Veronika, der Wenz ist da


Mit diesem Spruch warb bis vor einigen Jahren das Versandhaus Wenz aus Pforzheim. 1926 gegründet, ist es neben Bader und Klingel eines der drei ansässigen Versandhändler.

In meiner Jugend – also vor dem Internet-Zeitalter – lagerten in jedem (west-)deutschen Haushalt kubikmeterweise Versandhauskataloge. Quelle, Neckermann und Otto waren die dicksten unter ihnen mit tausenden Seiten und einem Gewicht von stets mehr als einem Kilogramm. Wenz kam etwas dünner daher, war aber auch auf textile Waren spezialisiert.

Im Jahr 1940 hatte der Wenz-Katalog nur (oder schon) 128 Seiten. Woher ich das weiß? Von dieser Bestellkarte.

Zehntausende Beamte nützen die Einkaufsvorteile schon seit vielen Jahren. Schon damals gab es portofreie Lieferung, Teilzahlung, Rückgaberecht und die Möglichkeit, die Sachen zu hause in Ruhe anzuprobieren und zurückzusenden, was nicht gefiel.

Die Bestellkarte stammt aus diesem Beamten=Kalender von 1940.

Und wo ich mir das Foto genau ansehe, glaube ich, das Programm der NSDAP auf der linken Seite ist durchaus zu Bildungszwecken mal lesbar um zu wissen, was die schlammfarbenen Kameraden (Schlammeraden?) auf ihr voranflatterndes Fähnlein geschrieben hatten. Aber bitte nicht nachmachen und „es war nicht alles schlecht!“ brüllen, sonst gibt’s was auf die nicht vorhandenen Haare!

Ich werde den Kalender inklusive der darin abgedruckten Programme demnächst mal ausführlicher behandeln. Da bekommen dann aber alle, deren Hirn noch in den Grenzen von 1937 dahindümpelt Blogverbot.

(bei der Gelegenheit: Wikipedia hat mich aufgeklärt „Aufgrund der völkerrechtlichen Kontinuität des Deutschen Reiches in Form der Bundesrepublik Deutschland erhob diese bis zum Warschauer Vertrag (1970) Ansprüche auf die Ostgebiete des Deutschen Reiches, die seit der Aufteilung des Reiches formal lediglich unter polnischer und sowjetischer Verwaltungshoheit standen. Mit der deutschen Wiedervereinigung 1990 und dem Inkrafttreten völkerrechtlicher Verträge wurde die Frage der Grenzen Deutschlands abschließend geklärt.“ Bis 1970 war also das geflügelte Wort „Noch ist Polen nicht verloren!“ nicht nur salonfähig, sondern sogar politisch auf der Linie. Ich bin erstaunt!)

Wer mag, kann sich hier über weitere Kataloge aus dieser Zeit informieren, die ich früher schon vorgestellt hatte.

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Versichert dank Zeitschriften-Abo – Mein Blatt


Als ich diese Zeitschrift in meinem Fundus wiederentdeckte, habe ich mich gefragt, wieso es so etwas heute eigentlich nicht mehr gibt.

Zeitschrift Mein Blatt

 

Die Illustrierte Familienzeitschrift „Mein Blatt“ erschien mindestens zwischen 1931 und 1939. Inhaltlich unterschied sie sich kaum von anderen Illustrierten: Fortsetzungsromane, Witze, Zeichnungen, Ratgeber, oberflächlich gehaltene Neuigkeiten und Fotos. Der Clou allerdings waren die Versicherungen.

Für jeden Abonnenten der Zeitschrift wurde vom Verlag nach einmonatigem Abonnement eine Unfallversicherung abgeschlossen. Nach einem Jahr Abonnement-Dauer wurden die Konditionen erhöht und zusätzlich eine Sterbegeldversicherung abgeschlossen, die sich wiederum nach 3- bzw. 5-jährigem Abonnement weiter verbesserte. Details sieht man hier – draufgeklickt wird das Bild sogar noch größer:

Zeitschrift Mein BlattBitte beachtet auch die vielen schönen Werbe-Anzeigen. Hier oben z.B. die Dauerbrenner von HENKEL.

 

Es wurde natürlich nicht versäumt, Auszahlungen zu veröffentlichen. So sah der geneigte Leser, daß er / sie durch den stetigen Bezug der Zeitschrift in guten Händen und seine Familie in Sicherheit war, wollte man von seinem Recht auf Ableben Gebrauch machen.

Zeitschrift Mein Blatt

 

Für die modebewusste Dame lag ein Schnittmusterbogen bei. Der fehlt mir hier allerdings.Zeitschrift Mein Blatt

 

Noch mehr Werbung. Gern weise ich wieder auf die Werbung vom Quelle-Versand hin. Den hatte ich ja hier schon einmal besprochen. Zeitschrift Mein Blatt

 

Über dem Rezept für Apfelkuchen prangt der wahrscheinliche Grund für die Anschaffung dieser Zeitschrift. Die Werbung für Liebig Fleisch-Extrakt.

Zeitschrift Mein Blatt

Palmolive und Kaba gibt es heute noch. Wenn ihr links neben das Stück Seife schaut, seht ihr das alte Pfennig-Zeichen. (₰)  Wer sich ein wenig mit alter Schrift auskennt, wird darin das kleine „d“ erkennen. Das steht für denarius – so hieß die kleinste römische Münze und wurde einfach auch für den Pfennig übernommen. Wie unwichtig die kleinste Untermünze der jeweiligen Währung für das Bankwesen war, erkennt man daran, daß auch der englische Penny mit einem „d“ abgekürzt wurde. Beispiele findet man hier, hier und hier.Zeitschrift Mein BlattMit Kaba kein Milchüberdruß

Mahlzeit!

Und ganz ehrlich: Wer würde sein Abo nach einem Monat wieder kündigen und damit den Versicherungsschutz verlieren? Bei einem Beitrag von 32,5 Pfennigen pro Woche!

 

Versandhäuser


Zwei interessante, alte Versandhauskataloge habe ich.

Neckermann und Quelle – beide bis vor einigen Jahren große Namen im Versandhandel. Und beide von heute auf morgen verschwunden.

Aber wer kennt schon die Geschichte dieser Häuser?

Mein Quelle-Katalog von ca. 1937 gibt ein deutliches Bild zur Einstellung der Firma ab. Es bleibt die Frage zu stellen, ob man ohne den dezenten Hinweis (siehe Detail-Bild) tatsächlich weniger Erfolg und Umsatz gehabt hätte.

Quelle Katalog 1937 arisch

und hier der vergrößerte Ausschnitt:Quelle Katalog 1937 arisch

Es ist zwar keine Jahreszahl auf dem Katalog zu finden, allerdings sind innen Leserbriefe von 1936 abgedruckt und lt. Wikipedia hatte Quelle 1938 bereits 2 Millionen Stammkunden. Also liegt das Jahr 1937 nahe.

Mehr Infos zu Quelle im Dritten Reich gibt es hier.

Neckermann hat lange Zeit damit geworben, in den 1950er Jahren entstanden und zum großen Versandhaus gewachsen zu sein. Dabei haben sie offenbar ihre eigenen Kataloge nicht aufmerksam genug gelesen. Ich habe da einen aus dem Jahr 1938 anzubieten:

Neckermann Katalog 1939 arisch

Wer die Details nicht so gut erkennen kann, möge sein Augenmerk auf die Ecke oben links richten:Neckermann Katalog 1939 arisch

Die Geschichte dazu ist übrigens sehr interessant. Falls jemand noch den Sänger Billy Joel kennt (Uptown Girl) – das ist einer der Erben.

Ein paar wirklich spannende Links gibt es hier und hier und hier.

Wer sich für mehr Details interessiert, dem sei die (von Neckermann nicht autorisierte) Familiengeschichte empfohlen.Neckermann Buch

Diese Buchreihe umfaßt weiterhin u.a. die Familien Oetker oder die Quandts (BMW).

Ein weiterer Artikel zu „arisierten“ Firmen findet ihr beim Flunder-Spiel.

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