Porzellangeld


Porzellan wird oft auch als weißes Gold bezeichnet. Seine große Zeit ist aber vorüber und inzwischen sind nur noch ausgewählte Stücke von hohem Wert. Ein bedeutender Nachteil des Porzellans ist, dass man im Vergleich zu Vasen, Bechern und Figuren aus Gold, schon durch kleinste Beschädigungen den Wert auf einen Bruchteil (im wahrsten Sinne des Wortes) reduziert.

Was tut man nun, wenn man kein Gold hat, um beispielsweise Münzen zu prägen? Richtig, man nimmt anderes Metall oder billigere Legierungen.

Was aber, wenn auch das Metall knapp wird?

Die Lösung war, seine Münzen aus Porzellan herzustellen:

 

Diese beiden kleinen Münzen mit einem Wert von 50 bzw. 75 Pfennig wurden in der schlesischen Stadt Grünberg herausgegeben. Heute liegt die Stadt in Polen und heißt Zielona Gora.

Mit der Herstellung dieser Münzen wurde die Manufaktur Meißen beauftragt. Das bedeutet, diese kleinen Münzen sind, wenn auch nicht so wertvoll wie eine Meißner Figur, doch aus dem edlen Porzellan hergestellt.

 

Das meiste Porzellangeld wurde in den Jahren 1920 und 1921 hergestellt. Die rechte Münze von 1922 ist da schon etwas zu spät erschienen.

Wer sich über die braune Farbe der linken Münze wundert, dem sei erklärt, dass es sich hierbei um das sogenannte Ost-Indische Porzellan oder auch Böttgersteinzeug handelt, benannt nach Johann Friedrich Böttger. Es wurden letztlich mehr braune als weiße Münzen hergestellt.

Ob eine Porzellanmünze ihren Geldwert behielt, wenn sie auf den Boden gefallen und zerbrochen war, weiß ich nicht.

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Studentenporzellan


Als vorläufigen Abschluss meiner Studentika-Reihe möchte ich euch heute noch die Sachen vorstellen, die auf dem Tablett wohnen, das es im gestrigen Artikel zu bestaunen gab.

Wie alle anderen Studentika stammen auch die heutigen Geschirrteile aus der Studentenzeit meines Uropas.

Die Kaffeekanne soll den Anfang machen. So wie auch das gestrige Tablett wird alles heute vorgestellte aus der Zeit kurz nach 1900 stammen. Zwischen 1890 und 1910 war der Jugendstil auf der Höhe seiner Blüte. Ob man diese Kanne allerdings in den Jugendstil einordnen kann, bezweifle ich. Dazu ist sie zu wenig beblumt und verornamentet. Zum Vergleich schaut hier. Einzig der abgebildete Zirkel ist sehr schön aus Ranken dargestellt.

Als nächstes gibt es die Kaffeetasse zur Kanne.

 

und in den Kaffee den Zucker aus der Zuckerdose

 

und die Sahne aus dem Sahnekännchen

 

Die dazugehörige Zuckerzange und Kaffeelöffel habe ich euch nicht fotografiert. Sie sehen aber den vor einigen Tagen vorgestellten sehr ähnlich und sind ebenfalls aus Silber.

Für alle Porzellanfans: auf der Unterseite ist leider keinerlei Marke zu finden.

Krankenhauskeramik


Weil ich beim heutigen Artikel des Tages nicht sicher bin, ob es das ist, wofür ich es halte, gibt es im Anschluß noch einen Bonus.

Beide Porzellangefäße stammen aus alten Krankenhausbeständen. Das erste hielt ich bisher immer für eine Schnabeltasse, kann es aber nicht sicher sagen. Vielleicht kann jemand aus dem Publikum Licht ins Dunkel bringen.

Ist das eine Schnabeltasse? Update: Eine langgediente Krankenschwester hat es bestätigt – das ist eine sehr ordentlich gearbeitete Schnabeltasse. Danke Karensmama.

Es sieht aus wie ein Kännchen, fasst aber nur um die 200 ml. Als Milch- oder Sahnekännchen ist es prima geeignet. Allerdings könnte es zu unschönen Reaktionen führen, wenn ich die Kaffeetafel gedeckt habe und Besuch aus medizinischen Berufen kommt. Ähnliches ist mir bereits widerfahren, als ich einen Emaillebehälter als Aufbewahrungsort für meine Küchenlappen und Schwämme neben der Spüle aufgestellt hatte. Nachdem ich den Besuchern erklärt hatte, daß er ursprünglich als Ablage der benutzten chirurgischen Werkzeuge im OP-Saal diente, haben einige seltsam gekuckt. Dabei hatte ich ihn zwischenzeitlich abgewaschen.

Der zweite Artikel des Tages ist einfacher zu bestimmen.

Hierbei handelt es sich um einen Messlöffel für Medizin. Die Anwendung ist denkbar einfach: Die Medizin wird eingeträufelt oder -gegossen. Da der Löffel recht flach ist, sieht man die Skala sehr gut und misst genau die Menge ab, die vorgeschrieben ist. Dann angesetzt und runtergeschluckt.

Nun fragen sich vielleicht einige: Wozu einen Messlöffel für einen Teelöffel, wenn ich doch auch einen Teelöffel nehmen kann? Ganz einfach: Wird der Teelöffel gefüllt, ist er bis zum Rand voll. Die Wahrscheinlichkeit, etwas zu verkleckern, während man ihn zum Mund führt – bei Kranken ja mitunter nicht mal zum eigenen – ist hoch. Unser Porzellan-Meßlöffel hat immer noch etwas Platz nach oben und verhindert ein Kleckern.

Praktisch, oder?

Ihr bleibt hoffentlich alle schön gesund und braucht weder das eine noch das andere Porzellangefäß des heutigen Tages für seinen Originalzweck. Zum Abmessen von Backpulver, Zucker usw. ist der kleine Messlöffel aber allemal nützlich.

Beide dürften ungefähr aus den 1940er Jahren stammen.

hin und her, hin und her, Zähneputzen ist nicht schwer – Odol Zahnpulver


Jeder von uns benutzt (hoffentlich) regelmäßig Zahnpasta zur Zahnpflege. Aber was gab es eigentlich, bevor es Zahnpasta gab? Richtig, Zahnpulver. Ein Pulver bestehend aus feinkörnigen Schmirgelstoffen, versetzt mit wohlriechenden Zutaten wir Pfefferminz, Menthol, Honig, Zucker und Veilchenöl. Zeitweise wurde sogar Seifenpulver zugesetzt, allerdings war der Erfolg nicht sehr groß. Nicht etwa wegen des Geschmacks – nein, das Seifenpulver verklumpte in der feuchten Luft.

Wer es ganz genau wissen möchte, der schaut bei Wikipedia nach.

Die Firma Odol ist eigentlich durch ihr Mundwasser weltberühmt geworden, das 1892 auf den Markt kam. Aus derselben Epoche stammt unser heutiges Ding – eine Zahnpulverschaufel für Odol Zahnpulver.

 

Irex-Zahnpulver aus der Firma des Industriellen Karl-August Lingner wurde nach dem großen Erfolg von Odol um 1900 in Odol Zahnpulver umbenannt. Herr Lingner führte in seinem Sortiment auch andere tolle Dinge: einen Behälter, gefüllt mit Schrot, in dem Schreibfedern gereinigt werden konnten, ein biegsames Stahllineal, ein Nasenglas zur Schnupfenbehandlung, einen Wasch-Frottier-Apparat, ein Cholera-Serum oder auch einen Armee-Feldkocher der im Ersten Weltkrieg zum Einsatz kam.

Ob diese Schaufel für den Privatgebrauch oder beim Händler in Benutzung war, konnte ich nicht herausfinden, aber eine Anzeige eines Händlers findet ihr in der Anzeige der Drogerie Gebrüder Berger auf Seite 3 dieser Zeitung vom 3. Mai 1903. Aber selbst noch 1924 wurde in Brasilien für Odol Zahnpulver verkauft. seht hier (linke Spalte, unter dem Kasten). Falls jemand diese Anzeigen weiter durchliest, trifft er auf Blumenau, eine Stadt, die, anders als man vom Namen erwarten würde, in Brasilien liegt. Wikipedia kennt auch die.

Ich kann mir für die Zahnpulver-Schaufel zwei Anwendungsmöglichkeiten vorstellen:

  1. zum Abfüllen des Zahnpulvers in kleine Tüten beim Händler
  2. zum individuellen Gebrauch, um Zahnpulver aus einem Behältnis zu entnehmen, die benötigte Menge zu benutzen und den Rest wieder zurück zu schütten.

Wer mehr weiß, lasse uns nicht dumm sterben.

Auf der Unterseite sieht die Schaufel übrigens so aus:

(D.R.G.M. = Deutsches Reich Gebrauch-Muster

Und meine Schaufel sieht definitiv besser aus, als die vom Deutschen Hygiene-Museum in Dresden.

Milchkoch-Hilfe


Heute gibt es einen kleinen Helfer für die fleißige Hausfrau.

Dieses circa fünf Zentimeter große Porzellan-Teil wurde in den Milchtopf gelegt.

Normalerweise fängt die Milch an zu kochen und brennt leicht an, wenn man nicht darauf achtet und regelmäßig umrührt. Abhilfe schafft unser kleiner Freund: Wird die Milch erhitzt bilden sich am Boden des Topfes Luftblasen. Durch den erhöhten Rand sammeln sich Luftblasen unter der Porzellan-Scheibe. Das fehlende Stück Rand erlaubt den Blasen ab einer bestimmten Menge, zu entweichen. Dadurch wird die Scheibe leicht angehoben und klackt anschließend wieder zurück auf den Topfboden. Je stärker die Milch kocht, desto lauter und häufiger klappert es. Dieses Geräusch sollte die abgelenkte Hausfrau erinnern, umzurühren.

Simpel, aber effektiv.

Milchkoch-Hilfe

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