Drei kleine Dinge aus der Handtasche


In Handtaschen findet man erstaunlich viele Sachen. Oder eben auch nicht.

In unserem heutigen Artikel geht es um drei kleine Papierbriefchen, die ich sonst nicht zuordnen konnte und die mir für einen eigenen Beitrag zu murkelig erscheinen.

Auf dem ersten Briefchen findet ihr Werbung für Brotbeutel, Feldflaschen, Koppel, Tornister, Leder- und Spielwaren. Daraus lässt sich noch nicht vermuten, was sich drin befindet.

Da ist es bei Nummer zwei in leuchtendem Orange schon einfacher – Jupiter, Deutsche Zündwaren-Monopolgesellschaft Berlin. Das klingt nach Streichhölzern. Noch dazu, wo ich euch schon ausführlich darüber informiert hatte, was es mit dem Zündwaren-Monopol in Deutschland und seiner hölzernen Wurzel in Schweden auf sich hat. Ihr erinnert euch nicht mehr? Dann klickt hier.

Unten seht ihr einen blechumrandeten Anhänger der Sparkasse des Kreises Weißensee zu Erfurt. Hierzu musste ich etwas recherchieren, habe aber bei Wikipedia gefunden, dass es sich um einen Vorgänger der Sparkasse Mittelthüringen handelt. Lest hier für die Geschichte.

 

Schauen wir uns die Rückseiten an:

 

Aha, Firma Hintze & Venth aus Erfurt sind die Hersteller der eben erwähnten Leder-, Spiel- und Armeeausrüstungswaren. Und sie haben uns für 5 Pfennig ein Zahnstocherbriefchen verkauft. Hygienisch – staubfrei – abtrennbar. D.R.G.M.

Die Rückseite des Sparkassen-Anhängers listet uns Notfall-Telefonnummern auf. Polizei: 25261, Ueberfall: 01, Feuer: 02, Unfallwache: 21000 oder 27300, Auskunft: 8, Fernamt: 00 (weswegen wir heute noch 00 vor einem Auslandsgespräch vorwählen müssen), Störungsmeldungen: 7, Rundfunkentstörungsstelle: 28041, Nebenstelle: 43, dieselbe Werktags und Sonntags ab 13 Uhr: 27289, Krankenhaus: 25171, Arzt: zum selbsteintragen. Das war ja wirklich kompliziert. Wir können uns glücklich schätzen, heute für Ueberfall, Unfallwache und Polizei die eine Nummer 110 zu haben. Wusstet ihr, das die 1-1-0 in Zeiten des Wählscheibentelefons ausgesucht wurde, weil im Telefonamt die Wählvorrichtung bei der 1 kurz geklackert hat, bei der zweiten 1 ebenso und bei der 0 ganz lang (weil man für die 0 die Wählscheibe bis ganz zum Anschlag drehen musste). Damit konnte das Fräulein vom Amt schon hören, das es ein Notruf war und ihn bevorzugt bearbeiten. Dasselbe gilt übrigens für die amerikanische Notrufnummer 911, nur dass hier zuerst die lange und dann die beiden kurzen Nummern kommen. Interpretiert man die Tonfolgen kurz-kurz-lang (110) bzw. lang-kurz-kurz (911) als Morsezeichen, erhält man in Deutschland ein U wie Unfall und in den USA ein D wie Disaster. Ob es da einen Zusammenhang gibt, weiß ich nicht. Das ist nur von mir geraten.

 

Und da ihr sicher alle gespannt seid, was uns erwartet, wenn die beiden Briefchen aufgeklappt werden, möchte ich euch nicht länger hinhalten. Stattdessen könnte ich euch einen Zahnstocher oder ein Streichholz hinhalten und anbieten.

 

Alle drei Dinge stammen vermutlich aus den 1930er oder 1940er Jahren. Der D.R.G.M.-Vermerk wurde nur bis 1945 benutzt. Die Zündholzadresse in Berlin NW 40 verweist auf eine Adresse in der Nähe des Lehrter Bahnhofs (heute steht dort der Berliner Hauptbahnhof). Diese Unterteilung der Postbezirke Berlins gab es von 1862 bis zur Einführung der Postleitzahlen im Jahr 1962. Die Sparkasse existierte unter diesem Namen bis in die 1950er Jahre.

Wer genauere Details hat, möge einen Kommentar hinterlassen.

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Spare bei den mündelsicheren Sparkassen


Vor einem halben Jahr habe ich euch hier schon einmal meine Heimsparbüchse vorgestellt. So sieht sie aus. Allianz Spardose

Inzwischen konnte ich sie auf ca. 1928 datieren.

Das Konzept der Heimsparkasse bzw. Heimsparbüchse hielt sich sehr lange. Noch in den 1970er Jahren hatte ich meine Sparbüchse, die zur Sparkasse gebracht, dort aufgeschlossen und der Inhalt auf mein Sparbuch eingezahlt wurde. Heute ist es undenkbar, daß sich eine Bank noch mit solchen Kleinigkeiten wie Privatkunden, Sparbüchsen oder auch nur der Annahme von ungerollten Münzen befasst.

Auf dem Flohmarkt musste ich vor ein paar Tagen mein Geld gegen den heutigen Artikel des Tages eintauschen: ein originales Pappplakat (mit drei ‚p‘, hoffe ich) der Sparkasse von 1939, das die gleiche SParbüchse zeigt, die ich schon habe. Das gefällt mir.

 

Wer sich interessiert, was „mündelsicher“ bedeutet, liest hier.

In der Zwischenzeit freue ich mich, daß ich wieder ein Puzzleteil für meine Sammlung gefunden habe.

Soll und Haben – Sparkassenabrechnung


Das Jahr neigt sich dem Ende zu und die Banken verteilen Zinsen.

Aber wie sah das 1922 aus? Dazu habe ich hier eine Abrechnung eines Sparbuches, das mir Rätsel aufgibt:

Abrechnung zum Sparbuch 1922

 

Im März 1922 hatte die Mark nur noch in etwa den 500. Teil des Wertes vor dem ersten Weltkrieg. (d.h. für 500 Mark konnte man im März 1922 so viel kaufen, wie für eine Mark zu Beginn 1914).

Mit diesem Vorwissen verliert der Wert des Sparbuchs plötzlich enorm. Bereits im Oktober 1922 war der Wert der Mark auf ein Tausendstel gefallen. Und 1923 ging die Talfahrt so richtig los. Das hatte ich euch ja hier bereits vorgestellt. Ich glaube, das beste, was man zu dieser Zeit tun konnte, war, alles Geld so schnell wie möglich auszugeben und sich dafür Waren, Edelmetalle oder harte Währungen zu kaufen.

Und nun meine Frage an die geneigte Leserschaft: Die Zeile Sollzinsen . . . . . 219,- klingt für mich nach Bezahlung an die Bank. Normalerweise bekommt man doch auf seine Spareinlagen Zinsen gut geschrieben, also Habenzinsen. Heißt das beim Sparbuch anders? Oder musste ich Strafe für meine Sparsamkeit zahlen?

 

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