Fünf Jahre gestohlene Jugend – KZ-Entlassungsschein 1938


Bei der Recherche zu meinem heutigen Artikel bin ich auf interessante Internetseiten gestoßen, die mir gezeigt haben, wie wenig sich manche Zeitgenossen mit einem Thema beschäftigt haben, bevor sie beginnen viel Meinung dazu öffentlich kundzutun. Dazu mehr am Schluß des heutigen Beitrages.


Herr Bernd Viet lebte in den 1930er Jahren in Strausberg, einer beschaulichen Kleinststadt vor den Toren Berlins. Er arbeitete als Drogist und war sehr wahrscheinlich an einem gerechten Leben für alle interessiert. Leider konnte ich bis jetzt nichts zu seiner Person herausfinden, versuche mir aber meinen Reim auf das heutige Ausstellungsstück zu machen.

Ich vermute, Herr Viet war Mitglied der KPD oder einer anderen linksgesonnenen Vereinigung. Nach der Machtergreifung Hitlers und der Gleichschaltung bzw. des Verbots aller Parteien neben der NSDAP wurde die Jagd auf unliebsame Mitbürger eröffnet. Heute ist meist nur die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung im Gedächtnis, allerdings handelte es sich bei der zweitgrößten Gruppe Verfolgter um die Kommunisten und Sozialisten. (hier hatte ich darüber schon einmal geschrieben)

Herr Viet wurde zwei Wochen nach seinem 19. Geburtstag, am 4. Dezember 1933 verhaftet und ins KZ Sachsenhausen gebracht. Der Weg dorthin war zweifellos gepflastert mit Verhören und Misshandlung. Erst nach 5 Jahren und einen Monat nach seinem 24. Geburtstag wurde er aus dem KZ entlassen. Davon zeugt dieser Entlassungsschein.

Kommandantur des Staatl. Konzentrationslagers Sachsenhausen

Oranienburg, den 21. XII 1938

Entlassungsschein 221751

Der Drogist Viet, Bernd geb. am 22. November 1914in Strausberg / Kreis Nieder Barnim war in der Zeit vom 4. Dezember 33 bis 22. XII. 38 in einem Konzentrationslager untergebracht, die Entlassung erfolgte am 23. Dezember 1938. Seine Führung war -befriedigend-

Auflage: Sie haben sich bis auf Widerruf jeden 3. Werktag bei der Ortspolizeibehörde Ihres Wohnortes mit Ihren Arbeitspapieren zu melden.

Die Unterschriften des Lagerkommandanten und des SS-Oberführers kann ich leider nur bedingt entziffern Erstes sieht aus wie Gerlach, zweites wie Julemann. Beide Unterschriften stammen aber definitiv nicht von den KZ-Kommandanten des Jahres 1938 Hans Helwig (lesenswerter Artikel!) oder seinem Nachfolger Hermann Baranowski (der Ausbilder des späteren Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß).


Zum Schluß:

Im Internet gibt es zahllose Foren in denen KZ-Entlassungsscheine wie dieser als Fälschung dargestellt wurden. Dabei wird oft versäumt, zwischen der Verwahrung politisch unliebsamer Menschen und den unter dem Programm der „Endlösung“ der Vernichtung zugedachten Personen zu unterscheiden. Viele der Konzentrationslager und deren Unmengen Unterlager dienten der Beschaffung billigster Arbeitskräfte, deren Nutzen rücksichtslos ausgebeutet werden konnte. Eine Tötung bzw. Vernachlässigung mit Billigung des Todes fand nur statt, wenn kein Nutzen mehr bestand. Im Gegensatz dazu gab es die reinen Vernichtungslager in denen alle Menschen, egal ob arbeitsfähig oder nicht, getötet wurden.

Der heute gezeigte Artikel ist echt und stammt nicht aus einem Vernichtungslager. Das KZ Sachsenhausen war ein Konzentrationslager, das gleichzeitig durch seine Brutalität wie auch durch die große Zahl inhaftierter bekannter Persönlichkeiten (Stalins Sohn Jascha DschugaschwiliRudolf BreitscheidErwin Geschonneck, Kurt Schuschnigg und viele andere) bekannt wurde. Details zum Lager hier.

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Pakete jeglichen Inhalts dürfen nicht empfangen werden. Es kann im Lager alles gekauft werden.


Auf meinen heutigen Artikel bin ich ganz schön stolz. Es ist ein tolles Zeitdokument und in einer überraschend guten Erhaltung.

Herr H. Heilmann, wohnte im Jahr 1941 wahrscheinlich mit seinen Eltern zusammen in der Sankt-Pauli-Strasse 61 in Bremen. Was auch immer sein Vergehen war, es brachte ihn ins Konzentrationslager Flossenbürg. Leider habe ich keinen Zugriff auf die Gefangenenlisten des Lagers. Darum zeige ich euch für’s erste den Brief, den er seinen Eltern am 10. August 1941 geschrieben hat.

Der Text auf dem Kuvert lautet:

Meine genaue Anschrift: Vorbeugungshäftling H. Heilmann, Nr. 1113, Block 7.A Konz.-L. Floßenbürg, Post Floßenbürg (Bayer. Ostmark)

Konzentrationslager Floßenbürg – Auszug aus der Lagerordnung: Jeder Häftling darf im Monat 2 Briefe oder 2 Postkarten empfangen und auch absenden. Die Briefzeilen müssen übersichtlich und gut lesbar sein. Postsendungen, die diesen Anforderungen nicht entsprechen, werden nicht zugestellt bezw. befördert. Pakete jeglichen Inhalts dürfen nicht empfangen werden, Geldsendungen sind zulässig; es kann im Lager alles gekauft werden Nationalsozialistische Zeitungen sind zugelassen, wenn dieselben unter Streifband direkt vom Verlag geschickt werden.       Der Lagerkommandant

Frau Elise Heilmann, Bremen, St. Paulistr. 61

Auf dem Brief-Formular steht eine ähnliche Anweisung wie auf dem Umschlag. Lediglich statt der Zeitungen steht hier:

Es ist verboten, mehr als 2 Marken á 12 Pfg. beizulegen.

Zusätzlich der Aufdruck: Der Tag der Entlassung kann jetzt noch nicht angegeben werden. Anfragen sind zwecklos.

10. August 1941

 Lieber Vater, liebe Mutter! Euren lieben Brief habe ich erhalten, sowie die 5 Mk. von …., es freut mich, daß Ihr Lieben alle an mich denkt u. danke recht viel mal. Die Foto habe ich mir mit tiefer Empfindung immer wieder angesehen. Lieber Vater ich habe die selbige Sehnsucht

nach euch lieben. Georg hat sich zu den Anzug gefreut, er kann es mit euch Lieben abmachen. Bitte lieber Vater beschreibe den nächsten Brief nur eine Seite u. lege nichts ein, sondern hättest du nicht so gemacht, hätte ich nicht warten brauchen u. so konnte ich Euch doch im letzten Brief nicht an(t)worten. Grüße Euch Euer …

Abgestempelt von der Postzensurstelle A, K.L. Flossenbürg und vom Blockführer mit 11 / VIII. 41. Gl. unterzeichnet.

Hier sei darauf hingewiesen, daß die von den Behörden übliche Abkürzung K. L. für Konzentrations-Lager benutzt wurde. Angeblich wurden die Abkürzung KZ von den SS-Truppen eingeführt, weil es härter klang.

Der Stempel mit dem A in der Mitte wird auch Paraphe genannt. Das ist ein Stempel, der keinen Rückschluß auf die eigentliche Person zulässt. Wikipedia erklärt das auch. Eine Postzensurstelle sah z.B. so aus:

Der Brief ging an die Mutter Elise Heilmann. Eine Verwandte gleichen Namens habe ich im Bremer Leichenbuch gefunden (was es nicht alles gibt). Sie wohnte ebenfalls in der Sankt-Pauli-Strasse 61, war eine Tochter und ist mit 14 Jahren gestorben. Seht hier.

Ich habe das Konzentrationslager am 19. Juli 2014 besucht. Wer möchte, kann sich meine Fotos anschauen.

Bild anklicken für mehr

Zu diesem Konzentrationslager habe ich noch einige Informationen gefunden. Der Lagerkommandant zum Zeitpunkt der Haft von H. Heilmann war Karl Künstler, der Erfinder der 2 Wochen Sonderurlaub für denjenigen, der einen flüchtenden Häftling erschoß.

Im KZ Flossenbürg waren so bekannte Personen wie Dietrich Bonhoeffer, Wilhelm Canaris, Hjalmar Schacht, Kurt Schumacher oder Kurt von Schuschnigg interniert. Ein Außenlager stand unter der Leitung des späteren Bundespräsidenten Heinrich Lübke.

Seuchenschutzgebiet Warschau


Bevor Jürgen Stroop am 7.Mai 1943 triumphierend verkünden konnte: „Es gibt keinen jüdischen Wohnbezirk in Warschau mehr!“ spielten sich auf 3,1 Quadratkilometern der Warschauer Innenstadt Szenen ab, die man mit den grausamsten Worten nicht ausreichend beschreiben kann. Der „Jüdische Wohnbezirk in Warschau“, allgemein bekannt unter dem eigentlich falschen Namen „Warschauer Ghetto“, von den Nazis im Sommer 1940 als Sammelstelle für die Transporte in das Vernichtungslager Treblinka eingerichtet, wurde verhöhnend Seuchenschutz- und Seuchensperrgebiet genannt.

(c) Yad Vashem

Wer sich die katastrophale Situation vorstellen möchte, der halte sich die Bevölkerungsdichte vor Augen: in Berlin wohnen 3.872 Menschen auf jedem Quadratkilometer, in München sind es 4.531, in Tokio-Stadt 14.723 und im turbulenten Manhattan sage und schreibe 27.475 Personen pro km². Im Warschauer Ghetto betrug die Bevölkerungsdichte 146.580 Menschen pro km².

Wer mehr lernen möchte, der sollte sich die überaus informative Seite der Yad Vashem anschauen.

Mein heutiger Artikel ist ein Brief eines Rechtsanwalts aus Oberglogau in Oberschlesien, polnisch: Głogówek an Herrn Dr. D. Birnbaum in der Straße Nowolipkie No. 21, Seuchenschutzgebiet, Warschau J/W.

 

 

 

 

Das J/W steht für „Jüdischer Wohnbezirk“. Die Straße Nowolipkie wurde eigentlich ohne ‚e‘ geschrieben. Wer hier klickt, kann sich den Plan des Ghettos anschauen. Die Straße befindet sich an der nördlich Seite der (hier dunkelbraun und mit einem A markierten) Firma Schulz und Többens. Nummer 21 befand sich zwischen der gestrichelten, geplanten Straße und dem westlichen Ende der Firma. Wer mehr über Walter Többens erfahren möchte, schaut hier.

Der Text auf dem Stempel des Briefes lautet „Postablagestelle im Jüdischen Wohnbezirk Warschau“.

 

 

 

Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen, vermute aber, daß es sich beim Empfänger dieses Briefes um Dr. David Birnbaum gehandelt hat. Er war Rechtsanwalt, was den Absender, Dr. Krämer, ebenfalls ein Rechtsanwalt, erklären könnte. David Birnbaum wurde in Treblinka ermordet.

Die Geschichte des Warschauer Ghettos könnt ihr in Kurzform hier nachlesen. Einer der wenigen Überlebenden der Räumung des Warschauer Ghettos im Mai 1943, bei dem nahezu alle Einwohner entweder direkt erschossen, in brennenden Häusern umgebracht oder auf einem Gefangenentransport nach Treblinka geschafft wurden, war Marcel Reich-Ranicki.

Jürgen Stroop und Ewald Sternagel waren damals die Befehlenden der Ghetto-Räumung und des Abtransports seiner Einwohner. Während Stroop gefasst, an Polen ausgeliefert und sieben Jahre nach Kriegsende hingerichtet wurde, konnte Sternagel ein ruhiges Leben in der Bundesrepublik führen. Ein 1965 verhängter Haftbefehl wurde nicht vollstreckt, das Verfahren wurde 1972 erneut aufgenommen, es kam jedoch nie zu einer Verurteilung.

Die siegreichen Germanen


Unter der Nazi-Regierung gab es eine Forschungs- und Lehrgemeinschaft, die sich mit der Erforschung der Wurzeln der Deutschen befasste. Die Rede ist von der Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe e.V., der Forschungseinrichtung der SS, 1935 von Heinrich Himmler und einigen seiner Getreuen gegründet.

 

 

Auf den ersten Blick erscheint das Ziel der Einrichtung löblich: Erforschung der Wurzeln der germanischen Rasse. Allerdings diente sie in ihrer Gesamtheit dem Zweck, die NS-Rassenideologie des Arischen Herrenmenschen wissenschaftlich zu untermauern und daraus abgeleitete Verbrechen wie ethnische und kulturelle Verfolgung pseudowissenschaftlich zu legitimieren. (Wikipedia) Zu allem Überfluss wurden zur Beweis- und Präparatsammlung Menschenversuche durchgeführt und Menschen unterschiedlichster Rassen getötet um die Skelette der Skelettsammlung der Reichsuniversität Straßburg zuzuführen.

Die Verantwortlichen wurden in einem der Nürnberger Prozesse, dem Nürnberger Ärzteprozess zur Rechenschaft gezogen.

Eine der Publikationen der Forschungs- und Lehrgemeinschaft „Das Ahnenerbe“ – eine etwas weniger verfängliche – möchte ich euch heute vorstellen. Mein Buch behandelt die Aufzeichnungen des römischen Politikers und Schriftstellers Tacitus (*58 – † um 120 n.Chr.) zu den Bräuchen und der Geschichte der Germanen.

 

In seiner Germania wird erstmals ein umfassendes Bild des Siedlungsgebietes der Germanen geliefert. Darin wird deutlich, daß sich das Volk der Germanen aus einer großen Gruppe unterschiedlicher Stämme zusammensetzte. Am bekanntesten sind hier sicher die Vandalen, Gotonen (Goten), Angeln (die den Engländern/Angelsachsen zu ihrem Namen verholfen haben), Rugier (Namensgeber für die Insel Rügen), Warnen (Warnemünde), Friesen, Cherusker und nicht zuletzt die berühmten Langobarden und Markomannen.

Wie zur Zeit der Veröffentlichung dieses Buches üblich, war auch diesem Werk ein Geleitwort des Ahnenerbe-Vorsitzenden, Reichsführer-SS Heinrich Himmler vorangestellt. „Ein Volk lebt so lange glücklich in Gegenwart und Zukunft, als es sich seiner Vergangenheit und der Größe seiner Ahnen bewusst ist.“ (Noch heute ist ja so manch greiser Volksgenosse von der Größe seiner Ahnen überzeugt und gibt die glorreichen Vergangenheitsgeschichten an den leichtgläubigen Tross weiter.)

 

 

 

 

Eine kurze Erläuterung, wo sich die Handschrift derzeit befindet und wie es dem Autor ermöglicht wurde, Einblick zu bekommen.

 

Wer die wahre Geschichte zum „bereitwilligen Einblick in die Handschrift“ erfahren möchte, der liest hier – vorzugsweise ab der Mitte des zweiten Abschnitts.

Hier gibt es einen Abriss des Inhalts (der erste Abschnitt genügt für einen Überblick):

 

Eine Beschreibung der Schwierigkeiten, die Inkunabeln zu datieren. Da man nur über Abschriften von Abschriften verfügt (wer das Buch oder den Film „Der Name der Rose“ kennt, weiß wie das damals vonstatten ging) können Datierungen in der Regel nur über die Handschrift der Kopisten erfolgen.

 

Das Werk enthält eine sehr umfangreiche Arbeit zum Vergleich (Kollation) der Handschriften. Wer sich mit der Erforschung dieser Handschrift beschäftigt findet hier ein abschließendes Ergebnis. Wenigstens dies war ein positiver Effekt des „Ahnenerbe“.

 

Und zur Germania:

 

Wer noch mehr lernen möchte: Es gibt in den Handschriften zwei Palimpsest-Seiten. Da Pergament, also Tierhaut, zu allen Zeiten ein kostbarer Rohstoff war, wurden alte Pergamentseiten oft durch Abschaben der Schrift gereinigt und für die erneute Verwendung nutzbar gemacht. Auf diese Weise sind unschätzbare Handschriften im Laufe der Zeit wiederbringlich verloren gegangen. Wiederbringlich? Müsste es nicht unwiederbringlich heißen? Nein! Dank der Fluoreszenzfotografie ist es heute möglich, die ehemaligen Schriften, deren Tinte mit dem Pergament eine chemische Reaktion eingegangen ist, auch nach dem Abschaben wieder sichtbar zu machen.

 

 

Wie geht man beim Handschriften-Vergleich vor?

 

Und schließlich die etwas mager ausgefallene Beute (siehe den Absatz nach dem Vorwort-Bild oben) – die Photokopie

Eine Beschreibung für den, der noch nicht genug Details hatte: 

 

Die Titelseite:

 

Eine recht gut lesbare, saubere Handschrift

 

 

 

Die restlichen 75 Seiten plus der oben erwähnten  abgeschabten Seiten erspare ich euch.

Wer sich mit der Geschichte des damaligen germanischen Volkshelden Arminius beschäftigen möchte, der liest hier den Artikel über den Mann, der als Kind eines Cherusker-Stammesfürsten – in damals üblicher Behandlung der Fürstensöhne – als Geisel von den Römern nach Rom gebracht wurde um sich die Loyalität der Stämme zu sichern. Dort durchlief er eine umfassende Ausbildung und wurde nach erfolgreicher Teilnahme an Feldzügen wie dem Pannonienkrieg zum Ritter, dem höchsten Rang eines Nicht-Römers im Römischen Reich und erwarb sich schließlich das römische Bürgerrecht.

Nachdem er bei seinen Feldzügen gegen Germanien mehr und mehr mit der unmenschlichen Behandlung seines Volkes durch die Römer konfrontiert wurde, führte er seine Stammesbrüder im Jahr 9 n.Chr. in die Schlacht gegen den Statthalter Publius Quinctilius Varus. Die Varus-Schlacht ist in unseren Breiten bekannter unter dem Namen Schlacht im Teutoburger Wald. Arminius hörte wahrscheinlich in seiner Heimat auf die germanische Version seines Namens – Hermann. Und genauso heißt auch das ihm zu Ehren aufgestellte Denkmal in der Nähe von Detmold. 1875 wurde der 26,57 Meter hohe Hermann, eine Eisenrohrkonstruktion mit einer Verkleidung aus Kupferplatten auf den knapp 27 Meter hohen Sockel gehievt.

„Hermannsdenkmal statue“ von Daniel Schwen – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC-BY-SA 4.0 über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hermannsdenkmal_statue.jpg#mediaviewer/File:Hermannsdenkmal_statue.jpg

 

Er hat übrigens dieselbe Konstruktionsweise wie die Freiheitsstatue und war bis zu deren Aufstellung 11 Jahre später die höchste Statue der westlichen Welt.

Und auch wenn das Hermanndenkmal sich gegen Frankreich wendet, entsprechende Sprüche nach dem Deutsch-Französischen Krieg eingeschrieben wurden, kann man doch ein ganz klein wenig stolz sein, wie die Germanen dem Römischen Reich wenigstens einmal gezeigt haben, wo die Grenze verläuft.

 

WHW – Winterhilfswerk – 1933 bis 1943


Das Winterhilfswerk des Deutschen Volkes, für gewöhnlich nur Winterhilfswerk genannt, war eine der größten staatlichen Geldbeschaffungsmaßnahmen des Dritten Reiches.

Für Versäumnisse der Politik, nämlich ihren Bürgern ausreichende Nahrung und Unterkunft zur Verfügung zu stellen, wurden Mitbürger herangezogen, diese Missstände durch die Abgabe von Geld- und Sachspenden zu beheben.

Freiwillige Helfer durchkämmten systematisch jede Straße und klingelten an jeder Tür um Spenden einzufordern. Zusätzlich überwiesen Firmen ohne um die Einwilligung der Arbeitnehmer zu bitten einen Prozentsatz des Lohnes an das WHW.

Lest euch mal den Wikipedia-Artikel durch und beachtet zwei Abschnitte weiter unten die Summen, die pro Jahr zusammengesammelt wurden. Waren es 1933/34 noch 359 Millionen Reichsmark, kam man im Kriegswinter 1942/43 auf fast 1,6 Milliarden RM.

Einmal im Monat war der Eintopfsonntag eine propagandistische Aktion, die neben der zu spendenden Ersparnis durch den Verzicht auf ein reichhaltiges Sonntagsessen noch zusätzlich zur Schließung der sogenannten Fettlücke beitragen sollte.

Wer spendete, bekam beispielsweise kleine Anstecknadeln, die an der Kleidung getragen wurden. Sie zeigten einerseits, daß der Träger durch seine Spende Gutes getan hatte, zum anderen konnte man bei nochmaliger Belagerung durch die Spendeneintreiber vorweisen, daß man bereits zur Sammlung beigetragen hatte.

Ich habe ein Minibüchein für euch, gerade einmal 4×3 cm groß:

 

 

Ähnlich den noch heute erscheinenden Spenden-Briefmarken „Weihnachten“ oder den bereits vorgestellten „Für den Sport“-Marken, bestand zusätzlich die Möglichkeit, durch den Kauf von WHW-Postkarten das Projekt zu unterstützen.

Diese Karten kosteten zu den 6 Pfg für Karte und Porto noch weitere 4 Pfg, die an das Winterhilfswerk gingen.

Ulrich v. Hutten – Vorkämpfer für die deutsche Geistesfreiheit; Carl Peters – Pionier der deutschen Kolonialpolitik

v. Bismarck – Eine feige Politik hat noch immer Unglück gebracht; Friedrich der Große – Das Volk, das ich liebe ist der einzige Gott dem ich diene; Martin Luther – Ich suche nicht das Meine, sondern allein des ganzen Deutschlands Glück und Heil; Heinrich I.

Victor Klemperer (den kennt ihr bereits von hier) schrieb 1933 in sein Tagebuch: „Mir ist vom Gehalt eine ‚Freiwillige Winterhilfe’ abgezogen worden; niemand hat mich deswegen vorher gefragt.“

Im Volksmund wurde – nicht allein durch die im Exil agierenden Sozialisten der SoPaDe – der Begriff der organisierten Wegelagerei geprägt: „Die Straßensammlungen haben dank der ungehemmten ‚Einsatzbereitschaft‘ der HJ, BdM, SA und SS vollends den Charakter organisierter Wegelagerei angenommen.“ – „Die ‚Bereitwilligkeit’ dieser Sammlungen ist hinlänglich bekannt. Die ‚spontanen‘ Terroraktionen gegen besonders zurückhaltende Spender sind noch in Erinnerung. Verschiedentlich haben Behörden die Erteilung von Aufträgen von ausreichenden WHW-Spenden der Bewerber abhängig gemacht.“

Entgegen im Volk kursierender Vermutungen, daß die Gelder für die Finanzierung des Krieges genutzt wurden, scheinen die Spenden tatsächlich den bedürftigen Familien zugute gekommen sein. Anders hingegen belief es sich mit den Pelzsammlungen. Hier wurden besonders schöne Stücke abgezweigt. Aber das ist ein anderes Thema.

Gruß aus Waldsee


Heute muss ich meinen Grundsätzen ein kleines bisschen untreu werden, da ich den Artikel, um den es heute geht leider nicht selbst besitze. Es besteht auch kaum eine Chance in den Besitz einer dieser Postkarten zu gelangen. Daher greife ich auf Sekundärliteratur zurück und erzähle euch die Geschichte zu diesem Artikel unter Zuhilfenahme eines Spiegel-Magazins vom 29. April 1964 in dem ich kürzlich ein wenig herum gelesen habe. (DER SPIEGEL war damals noch für 1 DM zu haben)

 

 

Die Grundsätze der Spiegel-Reporter -Redakteure kann in der Hausmitteilung nachlesen, wer mag:

 

Aber der eigentliche Artikel, um den es mir geht, beginnt erst auf Seite 38 dieser mit Werbung – allen voran Zigarettenmarken ohne Ende – überladenen Zeitschrift.

Im Sommer 1944 schickten 30.000 Ungarn jüdischer Abstammung Postkarten an ihre Verwandten und Bekannten. Darauf wurden Herzliche Grüße aus dem kleinen Ort Waldsee in Thüringen übermittelt. Zusätzlich wurden Neuigkeiten mitgeteilt wie „Bin wohlbehalten angekommen, arbeite im Fach.“, „Mir geht es gut. Ich arbeite.“ oder „Uns geht es gut. Kommt nach!“

Alle Karten hatten eine Gemeinsamkeit: Nie umfassten die Grüße mehr als 30 Worte.

Und alle Karten hatten noch etwas gemeinsam: Es gibt keinen Ort namens Waldsee in Thüringen. Denn alle Karten kamen aus dem Konzentrationslager Auschwitz.

Die besonders perfide Idee des SS-Führers Hermann Alois Krumey: Die Ungarn mussten unmittelbar vor ihrer Vergasung Karten schreiben, die den noch in Ungarn verbliebenen Juden Mut machen sollte, sich ebenfalls auf die Reise ins ferne Thüringen zu begeben um dort ein neues Leben zu beginnen. Auch sollte etwaigen Gerüchten über eine Ermordung von Juden entgegengetreten werden.

Trotz aller Bemühungen gelang es einigen Deportierten die Sache auffliegen zu lassen. Sie hatten hebräische Schriftzeichen auf die Karten gezeichnet, die für die SS-Bewacher aussahen wie Schnörkel.

Der Artikel ist hier nachzulesen. Ich hoffe nach knapp 51 Jahren ist das Copyright ausgelaufen und ich habe hier mit dem Verweis auf „DER SPIEGEL“ 18/1964 vom 29. April 1964 der Quellenangabe genüge getan.

 

Ja, so war das im Sommer 1944.

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