Das beste Weihnachtsgeschenk – Sparkassenbuch – 1926


Zugegeben, bis Weihnachten ist es noch ein bisschen hin. Aber mir ist heute danach, euch dieses schöne Prospekt vorzustellen. Es wurde im Dezember 1926 herausgegeben und wäre sicher schon längst auf dem Müll gelandet, hätte nicht der an dieser Stelle schon des öfteren erwähnte Großonkel und Goldschmied es als Lesezeichen in sein Kassenbuch gelegt.

Entschuldigt das miese Licht. Ich habe die Fotos im Winter angefertigt und da gibt es kein schönes Fotolicht.

Die Sparkassen-Rundschau – Belehrendes und Unterhaltendes – Mitte Dezember 1926. Der Name der jeweiligen Bank wurde in rot eingefügt.

Das beste Weihnachtsgeschenk ist ein Sparbuch und eine Heimsparbüchse. Das war zumindest 1926 noch ein kluger Ratschlag. Die Inflation war überstanden, das Geld war wieder etwas wert.

„Wer in der Jugend spart, der darbt im Alter nicht.“ Das mag vereinzelt stimmen. Darum findet sich auf der zweiten Seite ein belehrender Vortrag, den Kindern ihr Sparbuch als Teil des täglichen Lebens nahe zu bringen. Die Freude währt nicht lange, wird das soeben geschenkte Sparbuch gleich in den Schrank eingeschlossen und das beschenkte Kind sieht es nie wieder.

Seite 3: Wissenswertes zum Kaffee, zur künstlichen Hochhaltung der Preise durch Brasilien, die Information, daß die Vereinigten Staaten von Nordamerika durch das Alkoholverbot zum größten Kaffeeabnehmer geworden sind. Auch ein Hinweis ist zu finden, wonach ja das Geld für den Kaffee komplett ins Ausland, namentlich Brasilien fließt und somit in Deutschland fehlt. Wer also wichtigere Bedürfnisse zu befriedigen hat (Kleidung, Wohnung, Bildung!), sollte den Kaffeeverbrauch möglichst einschränken. „Wir reden gar nicht von völligem Verzicht, wir wissen auch, daß es leichter fällt, öfters 1/4 Pfund Kaffee zu kaufen, als einen Monat lang wöchentlich 2 oder 3 Mark zurückzulegen, um dafür einen wertvollen Gebrauchsgegenstand zu kaufen – aber versuchen sollten wir es doch!“

Seite 4 bringt uns Ratschläge zum Führen von Haushaltsbüchern. Drei Stück werden uns empfohlen: In das erste werden allabendlich die täglichen Ausgaben eingetragen, die letzten zwölf Blätter sind für die Monatszusammenfassung zu reservieren. Im zweiten Buch werden feste Ausgaben eingetragen und schließlich in das dritte Buch kommen Posten wie Taschengeld der Kinder oder Lohn der Hausangestellten.

Der zweite Artikel dieser Seite behandelt das 60-jährige Jubiläum der Heilsarmee.

Seite 5 – die Weihnachts-Rubrik: Oben ein Beitrag zum „Bedachtsamen Schenken“. Wird an anderer Stelle empfohlen „Schenke praktisch!“ läuft dieser Text darauf hinaus, rechtzeitig mit dem Sparen zu beginnen um zum Weihnachtsfest den Liebsten ein auf ihren Namen ausgestelltes Sparbuch überreichen zu können.

Die untere Hälfte dieser Seite wurde freundlicherweise Frau Helene Marc zur Verfügung gestellt. Sie erzählt die Geschichte ihres ersten Sparkassenbuches.

Wünschen aus dem Leserkreis entsprechend werden Warenmärkte behandelt. Der Getreide-Weltmarkt wird uns eben so detailliert erklärt (märkischer Roggen 232 Mark je Tonne, Weizen 272 Mark, amerikanischer Manitoba-Weizen II vor Zoll 260, nach Zoll – und damit nicht mehr so günstig wie einheimischer – 310 Mark) wie der Spinnstoff-Markt.

Seite 7 ist interessant, liefert uns dieser Artikel doch Informationen zur Übernahme der Jandorf-Kaufhäuser durch Hermann Tietz (Hertie). Eines dieser Warenhäuser steht noch immer in Berlin, derzeit allerdings nur gelegentlich für extravagante Parties, Mode-Happenings oder Branding-Veranstaltungen der Werbeindustrie genutzt. (Link) Die Expansion von Hertie sollte den neu eröffneten Karstadt- und Woolworth-Warenhäusern entgegenstehen.

Auf der letzten Seite schließlich ein Weihnachtsgedicht von Annette von Droste-Hülshoff, die wir Älteren noch vom grünen 20-DM-Schein kennen und das ich hoffentlich niemals auswendig lernen muß.

Übrigens: Ich habe zwar keine Heimsparbüchse der Sparkasse, kann aber mit einer von Allianz und Stuttgarter Versicherung dienen. Der Schlüssel lag zu Beginn meines Wissens noch in der Bank. War die Sparbüchse voll, ging man zur Sparkasse, der oder die Mitarbeiter(in) schloß auf, zählte das Geld und zahlte es auf das Sparbuch ein.

Allianz Spardose

Ein Update gibt es hier.

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Soll und Haben – Sparkassenabrechnung


Das Jahr neigt sich dem Ende zu und die Banken verteilen Zinsen.

Aber wie sah das 1922 aus? Dazu habe ich hier eine Abrechnung eines Sparbuches, das mir Rätsel aufgibt:

Abrechnung zum Sparbuch 1922

 

Im März 1922 hatte die Mark nur noch in etwa den 500. Teil des Wertes vor dem ersten Weltkrieg. (d.h. für 500 Mark konnte man im März 1922 so viel kaufen, wie für eine Mark zu Beginn 1914).

Mit diesem Vorwissen verliert der Wert des Sparbuchs plötzlich enorm. Bereits im Oktober 1922 war der Wert der Mark auf ein Tausendstel gefallen. Und 1923 ging die Talfahrt so richtig los. Das hatte ich euch ja hier bereits vorgestellt. Ich glaube, das beste, was man zu dieser Zeit tun konnte, war, alles Geld so schnell wie möglich auszugeben und sich dafür Waren, Edelmetalle oder harte Währungen zu kaufen.

Und nun meine Frage an die geneigte Leserschaft: Die Zeile Sollzinsen . . . . . 219,- klingt für mich nach Bezahlung an die Bank. Normalerweise bekommt man doch auf seine Spareinlagen Zinsen gut geschrieben, also Habenzinsen. Heißt das beim Sparbuch anders? Oder musste ich Strafe für meine Sparsamkeit zahlen?

 

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