Farben aus Quedlinburg


Bald ist wieder Ostern und es wird gefärbt, was das Zeug hält.

Vor drei Jahren habe ich euch einiges über den Ostereierfarben-Hersteller Brauns aus Quedlinburg erzählt. Wer sich nicht mehr erinnert, muß hier klicken.

Heute habe ich in einer alten Kiste auf dem Dachboden noch zwei Produkte der Firma Brauns entdeckt. Diesmal geht es allerdings nicht um Ostereierfarben, sondern um Beize,

 

in unserem Fall Lichtblau 020 aus dem Jahr 1955.

 

Besonders gut gefällt mir das kleine Faltblatt,

 

 

das auch nach so vielen Jahren noch immer frische Farben hat.

Wer es noch nicht gefunden hat: unser Lichtblau 020 ist auf der mittleren Seite, linke Spalte, Mitte. Eine wirklich schöne Farbe.

 

Zusätzlich kann man auf der Rückseite einiges über die Herstellung guter Beizen lernen und wir erfahren, daß bei Verwendung der Refor-Beize ein Räuchern nicht mehr nötig ist. Bisher wusste ich nur, daß Fische gebeizt und geräuchert werden. Aber hier wird es in einem kleinen Video vorgeführt.

 

 

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Komm doch mit auf den Underberg


Der Underberg war in meiner Kindheit der fröhlich beworbene Kräuterlikör, der unter dem Vorwand, ein gutes Essen vertilgt zu haben, zum Abschluß der Völlerei nachgeschüttet wurde.

Winzige Flaschen, viel Glas, wenig Inhalt, scheußlicher Geschmack.

Heute habe ich euch ein Underberg-Prospekt von 1936 herausgesucht.

Der „Hahn im Korb“ in schönster Sütterlin-Schrift.

Es beginnt mit einem scheußlichen Gedicht.

gefolgt von Streichholzrätseln

noch mehr Rätsel

schnippeln und basteln

Rätsel (zugegeben, beim Bücherwurm lag ich falsch)

ein Zaubertrick

und zum Schluß noch ein paar Rätsel und ein Kalender von 1936

Ist euch aufgefallen, daß im ganzen Heftchen keine NS-Floskeln stehen? Das war zu dieser Zeit schon eine Seltenheit geworden. Überall wurde man zu Zeiten des Nationalsozialismus mit braunen Parolen konfrontiert. Die Lösung ist einfach: Dieses Prospekt stammt aus dem Jahr der Olympischen Spiele in Berlin. Man gab sich weltoffen und tolerant. Und die Welt fiel darauf herein.

Details zu Underberg kennt Wikipedia.

ein Parteiprogramm von 1920


Ich habe lange überlegt, ob man das heutige Schriftstück vorzeigen soll und darf oder nicht. Ich habe mich dazu entschlossen, es euch zu zeigen, da es sich hierbei nicht um Glorifizierung oder Werbung für den Inhalt handelt, sondern vielmehr um den Versuch, aufzuzeigen, daß Ideen und Forderungen, die auf den ersten Blick „gar nicht so schlecht“ klingen, bei genauer Betrachtung und Vergleichen sehr wohl schlechte Ergebnisse mit sich bringen.

Da gerade jetzt in Deutschland wieder eine Partei die Ängste und heimlichen Wünsche großer Teile der Bevölkerung mit einfachen Worten adressiert, sie damit enormen Zulauf verzeichnen können und viele Mitbürger ein schlechtes Bauchgefühl in Anbetracht der bevorstehenden Wahlen haben, möchte ich alle Besucher meines Museums auffordern: Lest euch das Parteiprogramm durch, sucht Parallelen zu modernen Wiederholungen und haltet euch das Ergebnis der Erfüllung der Forderungen vor Augen! Es ist gerade einmal 70 Jahre her und ich möchte Ovid zitieren: „Wehre den Anfängen!“ (auch wenn das ursprüngliche „Principiis obsta.“ die unglückliche Liebe als Thema hatte)

Wer auf das Bild klickt, kann es sich in höherer Auflösung durchlesen. Die 25 Punkte solltet ihr euch mit einer gesunden Distanz durchlesen. Ich hoffe, keiner meiner Leser wird durch dieses Flugblatt zum Anhänger einer rechtsgesinnten Partei.

Einige Dinge für euch kurz erklärt:

München, den 24. Februar 1920 – an diesem Tag wurde mit der Umbenennung der Deutschen Arbeiterpartei (DAP) in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei.

Als Verfasser wird laut Wikipedia der DAP-Gründer Anton Drexler vermutet. Adolf Hitler soll nur redaktionelle Mitarbeit geleistet haben.

Unter Anmerkung findet ihr einen Zusatz vom 13. April 1928 (auf den ich das Papier datiere). Die Erklärung dazu lest ihr am besten auch bei Wikipedia durch.

Über konstruktive Kommentare zu diesem Artikel freue ich mich. Sofern jemand Probleme mit der Veröffentlichung hat, möge er sich mit mir in Verbindung setzen.

Nachkriegskrankheiten – heute Typhus


Hellgelbe Durchfälle, Abstoßen von weißen Belägen und Fieberwahnzustände – das sind nur einige der Kennzeichen einer Typhuserkrankung.

Typhus tritt gern in unsauberer Umgebung auf und wird, wenn man dem heutigen Ausstellungsstück glauben darf, durch Fliegen und Ratten übertragen.

Dieses Merkblatt habe ich zwischen meinen Alt-Papieren gefunden und möchte es euch nicht vorenthalten. Es stammt aus dem Oktober 1945, also zu einer Zeit, als große Teile Deutschlands zerstört daniederlagen und durch mangelhafte Trinkwasserver- und Abwasserentsorgung katastrophale hygienische Zustände herrschten. Lest selbst, wie gefährlich Typhus sein kann:

 

 

Etiketten aus dem Katalog


Was wäre eine Flasche ohne das Etikett? Großes Rätselraten über den Inhalt und die Frage: „trinke ich es oder lasse ich es lieber stehen?“ Ein Etikett kann dabei von entscheidender Wichtigkeit sein, wie meine Oma mal feststellen durfte, als sie an einem lauen Sommerabend einen Schluck aus einer Weinflasche nahm, nur um dann endlich zu wissen, wo sie den restlichen Teppichreiniger hingetan hatte.

Daß die Herren Goetz und Müller meine Oma kannten, ist zu bezweifeln. Daß sie aber Etiketten hergestellt haben, steht außer Frage. Und weil sie nicht die einzigen waren, die 1938 Flaschenetiketten hergestellt haben, mussten sie von Fabrik zu Fabrik tingeln und ihre Druckerzeugnisse anpreisen.

Heute stelle ich euch einen Katalog dieser Firma vor.

 

Im Offset-, Stein- und Buchdruck vom Fach und von Heinrich Schwiegelshohn aus Limbach in Sachsen vertreten ging es auf die Reise. Dazu hatte Heinrich Schwiegelshohn seinen Erlaubnis-Ausweis dabei, einen seiner Kollegen kennt ihr schon aus diesem Artikel.

 

Um Missverständnisse zu vermeiden:

 

Überraschenderweise hat sich an einigen Weinsorten bis heute nichts geändert.

 

Passende Halsschleifen

 

Ein Zusatz von Trinkwasser oder kohlensaurem Tafelwasser erhöht den Genuß. oder mit anderem Eindruck

 

Auch ausländische Weine und Spirituosen wollten etikettiert werden.

 

Diese Etiketten könnte man auch heute noch finden.

 

die harten Sachen

hier mit der Unterteilung für ganze, halbe und Miniaturflaschen. Auch damals wurde der kleine Schluck geschätzt.

 

Was mag Batavia-Arac gewesen sein?

 

Nordhäuser und Danziger Goldwasser

 

 

Kümmel

 

Bärenfang – habe ich sogar noch zu hause

 

Ist das nicht eine riesige Auswahl? Und ich habe euch nur einige der Seiten dieses doch recht dicken Kataloges gezeigt. Viele Etiketten gibt es in zahlreichen Variationen.

 

 

Urlaubsreisen 1939 – Brot und Spiele


Eine der Maximen des Deutschen Reiches war es, das Volk bei Laune zu halten. Nicht allein sollte sich der Deutsche großartig fühlen, weil er Deutscher war, er sollte auch Gründe haben, auf das Deutsche Reich stolz zu sein. Da die staatlich verordnete Propaganda auf Dauer öde und einschläfernd war, mussten andere Wege gefunden werden, dem Reichsbürger die Großartigkeit der großdeutschen Reichsführung zu vermitteln.

Urlaub von der harten Arbeit war hier eine willkommene Abwechslung für den Volksgenossen. Das Programm „Kraft durch Freude hatte ich euch schon mehrfach vorgestellt. Alle Artikel zu diesem Thema findet ihr hier.

Heute gibt es einen Urlaubskatalog der Deutschen Arbeitsfront (DAF) für Sachsen aus dem Jahr 1939.

 

Ganz zu Beginn die unvermeidliche Hitler-Rede, die wirklich nirgends gefehlt hat.

Bei den Römern hieß das in anderen Worten ausgedrückt Panem et circensis – Brot und Spiele.

Eine Vorrede des Gaubmanns Hellmut Peitsch steht dem Katalog voran. (Sein Wikipedia-Artikel ist übrigens nicht uninteressant.) Er erläutert die Gründe des verspäteten Erscheinens dieses Heftes, geht auf die Probleme der notwendigen Sonderzüge der Deutschen Reichsbahn zur Verbringung der Urlauber an ihren Zielort und zurück sowie die durch Eroberungen gewachsene Fläche des zu befahrenden Großdeutschen Reichs.

Hinweis: Reist nicht nur in die Ferne, sondern seht euch auch unser schönes Sachsenland an! Und reist auch im Mai und September!

Unsere Ostmark – nicht zu verwechseln mit der Währung der DDR – umfasste grob die Gebiete von Österreich und Tirol. (siehe hier)

 

Gefolgt vom schönen Sudetenland, dem Grenzgebiet zwischen Österreich, Deutschland und der damaligen Tschechoslowakei.

 

Die im Katalog hier und dort eingefügten Hinweise für den Reisenden sind wert, gelesen zu werden. Am Ende der Artikel finden sich übrigens die Fahrten-Nummern. Mehr dazu später.

 

 

Die Heimat Sachsen als Ausflugsziel – nicht langweilig, dafür günstig:

 

Schlesien – rechts von Sachsen, bis zur damaligen russischen Grenze asu dem nach dem Zweiten Weltkrieg  große Menschenmassen als Flüchtlinge nach Deutschland geströmt kamen. (siehe hier)

 

 

Die Nord- und Ostsee – hier hat sich bis heute nur wenig verändert. Die Einheimischen tanzen vergnügt am Strand, Kutschfahrten durch’s Watt und strandkorbgepflasterte Strände.

 

aber lest selbst

 

Weiter führt unsere Reise nach Ostpreußen mit seiner Hauptstadt Königsberg (heute Kaliningrad) und in die Lüneburger Heide.

 

Wirklich wichtige Hinweise für alle Urlauber – bedenkt: damals gab es keine Computer, an denen in Echtzeit die Verfügbarkeit überprüft und gebucht werden konnte. Hier galt es, rechtzeitig eine Anmeldung abzugeben und abzuwarten.

 

die KdF-Reisegepäckversicherung

 

Und schließlich die Fahrten im hinteren Teil des Kataloges:

Beachtet auch die blauen Abkürzungen FW – Ferienwanderung, RW – Radwanderung, FWL – Ferienwanderlager, FA – Faltbootwanderung

 

Hinweise zum ordentlichen Bezahlen:

 

Ganz neu – neuzeitliche Reise-Omnibusfahrten

 

Teilnahmebedingungen

 

Und schließlich das weiter vorn angekündigte Preisrätsel

Aber, freut euch nicht zu früh – mitmachen ist sinnlos: der Einsendeschluß war der 31. Mai 1939 und mit den Kdf-Reisegutscheinen im Wert von RM 30,- könnt ihr eh nichts mehr anfangen.

 

Ach ja, es gab noch die ganz exklusiven, kostspieligen Auslandsfahrten mit dem Kreuzfahrtschiff

Das hier beschrieben KdF-Kreuzfahrtschiff „Wilhelm Gustloff“ kennt ihr ja schon von diesem Artikel.

Kurzfahrten:

 

 

Wanderfahrten:

 

sehr schön die damals übliche Bezeichnung „nach dem“ bei Reiseangaben:

 

Schmucke und bequem eingerichtete Dampfer für Betriebsgefolgschaftsfahrten

 

Die Fahrten in diesem Katalog reichen übrigens bis zum 25. September, Rückfahrt 2.Oktober. Ob all diese Fahrten tatsächlich durchgeführt wurden, wo ja am 1. September mit dem Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg begann, kann ich nicht sagen. Sicher ist hingegen, daß dieser KdF-Urlaubskatalog der letzte seiner Art gewesen sein dürfte, da mit dem Kriegsbeginn die Urlaubsreisen in anderer Form stattfanden, wenn auch auf vorerst noch wachsendem Reichsgebiet.

 

Zehn kleine Negerlein


Jeder von uns kennt das alte Lied „Zehn kleine Negerlein“ aus der Kindheit. Ich kann mich erinnern, es früher oft gehört und auch selbst gesungen zu haben, jedesmal unbändig belustigt, was den kleinen Herren passierte und immer wieder gespannt, was sich auf die Zahlen neun bis eins reimt. Rassistisch habe ich mich dabei nie gefühlt – man hatte ja niemanden speziellen im Sinn. Heute sieht das anders aus. Verzweifelt wird versucht, eine politisch korrekte Version zu dichten. Bis dato ohne Erfolg.

Rückblickend ist die fröhliche Dezimierung dieser Menschen anderen Aussehens zu Zeiten des Dritten Reiches geschichtlich mit einem G’schmäckle behaftet.

Makaberes Beispiel dafür ist der heutige Artikel, den ich kürzlich auf dem Flohmarkt gefunden habe. Eine Broschüre der Allianz- und Stuttgarter Lebensversicherung.

Zehn kleine Negerlein

 

Im Geleitwort wird erläutert, wo das Lied seinen Ursprung hat – in England unter dem Titel „Ten little Nigger Boys“, daß es auch in den USA unter diesem oder dem Titel „Ten little Indians“ bekannt ist und daß die für das nordisch gesinnte Deutschland faszinierendste Version aus dem Land der Edda, Island stammt. Wikipedia erklärt einen anderen Ursprung.

Für dieses kleine Büchlein wurde die angeblich originale, in jedem Fall aber, wie ich finde, blutigste Variante gewählt. Mit dem Tod des ersten Negerleins ging es da noch verhältnismäßig unspektakulär zu. Ein in ländlichen Gebieten durchaus häufiger Unfall.

 

Interessant der Hinweis auf der nächsten Seite: „Was ist das Lied von den zehn kleinen Negerlein anderes als – in der Sprache der modernen Statistik gesprochen – eine „Absterbeordnung“, freilich eine solche von besonderem Reiz?“ Aha. Man erklärt uns die weitere Arbeit der Lebensversicherung bei der Berechnung der „Absterbeordnung“.  Nebenbei stirbt das zweite Negerlein auf der gegenüberliegenden Seite auf der Jagd und verreimt seinen Tod damit – zumindest in einigen Regionen Deutschlands – auf die Acht.

 

Das Gesetz der Lebensdauer, oder die Frage: „Wie lange lebt es sich so in unserer Umgebung?“. Ein guter Anhaltspunkt ist die Zahl der Geschlechterfolgen, die ein Lebewesen während seines Lebens sieht. Beim Menschen wird von einer Lebensdauer von 70-80 Jahren ausgegangen und damit von drei Geschlechterfolgen, die er erlebt: sich selbst, seine Kinder, seine Enkel. Die Urenkel sind eher die Ausnahme.

Sehr spannend sind die Tabellen, die auf dieser Seite die Lebenserwartung einiger Tiere und Pflanzen auflisten. Als Stadtkind war ich überrascht, daß ein Haushuhn bis zu 20, ein Pferd 45, eine Hausgans 70 und ein Karpfen 150 Jahre alt werden kann.

Auf der farbigen Seite wird derweil der dritte kleine Neger als Obstdieb erhängt.

 

Der Lebensbaum des deutschen Volkes. Man sieht diese Bäume auch heute noch. Die Form bleibt weitestgehend gleich, lediglich der Knick der 18- bis 23-Jährigen im Jahr 1938 dürfte heute verschwunden sein. Der Text erklärt uns, daß bei großen Krisen die Geburtenrate zurückgeht. Der Knick der 20-Jährigen ist das Ergebnis des Ersten Weltkrieges, die darunterliegenden Jahrgänge, die üblicherweise aufgrund größerer Anzahl nach außen wachsen müssten, sind ein Spiegel der schlechten Nachkriegszeit, der Wirtschaftskrise und Inflationszeit im reparationsgeplagten Deutschland.

Da fällt ein weggehextes Negerlein nicht sonderlich ins Gewicht.

 

Eine kurze statistische Erklärung, wie lang der durchschnittliche Deutsche in die Lebensversicherung einzahlt, folgt.

Derweil stirbt das fünfte Negerlein in den Sümpfen. Wie wir dank kluger Fernsehsendungen wie Galileo  und Co. wissen, kann man im Sumpf nicht in die Tiefe gezogen werden, sondern stirbt aller Wahrscheinlichkeit durch Unterkühlung.

 

Die nächste Seite stellt uns einige Pioniere der Statistik im Bezug auf Lebenserwartung vor: Caspar Neumann, Edmond Halley und Gottfried Wilhelm Leibnitz – alle durchweg auf anderen Gebieten große Namen.

Das nächste Negerlein starb eines durchaus verbreiteten Todes – zu viel Bier, da waren’s nur noch vier.

 

Weiter geht es mit der modernen Variante der Sterbetafel, oder kurz gesagt: Wieviele Menschen bleiben Jahr für Jahr von einer Anfangsanzahl übrig.

25% der überlebenden Negerlein, also einer, sterben eines unserer modernen Tode: zu viel Süßkram.

 

Hier erklären uns die Mitarbeiter der Allianz und Stuttgarter Versicherung, wie anhand der Sterbetafeln Beiträge für Lebensversicherungen berechnet werden.

Die drei kleinen Negerlein prügeln sich in der Zwischenzeit und einer von ihnen bleibt auf der Strecke.

 

Die nächste Seite finde ich besonders spannend. Woran die Menschen sterben.

15,8% an Kreislaufversagen, 11,8% an Diphterie, Tuberkulose und Grippe. Das ist eine recht hohe Zahl und sollte in heutiger Zeit zu einer der niedrigsten Gruppen gehören. Knapp auf Platz drei mit 11,7% steht der Krebs, gleichauf mit Krankheiten der Atmungsorgane gefolgt von weiteren Krankheitsbildern, von denen heute noch immer viele ganz oben auf der Liste stehen. Die Sortierung der Todesursachen kann ich nicht nachvollziehen. Bemerkenswert: nur 7,2% der Männer, die 1936 starben, taten dies aus Altersschwäche. Das Statistische Bundesamt hat hier eine aktuelle Tabelle.

Das brachte auch die letzten beiden Negerlein zum weinen – einer hat es übertrieben.

 

Bevor das letzte Negerlein sein Leben beim Sturz von der Kutsch aushaucht und damit nicht wie sonst üblich eine Frau sucht und neue Kinder produziert, schauen wir uns auf der linken Seite eine – eher scherzhafte – Formel zur Berechnung unserer Lebenserwartung an. Ich komme auf 73. Na, mal sehen.

 

Zum Schluß kommt die Beitragstabelle der Allianz und Stuttgarter. Die Höhe der Jahresbeiträge pro 1000 Reichsmark Auszahlungssumme im Todesfall.

 

Gedruckt wurde die Broschüre, wie viele andere Artikel in diesem Museum, von Giesecke & Devrient. Sehr gefreut habe ich mich über den guten Zustand des Büchleins. Bei allen bisherigen Exemplaren, die mir in die Finger gekommen sind, fehlten entweder ein oder mehrere Köpfe der kleinen ausgestanzten Negerlein, oder der Preis harmonierte nicht mit meinen Vorstellungen.

Knufinkes Knoblauchbeeren


Jeder möchte lange leben, aber keiner will alt werden. Diesen klugen Satz soll angeblich Jonathan Swift gesagt haben.

Es gibt nur recht wenige Wege, das Älterwerden zu vermeiden. Unter ihnen ist allerhöchstens eine Verlangsamung des Alterungsprozesses erstrebenswert.

Die Firma Paul Knufinke, Chemische-Pharmazeutische Präparate aus Wuppertal-Barmen hat sich ab 1924 dem Kampf gegen das zu schnelle Altern verschrieben. Ich habe dazu eine kleine Webseite gefunden, auf der ein Sammlerkollege ein Prospekt der Firma Knufinke zu ihren Knoblauchbeeren der Marke „immer jünger“ bewirbt. seht hier.

Knoblauchbeeren, später Knoblauchpillen, gibt es noch heute. Sie scheinen durch die Inhaltsstoffe des Knoblauchs zu helfen ohne den unangenehmen Geruch mitzubringen. Das ist erfreulich.

Zurück zu Knufinke. Ein sehr langes Werbeplakat habe ich auf dem Dachboden gefunden. Es wurde offenbar nie benutzt. Dies zu tun, wird in meinen Augen durch das höchst ungeschickte Layout nicht befürwortet. Offenbar hatte der Designer damals noch nichts von Kerning gehört. Aber er hat es wenigstens versucht. Die Erwähnung des Produktnamens oder der Herstellerfirma kann in meinen Augen auch enorm zum Umsatz beitragen. Auch das wurde vergessen.

 

Zur Datierung: Da die Marke „Immer jünger“ 1924 auf den Markt kam und die verwendete Schreibschrift bis in die frühen 1930-er Jahre sehr beliebt war, schätze ich das Plakat auf diese Zeitspanne.

 

Dias für den Unterricht


Als ich zur Schule ging, gab es sie noch – Lehr-Dias.

Egal, ob Bauwerke oder Zellkerne, per Diaprojektor wurde der Lehrstoff an die Wand geworfen. Meist gab es dazu noch ein Arbeitsblatt, das ausgefüllt wurde.

Aber welcher Fotograf verbringt seine Zeit damit, Fotos für den Unterricht an Schulen und Universitäten aufzunehmen? Ist es tatsächlich ein lukratives Geschäft, Mikroben durch’s Mikroskop oder Blätter von Eiche, Buche und Ahorn zu fotografieren? Scheinbar schon.

Dr. Franz Stoedtner war einer dieser Fotografen. Als Kunsthistoriker entdeckte der 1870 geborene Berliner die Fotografie und gründete 1895 das „Institut für wissenschaftliche Projektion“ mit einem Verlag für Lichtbilder, das später als „Lichtbildverlag Dr. Franz Stoedtner“ weiter bestand.

Die Webseite Fotoerbe weiß:

Mit ca. 200.000 Negativen war es bis zu seinem Ankauf das zweitgrößte Archiv zur Kunstgeschichte in der Bundesrepublik. Seine Übernahme ist aber nicht nur deshalb bedeutsam, sondern vor allem, weil Dr. Franz Stoedtner im Gebiet der Fotografie Lehrmeister und Vorbild Richard Hamanns gewesen ist. Die Vereinigung des Stoedtner-Archivs mit Foto Marburg darf deshalb getrost als ein wichtiges Ereignis in der Geschichte der kunstgeschichtlichen Dokumentation bezeichnet werden. Die Aufnahmen des Archivs stammen überwiegend aus der Zeit von 1895 bis 1940. Neben den kunsthistorischen Aufnahmen finden sich solche zum „Städtebau“, zur „Schweizerischen Geschichte und Kultur“, zu „Deutschlands Ringen nach Weltgeltung“, zu „Völkertypen“, zu Ingenieursbauten“, zu „Reisen des Norddeutschen Lloyd“, zur „Geschmacks-Kunde“, zum „Leben in den Athos-Klöstern“, zu „Fliegenden Menschen“ usw. Jahrzehntelang war es die Spezialität Dr. Franz Stoedtners, die deutschen Schulen mit Lichtbild-Reihen zu versorgen.

Ich habe zwar hier keine Lichtbilder für euch, aber als Freund der Werbung habe ich euch einige Dokumente herausgesucht, in denen die Firma Stoedtner in den Jahren vor und während des Zweiten Weltkrieges für ihre Lichtbildserien warb.

Beginnen wir mit den Bildern, die auszugsweise auch spätere Klassen noch bestaunen durften: „Tiere des deutschen Waldes“, „Tiere zwischen Nord und Süd“, „Biologien“ (20 Bilder zur Lachmöwe: RM 24,-; 17 Bilder des Drosselrohrsängers: RM 20,40) und „Der Mensch“ (Geschlechtskrankheiten: 40 Bilder: RM 48,-; das erinnert mich an dies)

In meiner Schulzeit fielen allerdings die ganz oben beworbenen Bildreihen zur Erbkunde und Rassenkunde weg.

Die Rückseite:

Bildbänder? Sagt man so? Hier sind die Bilderserien einzeln aufgeführt. Oben: nationalsozialistisches Wissen, unten Allgemeinwissen.

In fröhlichem Pink geht es weiter mit der Bilderserie „Unsere Wehrmacht“. Lest selbst:

Die Kriegsmarine wurde vom ehemaligen Leiter der Nachrichtenabteilung des Admiralstabs der Marine von März 1914 bis Februar 1918 Fregattenkapitän Walter Isendahl zusammengestellt.

„Deutschlands Streben nach Weltgeltung“ fand in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg unter den Nachwirkungen des Versailler Vertrags besonders großen Anklang. Man wollte auf der großen Bühne wieder mitreden.

Deutlicher wurde es dann auf dem nächsten Blatt:

Rassenkunde, Erbkunde, Bilder zur nationalen Erhebung. Man kennt das zur Genüge.

Die meiste Verwendung fand damals die ganz unten angeführte Serie: „Luftschutz ist Selbstschutz“.

Das letzte Blatt wirbt für Lichtbildreihen für Schulen der nationalpolitischen Ausbildung. Diese Schulen sind als Napola bekannt geworden.

Das komplette Programm hier:

(Odalrecht: hier)

(Außendeutschtum: hier)

Es gab natürlich wesentlich mehr Bildserien mit unpolitischen Themen. Die Deutsche Fotothek hat einige der heute im Deutschen Fotoarchiv Marburg aufbewahrten Dias digitalisiert und sie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. seht hier

Boxkämpfe


Es gibt wieder eine Themenwoche. Diese Woche stelle ich euch jeden Tag eines von sieben Ausstellungsstücken vor,  deren Gemeinsamkeit darin besteht, ihr Dasein der letzten 80 bis 100 Jahre zwischen den Seiten des bereits vor einigen Monaten vorgestellten Geschäftsbuches des Arnstädter Goldschmieds Adolph Tresselt gefristet zu haben.

Ich beginne mit einem Programmzettel für eine Boxveranstaltung. Datiert auf den 24. November 1928 wurden neun Boxkämpfe aller gängigen Gewichtsklassen angekündigt.

 

Lediglich ein Ergebnis wurde verzeichnet. Im Bantamgewicht siegte Herr Walter von der Boxabteilung Sport-Verein Arnstadt e.V. (A) gegen Herrn Gerlach von der Boxvereinigung Heros Nordhausen (N).

Möglicherweise ein Freund des Herrn Goldschmieds.

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