Zu meinem allergrößten Bedauern – eine Bewerbungsabsage – 1874


Wer eine neue Arbeitsstelle sucht, der muß sich üblicherweise darum bewerben. So tat es auch, wie gestern schon angedeutet, Herr Köhnemann aus Tangersdorf.

Bedauerlicherweise erhielt er die folgende Absage, aus demselben Grund, der ihm im gestern vorgestellten Brief bereits angekündigt wurde.

von Damm Bewerbung

Potsdam, 14.2.(18)74

Die Försterstelle Altenhof entgeht zu meinem großen Bedauern den disseitigen älteren Beamten, die in Folge allerhöchster Order solche dem Förster Muhme – jetzt in Hanover – mit Rücksicht darauf übertragen werden soll, daß die Stelle seit langer(?) über 200 Jahre in dieser Familie gewesen ist!

 

 

von Damm Bewerbung

 

Ich bedauere daher, daß auf Ihre Wünsche in diesem Falle nicht gerücksichtigt (!) werden kann, hoffentlich wird sich dies demnächst verwirklichen lassen.

Massow

Damit dürfte der Tag für Herrn Köhnemann gelaufen gewesen sein.

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Versetzungsgesuch – 1871


 

 

Herr Köhnemann, ein Förster aus Tangersdorf bei Lychen in der brandenburger Uckermark, wollte so gern einen neuen Arbeitsplatz haben. Als preußischer Beamter war er jedoch verpflichtet, nicht nur Vorsorge für seine zukünftige Ehefrau zu treffen, sondern auch bei der Königlichen Regierung sein Ansinnen kund zu tun und eine Genehmigung zur Stellensuche einzuholen.

Die Antwort lautete wie folgt:

Versetzungsgesuch Förster Köhnemann 1871Potsdam, den 17. Mai 1871

Auf die Eingabe vom 10. des Monats gereicht zum Bescheid, daß auf eine Versetzung auf eine bessere Stelle zu seiner Zeit mit Rücksicht auf etwaige Ansprüche älterer Beamten möglichst Rücksicht genommen werden wird.

Königliche Regierung

Mennig (?)      Massow

An den Herrn Förster Köhnemann zu Tangersdorf

Was dabei herausgekommen ist, erfahrt ihr morgen.

die Witwe einkaufen – ein Heiraths-Consens von 1869


Wer glaubt, Frauen waren früher durchweg rechtlos und dem Wohlwollen des Ehemannes ausgeliefert, der irrt. Zumindest als Beamter in Preussen unterlag man einer gewissen Verpflichtung, seine Angebetete auch noch nach dem eigenen Ableben zu versorgen.

Wie wurde das sichergestellt? Ganz einfach: Der Beamte hatte seinen Wunsch zur Heirat beim zuständigen Königlichen Regierungs-Präsidium anzumelden, das wiederum nach reiflicher Prüfung den folgenden Heiraths-Consens (Übereinkunft) erstellte und dem Bräutigam die Höhe der zu entrichtenden Vorsorge mitteilte.

von Damm Köhnemann Heiraths-Consens 1869

Dem Förster Köhnemann zu Forsthaus Tangersdorf wird hiermit der nachgesuchte Consens zu seiner Verheirathung mit Auguste Bartholdt, Tochter des Instrumenten=Fabrikanten Bartholdt zu Neu Strelitz ertheilt. Derselbe ist in Gemäßheit der Allerhöchsten Cabinets-Ordre vom 17ten Juli 1816 verpflichtet, seine künftige Ehegattin mit einer jährlichen Wittwen-Pension von mindestens Fünf und Siebenzig Thalern bei der allgemeinen Wittwen-Verpflegungs-Anstalt einzukaufen.

Potsdam den 28ten September 1869

Königliches Regierungs-Präsidium.

Nicht schlecht, oder? Da lacht die Witwe doch, nachdem der Gatte von seinem Recht auf Ableben gebraucht hat. Mir ist der Herr Förster nicht persönlich bekannt, aber es soll ja zuweilen Ehefrauen gegeben haben, die ihren Gatten erst als Witwe richtig zu lieben begonnen haben.

Fleißigen Lesern meines Blogs wird der Name Köhnemann hier schon einmal begegnet sein.

Nachtheiliges hier nicht zur Kenntniß gelangt – Polizeiliches Führungszeugnis – 1895


 

Was braucht man, um sich in einer fremden Stadt als Hausmädchen zu verdingen? Richtig, ein Polizeiliches Führungszeugnis! Auch für das Fräulein Hedwig Höhnemann wurde da keine Ausnahme gemacht, als sie im zarten Alter von beinahe 27 Jahren ihre bisherige Anstellung in Eberswalde verließ und auf der Suche nach dem großen Glück in die Welt zog. Heute heißt das Ding nur noch Führungszeugnis und enthält eventuelle Einträge ins Strafregister.Polizeiliches Führungszeugnis 1895

 

Wer es oben nicht lesen kann:

Dem Fräulein Hedwig Höhnemann

geboren am 2. Dezember 1868 zu Tangersdorf Kreis Templin wird auf Grund amtlicher Ermittelungen bescheinigt, daß über die Führung derselben während ihres Aufenthalts hierselbst von 1. Juli 1892 bis jetzt Nachtheiliges nicht zur Kenntniß gelangt ist.

Eberswalde, den 22. November 1895

Die Polizei-Verwaltung.

Führungs-Attest

Handschriftlich hinzugefügt wurde noch:

Vom 1ten April 1874 bis 1. Juli 1892  während meines Aufenthaltes in Bornemannspfuhl.

Sollte sie vom 7. bis zum 24. Lebensjahr tatsächlich schon als Hausmädchen gearbeitet haben? Man weiß es nicht mehr.

Mehr von Familie Höhnemann kommt später hier.

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