Ein Lautenschläger-Katalog von 1913


Die Firma F. & M. Lautenschläger gibt es noch heute. Sie ist zwar kein Königlicher Hoflieferant mehr und sitzt weder in Berlin N 39, noch in Frankfurt/M oder Muenchen, sondern in Köln, aber noch heute ist sie, wie eh und je, ein Produzent für Produkte, die in der Medizin und anderen Orten mit hohen Saubereitsanforderungen, ihren Einsatz finden.

Herr Mathias Lautenschläger erfand im Jahr 1887 den weltweit ersten Dampfsterilisator für Verbandstoffe, hatte damit großen Erfolg und gründete 1888 seine Firma. Wer mehr über die Firmengeschichte lesen möchte, schaut hier.

Für alle anderen habe ich heute den großen Gesamtkatalog herausgesucht. Wann genau er erschien, kann ich nicht genau sagen, da auf dem Titelblatt handschriftlich 1907 steht. Er trägt die Nummer 100 und im Vorwort werden 25 Jahre Firmengeschichte erwähnt. Das würde 1913 bedeuten. Katalog Medizin

Katalog Medizin

Katalog Medizin

Die angebotenen Geräte sehen aus heutiger Sicht unheimlich klobig und altmodisch aus, waren damals aber auf der Höhe der Zeit.

Mikroskopierlampen

Katalog Medizin

Hundekäfig, Kaninchenkäfig, Staubinhalationskäfig für Kaninchen.Katalog Medizin

Tier-WaagenKatalog Medizin Waage

Apparate und ihre EinzelteileBuch Medizin

Alle möglichen -meter. Aräo-, Viskosi-, Koagulo-, Blutvolumini-, Stalagmo– und cBuch Medizin

Toll, ich habe sogar etwas aus dem Katalog zu hause und in regelmäßiger Benutzung. Eine Katalognummer 4511b, Durchmesser 80mm, zum Preis von -,20M. Ich habe seinerzeit 2 Euro auf dem Trödelmarkt bezahlt. Skandal!Katalog Medizin Glastrichter

Und während ich den Artikel schreibe, fällt mir ein, daß ich ja noch einen der oben erwähnten Artikel besitze. Dazu morgen mehr.

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Veronika, der Wenz ist da


Mit diesem Spruch warb bis vor einigen Jahren das Versandhaus Wenz aus Pforzheim. 1926 gegründet, ist es neben Bader und Klingel eines der drei ansässigen Versandhändler.

In meiner Jugend – also vor dem Internet-Zeitalter – lagerten in jedem (west-)deutschen Haushalt kubikmeterweise Versandhauskataloge. Quelle, Neckermann und Otto waren die dicksten unter ihnen mit tausenden Seiten und einem Gewicht von stets mehr als einem Kilogramm. Wenz kam etwas dünner daher, war aber auch auf textile Waren spezialisiert.

Im Jahr 1940 hatte der Wenz-Katalog nur (oder schon) 128 Seiten. Woher ich das weiß? Von dieser Bestellkarte.

Zehntausende Beamte nützen die Einkaufsvorteile schon seit vielen Jahren. Schon damals gab es portofreie Lieferung, Teilzahlung, Rückgaberecht und die Möglichkeit, die Sachen zu hause in Ruhe anzuprobieren und zurückzusenden, was nicht gefiel.

Die Bestellkarte stammt aus diesem Beamten=Kalender von 1940.

Und wo ich mir das Foto genau ansehe, glaube ich, das Programm der NSDAP auf der linken Seite ist durchaus zu Bildungszwecken mal lesbar um zu wissen, was die schlammfarbenen Kameraden (Schlammeraden?) auf ihr voranflatterndes Fähnlein geschrieben hatten. Aber bitte nicht nachmachen und „es war nicht alles schlecht!“ brüllen, sonst gibt’s was auf die nicht vorhandenen Haare!

Ich werde den Kalender inklusive der darin abgedruckten Programme demnächst mal ausführlicher behandeln. Da bekommen dann aber alle, deren Hirn noch in den Grenzen von 1937 dahindümpelt Blogverbot.

(bei der Gelegenheit: Wikipedia hat mich aufgeklärt „Aufgrund der völkerrechtlichen Kontinuität des Deutschen Reiches in Form der Bundesrepublik Deutschland erhob diese bis zum Warschauer Vertrag (1970) Ansprüche auf die Ostgebiete des Deutschen Reiches, die seit der Aufteilung des Reiches formal lediglich unter polnischer und sowjetischer Verwaltungshoheit standen. Mit der deutschen Wiedervereinigung 1990 und dem Inkrafttreten völkerrechtlicher Verträge wurde die Frage der Grenzen Deutschlands abschließend geklärt.“ Bis 1970 war also das geflügelte Wort „Noch ist Polen nicht verloren!“ nicht nur salonfähig, sondern sogar politisch auf der Linie. Ich bin erstaunt!)

Wer mag, kann sich hier über weitere Kataloge aus dieser Zeit informieren, die ich früher schon vorgestellt hatte.

Versandhäuser


Zwei interessante, alte Versandhauskataloge habe ich.

Neckermann und Quelle – beide bis vor einigen Jahren große Namen im Versandhandel. Und beide von heute auf morgen verschwunden.

Aber wer kennt schon die Geschichte dieser Häuser?

Mein Quelle-Katalog von ca. 1937 gibt ein deutliches Bild zur Einstellung der Firma ab. Es bleibt die Frage zu stellen, ob man ohne den dezenten Hinweis (siehe Detail-Bild) tatsächlich weniger Erfolg und Umsatz gehabt hätte.

Quelle Katalog 1937 arisch

und hier der vergrößerte Ausschnitt:Quelle Katalog 1937 arisch

Es ist zwar keine Jahreszahl auf dem Katalog zu finden, allerdings sind innen Leserbriefe von 1936 abgedruckt und lt. Wikipedia hatte Quelle 1938 bereits 2 Millionen Stammkunden. Also liegt das Jahr 1937 nahe.

Mehr Infos zu Quelle im Dritten Reich gibt es hier.

Neckermann hat lange Zeit damit geworben, in den 1950er Jahren entstanden und zum großen Versandhaus gewachsen zu sein. Dabei haben sie offenbar ihre eigenen Kataloge nicht aufmerksam genug gelesen. Ich habe da einen aus dem Jahr 1938 anzubieten:

Neckermann Katalog 1939 arisch

Wer die Details nicht so gut erkennen kann, möge sein Augenmerk auf die Ecke oben links richten:Neckermann Katalog 1939 arisch

Die Geschichte dazu ist übrigens sehr interessant. Falls jemand noch den Sänger Billy Joel kennt (Uptown Girl) – das ist einer der Erben.

Ein paar wirklich spannende Links gibt es hier und hier und hier.

Wer sich für mehr Details interessiert, dem sei die (von Neckermann nicht autorisierte) Familiengeschichte empfohlen.Neckermann Buch

Diese Buchreihe umfaßt weiterhin u.a. die Familien Oetker oder die Quandts (BMW).

Ein weiterer Artikel zu „arisierten“ Firmen findet ihr beim Flunder-Spiel.

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