Soldatenzeitungen 1942 bis 1944


Eine Zeitung enthält heutzutage (bzw. sollte enthalten) tagesaktuelle Nachrichten. Früher war der Erscheinungsrhythmus etwas größer. Es gab meist Wochenzeitungen. Das lag nicht, wie manch einer vermuten könnte, an der schwierigen Verteilbarkeit der Zeitungen. (Wusstet ihr, daß in Großstädten vor 100 Jahren bis zu sieben Mal pro Tag der Postbote kam?) Vielmehr hat man damals eine Zeitung mit allen wichtigen Meldungen eines Tages nicht voll bekommen. Das hat sich bis heute übrigens nicht geändert, hält aber die Presseheinis nicht davon ab, Zeitungen mit so viel Füllmasse auszupolstern, daß man jeden Tag ein neues Exemplar auf den Markt werfen kann.

Ein weiterer Grund, Wochenzeitungen statt Tageszeitungen herauszugeben, kann in der Papierknappheit gelegen haben. Die heute vorgestellten drei Zeitungen erschienen in den schwierigsten Kriegsjahren und bestanden aus jeweils 8 bis 12 Seiten – also 2 oder 3 Bögen. Ich besitze nur die hier gezeigten 3 Bögen – je Zeitung einer. Sie lagen in einer Holzkiste auf dem Boden um den Inhalt zu schützen. Ansonsten hätten sie keine große Daseinsberechtigung gehabt.

Beginnen wir mit der Zeitung Der Durchbruch vom 6. Dezember 1942:

Lest euch mal den Artikel „Stimmung und Haltung“ (unten links) von Goebbels durch. Eine kleine Verhaltenskunde für den deprimierten Soldaten. Kombiniert mit dem Hauptartikel der Seite war die Wehrmacht aber noch auf der Siegesseite.

Seite 2 kommt mit einem Bericht über die Versorgungslage daher:

 

Seite 3: „Kameradschaftsdienst“ mit Grüßen aus der Heimat. Wer sich übrigens fragt, wer mit den Rshew-Kämpfern gemeint ist, der kann hier über die 200km westlich von Moskau gelegene Stadt lesen, in deren Gebiet zur Zeit des Erscheinens unserer Zeitung die Schlacht von Rshew tobte und eine Million Soldaten auf deutscher und russischer Seite das Leben kostete.

Hier nun aber ein Artikel voller Grüße der Angehörigen aus der AEG-(Rüstungs)-Werken in Berlin Gesundbrunnen an die Rshew-Kämpfer.

 

Seite 4: weitere Kriegsschauplätze und Sport. Im „Sportbrief aus der Heimat“ klingt, wie ich finde, eine leise Kritik an, daß man jetzt, wo alle guten Männer an der Front sind, mit zweit- und drittklassigen Sportlern vorlieb nehmen muß.

 

Die nächste Zeitung ist die Panzerfaust vom November 1943. Da sie ein recht großes Format hat, habe ich die Seiten dreigeteilt.

Es beginnt mit den Stätten des Ostens, Zeichnungen von eroberten russischen Orten. Der Begleittext klingt, als hätten die Russen ihre Orte selbst zerschossen. War dem so?

 

Die im Durchbruch erwähnte Witzseite: Wir lachen uns ins Panzerfäustchen. (nun ja)

 

Geschichten und Gedichte

 

Ankündigung des neuen Farbfilms mit Hans Albers: „Große Freiheit Nr. 7„, der im Dritten Reich letztlich nie gezeigt werden durfte. Mehr erfahrt ihr im Link oben.

 

Die letzte Zeitung ist wiederum die Panzerfaust, diesmal vom Januar 1944.

Es beginnt mit einer Novelle von Hanns Franck

 

 

Heiteres aus Sachsen

 

Und auch in dieser Ausgabe wird wieder „ins Panzerfäustchen gelacht“:

 

Damit endet unsere Presseschau von der Ostfront. Sicher war die Lektüre dieser Zeitungen eine seltene Ablenkung. Post aus der Heimat kam sicher auch nur gelegentlich, wenn überhaupt jemand zum schreiben da war. Wusstet ihr, daß viele Frauen und Mädchen an „den unbekannten Soldaten“ schrieben, um auch denen ohne Verwandtschaft eine Freude zu bereiten?

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Briefe von der Front


Feldpostbriefe waren im Krieg oftmals der einzige Kontakt zwischen dem Ehemann und Vater an der Front und der daheim gebliebenen Familie. Das System der Feldpost war überraschend kompliziert, da man bedenken muß, daß der Soldat keine genaue Absenderangabe auf den Brief schreiben durfte. Abgefangene Post hätte dem Feind sonst zu leicht Hinweise geben können, welche Truppen sich wo befinden. Dadurch konnte die Ehefrau oder Mutter dem Soldaten die Antwort nur an eine Feldpostnummer senden ohne zu wissen, wo genau der Liebste sich befand. Die Vordrucke für Feldpostbriefe und -Karten sahen so aus Feldpostbrief Feldpostkarte   Ein Paketzettel für den Versand an die Front: Feldpost Paketaufkleber   Ein einseitiger Feldpostbrief Feldpostbrief   Und ein Paketzettel von der Front nach hause sowie noch eine Postkarte Feldpostkarte und Feldpost Paketaufkleber   Mein Opa hat diese beiden Briefe an seine Tochter – meine Tante – geschickt: Feldpostbrief Opa Monika 1939

im Felde am 28.X.39

Meine liebe, kleine Monika!

Nun hast Du Deinen zweiten Geburtstag und der Papi ist nicht da, ja da kann man nichts machen, der böse Engländer hat es eben nicht gewollt. Die Mutti wird Dir, mein kleiner Liebling, einen herzhaften Kuss von Deinem Papi geben und Dir recht herzlich gratulieren! Denk an diesem Tag ein bisschen an Deinen Papi, der hier irgendwo an der Grenze umher ……. bei dem Sauwetter und ständig in Gedanken bei Euch beiden Lieben ist. Also viel Freude an diesem Tag und sei auch weiterhin so brav und lieb. Dein Papi im Westen!

Feldpostbrief Opa Monika 1939   Feldpostbrief Opa Monika 1939

 Für Monika – Erfurt – bei ihrer Mutti

Sylvester 1939/40

Meine liebe kleine Monika! Heute schreibt Dir mal Dein Vati und schickt Dir eine Tafel Schokolade und ein Päckchen Keks, wenn Deine Finger schön vollgeschmiert sind, wirst Du an Deinen Vati denken, der nun inzwischen auch ein großer Soldat ist. Ich schicke Dir noch zwei herzliche Grüße mit, einen für Dich und einen für unsere liebe Mutti. Alles Gute, Dein Vati!

Abs. Dein Vati – Westwall

Feldpostbrief Opa Monika 1939   Wie bereits hier erwähnt, wurde er später an die Ostfront versetzt und ist dort bedauerlicherweise auch geblieben. Vorher war er allerdings noch mindestens zweimal zu Hause und hat dafür gesorgt, daß meine Tante noch einen Bruder und eine Schwester bekam. Letztere – meine Mutter – hat er leider nie kennenlernen dürfen.

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