Leistungsschau 1954 und eine interessante Abstimmung


Ein Begleitheft zur Leistungsschau 1954 im Landkreis Arnstadt soll unser heutiger Artikel des Tages sein.

Vom 12. bis 20. Juni 1954 war es so weit.  Drei Leistungsschauen wurden abgehalten um die Errungenschaften der volkseigenen DDR-Industrie und des Handels vorzustellen.

 

 

Ich stelle euch heute das Begleitheft zu den Veranstaltungen vor. Es gibt jede Menge interessante Dinge darin zu finden. Seht selbst:

 

Die erwähnte „Verwirklichung der Aufgabenteilung des neuen Kurses und der Verordnung unserer Regierung vom 17.12.1953“ beinhaltet nach meiner Erinnerung die Aufgabe, in allen Betrieben nicht nur die Kernprodukte herzustellen, sondern zusätzlich Dinge für den Bedarf des Volkes, sogenannte Massenbedarfsgüter.

Nehmen wir zur Erklärung den ersten ausstellenden Betrieb: Der VEB (Volkseigener Betrieb) Chem.(ische) Maschinenwerke, Rudisleben über Arnstadt ist ein ehemaliger SAG-Betrieb (SAG steht für Sowjetische Aktiengesellschaft, nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden in Ost-Deutschland gelegene Firmen zu Reparationszahlungen demontiert oder ab 1946 in SAGs umgewandelt. Damit floß der Gewinn dieser Betriebe direkt in die UdSSR. Die Firmen hatten die Möglichkeit, durch Anteilskauf die Firma wieder in Volkseigentum zu überführen. Die daraus resultierenden Unruhen in Zusammenhang mit der stetig erhöhten Produktionsziele sind bekannt. Nach dem Volksaufstand vom 17. Juni 1953 erließ die SMAD – die Sowjetische MilitärAdministration in Deutschland den Befehl, alle verbliebenen Betriebe ab dem 1. Januar 1954 in Volkseigentum zu überführen.)

Neben den eigentlichen Produkten wurden als Massenbedarfsgüter ein neu entwickelter Kühlschrank, ein Einweckapparat und ein Wäschetrockner in die Produktion aufgenommen.

Der zweite VEB auf dieser Seite, das Fernmeldewerk, hat in seine „beachtliche Konsumtionsgüterproduktion“ ebenfalls einen neu entwickelten Kühlschrank, einen Zigarrenabschneider und „X-Haken, nach denen bekanntlich eine sehr starke Nachfrage besteht“ aufgenommen.

 

Die volkseigene örtlichen Industriebetriebe hatten ähnlich lustige Massenbedarfsgüter in ihrem Angebot. Seht selbst:

 

 

VEB (K) Kühlanlagen Arnstadt wirbt mit dem Satz: „Den Kauflustigen werden die Lebensmittel in einer einwandfrei gekühlten Weise dargeboten.“

 

„Wer die Leistungsschau unserer volkseigenen örtlichen Industrie verlässt, hat den Eindruck gewonnen von der großen Kraft unserer Werktätigen, von ihrem unbändigen Willen, sich ein neues besseres Leben zu schaffen. In enger Zusammenarbeit mit der ganzen friedliebenden Menschheit, ständig lernend von den Erfahrungen der Werktätigen der Sowjetunion und der Volksdemokratien, werden Sie auch in Zukunft ihr Bestes tun, bis das große Ziel unseres ganzen Volkes im Osten und Westen – das geeinte, friedliebende und demokratische Vaterland – erreicht ist.“

Noch mehr schöne Reden gibt es auf der rechten Seite.

Weiter mit örtlichen Handelsbetrieben:

Hier gibt es ein schönes Beispiel, wie aus Produktionsresten Güter für den Massenbedarf hergestellt wurden.

Das Eisenwerk Arnstadt, sonst für die Produktion von  Bremsklötzen usw. zuständig, stellte aus Resten Ruhebänke her.

Den Vogel schießt allerdings der VEB Thüringer Bekleidungswerke, Werk IV Arnstadt ab. Er ist mit Kinderkleidern, Backfischkleidern und Damenmänteln auf der Schau vertreten. 

 

 

Zusammenfassend noch dies:

 

Wie wir heute arbeiten, werden wir morgen leben! (Frida Hockauf)

 

Die Krönung dieses Heftchens ist allerdings der Beschluß auf den letzten Seiten. Der DDR und ihrem großen Bruder stand der EVG-Vertrag der westlichen Staaten im Weg, das Ziel der deutschen Wiedervereinigung durchzusetzen. Mehr zum EVG-Vertrag lest ihr am besten hier. Der Beschluß selbst ist auch lesenswert.

Man beachte die rechte Seite: „Die 1250-Jahr-Feier Arnstadts ist ein Bekenntnis für den Appell der Volkskammer der DDR – Für die Volksbefragung – für den Friedensvertrag und den Abzug der Besatzungstruppen, gegen den EVG-Vertrag, Generalvertrag und Belassung der Besatzungstruppen auf 50 Jahre.

Darunter der Aufruf zur Abstimmung.

Und hier ist der Abstimmungszettel zur Volksbefragung:

Falls mir jemand verraten kann, welcher Kreis für welche Stimme gedacht war, bin ich ihm dankbar.

Dafür, dagegen, ja, nein, vielleicht, rot, gelb, grün?

 

 

Das Ergebnis dürfte bekannt sein. Der Westen hat sich wiederbewaffnet, der Osten hat nachgezogen. Die Wiedervereinigung ist etwas in den Hintergrund gerückt und mit ca. 40 Jahren Verspätung eingetroffen, dann allerdings nicht zu den erhofften Konditionen der Ost-Mächte.

 

 

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Besuchen Sie die Sowjetunion, bevor die Sowjetunion Sie besucht – Intourist-Prospekte


Update: Da mir einige Fotos abhanden gekommen sind, erscheint dieser Artikel vom 17. September 2014 nun nochmal in der Komplettversion.

Es gibt wieder Prospekte.

Diesmal vom Internationalen Reisebüro der Sowjetunion – Intourist. Sie stammen von meiner Tante, die meines Wissens nie in die Sowjetunion gereist ist.


Zum 40. Geburtstag von intourist, 1969, wurde diese Broschüre herausgegeben.

 

 

 

Im zweiten Prospekt, erschienen 1967, gibt es mehr Details zu einer Reise in die Sowjetunion.

Auf der Vorderseite ist ein Stadtplan von Moskau, aber die wirklich spannenden Infos findet man es auf der Rückseite.

Eine kurze Begrüßung:

 

 

Tipps für Reisen mit dem Mietwagen. Ich habe keine Ahnung, wie der Wechselkurs Rubel – DDR-Mark 1969 war, aber einen PKW Wolga mit Fahrer und inklusive Kraftstoff für eine Strecke von bis zu 240km für 27 Rubel, das klingt preisgünstig! Ohne Fahrer kostet ein Auto 3,60 bis 5,40 Rubel pro Tag. Benzin extra. Besonders beeindruckt hat mich der Satz: 10 Liter Benzin kosten in der UdSSR 54 bis 64 Kopeken. 10 Liter !!!

 

 

Für die Shopping Bugs unter euch die dritte Seite. Eine kleine Auswahl von Geschenkeläden. Hier wurde mit Valuta bezahlt – also harte Währung: Dollar, D-Mark, keine DDR-Mark oder Rubel.

 

Restaurants:

 

Museen:

 

Und zum Schluß noch etwas Kultur für das Jahr 1966.

Und was die Hauptstadt der Sowjetunion nicht alles zu bieten hatte:

 

Und ein Metro-Plan, der hoffentlich in den vergangenen 50 Jahren noch etwas Umfang dazugewonnen hat.

 

Also dann, Koffer gepackt und ab nach Leningrad, Moskau, Sotschi oder Ordshonikidse (siehe Souvenirladen-Seite).

Reisen aus der DDR – Reiseschecks


Entgegen weit verbreitetem Irrglauben, konnten DDR-Bürger durchaus verreisen – nur halt nicht überall hin. Nimmt man allerdings die Gesamtfläche der bereisbaren Länder des Ostblocks, konnte der DDR-Bürger locker mit seinen Verwandten in der „BRD“ mithalten. Man wollte halt nur lieber das haben, was man nicht bekommen konnte.

Ich hatte als Kind die Freude, nach Polen, Rumänien, Ungarn, Bulgarien, in die Tschechoslowakei und die Sowjetunion verreisen zu dürfen. Und das war gar nicht mal so schlecht.

Umgekehrt kamen auch viele Besucher in die DDR und tauschten ihre jeweilige Landeswährung gegen DDR-Mark. Weil es aber in jedem Land der Welt Schurken und Schlitzohren gibt, kam man auch in der DDR auf die Idee, nicht sein gesamtes Bargeld mit sich herum zu tragen. Geldautomaten gab es seinerzeit nur sehr wenige und auch nur für einheimische Benutzung. Kreditkarten waren im Osten unbekannt. Also blieb nur der Travellers Cheque oder wie man ihn auf deutsch nennt: Reisescheck. Für die sowjetischen Brüder stand oben links sogar Доржный Чек, was (wer hätte das gedacht) dasselbe bedeutet.

Hier habe ich drei in der DDR von der Staatsbank des gleichnamigen, nicht mehr vorhandenen Landes, herausgegebene Exemplare für euch. Der Text ist in russisch, deutsch und englisch abgefasst. Die Besucher konnten diese Reiseschecks in der Heimat erwerben und in ihrer eigenen Währung oder in DDR-Mark bezahlen. Meines Wissens gab es keinerlei Kursschwankungen.

DDR Reise-Schecks

 

Während die beiden oberen Schecks von der Staatsbank der Tschechoslowakei verkauft wurden (erkennbar auf Stempelaufdruck rechts oben) kommt der 500-Mark-Scheck aus der UdSSR (Aufdruck: Gosbank SSSR – Ausgabe-Punkt auf dem Bahnhof ?irgendwo?).

Die Rückseite ist bis auf das bunte Muster unbedruckt. Alle drei stammen aus dem Jahr 1981.

 

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