ADAC Wochenendfahrt durch Thüringen – 1929


Die meisten Autofahrer in Deutschland sind Mitglied in einem der beiden großen Automobilclubs. Der ADAC ist dabei Spitzenreiter und jeder kennt die gelben Autos und Hubschrauber.

Der ADAC wurde bereits 1903 als Deutsche Motorradfahrer-Vereinigung gegründet. Aufgrund steigender Autofahrerzahlen, beschloss man schon 8 Jahre später, im Jahr 1911, sich in Allgemeiner Deutscher Automobil-Club umzubenennen. Mit einem kurzen Zwischenspiel als Der Deutsche Automobil-Club (DDAC) während der Zeit des Dritten Reiches und als Konkurrenz zum Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps (NSKK), sammelte der ADAC Mitglieder, die sich heute auf nahezu 21 Millionen Kraftfahrer beläuft. Während mein Großvater Mitglied des ADAC war, war mein Großonkel im NSKK. Dazu ein anderes Mal mehr.

Damals wie heute veranstaltet der ADAC Ausfahrten. Kraftfahrer treffen sich mit ihren – meist gut gepflegten und schön zurecht gemachten – Fahrzeugen, um eine gemeinsame Route zu fahren. Damals wie heute sind dabei noch immer die gleichen Autos unterwegs.

Die Autos meiner Großeltern wollte ich euch schon länger vorstellen. Es wird Zeit, das nachzuholen. An einem von ihnen war das heutige Relikt angebracht.

Ziemlich groß und ganz schön schwer kommt es daher. Die Aufschrift lautet:

AUTOMOBILCLUB „MITTELTHÜRINGEN“ KÖNIGSEE/THÜRINGEN

15.-16. VI 1929

A.D.A.C. WOCHENENDFAHRT NACH SCHWARZBURG

 

Ich würde die Plakette gern an meinen Kühlergrill anbringen. Allein, mein Auto hat keinen, der groß genug wäre. Außerdem würde man sie mir bestimmt klauen. Also liegt sie in einer Kiste, ungeputzt und ungenutzt.

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Am Puls der Zeit


Wer weiß, was ich euch heute vorstelle? Ja, es ist eine Sanduhr. Das kann man noch recht leicht erkennen. Aber wieso so klein – nur 5 Zentimeter groß, nicht hinstellbar und ein Ring zum anhängen an einer Seite? Ein kleiner Hinweis: der Sand benötigt genau 15 Sekunden um durchzulaufen. Pulsmesser       Die Mitarbeiter im Gesundheitswesen haben es natürlich längst erraten. Wir haben hier DAS Utensil der Krankenschwester vergangener Tage vor uns: einen Pulsmesser. Die Schwester hatte diese kleine Sanduhr für gewöhnlich an ihrer Tracht befestigt. Musste der Puls des Patienten gemessen werden, war sie sofort zur Hand und durch das hängen war der Sand auch garantiert nur in einer Hälfte. Finger der einen Hand auf den Puls, mit der anderen Hand die Sanduhr umgedreht und losgezählt. Weil es zu lange gedauert hätte, eine Minute lang zu zählen, hat man die Pulszahl nach beendetem Durchrieseln des Sandes einfach mit 4 multipliziert – et voila. Da bei Männern der Puls bei Berührung durch eine hübsche Frau für gewöhnlich ansteigt (oft nicht nur der Puls), konnten so auch genauere Durchschnitts-Mess-Ergebnisse erzielt werden, bevor das Herz zu rasen begann und das Resultat verfälscht wurde. Vielleicht hat eine besonders kluge oder hübsche (oder beides?) Krankenschwester durch jahrelange Beobachtung der männlichen Patienten herausgefunden, daß ein Vertreter dieser Gattung circa 15 Sekunden benötigt um die Dame zu mustern, zu taxieren und danach seinem Körper mitzuteilen, daß Freude, Verlangen oder Triebhaftigkeit zu aktivieren sind. Aber da war es schon mit der zarten Berührung vorbei. Tja, und so sieht der Artikel des Tages in zerlegtem Zustand aus: ein Messing-Röhrchen, die Sanduhr, und ein Verschluss mit einem Stück zusammengeknülltem Papier um die Sanduhr zu arretieren. Sollte das Glas einmal zerbrechen, musste nur das Innenleben ersetzt werden. Messing war teuer. Pulsmesser   Aus welcher Zeit diese Uhr stammt, weiß ich nicht. Ich glaube, sie wurde über eine sehr lange Zeit benutzt und vermute Jahre zwischen 1920 und 1950.

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