Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?


Heute gibt es für alle, die des Winters schon überdrüssig sind, einen kleinen Lichtblick für den bevorstehenden Frühling. Wenn die ersten Sonnenstrahlen durch die Wolken blitzen, heißt es „Augen schützen“. In der DDR gab es für ein paar Pfennige das heute vorgestellte Exponat. Jedes Ostkind wird sich erinnern: unangenehm zu tragen, wenig Schutz vor der Sonne, vor UV-Strahlen sowieso nicht, aber davon gab es in der DDR ja eh keine und der schönste Effekt war, wenn das Plasteding nach oben geklappt oder der Gummi über den Kopf nach vorn geploppt ist.

 

Ich hatte seinerzeit versucht, das ganze Gebilde durch wegschnipsen zum fliegen zu bekommen – hat aber auch nicht funktioniert.

Im Westen gab es sowas schönes nicht. Die Kinder dort mussten mit Basecaps oder Sonnenschutz mit Stirnband Vorlieb nehmen.

Ein schönes Relikt aus meiner Kindheit.

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The Day after – Der erste Tag nach dem Zweiten Weltkrieg


Am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg für Deutschland und Europa. Die Nachkriegszeit war für alle schwer. Zerstörte Städte mussten auf-, Industriebetriebe als Reparation abgebaut werden. Viele Männer kamen aus dem Krieg nicht, verkrüppelt oder erst sehr spät zurück. Und nicht zuletzt musste der Staat wieder zum Laufen gebracht werden.

Meine Heimat, Thüringen, gehörte von April bis Juli 1945 zur amerikanischen Besatzungszone. Das wissen nicht viele, so war es aber. Wer sich für mehr Hintergrundinformationen interessiert, der kann bei der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen hier nachlesen. (die hatten bei mir schon mal angefragt, ob sie Dokumente aus meinem Museum in einer Veröffentlichung abbilden dürfen)

Unser heutiges Museumsexponat stammt vom 9. Mai 1945, also vom ersten Tag, an dem in Europa wieder Frieden herrschte. Die amerikanische Militärregierung in Deutschland (Military Government of Germany) begann mit der Registrierung aller Einwohner, notierte Adresse und Beruf und rundete alles mit einem Fingerabdruck des rechten Zeigefingers ab.

 

 

Ein interessantes Detail: Da diese Registrierungskarten häufigen Gebrauch möglichst unbeschadet überdauern sollten, gewebehaltiges Dokumentenpapier aber rar war, kam man auf die Idee, die Rückseite der Landkarten der US-Army zu bedrucken. Man war durch Frankreich und Süddeutschland einmarschiert. Die Rückreise würde geordneter verlaufen. Also brauchte man diese Militärkarten nicht mehr.

Blättert man die Registrierungskarte um, sieht man nicht nur die angeheftete zweite Seite mit Informationen zur Wehrmachtszugehörigkeit, Mitgliedschaft in NSDAP oder anderen nationalsozialistischen Organisationen (Tante Elli war 1939 in der DAF, der Deutschen Arbeits-Front), sondern kann links die Rückseite der besagten Landkarte sehen.

 

Das habe ich euch nochmal hier fotografiert.

Wer das Stück Frankreich nachschlagen möchte, schaut hier.

 

Historisch betrachtet endete der Zweite Weltkrieg übrigens nicht am 8. Mai, sondern am 2. September 1945 mit der Kapitulation Japans. Details hatte ich euch hier schon einmal geschildert.

Scheidemünzen 1848, 1858


Nach langer Pause gibt es heute mal wieder Geld.

Ich habe ein paar winzig kleine Münzen gefunden, die es mir wert sind, sie euch vorzustellen.

Scheidemünzen – was ist das eigentlich? Mit dem Begriff hat sich wahrscheinlich kaum einer meiner Besucher jemals befasst, vielleicht hat mancher das Wort schon einmal gehört, aber mehr auch nicht.

Eine Scheidemünze ist, kurz zusammengefasst, eine Münze, deren Metallwert geringer ist, als ihr geprägter Wert. Bestand früher beispielsweise eine Münze aus soviel Gold, wie man für einen Thaler kaufen konnte, und war ihr geprägter Wert 1 Thaler, dann war alles in Ordnung. Man hatte den exakten Gegenwert in der Hand und eine Ware, die dieser Menge Goldes entsprach, war durch die Münze adäquat bezahlt.

Und dann fing der Schummel an. Münzen wurden leichter, der geprägte Wert blieb gleich und man bekam für seine Ware weniger Wert in Gold, Silber oder anderen Metallen. Das System fußte auf Vertrauen. Das ganze ging irgendwann so weit, daß überhaupt kein Geld mehr benutzt wurde. Stattdessen gab es Papiernotizen auf denen geschrieben oder aufgedruckt stand „Dem Überbringer dieser Note wird von der Bank der Wert von 100 Goldmark in Gold ausgezahlt.“ Das war praktisch, weil Papier leichter war als Gold und man nicht so leicht Opfer von Räubern werden konnte. Irgendwann verschwand der aufgedruckte Spruch von den Banknoten und heute glauben noch immer viele, sie hielten Geld in der Hand, wenn Sie einen 100-Euro-Schein besitzen. In Wirklichkeit gibt es seit langer Zeit schon keine ausreichende Deckung für all die Geldscheine und gelegentlich fällt so ein System in sich zusammen und reißt den kleinen Mann mit sich. Das nennt sich dann Inflation.

Diese Münzen sind im Original winzig. Man kann den 1/2 Silber-Groschen links mit seinen 7 oder 8 Millimetern Durchmesser schon recht gut verlieren.

Für einen Wertvergleich ist eingeprägt „60 EINEN THALER“. 30 Groschen waren also ein Thaler. Was das genau für den Händler und den Kunden bedeutet, lest ihr hier. Dort wird auch die noch heute festgesetzte Begrenzung erklärt, mit wievielen Münzen euch ein Händler bezahlen darf bzw. wieviele er annehmen muß. Es sind in der Euro-Zone 50 Stück, egal ob Euro oder Cent. Ab der 51. Münze wäre euer Nachteil an Metallwert, verglichen mit dem geprägten Wert so hoch, daß die Annahme unredlich wäre.

 

 

 

 

Auf der Rückseite ist das Wappen und das Land eingeprägt: Fürstenth(um) Schwarzb(urg)-Sond(ershausen). Die Münzen wurden unter Graf Günther Friedrich Carl II. (1835-1880) geprägt. Den kennen wir schon aus diesem Artikel.

Die damalige Währung Thaler, Groschen, Pfennig wurde übrigens ab dem 1. Januar 1876 von Mark und Pfennig abgelöst. Näheres dazu kennt ihr bereits aus diesem Artikel.

Armutszeugnis


Kennt ihr den Spruch: „Da stellt er sich aber selbst ein Armutszeugnis aus!“? Was ist ein Armutszeugnis? Ich will es euch erklären.

Wer früher kein Geld hatte, um die Kosten eines Gerichtsprozesses zu bezahlen, der konnte sich vom Amt einen entsprechenden Nachweis ausstellen lassen.

Da der uns schon aus anderen Artikeln bekannte Herr Tresselt ein recht wohlhabender Bürger von Arnstadt war, vermute ich, daß er durch die Erlangung dieses Zeugnisses den Kosten einer Klage aus dem Weg gehen wollte.

Wie sah nun ein Armutszeugnis aus?

 

Antrag auf Ausstellung eines Zeugnisses zur Erlangung des Armenrechts

Arnstadt, den 8. Nov. 1927

Der Goldschmied Arthur Tresselt, hier Schloßplatz 1 beantragt ein Armutszeugnis zur Erlangung des Armenrechts und erklärt:

Ich bin mit der Offenlegung meiner Vermögens-, Einkommens- und Steuerverhältnisse durch die Steuerbehörde gegenüber dem Gericht und der Verwaltungsbehörde einverstanden.

 Ich bin ausdrücklich darauf hingewiesen worden, daß ich gerichtliche Bestrafung wegen Betrug zu gewärtigen habe, falls ich zu den nachstehend aufgeführten Fragen Angaben mache, die der Wahrheit nicht entsprechen.

 

Familienverhältnisse: verheiratet

Kinder: 1. Charlotte, 7 Jahre alt

unvermögend

Bareinkommen monatlich 10,- RM aus Goldwarenreparaturen, Tabakverkauf, Museumsführung

IV. Bareinkommen des Ehegatten: wöchentlich 25,- RM als Buchhalterin in Handschuhfabrik Rottstädt und Hopf, hier

V. Steuerverhältnisse des Antragstellers: Finanzamt Arnstadt, den 8. Jan 1927

Einkommensteuer / Vermögensteuer: 1926 frei veranlagt im Auftrage: gez. Kutzke

 VII. Kurze Bezeichnung des Rechtsstreites: Beleidigungsklage des Antragstellers gegen den Prokuristen Hoffmann, hier, Baumannstraße

Wer alles im Detail lesen möchte, klickt auf die Bilder zum vergrößern.

 

 

und schließlich

 

Antragsteller ist unseres Erachtens nicht in der Lage, die Kosten des Rechtsstreites zu tragen oder einen Beitrag dazu zu leisten.

Arnstadt, den 8. Nov. 1927

Heute gibt es diese Handhabung immer noch, allerdings hat sich der Name geändert. Heute beantragt man kein Armutszeugnis mehr, sondern die Prozesskostenhilfe.

Gruß aus Waldsee


Heute muss ich meinen Grundsätzen ein kleines bisschen untreu werden, da ich den Artikel, um den es heute geht leider nicht selbst besitze. Es besteht auch kaum eine Chance in den Besitz einer dieser Postkarten zu gelangen. Daher greife ich auf Sekundärliteratur zurück und erzähle euch die Geschichte zu diesem Artikel unter Zuhilfenahme eines Spiegel-Magazins vom 29. April 1964 in dem ich kürzlich ein wenig herum gelesen habe. (DER SPIEGEL war damals noch für 1 DM zu haben)

 

 

Die Grundsätze der Spiegel-Reporter -Redakteure kann in der Hausmitteilung nachlesen, wer mag:

 

Aber der eigentliche Artikel, um den es mir geht, beginnt erst auf Seite 38 dieser mit Werbung – allen voran Zigarettenmarken ohne Ende – überladenen Zeitschrift.

Im Sommer 1944 schickten 30.000 Ungarn jüdischer Abstammung Postkarten an ihre Verwandten und Bekannten. Darauf wurden Herzliche Grüße aus dem kleinen Ort Waldsee in Thüringen übermittelt. Zusätzlich wurden Neuigkeiten mitgeteilt wie „Bin wohlbehalten angekommen, arbeite im Fach.“, „Mir geht es gut. Ich arbeite.“ oder „Uns geht es gut. Kommt nach!“

Alle Karten hatten eine Gemeinsamkeit: Nie umfassten die Grüße mehr als 30 Worte.

Und alle Karten hatten noch etwas gemeinsam: Es gibt keinen Ort namens Waldsee in Thüringen. Denn alle Karten kamen aus dem Konzentrationslager Auschwitz.

Die besonders perfide Idee des SS-Führers Hermann Alois Krumey: Die Ungarn mussten unmittelbar vor ihrer Vergasung Karten schreiben, die den noch in Ungarn verbliebenen Juden Mut machen sollte, sich ebenfalls auf die Reise ins ferne Thüringen zu begeben um dort ein neues Leben zu beginnen. Auch sollte etwaigen Gerüchten über eine Ermordung von Juden entgegengetreten werden.

Trotz aller Bemühungen gelang es einigen Deportierten die Sache auffliegen zu lassen. Sie hatten hebräische Schriftzeichen auf die Karten gezeichnet, die für die SS-Bewacher aussahen wie Schnörkel.

Der Artikel ist hier nachzulesen. Ich hoffe nach knapp 51 Jahren ist das Copyright ausgelaufen und ich habe hier mit dem Verweis auf „DER SPIEGEL“ 18/1964 vom 29. April 1964 der Quellenangabe genüge getan.

 

Ja, so war das im Sommer 1944.

Geldbrief von 1886


Ein kleiner Zweitartikel für heute.

Das ist ein Geldbrief aus dem Jahre 1886. Er wurde wahrscheinlich von einem Kunden an einen Goldschmied (Ur-Großonkel) geschickt und enthielt 50 Reichsmark.

Der Brief ging von Langewiesen nach Arnstadt – beides in Thüringen und ca. 25 km von einander entfernt.

Interessant ist, daß der Brief lt. Poststempel (auf den Briefmarken) gegen 7 Uhr morgens abgeschickt wurde und gegen Mittag (Stempel auf der Rückseite) In Arnstadt angekommen war. Keine störenden Postzentren, die den Versand verzögern.

Geldbrief 1886

Und verschlossen war der Brief noch mit zwei schönen Siegeln:

Geldbrief 1886

Ach ja, die Kosten für den Geldbrief betrugen offenbar 23 Groschen, wenn ich die Aufschrift auf der Vorderseite (rechts neben der blauen Briefmarke) richtig deute. Es könnte auch Gramm heißen, aber ich glaube, so genau hat man damals bei der Post noch nicht gewogen.

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