Prüfe dein Gewicht!


Erinnert sich noch jemand von euch an die großen alten Waagen, die zumeist in Bahnhöfen standen?

„Prüfe dein Gewicht!“ stand groß auf einem Schild und darunter oftmals der kleinere Zusatz „Der Zeiger trügt dich nicht!“

Auf Flickr habe ich ein Foto gefunden, das ich euch hier zeigen möchte:

Foto mit freundlicher Genehmigung von Chris R (https://www.flickr.com/photos/tierchen/)

Nicht alle Waagen hatten – so wie diese – eine Kartenausgabe. Manche hatten nur einen Zeiger, das Gewicht wurde angezeigt und das war’s.

Diese Waage hat unten ein Ausgabefach, in das eine kleine Pappkarte mit dem Format einer damaligen Fahrkarte ausgeworfen wurde.

 

Während die linke Karte aus einer DDR-Waage aus dem Jahr 1982 stammt, ist die rechte Karte von 1933. Auf beiden Karten wurde die seinerzeit für Körpergewicht noch gebräuchliche Angabe in Pfund aufgedruckt. Die linke Dame (meine Tante) wog damals 111 Pfund, also 55,5 kg. Wer die rechte Karte gezogen hat, weiß ich nicht. Er oder sie war mit 139 Pfund oder 69,5 kg etwas schwerer.

 

 

Die Rückseiten beider Karten unterscheiden sich sehr. Auf der neueren Karte befindet sich über dem Datum eine Tabelle mit Richtwerten für Männer und Frauen, gestaffelt nach Körpergröße. Meine Tante war mit ihren 1,75m offensichtlich eine Hungerlatte.

Die alte Karte hoffte noch auf den Sammeltrieb der Kunden. Eine von wahrscheinlich 24 verschiedenen Motiven war entweder bunt gemischt in der Waage vorrätig, oder jede Woche kam ein neues Motiv dazu. Man weiß es nicht.

 

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Rothomago


Wie so vieles in meiner Sammlung ist auch das Theaterstück in Vergessenheit geraten, für das unser heutiger Artikel des Tages dereinst Werbung machte – Rothomago, einer „Feerie & Grand Spectacle“ (übersetzt vielleicht Feengeschichte und großes Spektakel) in 25 Bildern, 5 Akten und einem Prolog von den Herren D’Ennery, Clairville und Albert Monnier. Und es ist wirklich verdammt schwer, etwas dazu zu finden.

 

Johannes Rothomago, auch bekannt als Johannes Rothomagensis oder Johannes of Rouen war ein Magier, der scheinbar tatsächlich gelebt hat. Er wird vereinzelt zusammen mit Odo de Bayeux, dem Auftraggeber des berühmten Teppichs von Bayeux genannt und scheint bis 1079 gelebt zu haben.

Seine Geschichte als Magier wurde in mehreren Theaterstücken verarbeitet, wovon der Fünfakter im Theatre du Chatelet zu den erfolgreichsten gehörte.

Das Stück lief seit der Premiere am 1. März 1862 bis 1911 mindestens 8 Jahre lang im Theatre du Chatelet. Eine englische Übersetzung unter dem Titel Rothomago or The Magic Watch wurde von Edward Solomon und Henry Brougham Farnie im Jahr 1879 aufgeführt. Farnie war übrigens Autor für Stücke, die sowohl am Broadway als auch in London um Gilbert & Sullivan aufgeführt wurden.

 

Die Kartenpreise findet ihr auf der Rückseite der Karte – 6 Franc für einen Logenplatz, 5 Fr. für „Baignoire“ (laut Übersetzer heißt das „Badewanne“!) bis zum 3.Rang wo der Platz für 75 Centimes zu haben war.

Wer der französischen Sprache mächtig ist und wissen möchte, wovon das Stück handelt, der kann sich hier das Textbuch des Einakters durchlesen.

Die Sammelkarte dürfte aus den Jahren zwischen 1880 und 1890 stammen.

Kaltes Wetter – warmer Kakao – van Houten


Fällt das Thermometer unter 20°C, wird mir kühl; unter 14°C wird mir kalt. Ich habe die Vermutung, daß Sommergeborene überwiegend die warmen Temperaturen lieben, wohingegen man Menschen, die ihren Geburtstag im Winter feiern, im Schnee lachend treffen kann. Wer also glaubt, mich einmal auf der Straße getroffen und erkannt zu haben: War es kalt? Habe ich freundlich ausgesehen? Dann war ich es nicht!

Wenn mir kalt ist, kann mich aber eine Sache wieder aufheitern – Kakao. Damit meine ich nicht solch dahergeschludertes Zeug wie Nesquik, kaba oder trink fix, sondern richtigen, echten, stark entölten Kakao. In aufgekochter Milch, ein bis zwei Löffel Kakaopulver und etwas Zucker aufgelöst und fertig ist das kleine Glück. Nur die Haut auf der Milch mag ich nicht und angele sie runter.

Mein Dank für eines der besten Kakaopulver, die mir bisher auf den Löffel gekommen sind, gilt Coenraad Johannes van Houten. Er und sein Sohn erfanden bereits 1815, also vor fast 200 Jahren, eine Maschine, mit deren Hilfe der Rohkakao durch Entölung in eine gut zu verarbeitende Konsistenz gebracht werden konnte.

Wusstet ihr, daß es zum einen keine deutsche Wikipedia-Seite zu dieser Firma gibt (eine Seltenheit!) und zum anderen die Firma van Houten in den ersten 35 Jahren seine Chokoladefabriek in einer Windmühle in Leiden betrieb?

 

Außerdem interessant erscheinen mir Details, wie dieser: Coenraad van Houten heiratete 1835 Hermine van Houten. Sie trug denselben Nachnamen, beide waren allerdings nicht verwandt. Das ist doch mal toll, wenn man auf alle Aussteuerwäsche und -Handtücher bereits sein HvH gestickt hatte.

Wusstet ihr übrigens, daß eines der folgenden Pulver dem Kakao zugegeben wird, damit er in Milch besser löslich wird? Natriumcarbonat (Soda oder auch Natron), Ammoniumhydroxid, Kaliumhydroxid oder Magnesiumoxid. Wenn’s hilft.

Hier habe ich noch zwei Sammelkarten aus den Jahren nach 1900 auf denen man mich recht gut getroffen hat:

 

Aber mit dem richtigen Kakao ändert sich plötzlich alles:

 

Diese „beweglichen Chromos“, also Sammelkarten, in denen man durch Schieben, Falten oder Drehen einen Effekt erzielen konnte, gehören mit zu den begehrtesten, solange sie nicht kaputt sind. Meine sind noch heil. Ich hab sie auch nur für euch mal auf und zugeklappt. Da das Papier, aus dem die Karten hergestellt wurden, die ja nicht für den dauerhaften Gebrauch bestimmt waren, üblicherweise von niederer Qualität war, wird es mit der Zeit recht brüchig.

 

Die älteste der heute gezeigten Karten ist übrigens die oberste mit den beiden Kindern aus den 1890ern. Sie ist überraschenderweise am besten erhalten. Die Möwe stammt aus den 1910ern.

Und nun ratet, was ich mir als nächstes koche. Auf Wiedersehen!

Her mit euren Knochen!


Heute, in einer Zeit, in der nichts mehr für den dauerhaften Gebrauch hergestellt und viel zu viel weggeworfen wird, ist es schwer vorzustellen, wie schlecht es der deutschen Bevölkerung während des Zweiten Weltkrieges ging.

Im Jahr 1944 ging es mit Deutschland so rasant bergab, daß alles irgendwie Verwertbare gesammelt und verarbeitet wurde. Aus heutiger Sicht war das sicher ökologisch wertvoll, allein die Begleitumstände waren unerfreulich.

Den folgenden Sammelbogen erhielt, wer 1 kg Tierknochen zur Sammelstelle der Altmaterialverwertung brachte. Für jedes weitere Kilogramm gab es eine Marke, die in die entsprechenden Felder eingeklebt wurde. Wer ein halbes Kilogramm ablieferte, erhielt eine Marke halber Größe.

Und was hatte man davon?

Knochenkarte.jpg

Ein Stück Seife. Immerhin. Allerdings hatte diese Kernseife nicht viel mit heutiger Seife gemeinsam. Kein Parfüm, nur pure ausgekochte Knochen, deren Fette dann an der Oberseite schwimmen und den verfestigten Kern bilden. Abgeschöpft, in Formen gegossen, getrocknet, fertig.

Ob zu der Zeit dieser Teller noch gebraucht wurde?

 

Moggi, Miggi, Muggi – Maggi


Der ungekrönte König der Brühwürfel ist wohl der Maggi-Brühwürfel. Die 1869 beginnende Geschichte der Firma Julius Maggi erlebte viele Höhepunkte von denen die Maggi-Würze im braunen Fläschchen wohl das größte Highlight darstellt. Heute ist es oben etwas runder als früher, aber die Form ist in etwa gleich geblieben. Diese Sammelkarten von ca. 1887 illustrieren das ganz gut. Links eine Art Brühwürfel – damals noch in runder Tablettenform, rechts das Fläschchen.

Maggi5

Eine Umfüll-Flasche von 1925, aus der die Flüssig-Würze vom Händler in mitgebrachte Gefäße geschüttet wurde, sieht man hier. Flaschen-Größe Nr.6, ca. 30 cm hoch, Inhalt: ca. 1 Liter. Die meisten Flaschen waren braun, diese ist grün. Leider habe ich sie ohne Etikett und auch der originale Hohlkorken und Glas-Stopfen sind weg. Dafür hat sie keine Schäden. Maggiflasche

Zurück zum Brühwürfel: Bevor es die heute üblichen Portions-Packungen mit 10 Brühwürfeln gab, wurden die Würfel in Drogerien oder Kolonialwaren-Läden aus der Dose verkauft. Die standen gut und werbewirksam platziert im Laden. Hier eine Dose, deren Alter ich nicht genau bestimmen kann. Wenn ich dem Deutschen Historischen Museum glauben darf, ist sie wahrscheinlich von ca. 1950. Blechdose Maggi Bouillonwürfel

Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob um 1950 mit „mehr als 150 erste Auszeichnungen, darunter 12 deutsche Staatspreise“ geworben wurde. Es gab eine frühere Ausgabe der Dose zwischen 1930 und 1939. Das würde textlich besser passen. Blechdose Maggi Bouillonwürfel

Um noch die gut eingerichtete Drogerie zu zeigen. So sah unsere um das Jahr 1890 aus. Wer Lust dazu hat, kann ja suchen, ob er eine Maggi-Dose oder -Flasche findet. Mehr dazu in einem späteren Artikel: Drogerie1

Da Maggi, wie jede andere Firma auch, ein besonderes Interesse hatte, sich vor Nachahmungen und Fälschungen zu schützen, haben sie sämtliche neuen Produkte und Verpackungen schützen lassen. Hier ein Paar Auszüge aus den Patentbüchern. (ich habe die von 1935, 1940 und 1944)

Verpackungs-Muster vom 5. August 1935Trademark-Verzeichnis 1935 Maggi

 

Namenszug und Brühwürfel-Verpackung vom 18. Oktober 1940 – geschützt für 20 JahreTrademark-Verzeichnis 1940 Maggi

 

Geschützte Namen für ein geplantes Produkt „Magika“ – vom 23. Mai 1944 sowie weitere Verpackungsmuster mit einem Beispiel anhand der Maggi Erbs-Suppe.Trademark-Verzeichnis 1944 Maggi

Und schließlich der Namensgeber dieses Artikels. Um sich vor ähnlich klingenden Artikeln zu schützen, hat man sich die Namen am 9. August 1940 vorsorglich selbst gesichert. Moggi, Miggi und Muggi wird es also ohne Zustimmung von Maggi, die seit 1947 zum Nestlé-Konzern gehört, nicht geben. Die Flaschenform wurde bei der Gelegenheit auch nochmals für weitere 20 Jahre geschützt.Trademark-Verzeichnis 1940 Maggi

 

Maggi verstand sich schon in den 1880er Jahren auf das Werben. Hier noch weitere meiner Sammelkarten.

oben: Maggi-Suppe beim Militär

unten: das kann nur der Frauentag sein: 3 Männer servieren einer Dame Maggi-Suppe

Maggi1

eine ältere Serie von 1879Maggi4

Maggi3

Eine Tablette kostete 15 Centimes und reichte für 2 bis 3 PortionenMaggi2

Flaschenpreise beliefen sich auf 0,90 bis 8,50 FrancMaggi6

 

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