Der Augenarzt nach der Untersuchung: „Wie haben sie eigentlich hierher gefunden?“ – Schielende Kinder


Diesmal gibt es ein kurioses Hilfsmittel, von dessen Existenz bestimmt die Wenigsten von euch wussten.

Stereoskopische Bilder für schielende Kinder – als ich die auf dem Flohmarkt sah, musste ich sie einfach mitnehmen, um mehr darüber zu erfahren.

Was steckt in der Papphülle?

Eine in Leinen gebundene Mappe mit dem Verweis auf 45 Doppel-Tafeln und eine Anleitung.

Die Spannung steigt:

Die Anleitung

Und nun – jede Menge Karten mit Bildern. Aber wie funktionieren sie? Ganz einfach: jeweils zwei Karten sind in der oberen Ecke mit der gleichen Zahl numeriert. Es gibt zu jeder Zahl eine zusätzliche a-Karte.

Die Einleitung informiert den Augenarzt oder Optiker über das Ziel der kleinen Mappe:

Um den Grad des Schielens zu bestimmen, wurde wie folgt vorgegangen. Lest den Text zu „Bild 1“ und „Bild 2“:

Hier habe ich einen Versuchsaufbau aufgestellt. Dazu habe ich eine stereoskopische Brille aus einem meiner Raumbild-Bücher benutzt.

Am linken unteren Rand des Birnenbildes könnt ihr eine Mess-Skala erkennen. Schaut man durch die Brille und nimmt die Biene als Fixpunkt, kann man das Birnenbild hin- und herschieben, bis die Biene – wie oben beschrieben – genau auf der Birne sitzt. Nun kann an der Skala unten – was auch immer – abgelesen werden.

Leider lässt sich hier im 2D-Modus dieser Webseite kein 3D-Effekt erzeugen. Aber bestimmt kann sich jeder die Funktionsweise vorstellen.

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Durch Arbeit ist noch niemand reich geworden – Aktien


Moopenheimers Museum startet eine Themenwoche. Was arte kann, kann ich schon lange.

In dieser Woche gibt es jeden Tag eine Aktie, die ich aus den Tiefen meiner Kisten und Kästen hervorgekramt habe und euch vorstellen möchte. Natürlich werden es nicht einfach nur schnöde Aktien a la Telekom oder Beate Uhse sein.

Ich beginne mit einer Teilschuldverschreibung über 1000 Reichsmark, ausgestellt in Stuttgart im März 1942. Die Firma dürfte weltweit zu den bekanntesten zählen: die Daimler-Benz Aktiengesellschaft.

Bekannt wurde sie beim gemeinen Mann sicher durch die qualitativ hochwertigen Autos. Personenkraftwagen der C-, E- und S-Klasse ebenso wie die Marken Maybach, Chrysler, Jeep, Dodge und smart oder die LKW der Marken Unimog, Freightliner oder Setra. Aber auch die  „Deutsche Aerospace AG“ (Dasa) – hervorgegangen aus der Dornier GmbH – gehört zum Konzern.

Wer sich für das Kleingedruckte interessiert

die Geschäftsbedingungen

Wie sah es um die Daimler-Benz AG aber zur Zeit der Ausgabe der Aktie aus?

Wikipedia klärt uns auf: Daimler-Benz entwickelte und produzierte Militärfahrzeuge, Panzer, Schiffs- und Flugmotoren. Der Konzern besaß damals die drei Werke der früheren Daimler-Motoren-Gesellschaft in Stuttgart-Untertürkheim, Sindelfingen und Berlin-Marienfelde, das in drei Teilwerke gegliedert war, und die ehemaligen Werke von Benz & Cie in Mannheim und Gaggenau sowie ab 1938 das neue Werk Königsberg. Das Flugmotorenwerk Genshagen der Tochterfirma Daimler-Benz Motoren GmbH entstand 1936; die Flugmotorenwerke Ostmark wurden 1941 von den Junkers Flugzeug- und Motorenwerken übernommen. Um die Flugmotorenwerke mit Teilen zu versorgen, wurden 1940 in Colmar, 1941 in Reichshof und 1942 in Neupaka Zulieferwerke übernommen oder gegründet. In Backnang entstand ein Entwicklungswerk für Flugzeugtriebwerke. Die neuen Werke in Genshagen und Backnang gehörten Daimler-Benz. Bei den übrigen Werken außerhalb Deutschlands trat der Konzern als Pächter oder Minderheitsgesellschafter auf.

Während der Konzern 1928 14.281 Mitarbeiter beschäftigte, die Zahl Ende 1932 auf nur noch 9148 Mitarbeiter sank, wuchs die Belegschaft bis 1944 auf 74.198 Personen. Das klingt soweit ganz prima, wenn da nicht zirka 6,6 % von ihnen Kriegsgefangene und 37 % angeworbene oder zwangsverschleppte Ausländer gewesen wären. 37% sind übrigens 27.453 Menschen. Während 1941 nur 150 für Daimler-Benz arbeiteten waren es 1944 unglaubliche 5648 KZ-Häftlinge.

Der Konzernumsatz wuchs von 65 Millionen Reichsmark im Jahr 1932 auf 942 Millionen Reichsmark im Jahr 1943. Über ein Drittel des Umsatzes wurde 1943 mit Flugmotoren erwirtschaftet. 1941 machten 76 % des Umsatzes der Aktiengesellschaft Wehrmachtaufträge aus.

Wie wir heute sehen, hat sich Daimler-Benz, so wie nahezu jede Firma, die ihr Geld durch die Ausrüstung des Krieges verdient, gut gehalten. Rückschläge durch verlorene Kriege treffen diese Firmen nur bedingt. Der nächste Konflikt kommt garantiert, notfalls müssen die Lobbyisten beim politischen Entscheider ein gutes Wort einlegen. Der Wille des Volkes ist nebensächlich.

Gedruckt wurde dieses Wertpapier übrigens bei Giesecke & Devrient, seinerzeit noch ansässig in Leipzig und Berlin, heute mit Hauptsitz in München eine der großen Wertpapier- und Gelddruckereien. Wer mit aufmerksamer Beobachtungsgabe durch die Welt geht, hat das Logo bestimmt schon einmal gesehen:

Als meine Oma noch Unser Kind war


Meine Omi war nicht immer alt. Je älter die Fotos von ihr sind, desto jünger ist sie darauf. Kurios! Begonnen hat es mit ihr, ähnlich wie bei vielen meiner Leser, mit der Geburt. Und damals wie heute hatten die Eltern nichts besseres zu tun, als sich ein Buch zu kaufen, in dem sie das erste Lebensjahr des neuen Erdenbürgers auf’s genaueste dokumentieren. … wollten.

Bessere Ausgabe – in der Euphorie des Zum-ersten-Mal-Vater-werdens wahrscheinlich von ebendiesem die überteuerte Ausgabe erworben

Denn damals wie heute hat man nach der Geburt festgestellt, daß man eigentlich viel wichtigere Dinge zu tun hat, als ein Buch vollzuschreiben. Darum wurde auch nie eine „Photographie des Kindes“ in den ausgesparten Raum eingefügt.

sehr schönes Jugendstil-Ornament

„Unser Kind“ hieß – ihr werdet erraten haben, daß sie nicht immer „Omi“ hieß – Elfriede.   Und so sah sie aus:

auf diesem Foto ist sie schon fast ein Jahr alt

Wer sich nun wundert: „die Eltern kennst du doch“. Genau, die beiden Eltern haben sich hier verlobt.   Die ersten Lebensdaten Geboren am 3. Oktober 1910 um 23 Uhr und mit 3000 Gramm und 50 Zentimeter eher mickrig. Aber schon nach vier Monaten hatte sie ihr Lebendgewicht verdoppelt und mit einem Jahr war sie schon bei ca. 9kg.   Der Vorläufer des Selfie – Ende April 1911, ein gutes halbes Jahr alt.     Highlights aus dem Leben einer Oma:

Titelzeile: Das Lied, das an der Wiege klingt, klingt durch das ganze Leben.

  • Das erste Lächeln: 4. November 1910
  • Die erste Ausfahrt: 19. Oktober 1910
  • Aus dem Tragebettchen (Steckkissen) – Wikipedia sagt: Noch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde in Deutschland das Steckkissen verwendet, eine Art wattierter Leinenschlafsack. Das Baby wurde „hineingesteckt“, der Körper einschließlich der Arme fest gewickelt. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden dabei schließlich die Arme frei gelassen.
  • Das erste Kleidchen und die ersten Schuhe: Anfang Juni & 5. September 1910
  • Unser Kindchen kann allein sitzen: 10. April 1911

Respekt, liebe Omi!   Es gibt noch dieses herzallerliebste Foto:

4. Oktober – 17 Stunden alt, die erste selbst gekratzte Schramme!

Titelzeile: Mögen Dich Musen geleiten und flechten Dir Kränze ins Haar.

Hurra, unser Kindchen ist heute sechs Monate alt!

Das erste abgeschnittene Haar ist leider abhanden gekommen oder war nie da. Dafür gibt es die Eintragung: Die erste Reise: Am 14. Juli 1911 nach Oldenburg (denn da kam die mütterliche Linie her).

Titelzeile: Zur Wiege – nicht zum Grabe, wo alles schon erreicht – gehört des Wunsches Gabe: Die Erde sei Dir leicht! (Das hat ja nicht so richtig hingehauen: erstes Kind gleich gestorben, zweiter Sohn mit 20 gefolgt, Vater der drei kleinen Kinder im Krieg geblieben, ausgebombt – aber davon war hier – 26 Jahre zuvor natürlich noch nicht die Rede)

  • Das erste Zähnchen (und seine Genossen): 25. April, 20. Juni, 6. Juli, 2. August, 28. September (die genauen Positionen hat sich meine Uroma auf dem beiliegenden Kassenzettel der Posamenten-, Spitzen-, seidene Stoffe- und Strumpfwaren-Handlung Hans Koch im Erfurter Hirschgarten notiert, nachdem sie am 11. Juli 1911 0,8m Band gekauft hatte)
  • Wechsel in der Ernährung: Anfang Januar 1911
  • 1. Kindeslallen: Mitte Januar
  • Kriech- und Stehversuche: 29. August
  • Der erste Schritt im Gängelbande: 6. Oktober

Der erste Geburtstag war ein großer Erfolg. Unter dem Motto: „Nun laßt uns froh den schönen Tag begehen, der uns den teuren Liebling gab!“ kamen

  • Frau Liebe,
  • Frau Geyer,
  • Frau Henning,
  • Fräulein Kieser,
  • Else, Lotte und Margaete Henning und
  • Sigrid Geyer

Und da ist sie nochmal – die kleine Elfriede (Stand: 20. September 1911):     Zum Buch erhielt man noch die Broschüre „Die Pflege des Säuglings. Der Mutter gewidmet“ (Bearbeitet von einem Kinderarzt)

Preis 70 Pfg

Kaiser’s Kindermehl

Vollkommen leichtverdauliches und lösliches Nährmittel für gesunde, kranke und schwächliche Kinder.

Bestgeeignetes Ersatzmittel der Muttermilch.

1/4 Ko. Dose 65 Pfg. – 1/2 Ko. Dose Mk 1.25

Kaiser’s Kindermehl

bewährt sich, wie durch viele Ärzte nachgewiesen ist, ganz hervorragend zur Beseitigung von Darmkatarrh, Erbrechen und Diarrhoe der Kinder.

Kaiser’s Kindermehl

gibt Kraft und Knochen.

und wird ein Versuch jeder Mutter stets lohnend bleiben.

Käuflich in den meisten Apotheken, Drogerien und besseren Kolonialwarenhandlungen, wo nicht zu haben wende man sich direkt an die Fabrik medizin-diät. Präparate,

Fr. Kaiser, Waiblingen-Stuttgart.

Fabriken in: Bregenz, Oesterreich und St. Margarethen, Schweiz

Zu guter letzt noch die in der Rückenklappe eingesteckte „Gewichtscurve für Säuglinge“, allerdings unbeschrieben. Aber das Gewicht haben wir ja schon weiter oben gesehen.

Bei genauer Betrachtung haben sich meine Urgroßeltern doch redliche Mühe gegeben, das Büchlein mit Informationen zu füllen. Daß ihre Notizen einmal nach über 100 Jahren im Internet veröffentlicht werden würden, haben sie sich damals wohl nicht träumen lassen. Selbst die Jüngste der hier abgebildeten ist 1996 gestorben. Aber mit diesem Artikel habe ich sie unsterblich gemacht – meine Omi.

Uniformen – Sammelbilder


Ich bin kein Freund des Militärs, bin ungedient und so sieht auch mein Schrank aus. Aber ich bin ein Freund von Sammelbildern und stelle euch deshalb heute ein Sammelalbum für Zigarettenbilder aus dem Jahr 1932 vor.

Die Bilder wurden von der Zigarettenfabrik Waldorf-Astoria herausgegeben. Diese Firma beruft sich auf den in Walldorf geborenen Johann Jakob Astor, der wiederum ein Vorfahr des berühmten Hotel-Namensgebers William Waldorf Astor ist. Ansonsten hat Herr Astor nicht viel mit der Zigarettenfirma zu tun gehabt.

 

 

 

Ein interessanter Punkt ist übrigens, daß der Gründer der Zigarettenfabrik Waldorf-Astoria, ein gewisser Emil Molt gemeinsam mit Rudolf Steiner im September 1919 in Stuttgart die erste Waldorfschule gegründet hat. Somit basiert die Grundmauer dieses Schulsystems auf dem Gewinn aus Zigarettenhandel.

Aber zurück zu den Sammelbildern – Uniformen der Alten Armee

 

 

Das Vorwort verherrlicht „unsere stolze Armee in ihren schmucken Uniformen“. Im Jahr 1932 lag der Weltkrieg bereits 14 Jahre zurück, Militär war wieder etwas tolles und wenige Jahre später zog die Jugend mit ihrer voranflatternden Fahne durch die Straßen. Die dazugehörigen Lieder habe ich euch hier bereits vorgestellt. Das Ergebnis ist bekannt.

 

 

 

Ich finde es beeindruckend, wie umfangreich das Uniformen-Repertoire einer einzelnen Armee sein kann. Schaut euch bitte einmal die folgenden Seiten an.

 

 

 

 

 

 

 

hier habe ich die Korps Nr. 8 bis 19 übersprungen. Es geht bis zum 21. Armeekorps / Saarbrücken.

 

 

 

Und jeder dieser Korps (man spricht das übrigens Chor aus – obwohl sich die Herren eher mit Kanonen als mit Kanons den Garaus gemacht haben) hatte eigene Fahnen und eigene Uniformen.

 

 

Ich frage mich, ob tatsächlich jeder Soldat alle Uniformen kennen und unterscheiden können musste. Ansonsten hätte man ja schnell mal einen der eigenen Soldaten abgemurkst. Und das wurde nicht gern gesehen.

In diesem (übrigens vollständigen) Album ist zu jedem Korps jeder Dienstrang mit einem eigenen Bildchen aufgeführt. Die Bilder passen weitgehend zu den vorn angeführten Gliederungen.

 

 

 

 

 

Ja, damals war Krieg noch ein Ereignis zu dem man singend auszog und von den Frauen und Mädchen Blumen in den Gewehrlauf gesteckt bekommen hat. Die Freude war meist verflogen, wenn man zum ersten Mal im Matsch der Schützengräben lag oder Senfgas in der Nase hatte.

Gelernt haben wir nichts. Auf Wekah Eins folgte Wekah Zwo. Nur fünf Jahre nach Kriegsende gab es schon wieder eine neue Bundeswehr mit alten Köpfen an der Spitze. Aber solange der Krieg ein einträgliches Geschäft für die Ausrüster ist, wird es wohl immer weitergehen. Da sammle ich lieber meine Bildchen.

 

 

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