Taschenkalender von 1877 bis 1890


Daß ich Sammelbilder sammle, dürfte meinem geneigten Publikum nicht unbekannt sein. Eine kleine Unter-Rubrik sind Kalender auf Sammelbildern. Davon stelle ich euch heute einige vor.

1877

 

Die Vorderseite sieht aus, wie andere Sammelbilder auch, lediglich auf der Rückseite wurden Kalender aufgedruckt. Cleverer Schachzug: nur ein Quartal oder ein halbes Jahr war pro Karte gedruckt. Somit musste man rechtzeitig vor Beginn des nächsten Halbjahres eine neue Karte besorgen, idealerweise im Geschäft, dessen Adresse auf dem Kalender vermerkt war.

Auf diesen Bildern sieht man übrigens einen der großen Mankos der Taschenkalender. Sie waren offenbar in vielen Fällen zu groß für die Brieftasche und wurden zurechtgeschnitten. Das Ergebnis sind krumme, schiefe und oftmals ganz fehlende Kanten. Das wirkt sich bedauerlicherweise auf den Wert der Karte aus.

 

1878

Diese Karten sind unbeschnitten und in sehr guter Erhaltung.

 

Lediglich die Karte unten links war mal in ein Sammelalbum eingeklebt.

 

 

1881, 1887, 1890

Zum Schluß noch drei „neue“ Karten. An den unteren beiden kann man deutlich die billigere Qualität des Drucks erkennen.

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Revue-Programme aus Paris, 1895


Vor gut einem Jahr habe ich euch einen meiner liebsten Programmzettel vorgestellt. Wer sich nicht mehr erinnert, der muß hier klicken.

Heute kommen noch zwei dazu, auf die ich nicht weniger stolz bin, gedruckt von den Firmen François Appel in der Rue du Delta, und Chaix et Cie., beide Paris.

Das erste stammt aus dem Casino de Paris, einem Revue-Theater, das heute zwar noch existiert, jedoch nicht mehr an der alten Adresse 15, Rue Blanche.

 

Gegeben wurde das Stück Rabelais, wahrscheinlich ein Schauspiel über den französischen Schriftsteller François Rabelais. Ich frage mich, was im 4. Akt „Nonnes & Ribaudes“ (Nonnen und Dirnen), einem Ballett-Tanz zur Aufführung kam.

 

Das Casino de Paris scheint nicht so wahnsinnig erfolgreich gewesen zu sein. Das schlußfolgere ich aus der doch sehr beschränkten Nutzung des Werbeplatzes auf der Rückseite. Schuhe des „Hauses der grünen Botten“ und Herr Pfeiffers Pianos. Das war’s.

 

 

Das zweite Programm stammt vom 4. Juli 1895. Es wurde zwar nicht bei F. Appel gedruckt. Allerdings war auch die Druckerei Chaix sehr berühmt – vielleicht sogar noch bekannter als Appel. Die Bibliotheque Nationale de France hat extra für euch hier eine kleine Zusammenstellung vorbereitet.

Mein Programm stammt aus dem „Hippodrome“

 

Das Programm selbst ist begrenzt aufschlußreich. Es wird getanzt und gemacht. Zweimal täglich, 11 Uhr mittags und 6 Uhr abends. Ein Buffet und die Bar sind geöffnet, Preise sind im Hause ersichtlich.

Die halbe Besetzung der Aufführung scheint durch Familie Gontard zu erfolgen. Allein 4 Hauptrollen.

 

Das Interessanteste an diesem Programm ist die Werbung auf der Rückseite.  Die Schneiderei Nicoll, eine Dependance des Londoner Geschäfts wirbt in englischer Sprache für Herren und Damenmode, die auch schon an die Königliche Familie in London geliefert wurde.

 

 

 

 

Folies Bergere in Paris – Programm von 1890


Einen Monat war euer Museumsdirektor sozial engagiert unterwegs, hat viele Dinge erlebt, die Hirn und Herz angeregt haben und glaubt, Gutes getan und geholfen zu haben, wo es im Moment wichtig ist. Damit ist noch nicht Schluß, aber das erste Chaos ist überwunden und die größte Not ist gelindert.

Als Dankeschön für das lange Warten habe ich euch als erstes Ausstellungsstück nach den „Sommerferien“ eines meiner Lieblinge in der Sammlung ausgewählt. Ein Programm des Varietés Folies Bergère in Paris.

Es ist ein Druckerzeugnis aus der Imprimerie Francois Appel und wurde 1890 hergestellt. Dank aufwändiger Chromolithographie leuchten die Farben auch nach 125 Jahren so, als wäre es gerade frisch aus der Druckerei gekommen.

Im Innenteil steht als Datum „Mardi 16 Decembre“. Dank des Internets ist es nicht schwierig, das dazugehörige Jahr herauszufinden. 1890 war wie durch Zufall auch das erste Jahr der größten Erfolge des Folies Bergère. Wikipedia fasst das sehr bildhaft zusammen:

Unter dem Eindruck der Jahresrevuen, die sich an einigen Theatern großer Beliebtheit erfreuten, inszenierte (der Besitzer) die erste, dem Metier angepasste Revue, die am 30. November 1886 Premiere hatte und die für damalige Begriffe unglaubliche Summe von 10.000 Franc kostete. Die Programme waren angefüllt mit vielen spektakulären Nummern: Kraftmenschen, Löwenbändigern, Groteskenpantomimen, Elefantendressuren, Abnormitätenschauen und Ringkämpfen. Doch auch das vermochte das Publikum nicht dauerhaft und regelmäßig in die Vorstellungen zu locken. Daher organisierte man (ab 1890) für die besten Prostituierten der Stadt Freikarten, die sie zum vierzehntäglichen Wandeln durch die Foyerhallen berechtigten. Zwar waren keine offensiven Angebote erlaubt, doch ein aufforderndes Kopfnicken war gestattet. Paul Derval, lange Zeit Direktor der «Folies Bergère», schrieb dazu in seinen Memoiren: „Dieses geniale System bewährte sich einige Jahre hindurch sehr gut. Jeder Pariser wusste, dass die Damen im Promenoir solche von leichter Tugend waren und dass sie die Crème ihrer Profession darstellten … kurz, das Promenoir der Folies Bergère war als der beste Liebesmarkt der Stadt bekannt.“

Mit ein wenig Phantasie kann man sich vorstellen, wie so mancher Abend einer lustigen Herrengruppe verlaufen sein mag.

Den großen Zuspruch der Pariser Bürger kann man bei diesem Programm am gut gefüllten Anzeigenraum erkennen. Es lohnte sich offensichtlich, auf Programmheften des Folies Bergère, die noch dazu 20 Centimes kosteten, zu werben. Ein weiteres Programm, das nur zwei Tage eher erschien und ein Beispiel für weniger großen Zuspruch der Werber darstellt, hatte ich euch hier schon einmal vorgestellt.

Für was wurde 1890 in einem Variete geworben?

Auf der Titelseite: TSARINE Creme und Reispuder (beides, auch wenn es nach Desserts klingt, dazu da, Frauengesichter anmutig erscheinen zu lassen), erhältlich in der Parfümerie Violet

Im Mittelteil: Das Möbelgeschäft Maison Janiaud junior preist sein großes Sortiment an (gebrauchten?) Möbeln zum Kauf oder Tausch an. (habe ich das richtig übersetzt?); Diamanten, Absinth und alle großen Parfüm Marken

Auf die Rückseite haben es größere Anzeigen geschafft: Apricosenlikör von P. Garnier, die Brasserie Mallet (bis 2 Uhr geöffnet!); La Balneum – ein Badehaus nach türkischer, römischer und russischer Art – 2 Franc ohne, 3 Franc mit Massage (oha) oder das ELIXIR GODINEAU, mit dem man für nur 20 Franc pro Fläschchen Dinge erreichen kann, die mir meine begrenzten Französischkenntnisse  glücklicherweise verschließen.

Meine anderen bereits veröffentlichen Dinge von Monsieur Appel könnt ihr euch anschauen, indem ihr hier klickt.

Über den Preis, den man für ein Programmblatt in dieser Erhaltung zahlen muß, möchte ich an dieser Stelle schweigen.

Orient- und Überseetabak


Heute stelle ich euch wieder einmal eine Aktie vor. Diesmal habe allerdings nicht ich die Informationen, sondern spekuliere (wie man das mit Aktien so macht) auf die Hilfe meiner wertpapiersammelnden Leser.

Viel konnte ich nicht herausfinden. Diese Aktie ist nicht sonderlich wertvoll, aber sie hat mir seinerzeit gut gefallen und hing einige Jahre als Zierde in meinem Flur.

 

Herausgegeben am 1. Mai 1920 – also vor gut 95 Jahren – hat die Société Anonyme des Tabacs d’Orient & d’Outre-Mer Geld für ihre Expansion zusammengesammelt. Ob und was sie damit erreicht hat, welche Tabak- oder Zigarettenmarken mit dieser Firma verbunden waren, all das konnte ich nicht herausfinden. Entweder gab es nichts oder es war auf französisch geschrieben.

Warten wir gespannt ab, ob die Freunde vom EDHAC (Erster Deutscher Historic-Actien-Club) Details haben. Bis dahin, erfreut euch einfach mit mir an einer schönen, alten Aktie aus Frankreich.

Kalender – 1887 – Émile Bayard und Henri Sicard


Kalender sind eine tolle Erfindung. Seit der Mensch Zeit und Ruhe hat, sich die Sterne anzusehen und den Lauf von Mond und Sonne zu verfolgen, gibt es Kalender – in etwa. Anfangs in Form riesiger Steine, die in bestimmten Mustern aufgerichtet wurden oder als schmale Ritzen im Mauerwerk, die das Sonnenlicht auf einen bestimmten Punkt scheinen ließen, wurden sie im Laufe der Jahrtausende immer kleiner, handlicher, praktischer und schöner, nur um schließlich ihr Leben als langweilige Smartphone-App unter den schmierenden Fingern der Menschheit zu fristen.

Ein Teil meiner Sammlung bilden Kalender, diese dann in Form von Taschenkalendern und die wiederum aus der Zeit zwischen 1870 und 1900. Viele habe ich nicht. Diese Sammlung ist auch nur eine Unterkategorie meiner Chromolithographie-Sammelbildchen-Sammlung. Auf einigen dieser Karten wurden halt Kalender aufgedruckt. Das ist auch schon der große Unterschied.

Wenn mir jedoch dann ein Kalender eines meiner favorisierten Drucker in die Hände fällt, kann er auch ruhig etwas größer sein, so wie dieser 129 Jahre alte Vertreter, der so groß ist, daß er gerade so in die größte meiner Schubfächer passt.

Henri Sicard kennt ihr schon aus dem Beitrag über den Kleinen Däumling und den Menschenzoo. Im Laufe der Zeit werden noch weitere Artikel hinzukommen. Sie alle findet ihr dann hier.

Der Rand neben Januar und Februar ist leider etwas ramponiert. Aber ich möchte euch mal mit 129 Jahren sehen.

Interessant ist die Umsetzung des Gemäldes. Wer versteht, wie Chromolithographie funktioniert, weiß wie schwierig es ist, ein Gemälde in dieser Größe bei gleichbleibender Qualität in 7 oder mehr Farben aufzuteilen und diese dann auf die Lithographiesteine zu übertragen. Das Gemälde stammt vom berühmten Illustrator Émile Bayard.

Und wer schon jemals ein Werbeplakat für Les Miserables gesehen hat, der kennt dieses Bild

und kann ab jetzt stolz behaupten: „Ich weiß, daß dieses Bild von Émile Bayard ist und Moopenheimer hat von ihm einen uralten Kalender.“

So sieht das Original aus – die Signatur unten rechts ist auf meinem Kalender unten links zu finden.

„Ebcosette“ von Émile Bayard – 1886 engraving for Victor Hugo’s Les Miserables. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ebcosette.jpg#/media/File:Ebcosette.jpg

Mein Kalender war ursprünglich ein Wandkalender, hing bestimmt auch ein Jahr herum – wie ich vermute, in der Nähe einer Tür, die beim Öffnen und Schließen gegen den Januar stieß und ihm das erwähnte Leid zufügte. Er war im Jahr 1886 ein Werbegeschenk des Pariser Kaufhauses Maison de la Belle Jardiniere – hoppla, schon wieder eines meiner Sammelgebiete.

Und jetzt hat bestimmt auch der letzte meiner Leser etwas hinzugelernt und niemand ist am heutigen Tag umsonst aufgestanden.

Willkommen im Menschenzoo – Paris 8. Mai 1887


Vor einem knappen halben Jahr habe ich euch mein kleinstes Sammelgebiet vorgestellt – die Stuhlkarten. Damals habe ich euch eine weiter Karte versprochen – eine großformatige. Die ist eigentlich schon so groß, daß man schon gar nicht mehr von Karte reden kann. Es ist schon ein Blatt.

 

Etwas kleiner als ein A4-Blatt, war diese Chromolithographie in absolut neuwertiger Erhaltung einigermaßen schwierig zu bekommen. Sie stammt aus der Druckerei Henri Sicard, neben Francois Appel, Vallet & Minot und Testu, Massin & Champenois eine der ganz großen Imprimeries von Paris.

Ich hatte euch Henri Sicard bereits in diesem Artikel erstmalig vorgestellt. Es gab noch weitere große Druckereien in Paris, der Hauptstadt der vom Deutschen Alois Senefelder erfundenen Lithographie. Bognard, Thomas Dupuy, Bouillon-Rivoyre, Hutinet, Baster & Vieillemard, Henri Laas, Courbe-Rouzet, Romanet, Dangiville (eine der ältesten), Aubry,  Verger und Bataille – ich glaube, das ist eine vollständige Liste aller namhaften Imprimeure des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Die meisten wurden erst in den späten 1870-er oder frühen 1880-er Jahren gegründet, wuchsen mit der Nachfrage nach Werbe-, Kalender- und Verpackungsdrucken schnell und waren zu beginn des 20. Jahrhunderts verschwunden.

Einige wenige überlebten und kauften lukrative Konkurrenten auf. So wurde aus Testu & Massin zuerst Testu, Massin & Champenois und schließlich bleib nur noch Champenois übrig. Den kennt beinahe jeder durch seine Drucke der Werke von Alphonse Mucha.

 

Zurück zu unserem heutigen Exponat: Der Jardin Zoologique d’Acclimatation du Bois de Boulogne wurde 1860 von Napoleon III eröffnet. Es war einer von zwei Pariser Zoos in dem bis 1870/71 viele Tiere aus der ganzen Welt gezeigt wurden. Während der Belagerung von Paris durch die Preußen in den eben genannten Jahren zog man es vor, die Tiere vom Chefkoch Alexandre-Étienne Choron köstlich zubereiten zu lassen und zu verspeisen. Ob dazu die vom Maître kreierte Sauce Choron bereits gereicht wurde, ist mir unbekannt.

Zwischen 1877 und 1912, also zu der Zeit, in der unser heutiges Blatt den Besuchern ein wunderschönes Konzert ankündigte – es war der 8. Mai 1887 – bot der Garten „l’Acclimatation Anthropologique“ wie er inzwischen hieß, eine ganz bezaubernde Attraktion an. Buschmänner, NubierZulu und viele weitere afrikanische Stämme wurden in einem menschlichen Zoo ausgestellt. Der Erfolg war enorm. Seit diese heute eher unwahrscheinliche Ausstellung eröffnet wurde, verdoppelte sich die Anzahl der Besucher auf eine Million pro Jahr.

Welche Musik wurde im Mai 1887 gespielt? Schauen wir auf das Programm: Mayeur (der auch selbst dirigierte), Auber, Jules Massenet, Johann Strauß, Georges Bizet, Sellenick, Gounod, Desormes.

 

Auf der Rückseite finden wir Werbung für Herren- und Knabenmode des Kaufhauses La Grande Maison gegenüber des Louvre.

Überraschenderweise wurden die Anzüge immer teurer, je jünger der Knabe war. Um dem Bengel ganz rechts sein neues Outfit zu finanzieren, waren bereits 50 bis 55 Franc nötig, wohingegen Vater für die Hälfte einen schmucken Anzug bekam. Mit Toben und Schmutzigmachen war es dann allerdings Sense. Allenfalls auf einen Hügel zeigen (wie er uns das vormacht) und einmal hin und wieder zurücklaufen – mehr war nicht drin.

500. Artikel – Von Paris nach Istanbul – der Orient-Express



Hurra, dies ist der 500. Artikel in meinem Blog.

Danke für 17 Monate mit 35.500 Besuchen und 180 Followern!


Die hohe Kunst der Bahnreise ist und bleibt der Orient-Express.

Am 5. Juni 1883 fuhr der Express d’Orient zum ersten Mal aus dem Pariser Gare de l’Est aus und erreichte nach 81 Stunden und 40 Minuten den Bahnhof Konstantinopel. Die offizielle Einweihungsfahrt fand erst 4. Oktober 1883 statt. Wieso fünf Monate später? Die bestellten Drehgestellwagen konnten nicht rechtzeitig geliefert werden und Herr Georges Nagelmackers, Gründer der Compagnie Internationale des Wagons-Lits (CIWL) und Initiator des Orient-Express wollte den Behelfszug, der noch ohne die Luxuswagen unterwegs war, nicht in der Öffentlichkeit feiern.

Knappe 50 Jahre später, im Mai 1932, war viel in Europa passiert. Während des Ersten Weltkrieges wurde der Orient-Express eingestellt und durch den von der Mitropa betriebenen und mit beschlagnahmten Orient-Express-Waggons bestückten „Balkanzug“ abgelöst. Der Weltkrieg wurde begonnen und verloren auf der einen, gewonnen auf der anderen Seite. Das Deutsche Reich war der Sündenbock und musste neben immensen Reparationszahlungen auch wertvolle Gebiete abtreten.

Wikipedia schreibt: Nach Kriegsende erhielt die CIWL ihre beschlagnahmten Waggons zurück, soweit diese den Krieg überstanden hatten. Um eine Verbindung zwischen Frankreich und den neu errichteten mittel- und osteuropäischen Staaten des Cordon sanitaire zu erhalten, wurde ab Februar 1919 mit Waggons der CIWL ein sogenannter Train de luxe militaire eingerichtet, der ausschließlich für hohe Militärs der Alliierten und Politiker reserviert war. Er wurde nicht auf der früheren Route des Orient-Express durch Süddeutschland geführt, sondern über die Schweiz und die Arlbergbahn nach Wien und weiter nach Warschau.

Als ein Ergebnis der Pariser Friedenskonferenz 1919 und der begleitenden Verhandlungen wurde die Hauptachse des Verkehrs nach Südosteuropa von der bisherigen Route des Orient-Express über Süddeutschland und Wien auf die Verbindung über den Simplontunnel, Oberitalien und Triest verlagert, den Simplon-Orient-Express. Die zunehmende Nachfrage führte allerdings bald zur Wiedereinrichtung einer Luxuszugverbindung auch auf der klassischen Route des Orient-Express. Dessen kurzzeitige Verlagerung auf die Arlbergbahn während der Ruhrbesetzung 1923 hatte schließlich die Etablierung eines weiteren Luxuszuges durch die Alpen zur Folge, der ab 1932 als Arlberg-Orient-Express bezeichnet wurde. (Wikipedia Ende)

Und so sahen die Strecken auf der Landkarte aus:

Während eine Strecke nach Istanbul (dem ehemaligen Konstantinopel) führte, endete die südliche Route (der Arlberg-Orient Express) in Athen

Auf der Innenseite findet man schließlich die wichtigen Informationen:

gültig ab 22. Mai 1932 begannen alle Routen (theoretisch) in London Victoria Station, wobei nur bis Dover gereist wurde. Von dort weiter per Fähre und in Calais konnte der Orient-Express oder eine seiner Nebenrouten bestiegen werden.

Weitere dieser Nebenrouten sind auf der folgenden Seite zu sehen:

Der Engadin-Express über Paris und Basel nach Chur sowie der Oberland-Express über Paris nach Interlaken.

Die nächste Seite gibt uns Aufschluß über die Reisezeiten und die Strecke des „wahren“ Orient-Express:

Jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag von Paris – Istanbul in ca. 84 Stunden. zurück ging es sonntags, dienstags und donnerstags.

Wer schließlich mit einem der angehängten Schlafwagen eine Teilstrecke bereisen konnte, fand auf der letzten Seite die nötigen Informationen für seine Reise nach Frankfort on Mein, Prag, Straßburg, Stuttgart, Basel, Zürich, Buchs (?), Brig, Chur oder Luzern.

Wikipedia klärt uns auch über das traurige Ende dieser traditionsreichen Bahnlinie auf: Bis zum 14. Dezember 2009 fuhr der Orient-Express täglich zwischen Straßburg und Wien. Mit der Einstellung dieses Nachtzuges kam nach 126 Jahren das Ende des fahrplanmäßigen Orient-Express.

Wer allerdings trotzdem einmal die Strecke des Orient-Express in originalen Wagen befahren möchte, der kann in einem der privaten Touristikzüge sein Glück auf der Schiene suchen. Dazu mehr hier.

Zirkusprogramm – 14. Dezember 1890 – Paris


Der Zirkus ist in der Stadt!

Im Paris des ausgehenden 19. Jahrhunderts gab es so einige Zirkusse, die den Sommer über im Freien spielten und im Winter in große Häuser zogen um dort ihre Vorstellungen zu zeigen. Damals zu den bekanntesten Innen-Zirkussen (ist das überhaupt der Plural von Zirkus?) gehörte der Cirque d’hiver – dem Winter-Zirkus von Louis Dejean.

Damals ebenso beliebt, wenn auch weniger groß und bekannt, war der Nouveau Cirque. Am Namen kann man erkennen, daß er erst verhältnismäßig spät gegründet wurde. Wurde der Cirque d’hiver bereits 1843 eröffnet, ging der Vorhang des Nouveau Cirque erst ca. 30 Jahre später auf.

 

Das heute vorgestellte Programm wurde für die Vorstellung am Sonntag, den 14. Dezember 1890 gedruckt. Auf den beiden äußeren Einklappseiten ist keine Werbung aufgedruckt. Auch sind die Farben des Titelbilds etwas verschoben. Ging es dem Zirkus damals vielleicht schlecht? Man weiß es nicht mehr. Das Titelbild wurde übrigens vom Aquarellmaler und Illustrator Louis Vallet entworfen. Ob das derselbe ist, der auch an der Druckerei Vallet, Minot & Cie. beteiligt war, muß ich noch herausfinden. Falls es derselbe Herr ist, gibt es hier irgendwann einen Link zu einigen der hunderten Sammelbildchen aus seiner Feder.

Mit tollen Attraktionen konnte der Zirkus allerdings aufwarten. Bekannt geworden ist er in der Saison 1890 mit einer Löwendressur, in der drei Löwen einen römischen Streitwagen durch die Manege zogen, Zwei der Löwen auf ihren Pranken einen Hund balancierten und im Maul ein Seil hielten, über das der mutige Hund hin- und hersprang. Der Dompteur dieser Nummer war kein geringerer als Carl Hagenbeck, heute hauptsächlich bekannt durch seinen vor den Toren Hamburgs gegründeten Tierpark. Vorher bestand sein Tagwerk darin, als Tierfänger durch Afrika zu reisen und Zootiere zu beschaffen.

Unsere Zirusschau hatte andere Highlights. Die könnt ihr auf der inneren Mittelseite nachlesen:

 

Auf den inneren Einklappseiten findet ihr Werbeanzeigen für Damenhüte, Kölnisch Wasser, noch ein Hutgeschäft und einen Damenschneider.

Gedruckt wurde das Programm von der Imprimerie Paul Dupont, eine der großen Druckereien und Konkurrenz von Francois Appel. Dieses Programm habe ich als Teil eines Pakets gekauft, in dem sich zwei Programme des favorisierten Monsieur Appel befanden. Das bedeutet, daß ich es eigentlich gar nicht brauche. Aber zum wegwerfen oder tote Heringe darin einzuwickeln, ist es mir dann doch zu schade.

Update: Zack, kaum veröffentlicht, finde ich noch eine Information zum Programm. 1886 wurde der Nouveau Cirque von Joseph Oller gegründet und konnte mit einem Gebäude aufwarten, in dem die Bühne komplett hydraulisch bewegbar und langsam absenkbar und mit Wasser befüllbar war.

Update 2: Die oben beworbene Show „A la Cravache“ war wohl ein Riesenerfolg. Der Clown Foottit brillierte in seiner Nummer als Imitation von Sarah Bernhardt als Cleopatra. Die Schauspielerin besuchte selbst eine der Vorstellungen und fiel durch „herzliches Lachen“ auf. (zu finden im Buch „The Great Parade: Portrait of the Artist as Clown“ von Jean Clair.

Lithographische Druckerei François Appel – Rue du Delta, 12 – Paris


Daß ich seltsame Dinge sammle, dürfte jedem meiner Besucher inzwischen bekannt sein. Fragt mich nicht, wie ich als Berliner auf die Idee gekommen bin, Werke zu sammeln, die von einer speziellen Druckerei in Paris hergestellt wurden. Aber so ist es. Einige meiner Sammelstücke habe ich euch in vergangenen Beiträgen schon vorgestellt.

Heute kommt ein Brief dazu, über den ich mich sehr gefreut habe, als ich ihn endlich in der Hand hielt.

 

Er wurde von Firma Appel am 19. Februar 1869 an Monsieur Joseph Brès in Nizza geschickt. Es ist mir leider nicht gelungen, herauszufinden, wer Joseph Brés war. Bemerkenswert finde ich aber, daß es in Nizza eine rue Joseph Brès gibt. Und die wird nicht nach ihm benannt worden sein, weil er mal einen Brief aus Paris geschickt bekommen hat.

Bedauerlicherweise kann ich den Brief auch nicht lesen, sonst könnte man aus dem Inhalt vielleicht Rückschlüsse ziehen. Kann von euch jemand helfen? Ich habe hier einen Artikel über Stadtentwicklung von Nizza gefunden, den ich aber auch nicht lesen kann. Dort wird Herr Brès mehrfach erwähnt. Vielleicht war er ein Stadtplaner oder damit beschäftigter Politiker.

Das von Firma Appel benutzte Briefpapier gibt übrigens Aufschluss über das Fabrikgelände der Druckerei. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war es weit verbreitet, seine Fabrik auf dem Briefkopf abzudrucken. Rauchende Schornsteine waren dabei ein Zeichen von florierendem Geschäft. François Appel hat sich etwas Besonderes einfallen lassen. Blättert man den Brief um, ist die Lithographische Anstalt auf einer ganzen A4-Seite abgedruckt.

 

Die Adresse von François Appel, Rue du Delta, 12, Paris gibt es übrigens auch heute noch. Der Eingang ist auf der Abbildung links unten zu sehen. Google StreetView hat hier zwar ein Bild, jedoch wurde gerade gebaut, als es aufgenommen wurde. Bei meinem Besuch sah es dort richtig hübsch aus. Leider war das Tor verschlossen, so daß ich außer dem Hinterhaus nicht sehen konnte, ob vom ehemaligen Fabrikgebäude noch etwas übrig ist.

Noch ein paar Informationen zu Herrn Appel. Er wurde am 18.4.1821 in Coburg geboren, war also ursprünglich Deutscher. Seine Familie zog in seiner Jugend nach Frankreich. Gestorben ist er am 9.10.1882 in Paris.

Weltausstellung – Paris – 1878


 

Heute gibt es wieder eine Weltausstellung. Artikel über die Ausstellungen der Jahre 1893 in Chicago und 1900 in Paris hatten wir schon und wer sie verpasst hat, klickt einfach auf die Jahreszahlen.

Heute gehen wir noch ein wenig weiter zurück.

 

 

1878 fand die 7. Weltausstellung – zum dritten Mal in Paris – statt. Hier wurden als besonders grandiose Erfindungen das elektrische Licht und eine Eismaschine vorgestellt. Beides waren aber nicht wirklich Neuheiten. Wer Details mag, klickt hier. Neben der kompletten Neugestaltung des Marsfeldes (Champs du Mars) gab es viele beeindruckende Pavillons zu sehen.

In den Tiefen meiner Sammelkarten-Alben habe ich einige Ansichten gefunden, die ich euch heute zeigen möchte.

Spanien

 

auch Spanien

 

 

Japan

 

nochmal Japan

 

England (leider mit einem Tintenklecks)

 

Mittelamerika

 

Algerien

 

Und als letztes ein Sammelbild des Chinesische Pavillons am Trocadero-Palast. Darüber eine Gesamtansicht des Ausstellungsgeländes und des Hauptgebäudes.

 

 

Die Fotografien stammen aus dem Fotoalbum, dessen Einband ich ganz oben gezeigt habe. Es enthält Ansichten aus Paris.

und zum Schluß noch einmal die Panorama-Ansichten:

 

Ein Ausstellungsstück, das auch heute noch immer zu den weltweit bekanntesten Fotomotiven gehört fand seinerzeit übrigens überhaupt keine Erwähnung. Wahrscheinlich fand man diesen von innen begehbaren Teil einer Statue nicht sonderlich bemerkenswert. Hätten die 16.156.626 Besucher der Weltausstellung damals geahnt, daß 140 Jahre später lange Schlangen und eine begrenzte Eintrittskartenzahl vor einem Besuch stehen, wäre sicher mehr über dieses tolle Werk von Frederic-Auguste Bartholdi unter Mithilfe von Gustave Eiffel berichtet worden.

 

„SOLparkParis“ von Albert Fernique (born c. 1841, died 1898) – Dieses Bild ist unter der digitalen ID cph.3a53268 in der Abteilung für Drucke und Fotografien der US-amerikanischen Library of Congress abrufbar. Published in 1883 in Frederic Bartholdi’s Album des Travaux de Construction de la Statue Colossale de la Liberte destinee au Port de New-York (Paris).. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:SOLparkParis.jpg#/media/File:SOLparkParis.jpg

 

Deutschland war auf der Weltausstellung übrigens nicht vertreten. Vielleicht lag das am Deutsch-Französischen Krieg, der 1870/71 stattfand. Ich weiß es nicht.

Wie durch Zufall war eines der großen Pariser Kaufhäuser, da Maison de la Belle Jardinière, dessen Sammelkarten ich sammle ein Mitglied der Jury zur Prämierung der Aussteller und Ausstellungsstücke. Das Belle Jardinière nahm außer Konkurrenz (Hors Concours) teil. Ihr könnt das auf der Rückseite der Karte in der Mitte lesen. Die auf der Weltausstellung vergebenen Medaillen sahen in etwa so aus.

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