Wandertagebuch – Juli/August 1921


In der kleinen Reihe handgeschriebener Bücher stelle ich euch heute ein Reisetagebuch vor, das die – meinen treuen Besuchern bereits bekannte – Tante Toni während ihrer Wanderung durch Tirol führte.

Den Buchdeckel ziert ein geprägtes Bild. Ich interpretiere es als das Wappen von Tirol: Adler und Eichenlaub. Der Adler hält noch ein kleines Wappen mit Eichblatt und Eichel. Auf dem Wappen sitzt ein Soldatenhut.


 

Wanderung von Kufstein bis Innsbruck vom 21. Juli bis 4. August 1921

Wenn Einer eine Reise tut, dann soll er was erzählen, so wünscht’s die Alpine Vereinigung und es ist auch moralische Pflicht der Glücklichen, die sich Gottes schöne Welt ansehen konnten, Andere ebenfalls an dem Genuß der Schönheiten, an denen sie selbst sich begeistert haben, teilhaben zu lassen.

Ob man freilich etwas erzählen kann, das erzählenswert ist und das Interesse der Zuhörer wach erfüllt, das ist eine andere Sache. Wenn man aber den Ausspruch beherzigt: Laß nur auf dich was rechten Eindruck machen, so wirst du schon den rechten Ausdruck finden, dann wird die Sache schon gehen. Geht man nicht mit ganz abgestumpften Sinnesorganen seines Weges, dann nimmt man ja bei jedem Schritt neue Eindrücke in sich auf, die nicht so schnell wieder verblassen

 

und daheim mit Hilfe des Erinnerungsvermögens sowie der mitgebrachten Ansichtskarten noch einmal recht lebendig werden und mit diesen beiden Hilfsmitteln ich nun versuchen, einen Bericht von unserer diesjährigen Sommerreise, die von Anfang bis zum Ende von dem herrlichsten Hochsommerwetter begünstigt war und über alles Erwarten wunschgemäß verlief, zu geben.

Wenig angenehme Erfahrungen, die auf unseren Reisen in die oberbayerischen Alpen 1918 und 1920 den freudigen Genuß am Wandern stark beeinträchtigt hatten, ließen uns diesmal vorsichtiger sein. Zunächst versuchten wir es mit der Benutzung des Nachtschnellzuges Berlin-München von Jena aus, da wir diesen in Saalfeld stets überfüllt angetroffen und niemals das Glück hatten, einen Sitzplatz zu erwischen und richtig, wir brauchten nicht lange zu suchen sondern fanden bald ein Abteil mit noch 2 Sitzplätzen und im übrigen sehr angenehmen Reisegenossen – in diesem

Falle Schlafkameradinnen, denn jeder versuchte es wenigstens mit der Möglichkeit zu schlafen. In Augsburg stiegen die meisten der Damen um und wir entfalteten nun eine lebhafte Tätigkeit, da diese mit den üblichen unzähligen Handgepäckstücken durch die engen, verrsperrten Gänge nicht zum Ausgang gelangen konnten, indem wir den Damen über ein Dutzend Handkoffer und Taschen, Hutschachteln, Plaidhüllen u.s.w. zum Fenster hinaus bugsirten, hübsch in der Reihenfolge wie sie ausgestiegen waren.

Der Apparat funktionierte tadellos, wie von den Empfängerinnen dankerfüllten Herzens anerkannt wurde. In München trafen wir 9.30 mit ein 1/2stündiger Verspätung ein, diesmal bei herrlichsten Sonnenschein, was wir hier selten erlebt hatten.

Unser erster Gang war nach dem oesterreichischen Consulat, um unsere Pässe visiren zu lassen. Das war eine recht umständliche zeitraubende Sache. Ein Andrang

wie in den schlimmsten Tagen der Hungerjahre bei der Kohlrüben- oder Kartoffelausgabe, nur der Gesichtsausdruck der sich Drängenden war ein anderer.

Die Reisebeschreibung fährt nun mit dem Besuch des Consulats fort. Die Pässe werden abgegeben, und bis 1 Uhr musste gewartet werden, ehe sie wieder ausgehändigt wurden. Tante Toni und ihre Reisegefährtin verbrachten die Zeit bei einem deftigen Mittagessen im Restaurant August(in)er.

Mit den Pässen zurück zum Bahnhof und ab nach Kufstein. Tante Toni schreibt über die herrliche Aussicht vom Zug aus auf den Pendling, einen Berg, der bis vor kurzem noch unbezwinglich war, den nun aber das Kufsteiner Haus krönt. (hier ist die Webseite dazu: pendlinghaus.at)

Bei einbrechender Dunkelheit kamen wir in Kufstein an, passirten ohne Zwischenfall die Zollrevision, mit gutem Gewissen konnten wir die Frage des Beamten beantworten, ob wir mehr als 3000 DM Gold bei uns führten; in Bezug auf Cigarren war das Gewissen nicht ganz so rein, in meiner Jacke eingeschnallt steckte ein Kistchen des kostbaren Krautes in etwas mehr als erlaubter Menge; Ich schmuggelte sie aber glücklich über die Grenze; die Beamten verlangten von uns Touristen keine hochnotpeinliche Untersuchung.

Interessant ist, wie unvorbereitet man damals an einem Urlaubsort erscheinen und um Unterkunft ersuchen konnte:

Nach einigen vergeblichen Fragen nach Nachtquartier bot uns der Hausdiener von den „Drei Königen“ solches an und wir bekamen ein nettes Zimmer. Als uns dann im Gastzimmer die erste Speisekarte vor Augen kam wurden diese groß und immer größer angesichts der Preise für die verschiedenen Speisen und Getränke und wir sagten uns in banger Ahnung, daß der beim Geldwechsel in München uns überschüttende und unversieglich erscheinende Kronensegen bei diesen Preisen bald erschöpft sein würde: 1 Glas Bier 11 Kr., 1 Suppe 15 Kr., 1 Goulasch 80 Kr., 1 Port. Kartoffeln 15 Kr., 1/4l Wein 45 Kr. Wir mußten uns erst an diese hochklingenden Preise gewöhnen und sie in deutsche Mark übersetzen um dahinter zu kommen, daß sie so gar niedrig waren.

nebenbei: Der Umrechnungskurs betrug im Juli 1921  100 Kronen = 12 Mark, die Portion Goulasch kostete also M 9,60, das Viertel Wein M 5,40. Nur unwesentlich später, also ab Oktober 1921 setzte die Inflation ein. (Link) Der Wert der Mark verlor im Vergleich Goldmark-Papiermark vom Januar 1921 (Wert:1GM=30PM), über Oktober 1921 (100), Januar 1922 (200), Oktober 1922 (1000), Januar 1923 (10.000) usw. Tante Toni hatte also das Glück, ihr Geld bei dieser Reise noch gut ausgeben zu können.

Zwei Tage hielten wir uns in Kufstein auf; am 1 Tag, Donnerstag d. 21. Juli unternahmen wir die erste kleine Übungstour nach dem Brentenjoch 1262m. (Link hier) wir machten im Alpengasthof Vorderdux Kaffeerast und gingen dann weiter über Hinterdux bis zur Höhe des Brentenjoch, wo wir die ersten Alpenrosen pflückten und uns mitten in den süß duftenden Wiesenblumen liegend einige Stunden von der Höhensonne bestrahlen ließen, was wir hier vollständig kostenlos haben konnten.

Zurück ins Tal, gut zu Abend gegessen und den Ausflug für morgen geplant – Besteigung des Pendling. Tante Toni beschreibt ihre Wanderungen, ihre Eindrücke, die Aussicht, das Panorama und nicht zuletzt die Unterkünfte auf ihrer Reise. Mal starten Sie aus ihrer Unterkunft zu Tagestouren auf umliegenden Berge und kehren abends wieder zurück. Ein andermal wandern sie mitsamt ihrem Gepäck auf einen Berg und übernachten in einer Hütte. Lest hier:

Wir vergaßen alle Mühsal, als wir das Haus erreicht hatten und erst mal eine kurze Umschau hielten, ehe wir uns die sehr nötige Stärkung und Ruhe gönnten. Unsere erste Frage galt der Unterkunft, denn Sonnabend und Sonntag herrscht Hochbetrieb im Stripsenjoch-Haus, da wallfahrten die Kletterer und solche die es werden wollen aus der näheren und weiteren Umgebung nach dieser Höhe, um von da aus Klettertouren nach dem Totenkirchl (Link hier) zu unternehmen. Für uns ein sehr interessanter Fall, wenn so auch die Schuld trug, daß wir uns mit einem sehr primitiven Matratzenlager begnügen mußten. Nachdem wir uns dieses gesichert hatten, nahmen wir den Nachmittagskaffee in der Glasveranda rein, von der aus man einen herrlichen Ausblick nach dem Totenkirchl, Priestertuhl und hinab zur Griesener Alm genießt.

Eine junge Dame hörten wir erzählen, dass ihre Schwester mit einer zweiten Dame unter Führung eines Herren ihre erste Kletterpartie machten, sie gaben sich Zeichen hinüber und herüber, mit einem Male wurde die Befürchtung laut, daß die drei sich verstiegen haben müßten. Dasselbe Schicksal hatten auch 2 Herren, die wir von einem ganz nahe beim Totenkirchl ragenden Felsgipfel beobachtet hatten, andere junge Leute denen die richtigen Wege bekannt waren, riefen Ihnen zu, wie Sie aus dem so genannten „rosigen Kamin“, von dem aus sie keinen Abstieg finden konnten, in den Führerkamin gelangen konnten. Wir folgten dann ihrem Rückzug ganz gut mit Hilfe des Fernglases und sahen sie unversehrt nach längerer Zeit zurückkommen.

Drei aber fanden an dem Abend den Rückweg nicht mehr; ein einsames Lichtlein hoch oben in einer Felsspalte kündete, daß sie dort Nachtquartier wohl in nicht gerade beneidenswerter Lage bezogen hatten.

Noch spät am Abend, als wir schon längst unser Lager aufgesucht hatten, hörten wir das Jodeln der Wirtin und die antwortenden Stimmen vom Totenkirchl, was mich mit Gruseln erfüllte und mir mein sehr wenig einladendes Matratzenlager als eine herrliche Einrichtung erscheinen ließ.

 

Das Reisetagebuch umfasst 39 Seiten mit Berichten, wie diesen. Am besten gefallen mir die Hintergrundinformationen. Preise, die zeigen, was seinerzeit wofür bezahlt werden musste und Gepflogenheiten bei Urlaubsreisen. Wer kann sich heute noch vorstellen, mit dem Zug an sein Urlaubsziel zu reisen, ohne sich vorher Gedanken über die Unterkunft gemacht zu haben? Oder welche Dame wird heute mit einem Herrn eine Felswand besteigen, ohne ausreichend ortskundige Führer dabei zu haben, um nicht in einer Felsspalte übernachten zu müssen. Heute würde wahrscheinlich der Rettungshubschrauber zum Einsatz kommen.

Die so mühsam erkämpfte Höhe wollten wir nicht nach kurzer Zeit schon verlassen und benutzten die Rast zu einer Stärkung. Unser Wandergenosse spendirte mir Chocolade zur Belohnung für die beim Aufstieg bewiesene Tapferkeit. In ebensolchen Geröll wie bergauf ging’s auf der anderen Seite wieder bergab aber weniger steil bis zur Epp-Lisl-Alm, wo wir mit prachtvoller Buttermilch gelabt wurden. Dann ging’s immer noch weiter zu Tal am wild rauschenden Gebirgsbach entlang, bis das Tal sich weitet und das freundliche Scharnitz uns Wanderer aufnahm. Beim Neuwirt fanden wir gute und preiswerte Unterkunft, vorzügliches Abendbrot. Schweinebraten 90 Kr., Rindfleisch 50 Kr., Salat 10 Kr., dazu 1/2 Special 70 Kr., alles ausgezeichnet und zu empfehlen. Da leider die schönen Urlaubstage zu Ende gingen, konnten wir diesen sehr gemütlichen Aufenthaltsort nicht länger genießen und fuhren schon am nächsten Morgen, Donnerstag d. 4. Aug. über Garmisch und München ohne weiteren Aufenthalt der Heimat zu, beglückt und zufrieden und reich an schönen Erinnerungen, an denen wir in späteren Jahren, wenn die Kräfte zum Wandern nicht mehr reichen, zehren wollen. Vorläufig aber hoffen wir noch: Auf Wiedersehen du herrliche Bergwelt!

 

Weiter gewandert wurde zumindest in diesem Tagebuch nicht mehr. Ab der nächsten Seite wurde es stattdessen als Haus-Konto Buch für die Jahre 1944-1948 benutzt. In den letzten Kriegsjahren und in den Folgejahren wurden im Haus ausgebombte Familien einquartiert.

Mieteinnahmen links, Rattenbekämpfung und Müllabfuhr rechts.

  1. April – der Russe bekommt für 5 Stunden Gartenarbeit 2 Reichsmark.

 

 

  1. & 2. Dezember – Licht und Heizung im Luftschutzraum (jeder -,70) u. Müllabfuhr (jeder 1,30)

  2. Februar 1945 – Kellerlicht und Heizung für Laufer und Sending (2,50)

 

Und über das Kriegsende hinweg geht es weiter, als wäre nichts geschehen:

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Mit Gott – Geschäftsbuch eines Goldschmieds – 1905 bis 1931


Vor zehn Wochen habe ich euch versprochen, zum Tagebuch des Goldschmieds Adolph Tresselt auch das zweite seiner Geschäftsbücher nachzureichen. Das passiert heute.

Der Grund, warum ich so lange damit gezögert habe ist der wesentlich größere Umfang, sowohl zeitlich als auch inhaltlich.

 

Damals üblich, heute vermutlich höchstens noch in Bayern möglich, wurde das Buch mit einer schönen Vignette und dem Aufruf „Mit Gott!“ eingeleitet.

 

 

Das Format der Einträge ist recht einfach nachzuvollziehen. Zu Beginn gibt es einige Seiten, die jeweils einem Geschäftspartner gewidmet sind. Den Einträgen zufolge hat unser Herr Tresselt Aufträge anderer Geschäftsleute, wahrscheinlich Juweliere ausgeführt. Ich zeige euch die Einträge für Herrn Christoph Becker, einen Goldwarengroßhändler aus Dresden, Wilsdrufferstraße 9.

 

 

Als sparsamer und gewissenhafter Geschäftsmann nutzte man jedes Stück freie Seite aus – wie z.B. nach Erlöschen der Geschäftspartnerschaft mit Firma Becker und fertigte auf der übrigen halben Seite Kopien von abgesandten Briefen an. Hier zwei Briefe von 1917, also 9 Jahre später.

 

Versicherungen:

 

Detail:

 

Wie weit die Gewissenhaftigkeit ging, sehen wir auf dieser Seite, die ich euch im Anschluß abgeschrieben habe:

Mutter hat an Wäsche erhalten:

14. Juni – 7 weiße Taschentücher, 1 rotes, 1 grünes Taschentuch, 4 Tricothemden, 1 graue Hose, (irgendwelche) Kragen

Raggs Waschanstalt:

23. August 1920: 3 Stück Bettücher, 2 “ Bettbezüge, 3 “ Kopfkissenbezüge, 1 “ Steppdeckenlaken, 1 Oberhem mit Piqué-Einsatz

zurück erhalten am 3. September 1920, Betrag Mk 10,05

 

 

Hier beginnt das eigentliche Kassenbuch:

Im Januar 1921 wurden Ausgaben verzeichnet, wie z.B. am 1. Januar eine Rückzahlung über Mk 50,- an die uns schon bekannte Tante Toni und eine Ausgabe für Pneumatik an ihren Ehemann Rudolf.

Am 4. wurde ein Brod für 4,70 gekauft.

Am 11. (rot unterstrichen) musste ein neuer Glühstrumpf gekauft werden. Was das ist? Seht hier.

Milch, Bückling, Semmeln, Zucker, Brötchen, Nudeln, Fett, 2 Pfund Marmelade, Butter – er hat wirklich alles aufgeschrieben.

 

Februar 1921

Schaut euch mal die Rechnung am linken Rand an. Kann jemand herausfinden, was dort addiert wurde? Es sind fast die Beträge aus den rechten Spalten, aber eben nur fast.

 

März 1922 – Die Preise fingen im Schlepptau der Reparationszahlung nach den verlorenen Ersten Weltkrieg an zu steigen.

 

Springen wir zum November desselben Jahres, sehen wir, wie die ersten vier Wochen der beginnenden Hyperinflation sprichwörtlich zu Buche schlugen. Innerhalb der letzten 12 Monate war der Wert der Mark auf ein Zehntel gefallen. Eine Mark war somit nur noch 10 Pfennige wert.

 

Der Dezember brachte erneut eine Verdopplung der Einnahmen und die Spalte am linken Rand begann eng zu werden. Am 13. und 18. 12. war ein Brod noch für 252 Mark zu haben.

 

 

Januar 1923 – Brod 266 bis 450 Mark, auch hier ging es an’s Eingemachte. Am 9. amerik. Dollar für 8800 Mark eingetauscht, am 26. zwei Krönungstaler auf dem Postamt für 9000 Mark eingewechselt.

 

 

Februar 1923 – Brod 550, ein Brathering 500, Chocolade 2000 und zwölf Pfannkuchen 1200 Mark

 

Mai 1923 – Brod 690 und 760 Mark

 

 

Im Juni 1923 wurden die Nullen in den Preisen nochmals mehr, Brod 2280 bis 2620 Mark

 

 

Juli 1923 – Brod 3720, 2 Semmeln, 2000 Mark

 

Irgendwann war die Inflation überstanden, es gab neues Geld und das Leben ging weiter. Allerdings pegelten sich die Aufträge auf niedrigerem Niveau ein. 1927 reichte eine Seite schon für zwei Monate.

 

 

Zwischen den Seiten findet sich hier und da so manche Notiz.

Da mein Schreiben vom 26. Juni bis jetzt unbeantwortet blieb, erlaube ich mir Ihnen einliegend 1 Tratto (Abschnitt) über mein Guthaben per Ende Februar 07 nach Abzug von 10 % auf brutto Mk 190,30 netto per 31.7.07 zu geben & bitte mir dieselbe mit Ihrem Receipt versehen baldigst retournieren zu wollen.

Hochachtend gez Steinwehr

Weiter hinten habe ich noch eine Geschäftspartner-Seite mit Eintragungen von 1906 gefunden. Ob eine Spazierstock-Fabrik heute noch florieren würde? Ich wage es zu bezweifeln.

Das neuesten Einträge, die sich seltsamerweise nicht am Ende des Buches befinden, sind vom April 1931. Das hier jedoch als letztes eingetragen wurde, lässt das Löschblatt erahnen.

Weit hinten im Buch weitere Geschäftspartner:

Das Privat-Conto mit Unmengen von Vergleichspreisen. Wer sich dafür interessiert, wird hier fündig. 4. Mai 1921, 1 Brod 50 Pfennige

Weitere Ausgaben – man beachte am 14. Dezember 1916 Außergewöhnliches 1/3 Anteil für 6 Mk. Das dürfte ein Drittel-Los der Weihnachtslotterie gewesen sein. Am 21. und 31. 12. gibt es den Eintrag „Bad 60 Pfg.“. Hier ist Herr Tresselt wohl in eine Badeanstalt gegangen und hat ein Wannenbad genommen.

Zum Schluß dieses Artikels, obwohl das Buch noch viel mehr zu bieten hat, noch ein Beispiel des größten Desasters, daß einem Geschäftsmann widerfahren kann. Ein Fehlbetrag von Mk 25,06 in der Kasse.

 

Streifband


Gestern habe ich euch meinen Brief eines KZ-Häftlings an seine Eltern vorgestellt. Auf dem Briefumschlag befindet sich der Aufdruck: „Nationalsozialistische Zeitungen sind zugelassen, wenn dieselben unter Streifband direkt vom Verlag geschickt werden.“ Und da dachte ich mir, wo sie gerade hier herumflogen: Zeige ich euch doch gleich noch, was ein Streifband ist.

Die beiden hier gezeigten sind zwar nicht aus der Zeit des Nationalsozialismus, sondern viel älter, nämlich aus den Jahren um 1874/75, oben: Württemberg, 1 Kreuzer bzw. unten Bayern, 3 Pfennige.

 

Diese Bänder wurden um Zeitungen gelegt, zusammengeklebt und anschließend wurde die Adresse des Zeitungs-Abonnenten drauf geschrieben. Nun wurde die Zeitung wie ein gewöhnlicher Brief in die Post gegeben und gelangte zum Leser.

Diese beiden Streifbänder wurden nie beschriftet oder gestempelt. Ich habe keinen Schimmer, wozu sie aber offenbar um irgendwelche Zeitungen gestreift waren. Vielleicht hängt das mit dem späteren Ehemann von Tante Toni Tresselt zusammen. Der arbeitete bei der Bahn. Vielleicht wurden die Streifbänder um die Zeitungen ja auch erst dort adressiert und er hat das an ihn oder seine Liebste gehende Exemplar gleich selbst vorbei gebracht.

 

Tagebuch eines Goldschmieds – 1901 bis 1921


Es gab im weiteren Verwandtenkreis einen Goldschmied über den ich euch früher schon und später noch  Berichte geschrieben habe und schreiben werde. Neulich habe ich auf dem Dachboden seines Hauses ein seit knapp 100 Jahren nicht mehr gesichtetes Tagebuch gefunden. Unter einem Tagebuch eines Geschäftsmannes verstand man seinerzeit übrigens nicht die Aufzeichnungen seines bewegten Lebens. Vielmehr war es ein Verzeichnis aller Aufträge, Tag für Tag notiert und nach Erledigung durchgestrichen. Heute funktioniert das mit dem Computer. Wie sah aber so etwas kurz nach der Jahrhundertwende aus? Auf dem Innendeckel seht ihr ein paar Probestempel des Hof-Lieferanten. Er hat sicher auch an den Hof geliefert, dessen Speiseplan ich euch neulich gezeigt habe. Zwischen den Seiten flogen jede Menge Karten, Notizzettel usw. herum. Die werden später veröffentlicht. Nun aber zu den Tagebucheintragungen. Die sehen so aus: Vom 7. Januar 1901 stammt der erste Eintrag – 1 Chemisett(e)knopf für Herrn M. Winkler – netto Mk 3,75 unmittelbar gefolgt von Frau Wagner jun., die am 17. Januar ein Christ. Kinderbesteck (Christlich? Christallen?) und einen Serviettenring für Mk 17 bestellt und bekommen hat. Alles wurde ordentlich abgestrichen. Wie beliebt Chemisettes – also diese kleinen Hemd-Vorderseiten, die man sich vorn ins Jackett stopfte – waren, erkennt man an der Häufigkeit der Einträge. Herr Huber und Herr Winkler haben auch je einen bestellt, beide verziert mit einem Opal. Ein halbes Dutzend Messer und Gabeln kosteten 28 Mark.   Auf der nächsten Seite hat sich Herr Tresselt schon mehr Mühe gegeben. Seht euch mal seine Skizzen oben links an. Frau Richard Wagner hat einen Auftrag über 13 Chemisetteknöpfe erteilt. 585er Silber, mit Opalen besetzt. Rechts neben dem Namen steht oft „Z. Wahl“. Das bedeutet sehr wahrscheinlich, daß diese Stücke zur Auswahl vorgelegt und zur Anprobe mitgenommen wurden. Die roten Zahlen in der linken Spalte kann ich nicht deuten, vermute aber, daß es etwas mit dem verwendeten Metall – Legierung oder Gewicht – zu tun hat. 15/449, 17/36, 12/279 usw. Frl. Hartmann hat mehrere wertvolle Dinge bestellt: ein Etui mit Fischbesteck (40 MK), dasselbe mit 12 Eislöffeln (38,-), 2 Vasen (á Mk 21,-), 1 Weinkanne, 1 Schaale, 1 Flaschenuntersatz.     Ab und zu werden auch wichtige Notizen eingetragen, die man später daran wieder erkennt, daß sie nicht durchgestrichen sind. Herrn Oberamtmann Liebmann, Domaine Czarnowanz bei Oppeln, Oberschlesien. (hier seht ihr wieder ein Beispiel der Buchstabenverdoppelung durch einen Überstrich, denn eigentlich steht da Oberamtman Liebman mit einem Strich über dem n von Man)   Hier habe ich euch noch eine Seite mit einer besonders schönen Skizze rausgesucht:

Und was wurde gezeichnet? Ich versuche es euch zu transkribieren:

Herr Schlehnhardt Dornheim, d. 27. October, Silberne Hochzeit

Uhr gestohlen

Dieb 26-30 Jahre alt, mittelgroß, Schnurrbart, bekleidet mit grünem, abgetragenen Jakett u. desgl. Hose; grün abgetragener Huth, unter dem Jakett eine blaue, quergestreifte Blouse.

Außen, hintere Deckelseite der Uhr die Wappen eingravirt, welches die Rückseite ziemlich ausfüllt, Wert 170 Mk.

Gelegentlich liegt eine Rechnung zwischen den Seiten.

Sie erhalten zur gefl.(issentlichen) Wahl: 5 goldene Halsketten

Adolph Tresselt, Juwelier – Lager von Juwelen, Gold-, Silber- und Alfenide-Waaren.

Alfenide ist laut Wikipedia eine Kupfer-Nickel-Zink-und/oder-Silber-Legierung und dasselbe wie Alpaka, was ich jetzt für ein Huftier gehalten hätte, aber man lernt ja nie aus.

Je weiter nach hinten man im Buch blättert desto enger und sauberer werden die Einträge. Offenbar florierte das Geschäft, wenn man z.B. die Bestellung von Herrn Arthur Fuß aus Berlin C. Seydelstrasse 23 betrachtet:

Gegen Ende, 1918, werden die Eintragungen bunter, der Rotstift wird angesetzt. Und ein Brief lag auch bei. Ein ehemaliger Feldpostbrief, hier geschickt von Paul Bamberg, Uhrmacher, Stadtilm.

Er schreibt:

Stadtilm, d 25. Sepbr 18

Lieber Vetter! Ich kam in Besitz der mir übersandten Reparaturen und hatte mich sehr darüber gefreut, daß selbige baldigst erledigt wurden, da schon kurz nach Empfang die Sachen abgeholt wurden. Gleichzeitig lege dir 3 M bei. Hoffe doch, daß es nicht verloren geht, sonst mache mir sofort Mitteilung. Das silb. Medaillon hatte so einigermaßen schlussfähig gemacht, auch hatte in die Ringe die Buchstaben selbst eingraviert. Habe die ganze Zeit nun länger arbeiten müssen im Geschäft gibt es immer zu tun; der Verkauf war auch sonst ganz gut. Fast jeden Abend wurde es spät. Wenn wieder Reparaturen vorkommen, werde dann an dich schicken.

 Im übrigen sei du, sowie deine Frau herzlichst gegrüßt auch von meiner Frau. Dein Vetter Paul Bamberg.

Im Jahr 1919 gab es eine Änderung im Geschäft. Die Tochter, Toni Tresselt, half im Laden aus und führte Buch. Die Schrift wurde winzig und sehr ordentlich.

Zusätzlich wurden Einzahlungsquittungen eingeklebt. Das waren die Quittungs-Abschnitte, die man bei der Einzahlung von Schecks bekam.

Von Seite 331 bis 333 gibt es im Tagebuch eine Liste gestohlener Schmuckstücke. Wahrscheinlich wurden die Beschreibungen zwischen Juwelieren untereinander ausgetauscht. Somit konnte ein Dieb oder Hehler dingfest gemacht werden, sobald er versuchte, die Beute zu Geld zu machen.

Die letzten Seiten enthalten Adressen. Ob es sich dabei um Kunden oder Händler handelt, können wir nicht mehr herausfinden.

Wir könnten bei Senor Theodor Fliegner, Villa Thereza (Santa Cruz), Estrado Rio grande do Sul Brazil nachfragen.

Oder auch bei Mrs. Auguste Reiner, 200 E, 71. Strasse, Ecke 3rd Avenue, New York City

Ich finde dieses Buch wahnsinnig interessant. Man kann uralte Modeartikel finden, Bestecke und Zierrath, den es heute nicht mehr so oft gibt und man sieht die damaligen Preise.

Hinten im Buch liegt noch ein Jahresabschluß-Kontoauszug der Privatbank zu Gotha, Filiale Arnstadt.

vorn

hinten

inklusive Vordruck

und Zins-Eträgen

Es gibt noch ein zweites Buch dieser Art. Das habe ich mir noch nicht genau angesehen. Es ist etwas größer und umfangreicher als dieses. Mehr dazu gibt es inzwischen hier.

Paketkarte 1895 – von Stockholm nach Arnstadt


Ich habe eine Paketkarte von 1895 zwischen anderem Zeug gefunden. Eine in Zukunft hier häufiger anzutreffende Tante Toni, die mit richtigem Namen Antonie Tresselt hieß, hat den Paketschein aufgehoben. Wahrscheinlich hat ihr jemand sehr nettes ein Paket geschickt. Paket ist aber übertrieben. „1/2 Kilogramm“ können wir unten links lesen. Daneben steht der Preis, den ein Paket damals kostete: 1 Krone, 44 Öre. Die passenden Briefmarken kleben oben.

 

Lustig ist die Anschrift. Froken heißt wohl Fräulein.

Dieser Tante Toni haben übrigens auch diese früher schon einmal vorgestellten Kalender gehört. Dort (vorletztes Bild) kann man in den Post-Tarifen übrigens lesen, daß ein Paket in die umgekehrte Richtung bis zu 3 kg schwer sein durfte und 1,60 Mark gekostet hat.

Tintenfässer


So, ich geb’s auf! Aber immerhin habt ihr den Anfang des heutigen Artikels als Handschrift mit Federhalter und Eisengallustinte hinbekommen. Leider hatte ich nur Laserdrucker-Papier bei der Hand und das ist einfach zu faserig um darauf mit spitzer Feder zu schreiben.

Worum dreht sich der heutige Artikel? Genau, um Tintenfässer. Vor 100 Jahren konnte man es einzeln oder als Teil einer Schreibgarnitur auf jedem Schreibtisch oder Sekretär finden. Ein Schreibset bestand damals aus Tintenfaß, einem Töpfchen für die Federhalter, einem Kästchen mit unterschiedlichen Schreibfedern und einer Streusandbüchse oder einer Löschwiege.

Wer keine Löschwiege zur Hand hatte, konnte auch lose Löschblätter benutzen. Die konnten dann gleich im Buch bleiben und als Lesezeichen dienen um schnell dort weiterschreiben zu können, wo man aufgehört hatte.

Meine drei Tintenfässer stammen aus unterschiedlichsten Gegenden und Zeiten. Das erste ist aus Frankreich der 1870er Jahre und nichts besonderes. Diese Glasfläschchen findet man zu Hunderten auf Trödelmärkten – leider fast immer ohne den dazugehörigen Verschluß. Mein Korken ist durch einen kleinen Kinderkopf verziert und wird dadurch erst wirklich schön. Dieses Tintenfaß ist gleichzeitig das praktischste der drei.

Das rechte ist von heute. Wer wirklich gute Eisengallustinte sucht, muß wissen, wo er welche bekommt. Ich empfehle Manufactum.

Das dritte Tintenfaß stammt aus dem Jahr 1895, wenn man diesem Sammler glauben schenken darf.

The Gardner Inkstand der Firma C. H. Numan Co. stammt aus New York.

Es mag damals nützlich gewesen sein, als viel geschrieben wurde. Schaut man sich aber die Füllhöhe der Tinte an, die vorhanden sein muß, damit die Feder eintaucht, erscheint mir die Konstruktion ein wenig misslungen.

Vor der Erfindung des Kugelschreibers gab es übrigens außer dem Bleistift keine Alternative zum Federhalter. Irgendwann kam der Füllfederhalter, in den man zuerst die Tinte eingesaugt und anschließend wieder herausgeschrieben hat. Die nächste Entwicklungsstufe war der Patronen-Füller, den die meisten von uns noch aus der Schule kennen. Aber bis es soweit war, wurde überall mit Feder und Tinte geschrieben – außer in der Grundschule, wo es für die Kleinen die Schiefertafel mit Griffel und Schwämmchen gab, die Größeren schrieben mit dem Bleistift.

Ein Beispiel für den alltäglichen Gebrauch seht ihr im Kassenbuch meines Ururonkels oben auf dieser Seite. Das stelle ich euch aber später vor.

Ich habe versucht, euch einen Strich mit Eisengallustinte zu zeichnen und dabei zu fotografieren, damit ihr den Nachdunklungsprozess sehen könnt. Zeichnen und fotografieren geht definitiv nicht. Hier das Ergebnis von ca. 30 Sekunden (man sieht aber zumindest die Farbänderung):

Liederbuch für die Vereine der Staatsbahn-Civil-Supernumerare, 1893


Ich versuche mir ja sonst stets Überschriften für meine Artikel zu finden, die ein bißchen lustig sind. Heute, glaube ich, kann ich mir das sparen.

Der Titel des Liederbuches, das ich euch vorstellen möchte, ist in meinen Augen pure Komik.

Dürfen aus diesem Buch nur Staatsbahn-Mitarbeiter singen? Und da aber auch nicht alle? Nur die Numerare? Doch halt, nicht jeder Numerar. Jeder, der nicht mindestens Supernumerar ist, kuckt schön in sein eigenes Liederbuch. Und von all den Supernumeraren hier im Festsaal, gehen diejenigen bitte in die stille Ecke, die nicht Civil-Supernumerare sind.

Ja, damals wurde noch sortiert!

Daß am Ende jedoch nicht nur ein einsam singender Solist übrig war, kann man an der folgenden Seite sehen. Alle Sängerfreunde oder -brüder haben sich verewigt.

Die Lieder dürften den Studenten unter den Staatsbahn-CIvil-Supernumeraren noch bekannt gewesen sein. Viele aus dem früher schon vorgestellten Kommersbuch sind auch hier enthalten.

Zwei wunderschöne Beispiele habe ich euch rausgesucht. Auf Seite 48 „Der Bierlala“ – ein Lied, das nach einigen Krügen Bier und möglichst laut gegrölt sicher erst so richtig sein volles Potential der Gruppenerheiterung entwickelt. Der zweite Vers „Von all‘ seines Vaters sein Gut.“ könnte bei Freunden der deutschen Sprache Augenschmerzen hervorrufen. Im Kommersbuch lautet diese Zeile übrigens „Von all seines Vaters sein’m Gut.“ Das sieht richtiger aus, singt sich dafür aber noch mieser.

Da loben wir uns Lied N° 47 – „Der Gott, der Eisen wachsen ließ“. Hier stimmen Versmaß und Patriotismusanteil.

Für alle, die neugierig geworden sind, wie das Lied wohl weitergehen mag:

Und als Bonus für die standhaften Trinker unter euch noch das Lied vom Kater. (Mit der Melodie von „1. Der Papst lebt herrlich in der Welt, es fehlt ihm nie an Ablaßgeld. Er trinkt vom allerbesten Wein,; drum möcht ich auch der Papst wohl sein. 2. Doch nein, er ist ein armer Wicht, ein holdes  Mädchen küsst ihn nicht. Er schläft in seinem Bett allein; ich möchte doch der Papst nicht sein.  3. Der Sultan lebt in Saus und Braus, er wohnt in einem großen Haus voll wunderschöner Mägdelein; drum möcht ich wohl der Sultan sein. 4. Doch nein, er ist ein armer Mann, denn folgt er seinem Alkoran, so trinkt er keinen Tropfen Wein; ich möchte doch nicht Sultan sein. 5.  Geteilt verachte ich beider Glück und kehr in meinen Stand zurück, doch das geh ich mit Freuden ein: bald Papst, bald Sultan möcht ich sein. 6.  Drum, Mädchen, gieb mir einen Kuß, denn jetzt bin ich der Sultanus. Ihr trauten Brüder, schenket ein, damit ich auch der Papst kann sein.“)

Irgendetwas habe ich noch vergessen. Ach ja: Wer waren denn nun die Staatsbahn-Civil-Supernumerare?

Der Duden verrät uns: Supernumerar Worttrennung:  Su|per|nu|me|rar Verwandte Form: Supernumerarius; Beamtenanwärter; über die gewöhnliche [Beamten]zahl Angestellter lateinisch; »Überzähliger«

Aha.

Zwei alte Wörterbücher können schließlich Licht ins Dunkel bringen:

Laut des Grimm’schen Wörterbuches ist ein Supernumerar:

In der öffentlichen Verwaltung Bezeichnung für einen Beamtenanwärter, der gegenüber den etatsmäszigen Planstellen überzählig ist; ‚ein solcher Soldat, ein solcher Angestellter, der über die gewöhnliche Zahl der Beamten bei einer Stelle angesetzt ist

Und aus dem Krünitz:

Supernumerarius, bei einem Kollegium, ein Ueberzähliger, welcher gleichsam als Hülfsarbeiter beschäftiget ist oder fungirt, und erst irgendwo einrangirt werden soll. Er genießt Diäten, so lange er als Hülfsarbeiter beschäftiget ist. Man findet dergleichen Arbeiter hauptsächlich in den Kanzleyen, Registraturen, Kalkulaturen und bei den Kassen. Es sind Individuen, die eine Anwartschaft auf einen Staatsposten haben, denen aber eine wirkliche Anstellung wegen der Vollzahl der etatsmäßigen Staatsdiener noch nicht werden konnte, um sie jedoch zu beschäftigen, werden sie in den genannten Fächern vorläufig mit Diäten angestellt, jedoch auf unbestimmte Zeit, und nach Maaßgabe der Geschäfte, da Viele von ihnen Wartegeld genießen, also einigermaßen wegen ihres Unterhalts gesichert sind.

Und wenn man das so liest, dann ist einem doch gut singen, oder?

Der Herr, zu dem dieses Buch einst gehörte, hat noch mehr hinterlassen. Ich verrate es euch hier, um euch etwas neugierig zu machen. Auf dem Dachboden meiner Tante habe ich vor Jahren eine kleine, alte Holzkiste gefunden. (so fangen spannende Geschichten an!) Als ich den Deckel aufschob, sah es ungefähr so aus. (denkt euch meine zwei Zettel weg und dafür das Liederbuch obenauf)

Rudel Schulz Kiste

Rudolf „Rudel“ Schultz war sein Name, er war Bahnbeamter (vorher Staatsbahn-Civil-Supernumerar!) und die Briefe, die hier wohlsortiert ruhen, sind von seiner Geliebten. Der erste stammt aus der Woche nach ihrem ersten Zusammentreffen, der letzte enthält die Erinnerung, sie doch am kommenden Sonntag nicht bei der Hochzeit allein sitzen zu lassen und um ganz sicher zu gehen, hat sie ihm die Einladungskarte beigelegt, die an alle Gäste geschickt wurde. Und dazwischen kommen so um die 100 Briefe, teils verliebt, teils praktisch und immer hochinteressant und aufschlußreich über das Leben zwischen 1892 und 1895.

Meine beiden Zettel zeigen euch, bis zu welchem Brief ich mit der Transkription (Abschrift) gekommen bin, der Zettel recht daneben zeigt, wie weit ich die Briefe gescannt habe. Schlechte Nachricht: ich habe von links begonnen. Gute Nachricht: mein neuer Laptop hat eine grandiose Sprach-Erkennung, der Winter steht vor der Tür und ich bin wieder Single. (naja, letzteres ist eine mäßig gute, aber dieser Aufgabe zuträgliche Nachricht)

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