Niederegger Marzipan und Parfüm von Coco Chanel – 1940


Heute habe ich etwas für euch herausgesucht, das zur Weihnachtszeit passt: Marzipan und Parfüm

Eine der bekanntesten Marzipan-Hersteller Deutschlands ist die Firma J.G. Niederegger aus Lübeck.

In meinem Patentamt-Buch, in dem Marken und Muster eingetragen wurden, habe ich diesen Eintrag vom 30. Januar 1940 gefunden:

Diese Verpackung wird auch heute noch unverändert verwendet. Wer mehr über die Firma erfahren möchte, die heute täglich 30 Tonnen Marzipan herstellt, der schaut am besten hier nach.

 

Und damit die Dame von Welt, die der Figur wegen natürlich auf den Genuß von Marzipan verzichtet, auch etwas Schönes bekommt, hat sich Coco Chanel ein Parfum einfallen lassen und dessen Verpackung am 5. Dezember 1940 rechtlich schützen lassen.

Ob es diese Verpackung heute noch gibt, kann ich leider nicht sagen.

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Nivea-Creme und eine Synagoge


Der Inbegriff für Hand- und Gesichtscreme im mitteleuropäischen Raum ist die NIVEA-Creme. Seit ihrem ersten Auftritt im Jahr 1911 ist das Design der Blechdose mehrfach geändert worden. Jedoch schon immer enthielt sie den Emulgator Eucerit®, ein Wollwachs aus Schafwolle. (mehr Info dazu im Wikipedia-Artikel zu Eucerit)

 

Nivea (wegen der schönen weißen Farbe nach dem lateinischen Adjektiv niveus – das Schneeweiße – benannt) ist eine der drei großen Zugpferde der Beiersdorf AG. (die anderen beiden sind Labello und Tesa)

 

In einem meiner Patentbücher aus dem Jahr 1940 kann man zwei Werbemuster für den italienischen Markt finden, registriert für die Zeit von 1938 bis 1958.

Trademark-Verzeichnis 1940 Nivea

 

Etwas später in diesem Jahr, nämlich am 28. Dezember 1940, ließ sich die Chemische Fabrik Pilot AG in der Schweiz die Markenrechte für Nivea eintragen. Trademark-Verzeichnis 1940 Nivea

 

Was hat die Pilot AG mit Beiersdorf zu tun? Man könnte vermuten, nicht viel. 1940 tobte der zweite Weltkrieg und nicht jeder war Deutschland wohlgesonnen. Wer also nicht mit den Deutschen Geschäfte machen wollte, konnte stattdessen mit der Schweizer Pilot AG Handel treiben. Daß sie zufällig zu 100% Beiersdorf gehörte und zu keiner Zeit auch nur ein Beiersdorf-Produkt hergestellt hat, kann man hier nachlesen.

Ein nicht uninteressanter Punkt in der Firmengeschichte von Beiersdorf ist die Tatsache, daß die 1882 vom Apotheker Paul C. Beiersdorf gegründete Firma bereits 1890 vom Apotheker Oscar Troplowitz gekauft wurde. Er verhalf, nicht zuletzt durch das erworbene Patent zum oben genannten Eucerit, der Firma zum Erfolg.

Oscar Troplowitz stammte (wie übrigens auch Lukas Podolski) aus dem schlesischen Gleiwitz, der Stadt, die 1939 durch einen fingierten Überfall auf den Radiosender, der als Vorwand zum Beginn des Zweiten Weltkrieges verwendet wurde, in die Geschichte eingehen sollte. Er gehörte zu einer wohlhabenden jüdischen Familie. Der Vater, ein Baumeister und Besitzer eines Bauunternehmens, erbaute im Jahr 1861 die Neue Synagoge.

Aktiv am jüdischen Leben in Gleiwitz teilhabend, erhielt Familie Troplowitz sicher gelegentlich Post vom Gemeinde-Vorstand. Um offizielle Briefe zu versiegeln und ihre Unversehrtheit bis zum Empfang nachzuweisen, wurden Siegelmarken verwendet. So auch vom Vorstand der Synagogen-Gemeinde zu Gleiwitz.

Und weil die irgendwie ein bißchen wie eine Dose NIVEA-Creme aussieht, zeige ich sie euch hier gleich noch.

 

Nun wisst ihr wieder etwas mehr über euer Lieblings-Pflegeprodukt, daß Namen nicht immer das sind, was sie verheißen und wie eine Firma zu internationalem Ruhm kommen kann, obwohl der Namensgeber schon lange nicht mehr dabei ist. (Gab es da nicht auch eine Automarke?)

 

Taschen-Guillotine


Da ich Nichtraucher bin, kenne ich den heutigen Artikel nur aus der Theorie.

Es handelt sich um einen Zigarrenabschneider. Aufgrund seiner Funktionsweise – man zieht die Rasierklinge heraus, steckt die Zigarrenspitze in eines der beiden Öffnungen und schneidet die Spitze durch Hereindrücken des Messers ab – wird der Zigarrencutter auch gern Taschen-Guillotine genannt.

Zigarren-Schneider

 

Ich habe natürlich die Datenbank des Deutschen Patentamtes nach dem oben angegebenen Deutschen Reichs-Patent D.R.P. 529844 durchsucht. Soll ich euch etwas sagen? Ich habe es gefunden. Es war nicht ganz einfach, da das Patent am 3.8.1938 durch das verbesserte Patent 1442252 abgelöst wurde. Als Begründung schreibt der Erfinder Ingenieur Gottfried H. Cullmann: „Der in der Patentschrift Nr.529844 beschriebene Zigarrenabschneider hat eine unzweckmäßige Verbindung von Klinge, Halter und Hülse, indem ein lösbarer Verbindungsstift zur Verwendung kommt.  Abgesehen davon, dass dieser Stift, sei es eine Verschraubung, sei er in der Art eines Druckknopfes ausgeführt, leicht verloren gehen, sich auch von selbst lösen kann und wegen der Kleinheit schlecht zu montieren ist, bleibt beim Entfernen des Stiftes die Klinge in der Hülse stecken.“

Mehr im gesamten Patentantrag, den ihr hier findet. (Quelle: depatisnet.dpma.de) DE000001442252U_all_pages

Interessant sind an diesem Gerät zwei Dinge:

  • man hat im Vergleich zu anderen Zigarrenschneidern nur eine Öffnung für die Spitze der Zigarre; sonst kann man die gesamte Zigarre durchstecken und auf die Art unnötig viel abschneiden;
  • die Löcher für die Zigarrenspitzen sind oval statt rund; die Erklärung liefert uns Herr Cullmann auf Blatt 2, zweiter Absatz: „Weiterhin liegt der vorliegenden Anmeldung eine von allen bisherigen Zigarrenabschneidern abweichende Einstecköffnung für die Zigarre zugrunde. Da die Zigarren an der abzutrennenden Spitze niemals genau rund sind und meist einen ovalen Querschnitt aufweisen, so ist die bisher gebräuchliche runde Einstecköffnung unzweckmäßig.“

Den Tabakwaren-Großhändler E.A.Riedmüller habe ich zwar nicht gefunden, allerdings hat sein Sohn Bruno das Geschäft übernommen und war laut dem Adressbuch der Stadt Erfurt von 1950 noch immer im Geschäft in der Reichartstrasse 4. seht hier.

alles blitzschnell kleingehackt – Moulinex


Die Leser in meinem Alter hatten bestimmt früher im Elternhaus eine, die Älteren hatten selbst eine, die DDR-Bürger hätten gern eine gehabt (wir hatten eine), manch einer hatte ein Plagiat. Die Rede ist von der Moulinette der Firma Moulinex – einer Mischung aus dem französischen Wort Moulin (Mühle) und ex (express).

Bevor die Firma ihren Firmennamen 1957 um das -nex erweiterte, hieß sie nur Mouli und stellte mechanische Reiben her. Das Bekannteste unter ihnen war der Mouli Grater – der direkte Vorgänger der Moulinette.

 

Meiner hat sogar noch alle drei Einsätze. Man konnte fein raspeln (oberes Bild – Mitte), grob raspeln (oberes Bild – rechts) oder Gurken in gurkensalatfähige Scheiben hobeln (unteres Bild – rechts).

 

 

Um die Einsätze zu wechseln, musste lediglich der Handgriff hochgeklappt werden und der Einsatz getauscht werden. Das ging schnell und kaum war der Griff wieder geschlossen, konnte schon wieder losgekurbelt werden.

Hier seht ihr das Gerät in geöffneter Pose. Der auf dem folgenden Bild untere Griffteil diente dabei zum andrücken des zu raspelnden Was-auch-immer. Das hatte gegenüber den herkömmlichen Reiben einen entscheidenden Vorteil. Für die musste nämlich immer nach dem Holzstopfer gesucht werden. Ohne ihn hat man sich ansonsten die Fingerkuppen abgeraspelt – oder abgehobelt (je nach Einsatz).

 

 

Schon toll, was die Franzosen so drauf haben. Kein Wunder, daß in vielen Ländern Patente darauf angemeldet und ihr Nummern auf den Seiten eingestanzt wurden. Und nur dank dieser Nummern ist es mir gelungen, hier herauszubekommen, daß der Mouli Grater in den USA am 4. August 1939 zum Patent angemeldet wurde. Hier, hier und hier sind noch die anderen eingestanzten Patente.

Ein kleines, aber nicht uninteressantes Detail ist übrigens, daß die Firma Moulinex am 11. September 2001 pleite ging. Man sagt, daß sich jeder noch genau erinnern kann, was er an diesem Tag getan hat. Stellt euch vor, die Mitarbeiter kommen nach hause und erzählen: „Schatz, heute ist etwas furchtbares passiert …“

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