zumeist ihre Wurzeln und das Ziel des Kapitalflusses im Ausland haben. Unilever (Rama, Sanella, Becel, Lätta) als internationaler Konzern und Müller mit deutschen Wurzeln sind wohl am bekanntesten.

In den ersten Jahren nach 1900 tobte ein erbarmungsloser Kampf um Marktanteile. Ausländisches Kapital drohte die heimische Wirtschaft zu ruinieren und erwirtschaftete Gewinne ins Ausland abzuziehen. Die Anti-Trust-Bewegung versuchte, dieser Unterwanderung durch ausländische, meist britische und amerikanische Firmen und Banken zu begegnen.

Heute gibt es dazu einen Werbezettel der Leipziger Margarinefabrik Richard Held, in der appelliert wird, nur deutsche Margarine zu essen. In allen vier Ecken wird hingewiesen, daß die Heldenstern Sahnemargarine trustfrei produziert wird.

 

Und damit der Zettel nicht einfach weggeworfen wurde, ist auf der Rückseite ein hübsches kleines Ausmalbild aufgedruckt. Denn wer will schon ein Bild, das das eigene Kind ausgemalt hat, wegwerfen?

Rama-Post


Vor einigen Tagen habe ich euch bereits über Margarine berichtet. Neben der frischen Resi gab und gibt es noch heute die Rama.

Rama ging ursprünglich aus der bekanntesten Margarine-Marke Deutschlands „Schwan im Blauband“ hervor.

Um die Kinder zu ermuntern, ihre Eltern zum Kauf der Rama zu bewegen, gab man im Zwei-Wochen-Takt die Kinderblätter  „Die Rama-Post vom kleinen Coco“ (1909-1915 und 1924-1933 – eine sehr schöne Seite dazu gibt es hier) und „Die Rama-Post vom lustigen Fips“ (1925-1931 – ebenfalls hier gut erklärt) heraus.

Für euch zur Freude hier je ein Exemplar.

Die Rama-Post vom kleinen Coco (1929) – achtet auf die Übergangs-Marke in der Werbung auf der Rückseite. Die Margarine-Sorte „Schwan im Blauband“ wurde zuerst zu „Rama im Blauband“ um dann nur noch „Rama“ zu heißen.

(ob das spiegelverkehrte N im Titel des Gedichts rechts beabsichtigt war?)

 

und Die Rama-Post vom lustigen Fips (ebenfalls von 1929)

 

Auf der Rückseite dieser doch schon recht angeschlagenen Ausgabe findet ihr, liebe Kinder, ein ganz tolles Bild. Schaut es euch einmal ganz genau an:

Das gesamte Bild ist mit nur einer Linie gezeichnet. Schon beeindruckend, oder?

 

die frische Resi


Die frische Resi kennt heute niemand mehr (außer mir). Auch mit Leni und Susi sieht es nicht anders aus. Alle drei waren Magarine-Marken der Vereinigten Margarine-Werke in Nürnberg. Bis 1939 im Besitz zweier jüdische Familien Salb und Wohl und der Familie Lang. Im Zuge der Arisierung waren die jüdischen Eigner gezwungen, ihren Anteil den „arischen“ Teilhabern zu überlassen. Ähnliches kennt ihr schon aus früheren Artikeln die ihr hier noch einmal nachlesen könnt.

Zurück zu Resi – beim Kauf eines Würfels Margarine erhielt man vom Kaufmann des Vertrauens das aktuelle Heftchen der „Hausbücherei der frischen Resi“. Ähnlich der heute noch viel geliebten Apotheken-Rundschau oder Bäckerblume enthielt jedes Heft praktische Winke, Rezepte, Ratgeber, Leser(innen)briefe, eine Geschichte und mehr.

Werbung Heft die frische Resi Margarine

 

Jetzt geht mir Alles nochmal so rasch von der Hand…   diese 100 praktischen Winke sind wirklich fabelhaft!Werbung Heft die frische Resi Margarine

 

Auf der Rückseite wird die Qualität der drei oben erwähnten Damen und ihre Preise abgedruckt: Resi – 40 Pfg für ein Halbes Pfund, Susi gibt es schon für 36 Pfg. und Leni ist bereits ab 32 Pfg. zu haben.

Der Trend, Margarine nach Frauen zu benennen hat sich auch in der DDR fortgesetzt. Wer kennt noch „Sonja“ und „Marina“? Komischerweise scheint es aber keine Margarine mit dem naheliegendsten Namen zu geben – Marga. Wobei das für mich spontan das Bild eines Öko-Ladens im Kopf erzeugt. Okay, es gibt auch andere Namen: Sana, Kama (beide aus der DDR) und Rama sind mir als Frauen noch nicht begegnet.

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