Der Arzt als Hausfreund


Neben eine gut sortierten Hausapotheke ist eine hilfreiche Rezeptsammlung und ein Erste-Hilfe-Buch von unschätzbarem Wert.

Meine Erste-Hilfe-Bücher habe ich euch schon vor einiger Zeit vorgestellt. Wer sie verpasst hat, klickt hier.

Meine Hausapotheke kommt erst noch, aber andere Artikel zum Thema Apotheke findet ihr hier.

Heute geht es also um Rezepte, Heilmittel und Pulver – wirksam von Ärzten erprobt oder aus dem Koffer des Quacksalbers, das sollt ihr selbst entscheiden. Dazu habe ich euch dieses Büchlein aus dem Regal rausgesucht.

Der Arzt als Hausfreund, ein Deutsches Rezeptbuch mit 700 Hausarzneimitteln zu fast allen vorkommenden Krankheiten der Menschen. Leider ist es mir bisher nicht gelungen, ein Erscheinungsjahr zu finden. Auch ist das Buch in keinem Katalog aufgeführt. Und das, obwohl vor uns bereits die 27. vermehrte und verbesserte Auflage liegt.

Um euch den Lesegenuss so angenehm wie möglich zu gestalten, habe ich euch hier einige der schönsten Krankheiten herausgesucht und hoffe dass ihr mit den angegebenen Behandlungsmethoden den größtmöglichen Erfolg bei euch, euren Verwandten, oder euren Lieben erzielt.

 

Wer kennt nicht den Afterdarm und weiß was zu tun ist, wenn er ausgeht? Natürlich werden leere Schneckenhäuschen, wie man sie im Felde findet, ganz fein zu Pulver gestoßen und gesiebt, daß es gleichsam zu Mehl wird, und der Afterdarm damit bestreut.

Oder aber gegen kurzen Athem: einfach 1/4 Liter frische Wachholderbeere, grüne, halbreife und reife, wie sie vom Stock kommen, zerstoße dieselben, gieße 1 Liter Fruchtbranntwein daran, lasse es an der Sonne einige Zeit stehen, und trinke Morgens, Mittags und Abends jedesmal 1 Eßlöffel voll davon.

Das Aufliegen der Kranken ist besonders bei langer Bettruhe ein nicht zu vernachlässigendes Thema. Man nehme ein Rehfell mit recht langen Haaren, lege dasselbe mit der nackten Seite auf das Bett und zwar das Hinterteil des Felles nach dem Kopfe des Kranken, so daß die Haare des Fells nach dem Rücken des Patienten aufwärts gerichtet sind; über das Fell legt man ein weißes leinenes Tuch mit frischen Hirschtalg bestrichen und auf dieses legt man den Patienten mit bloßem Rücken. Bei schon wund gewordenen Kranken nimmt man zu einer ausgezeichneten Salbe: 30 Gramm Unschlitt, 15 Gramm weißes Wachs, 15 Gramm Provenceröl (das scheint Olivenöl oder auch Baumöl zu sein) und 7 Gramm Bleiextract. Sind Wachs und Unschlitt im Oel auf Kohlenfeuer geschmolzen, so rührt man den Bleiextract dazu, streicht die Salbe auf ein Stück Barchent (Wikipedia macht euch schlau) und läßt den Kranken darauf liegen. Oeftere Erneuerung dieses Barchentstücks ist nöthig.

 

Gegen hitzige, rothe Augen nimm weiße Herbstrosen und weiche sie drei Stunden im Rosenwasser ein, Hernach binde es über die Augen. Man darf aber nicht in die Luft gehen.

Blöde Augen hingegen werden auf drei Arten kuriert: 1. Für blöde Augen ist kein besseres Mitttel als der Fenchelthau der zwischen Ostern und Pfingsten gesammelt wird. 2. Mischt man Borsdorfer-Geist mit Essig, und reibt damit den Wirbel des Kopfes ein, so kann man damit blöde Augen sehr stärken. 3. Anis und Fenchel nach Belieben gegessen. – wer ist noch nicht wusste: mit blöden Augen bezeichnete man früher schwache Augen, also eine Sehschwäche. –

 

Ein wirklich hilfreiches Mittel Gegen den Bienenstich suchen wir alle und vielleicht haben wir es heute gefunden. Gleich nach erhaltenem Stich bringe man so schnell als möglich nur etwa einen Tropfen gewöhnlichen Oels auf die gestochene Stelle, ohne dasselbe einzureiben. Es dauert oftmals keine Minute, so ist der Schmerz vergangen.

 

Ein gutes Rezept, wenn einer auf die Brust gefallen ist. Gib ihm sogleich auf den Fall einen guten Trank Baumöl und Branntwein und hole in der Apotheke ein halbes Loth Drachenblut, nimm ein halbes Gläslein voll Körbelwasser, ein halbes Gläslein von Lindenblüthwasser, thue das Drachenblut in das gebrannte Wasser, mache es warm und gieb es dem Kranken zu trinken.

Eine Salbe zu den bösen Brüsten. Nimm lauter (hier: reine) kalt gegossene Kopflaugen (?) 45 oder 60 Gramm, Eine Messerspitze voll Saffran, lauter Leinöl 30 oder 45 Gramm, 30 Gramm guten Essig, das Weiße von zwei oder drei Eiern, diese Stücke klopfe untereinander, darnach nehme Roggenmehl, das nicht gebeutelt (d.h., durch einen Stoffbeutel gesiebt) ist, rühre es, daß es dick wird, nehme ein weißes Tüchlein, das so groß als die Brust ist, schneide ein Löchlein darein, daß das Wärzlein heraus geht, und streiche die Salbe auf’s Tuch, lege es über die Brust, bis es hart wird; wenn es bald gebraucht wird, vertreibt es die Schmerzen, wenn es aber lange ansteht, so muß es vereitern, die Salbe zieht es auf und heilt es, man darf es nicht meiseln, noch wischen und waschen.

 

Erhitzung. Wenn man sich auf Reisen, oder sonst bei einer Arbeit erhitzt hat, so sei man vorsichtig, sogleich etwas zu trinken, erst, nachdem man einige Zeit ausgeruht hat, löse man ca. 30 Gramm Zucker in einem Glas Wasser auf, dem man 1 Löffel voll Kirschengeist beimischen kann, und trinke es nach und nach.

Erschrecken.  Nach einem Schrecken trinke man gesottene Milch, so warm als man sie trinken kann. Oder: Zuckerwasser gleich nach dem Erschrecken getrunken, dämpft die dadurch erregte Galle und führt sie ab. Wenn man im Schlaf erschrocken ist, so trinke man Wegwartenwasser.

 

Gicht, Rheumatismus und Podagra (letzteres hatte mich beim ersten Lesen neugierig gemacht – es handelt sich dabei um eine Art Gicht, bei der der Fuß (gr.: pod) fest (gr.: agra) wird. lest mehr auf Wikipedia)

  1. Gicht äußert sich in Schmerzen der Gelenke, welche bald umherziehen, bald fest sitzen, und mit oder ohne Fieber auftreten. Denen, die an gichtischer Verderbniß der Säfte leiden, welche anererbt sein können, ist vor allem zu empfehlen: mäßige aber fleißige Bewegung in frischer Luft, ausgenommen bei nasser und nasskalter Witterung. Saure, namentlich scharf gesalzene Speisen, wie geräuchertes Fleisch, Käse etc. müssen vermieden werden. Zum Getränk taucht (!) am besten frisches Quellwasser; nur des Mittags ist etwas guter alter Wein erlaubt. Alle schwächenden Einflüsse, namentlich Kummer, Aergerniß, Langeweile, vorzüglich aber Samenverlust (wie bitte?) sind verderblich. Als Arzneimittel nehme man jeden Vormittag 2 Eßlöffel voll frische Bierhefe (die alte taugt nicht). – Für die Hautkultur sind morgens frühe und Abends Reibungen des ganzen Körpers mit Flanell sehr zweckmäßig.
  2. Die Blätter von der Coolpflanze, besonders von den blauen Häuptern (wovon Sauerkraut gemacht wird) einige Minuten im Wasser gedämpft und auf die kranken Stellen gelegt. Oder:
  3. Jedes Jahr, so oft es reife Erdbeeren giebt, täglich nach Belieben mit Zucker gegessen. Oder:
  4. Die Glieder mit Ameisengeist eingerieben, siehe Bereitung desselben.
  5. Auch der Speisesenf ist allen an Gicht Leidenden nicht genug zu empfehlen. Oder:
  6. Ein geschärftes Pechpflaster angewandt.
  7. Auch die Kaltwasserkur vertreibt Gicht und Rheumatismus oft am sichersten, jedoch ist große Vorsicht nöthig.

Haarwuchs zu befördern. 1. Wenn nach einer Krankheit die Haare ausgegangen sind, so bereite man folgende Pomade zum Einreiben: Man kaufe reines unverfälschtes Kammfett von einem Kleemeister (das ist der Abdecker) oder Leimsieder (der Herr, der aus Tierknochen Leim herstellt), und reibe den Haarboden damit ein, oder mit guten alten Wein.

  1. Wer viel Hitze in der Kopfhaut hat, lege eine Hand voll Rosmarin in Frucht= oder Hefenbranntwein, stelle es an die Sonne, im Winter zum Ofen, und reibe öfter in der Woche etliche Löffel voll auf die Oberfläche des Kopfes ein.

 

Noch ein Podagra-Rezept:

 

Kälte, Schutzmittel dagegen.  Die Füße alle Morgen mit starkem Branntwein gewaschen, mit Fließpapier umwickelt, und die Strümpfe darüber gezogen. Armen Leuten ist anzuempfehlen, mehrere Bögen Fließpapier auf die Brust zu legen, da es sehr gegen die Kälte schützt.

Kinder=Krankheiten. 1. Um kleine Kinder vor Gichtern und manchen Zufällen zu schützen, gebe man einem Kinde bis zum Alter von 16-18 Wochen, auch länger, jeden Abend vor Schlafengehen, ca. einen Achtel=Liter schwachen Camillenthee, mit Zucker gehörig versüßt, lauwarm zu trinken. – Man nimmt etwa so viel Camillenblumen, als man zwischen zwei Fingern fassen kann, brüht sie mit etwas mehr als einem Achtel=Liter kochendem Wasser an, läßt’s eine Viertelstunde gut zugedeckt stehen und seihet hernach den Thee durch reine Leinwand; der Thee muß aber jeden Tag frisch bereitet werden, und scheint er etwas zu stark, so nimmt man einige Blumen weniger.

Nach Verfluß von 18 Wochen hört man mit dem Camillenthee auf und gibt Zuckerwasser. – Werden Kinder bei reinlicher Behandlung also erzogen, so gedeihen Sie zusehends, indem Bauchschmerzen (sogenannten Grimmen) und Gichtern dadurch vorgebeugt und der Schlaf befördert wird.

  1. Gegen Bauchschmerzen – besonders bei Knaben – wird eine Handvoll Kümmel mit ungefähr 60 Gramm Rindschmalz geröstet, hernach durch Leinwand in frisches Wasser gepreßt, das auf dem Wasser erkaltete Fett zum Gebrauch aufgehoben und der Bauch damit eingerieben. Oder gegen Blähungen den Bauch mit Camillenthee eingerieben.

  2. Gegen häufiges Erbrechen bei kleinen Kindern lasse man einen Lebkuchen bei einem Conditor holen, erwärme ihn, gieße Kirschengeist darauf, daß er ziemlich gleich befeuchtet wird, und lege ihn nur so warm als man ihn an das Auge gehalten erleiden kann, – auf das Näbelein. Auch das sanfte Einreiben des Unterleibes mit etwas erwärmtem Kirschengeist ist nebenbei wohlthätig.

  3. Gegen das schwere Zahnen. Die Backen mit süßem Mandelöl oder mit Ziegenbutter öfters bestrichen. – Oder: die Kinder öfters an wohlgeräucherten Speck nollen lassen.

  4. Beim Gliederzahnen. Wenn die Gelenke anschwellen, so legt man ein Viertelpfund Ochsenmark einige Tage in frisches Wasser, welches man einigemal abschüttet und wieder frisches Wasser daran gießt, hernach läßt man das Mark auf einer Gluth in einer messingenen Pfanne zergehen und gießt unter beständigem Rühren ein halben Liter guten alten Wein daran; wenn man nun glaubt, daß sich der Wein mit dem Ochsenmark gehörig unter beständigem Umrühren vereinigt und gekocht habe, so seihet man die Masse warm durch Leinwand und rührt aufs neue so lange schnell (wie bei Fertigung einer Pomade), bis es weiß ist. Das Flüssige, was sich absondert, wird weg geschüttet, und das Mark zum Gebrauche gut verbunden aufbewahrt. Von diesem Fett reibt man alsdann dem Kinde die Gelenke und den Rücken täglich 2 bis 3 mal an der Wärme ein.

 

Wurm am Finger. 1. Frische Ochsengalle siedend heiß gemacht, den kranken Finger, so war mein es erleiden kann, so lange darein gehalten, bis die Galle erkaltet ist. Oder: das Häutchen von einer Schweinsgalle darüber gelegt. Oder:

  1. Man verbrenne Holz von Weinreben zu Asche, thue diese in ein irdenes Gefäß, gieße heißes Wasser darauf und halte den Finger, so heiß man es erleiden kann, darein. Bei Nacht lege man eine gebratene Zwiebel darauf. Will sich dann das Uebel noch nicht heben, so thue man Meliszucker darauf.

Würmer im menschlichen Körper abzutreiben. 1. Bei Abtreibung der Würmer hat man, wenn es Erfolg haben soll, hauptsächlich darauf zu sehen, dass die Mittel angewendet werden, wenn der Mond im Abnehmen ist, und man Tags darauf laxirende Mittel einnimmt, daß die getödteten Würmer abgeführt werden. Wenn man einem Kinde, sowie der Mond abzunehmen beginnt, einen starken Kaffeelöffel Voll Baumöl eingiebt beim Eintritt des letzten Viertels einen zweiten, und beim Eintritt des neuen Lichts einen dritten Löffel voll, so geht der ganze Wurmstock ab. Zu bemerken ist jedoch, daß nicht allen Magen das Baumöl zusagt.

Zahnpulver. (siehe meinen Artikel hier) Das unschädlichste Pulver zur Reinigung der Zähne kann bereitet werden aus 2 Theilen Lindenkohlen und 1 Theil Salbei, welches man so fein als möglich pulverisirt. Gebranntes Brod, sowie auch Kaffeesatz sind ganz unschädlich.

 

Zahnweh.  Ein interessanter Artikel, der uns erklärt, dass man gegen Zahnweh verschiedene Orte am Hals, hinter den Ohren und im Genick behandeln sollte.

 

Ein gut bewährtes Recept, wenn eine Person keinen Stuhlgang hat, daß sie in einer Stunde Oeffnung bekommt. Ein halb Scrupel Virduidem.  – Während ein Scrupel als Maßeinheit leicht zu finden ist (Link), ist Virduidem unauffindbar.

 

Das war’s. Für alle Interessierten hier das Inhaltsverzeichnis. Wer noch ein Rezept braucht, schreibt mir einen Kommentar.

 

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Puppenköchin Anna – 1886


Heute Abend kommt das Christkindchen zu all den kleinen, herzigen Mädchen, welche gern Lesen, Schreiben und Stricken lernen und ganz folgsam sind.

Erkennt sich eine meiner Leserinnen wieder? Falls ja, Glück gehabt. Ansonsten sehe ich schwarz für sie.

Falls ihr euch fragt, was der Herr Museumswärter zu sich genommen hat, um solchen Unfug zu schreiben, kann ich euch beruhigen: nichts, das ich nicht sonst auch zu mir nehme. Diese Textpassagen stammen aus einem Kochbuch für Kinder aus dem Jahr 1886.

Puppenköchin Anna ist ein „Praktisches Kochbuch“ von Henriette Davidis, der berühmtesten Kochbuch-Herausgeberin Deutschlands seit 1845 bis weit nach ihrem Tod (1876) in die 1900er Jahre.

Wikipedia hat diesem kleinen Büchlein sogar einen eigenen Abschnitt gewidmet, den ihr hier findet.

Als ich anläßlich dieses Artikels mal im ZVAB geschaut habe, was das Buch denn in etwa für einen Marktwert hat, war ich überrascht. Derzeit sind eine Sechste Auflage und fünf Achte Auflagen im Angebot. Ich habe die Siebente dazwischen und in ähnlicher Erhaltung, so daß sich der Preis in diesem Rahmen bewegen dürfte. Wer mag, klickt hier.

Dieses Buch, obwohl ja eigentlich als Kinderbuch aufgelegt, beinhaltet nur ein einziges Bild. Diese Chromolithographie auf der ersten Seite ist dafür aber wirklich schön und in allen 9 Auflagen wurde es wiederverwendet.

Für welches Alter das Buch gedacht ist, kann ich nur vermuten. Damals gab es keinen Aufdruck „Erstes Lesealter“, „Leselöwe“ oder „5-14“ auf dem Buchumschlag. Ich vermute, es richtete sich an Kinder, denen ihre Gouvernante, Oma oder Mutter vorgelesen hat bis zu denen, die bereits selbst lesen und die Rezepte selbständig nachkochen konnten. Und da die alten Mädchen etwas länger Kind waren als unsere heutigen, kann ich mir gut vorstellen, daß das Buch auch noch bei 14-jährigen Teenies Verwendung gefunden hat.

Für den Text der Einleitung oder des Vorworts muß man aber definitiv ein Mädchen sein. Mir als Junge drehen sich beim Lesen schon die Augäpfel nach innen. Aber für diejenigen unter euch, die der Frakturschrift (noch immer) nicht mächtig sind, habe ich es abgeschrieben:

 Vorwort zur sechsten und siebenten Auflage.

 Die Verfasserin dieses Kochbüchleins, die gute Henriette Davidis, welche alle artigen kleinen Mädchen so gern hatte, ist nun schon lange gestorben, wie ihr es gewiß auch schon von eurer lieben Mama gehört habt. Da waren dann nun alle die kleinen Puppenkochbücher verbraucht, aber noch viele kleine Mädchen, die keines besaßen, wünschten sich eins zum Geschenk vom Christkindchen oder zum Geburtstag. Es mußte daher das Kochbüchlein aufs neue zum Druck vorbereitet und manches darin verbessert werden. Auch verschiedene neue Kochrezepte sind hinein gekommen, und damit Ihr, liebe kleine Mädchen, auch lernt, wie die Gerichte zusammen passen und ihr euch beim Kochenspielen nicht etwa den Magen verderbt, so ist eine Speisekarte sowohl für festliche Gelegenheiten, als auch von einfacheren Gerichten zum gewöhnlichen Kochenspielen, und auch noch eine Anordnung für Kinderkaffeegesellschaften dazu gekommen.

Nehmt denn das also verbesserte und vermehrte Kochbüchlein hin, ihr lieben Kleinen, und wenn es euch gefällt und auch dazu beitragen sollte, euren Sinn für häusliche Thätigkeit zu wecken, so würde sich die von Herzen darüber freuen, die nichts so gern hat, als gute und fröhliche Kinder.        Theodore Trainer.

 Vorwort an die kleinen Mädchen, die dies Puppenkochbuch zum Geschenk erhalten haben.

 Für kleine, herzige Mädchen, welche gern Lesen, Schreiben und Stricken lernen und ganz folgsam sind, ist dies Puppenkochbuch bestimmt; und da wollen wir hoffen, daß es viele giebt, denen das liebe Christkindchen oder die Mutter zum Geburtstage es bringen werde.

 Zuerst werden die lieben Mädchen sich denn Mühe geben lesen zu lernen, um ihr Kochbuch gebrauchen zu können, und dann geht’s in den Spielstunden, wenn die Mama es erlaubt, flink ans kochen. O, welche Lust wird das sein!

 Wer aber dieses Kochbuch erhält, muß befolgen, was die Puppenköchin Anna lehrt; hört aufmerksam zu, wie sie es machte. Sie plagte die Mutter niemals, ihr allerlei Näschereien zum Kochen zu geben, nein, sie nahm freundlich und

 dankend hin, was ihr gegeben wurde. Fehlten ihr die bestimmten Teile, welche zu dem Gericht, daß sie zu machen wünschte, gehören, so wählte sie sogleich ein anderes, ohne ein unfreundliches oder gar ein weinerliches Gesicht zu machen. Überhaupt war die kleine Puppenköchin ein so recht zufriedenes kleines Mädchen, auch dann, wenn die Mutter ihr die Bitte abschlug, auf dem Puppenherd zu kochen, und zu ihr sagte: “ Jetzt nicht, liebes Kind, heute mach‘ nun einmal Gerichte für die Puppe ohne Feuer.“ Anna ging dann freundlich hin, holte Blätter und Blumen herbei und machte daraus die schönsten Speisen, wie Ihr es in der zweiten Abteilung dieses Werkchens – die „Blumenküche“ finden werdet.

O, Ihr könnt es euch gar nicht denken, meine kleinen Mädchen, was für eine allerliebste Köchin unsere Anna war! Stets waren Kleider, Gesicht und Hände rein und ebenso rein und ordentlich ihre Kochgeschirre. Sie kochte nicht ohne Küchenschürze und Streifärmel, um das Kleid vor Flecken zu bewahren.

Und so geht es weiter und weiter, bis Frau Davidis schließlich auf Seite 15 mit den Worten schließt:

 Nun wollen wir hoffen, daß ihr, meine lieben Mädchen, oft und gern an unsere Köchin Anna denken und ihr folgen werdet. Und wie würde das Christkindchen, und die Mama, und der Papa Euch lieb haben, und wie würde sich die daran erfreuen welche das Puppenkochbuch nur für artige Mädchen geschrieben hat!       Die Verfasserin.

Das würde heute kein noch so artiges, kleines Mädchen über sich ergehen lassen.

Dann aber geht es los. Erste Abteilung – Speisen, welche auf dem Puppenherd gemacht werden.

Genau, wie die großen Kochbücher von Frau Davidis, unterteilen sich die Rezepte in Kategorien: Suppen (z.B. 1. Fleischsuppe, 5. Griesmehl-Suppe mit Korinthen oder 12. Milchsuppe mit Schaumklößchen),  Gemüse= und Kartoffelspeisen (z.B. 1. Spinat, 2. Melde, 3. Junge Erbsen oder 13. Bandkartoffeln), Salate und einige Eier=Gerichte, Reisspeisen und Nudeln, Fleischspeisen, Saucen, Puddings nebst anderen süßen Speisen usw.

 Die Bandkartoffeln möchte ich euch nicht vorenthalten:

13. Bandkartoffeln

 Nachdem Ihr die Kartoffeln, welche alle hübsch von einer Größe sein müssen, recht klar gewaschen habt, schält von jeder in der Mitte, ganz glatt und fein, ein fingerbreites Streifchen, so daß es aussieht, als hätten die Kartoffeln ein Gürtelchen um. Dann werden Sie nochmals abgespült und in kochendem Wasser gerade so gekocht, wie geschälte Kartoffeln. Sind Sie nun ganz weich geworden, so bittet eine gütige Hand, das Wasser davon abzuschütten. Das Töpfchen wird dann noch einige Minuten wieder aufs Feuer gestellt, damit das Wasser rein abdampft, dann etwas geschüttelt und die Kartoffeln rasch in Euer Schüsselchen gethan und zugedeckt, damit sie recht heiß auf eurer Tafel kommen. Die Bandkartoffeln werden mit etwas Butter gegessen; möchtet Ihr ein Stückchen Hering dazu bekommen können, so paßte dieses, nebst einem Täßchen Kinderthee, ganz besonders dazu.

Zum Suppenfleisch gibt es noch einen Hinweis in Versform:  Ich rate aber, das Fleisch der Miezekatze zu geben, es ist sehr ausgekocht und zähe und für Euch schädlich.

  •  Nicht wahr? Ihr sprecht in eurem Sinn –
  •  Miezekatze, nimm es hin!
  •  Beiß es aber recht entzwei,
  • Daß es dir nicht schädlich sei.

Im hinteren Kapitel der „echten“ Küche – Backwerk und Pfannkuchen finden wir zwei Rezepte für Kuchen von Reis und Äpfeln bzw. Kuchen von Schwarzbrot und Äpfeln, ies durchaus einfach geschrieben sind und ziemlich lecker klingen. Vielleicht suche ich mir ja mal eine Puppenköchin Anna, die mir auf ihrem winzigen Herd diesen Kuchen, den ich auch Auflauf nennen kann, bäckt.

Kompott

Kaffeegesellschaften und der Übergang zur Zweiten Abteilung, der Blumenküche.

Die Blumenküche ist eine Rezeptsammlung zur Zubereitung von Puppen-Mahlzeiten:

 Nun, meine lieben Mädchen, werde ich euch damit bekannt machen, wie unsere Köchin Anna auch ohne Eßwaren schöne Gerichte bereitete; denn nicht immer hat die Mama Lust, den Kindern ihre Küche zu versorgen –  es würde doch auch zu lästig und kostbar werden. So hört denn zuerst, wie Anna den Puppentisch verzierte. Sie legte rings umher grüne Blätter so, daß diese eine schöne Guirlande bildeten, dann legte sie einige große frische Blätter, welche ihre Schüsseln sein sollten, auf verschiedene Stellen des Tisches und richtete dann die Blumenspeisen so wunderschön darauf an, dass nicht nur die Puppen, sondern auch Erwachsene sich daran erfreuten; selbst Puddings und ausgezackte Kuchen fehlten auf dem Puppentische nicht.

Wie wäre es, liebe, kleine Mädchen, wenn ihr euch die Zeit, bis das Christkindchen kommt, damit vertreibt, indem ihr die hier gezeigte „Kalteschale“ aus allerlei Blumenblättchen, einem Stück von einer Rübe oder gelben Möhre und Wasser zubereitet und euch dann mit den Puppen an den Puppentisch setzt „und thut gerade so, als wenn Ihr äßet.“

Wenn ihr das schafft, kommt nachher auch der Weihnachtsmann oder das Christkindchen zu euch.

Mahlzeit!

 

Ein weiteres Kinderbuch aus dieser Zeit findet ihr hier.

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